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Zukunft-Banking Dezember 2019

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12 DIGITAL

12 DIGITAL Zukunft Banking ASSET ÖKOSYSTEM 01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch So sieht das neue, offene digitale Asset-Ökosystem aus Swisscom baut private Blockchain für Ökosystem Derzeit arbeitet der Telekommunikations- und Finanzinfrastrukturdienstleister Swisscom gemeinsam mit Partnern daran, ein neues digitales Asset-Ökosystem zu schmieden. Dieses soll Unternehmen auf Kapitalsuche und privaten sowie professionellen Investoren die sichere, schnelle Blockchain-basierte Teilnahme am Finanzmarktsystem ermöglichen und auch Assetklassen erschliessen, die heute nicht oder nur sehr umständlich zugänglich sind. Basis ist eine private Blockchain Auf der Basis der Distributed-Ledger-Technologie kristallisierte sich in den letzten Jahren eine Reihe von technologischen Entwicklungen heraus, die zusammen der Finanzdienstleistungsbranche helfen könnten, ein neues Niveau an Geschwindigkeit, Qualität und Effizienz zu erreichen. Das Ökosystem für diese neuen digitalen Assets basiert auf einer von Swisscom entwickelten und gemeinsam mit der Schweizerischen Post betriebenen Distributed- Leder-Technologie, einer sogenannten privaten Blockchain. Daraus sind Serviceangebote wie «Consensus-as-a-Service» entstanden, eine von Swisscom und der Schweizerischen Post zur Verfügung gestellte Blockchain-Infrastruktur, auf welche Firmen ihre Applikationen bauen können. Eine Blockchain ist eine Art Datenbank, die auf mehrere Standorte, Regionen oder Teilnehmer verteilt ist. Ein Distributed Ledger muss dezentral sein, sonst würde es einer zentralisierten Datenbank ähneln, wie sie die meisten Unternehmen heute verwenden. Das bedeutet, dass alle Teilnehmer im verteilten Hauptbuch alle betreffenden Datensätze anzeigen können. Die Technologie bietet eine überprüfbare Historie aller Informationen, die in diesem bestimmten Datensatz gespeichert sind. Weil alle Partner in Echtzeit auf dieselben Daten zugreifen, vereinfacht die Blockchain-Technologie die Zusammenarbeit und ermöglicht die Automatisierung von administrativen Prozessen. Johs Höhener, Head of FinTech, Swisscom Netflix der Finanzindustrie ist noch nicht da Die Kernelemente des neuen Asset-Ökosystems sind die Emission und Verwahrung und der Übertrag von digitalen Assets sowie der Zugang zu Liquidität und Bankdienstleistungen, d.h. Eigentum, Vermögenswerte, Verträge und Rechte werden zukünftig digital verwaltet, übertragen und ausgeführt. Die Plattform ermöglicht Investoren das Erschliessen neuer Anlageklassen und die Nutzung entsprechender Dienstleistungen. Die Weiterentwicklung von Finanzdienstleistungen im digitalen Zeitalter ist insbesondere auch deshalb ein zentrales Anliegen der Ökosystempartner, damit der Schweizer Finanzplatz weiterhin seine Bedeutung behält. Bislang haben es die alteingesessenen Player des Finanzwesens nicht geschafft, das Amazon oder das Netflix der Finanzindustrie zu lancieren, das mit einer umfassenden Buinessmodell-Innovation bei Banken und anderen Finanzdienstleistern einhergehen müsste. Ebenso wie das Internet den Medienkonsum revolutionierte und etwa Netflix hervorbrachte, und E-Commerce-Riesen wie Amazon den stationären Handel unter Druck setzt, geraten die traditionellen Geschäftsmodelle der Finanzindustrie unter Druck. Denn der Finanzmarkt hat diese Serie der Informationsrevolution noch nicht durchlaufen. «Man kann zwar sagen, dass die meisten Finanzgeschäfte heute elektronisch abgewickelt werden und dass die Finanzinfrastruktur das Internet zur Kommunikation nutzt – die Finanzindustrie hat sich jedoch nicht an ihrem kritischsten Punkt verändert: der Schaffung neuer Instrumente, Verträge und Vereinbarungen», sagt Johs. Höhener, Head of FinTech bei Swisscom. « Mit wenigen Klicks neue Finanzprodukte entwickeln und diese rund um die Uhr, in Echtzeit und zu minimalen Kosten handeln. » Johs Höhener, Head of FinTech, Swisscom In wenigen Klicks zum neuen Finanzprodukt «Stellen Sie sich aber vor, Sie könnten mit wenigen Klicks neue Finanzprodukte entwickeln, und diese würden rund um die Uhr, in Echtzeit und zu minimalen Kosten gehandelt.» Dafür will Swisscom gemeinsam mit den genannten, aber auch weiteren Partnern eine offene, zukunftsgerichtete Finanzinfrastruktur schaffen. Die Rollen sind zum Start des neuen Asset-Ökosystems so verteilt, dass Daura als Swiss Equity Token Factory die neuen digitalen Assets emittiert, Custodigit eine institutionelle Digital-Asset-Custody-Lösung für regulierte Finanzinstitute zur Verfügung stellt, die Sygnum Bank die Fiat und Kryptowelt verbindet sowie KYC- und AML-Vorgaben sicherstellt, MME das Compliance- und Legal-Framework liefert und regulierte Börsen zukünftig einen Zugang zu Preisfindung und Liquidität ermöglichen. Custodigit bietet den Tresor für digitale Assets Die Rolle von Custodigit im neuen digitalen Asset-Ökosystem ist diejenige des Verwahrers von tokenisierten Vermögenswerten sowie Kryptowährungen respektive bietet das Unternehmen regulierten Finanzdienstleistern eine technische Plattform an, damit diese die Funktion des Verwahrers wahrnehmen können. Das Unternehmen unter CEO Peter Hofmann baute über die letzten zwölf Monate eine Custody-Plattform, welche sich explizit an regulierte Finanzdienstleister richtet, die ihren Endkunden den Zugang zu digitalen Assets ermöglichen wollen. Die technische Lösung ermöglicht Bankkunden oder institutionellen Anlegern direkten Zugang zu Kryptowährungen oder tokenisierten Vermögenswerten. Dabei unterstützt die Plattform die Anwendungsfälle der Verwahrung, des Handels und des Asset Life Cycle Management mit den notwendigen integrierten Geschäftsfunktionalitäten. Damit kann ein Finanzdienstleister seine Geschäftsprozesse sicher, effizient und regelkonform abwickeln. Sub-Custodian-Lösung mit Versicherung Zudem arbeitet Custodigit aktuell daran, eine professionelle Sub-Custodian-Lösung einzuführen, mit welcher Custodian-Banken diesen Business-Service ebenfalls anderen Banken zur Verfügung stellen können, sowie einer entsprechenden Versicherung. Eine Versicherung ist regulierten Finanzdienstleistern wichtig, dies, obwohl Custodigit aufgrund der implementierten Sicherheitsmechanismen der Überzeugung ist, zusammen mit dem Betriebspartner Swisscom eine der sichersten Digital-Asset-Custodian-Lösungen am Markt anzubieten. «Custodigit bekennt sich explizit zum regulierten Finanzmarkt und wird nur in diesem Bereich tätig sein», sagt Peter Hofmann. Aus diesem Grund bietet Custodigit auch spezifische Funktionalitäten an, damit regulierte Finanzdienstleister ihre regulativen Anforderungen erfüllen können. Selbstverständlich erfüllt Custodigit dabei auch die entsprechenden Outsourcing-Anforderungen, welche in der Finanzdienstleistungsbranche gefordert sind. Custodigit wurde im Oktober 2018 gegründet. Ausser Swisscom ist die Digital Asset Bank Sygnum an der Custodigit beteiligt. Peter Hofmann, CEO, Custodigit « Die technische Lösung ermöglicht Bankkunden oder institutionellen Anlegern direkten Zugang zu Kryptowährungen oder tokenisierten Vermögenswerten.» Peter Hofmann, CEO, Custodigit

01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Zukunft Banking DIGITAL ASSET ÖKOSYSTEM 13 Was braucht es, um ein neues digitales Asset-Ökosystem aufzubauen? Genau: eine sichere DLT-Infrastruktur, auf der verschiedene Anbieter Services zur Verfügung stellen können, die sich gegenseitig ergänzen und Finanzflüsse automatisiert abwickeln. Swisscom stellt sich diesem Unterfangen gemeinsam mit Partnern. Autor: Marc Landis « Die Schweiz muss zum Digital- Asset-Zentrum der Welt werden » « Wir sind eine praktische Erfa-Gruppe, welche die verschiedenen Rollen aus der Notwendigkeit heraus entwickelt hat. » Luka Müller, Gründer und Partner, MME Luka Müller, Gründer und Partner, MME Mit dem neuen digitalen Asset- Ökosystem ist ein erster Schritt getan, diesen gerade entstehenden Markt von Anfang an mitzugestalten. Die Lancierungspartner Swisscom, Daura, Custodigit, MME, die Digital-Asset-Bank Sygnum und Handelsplätze wie die Deutsche Börse bringen im Ökosystem die benötigten Expertisen und Fähigkeiten mit, dieses zu gestalten. «Wir sind eine praktische Erfa-Gruppe, welche die verschiedenen Rollen aus der Notwendigkeit heraus entwickelt hat», sagt Luka Müller, Gründungspartner und einer der Leiter des MME-FinTech-/Blockchain- Teams. Das Beratungsunternehmen MME, das sich auf Recht, Steuern und Compliance spezialisiert hat, ist schon seit vielen Jahren im FinTech-/Blockchain-Bereich unterwegs. Die Kanzlei ist auch an vorderster Front als Berater mit dabei, wenn es um die Schaffung der regulatorischen Rahmenbedingungen für die Digitalisierung von Vermögenswerten geht. Luka Müller betreut und berät vor allem Unternehmen im Technologiebereich, mit Fokus auf Blockchain-Technologie. So kam auch die Zusammenarbeit mit Swisscom zustande, die in der Lancierung von einigen wichtigen Playern im neuen Schweizer digitalen Asset-Ökosystems gipfelte. Müller gründete in diesem Zusammenhang auch gemeinsam mit Swiss com das Gemeinschaftsunternehmen Daura AG als Tokenisierungsfactory (siehe unten). Schweiz als sicherer Hafen für DLT Für Luka Müller ist es eine Herzensangelegenheit, den Schweizer Finanzplatz bei der Digitalisierung mit Blockchain zu unterstützen. Er beschäftigt sich seit 2014 ausschliesslich mit der Welt der digitalen Assets und DLT und ist sich sicher: «Es ist eine gewaltige Chance, dass wir bei der Entwicklung von Technologie und Ökosystemen rund um digitale Assets in der Schweiz von Anfang an dabei sind. Der Schweizer Finanzplatz geniesst weltweites Vertrauen und die Schweiz hat den Ruf als verlässliche Partnerin.» Darauf gelte es aufzubauen und die Schweiz als sicheren Hafen für Digital-Ledger-Technologie zu positionieren, wo die sichersten Verwahrungsstellen für Digitale Assets zu Hause sind und die vertrauenswürdigsten Smart Contracts der Welt programmiert werden. «Die Schweiz muss das Digital-Asset-Zentrum der Welt werden», sagt Müller und «wenn wir den Konsens auf der Blockchain auch noch auf Schweizer Servern sicherstellen, dann haben wir einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Finanzplätzen.» DLT-Gesetz ist ein guter Wurf Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Denn digitale Assets funktionieren als Anlageklasse nur, wenn man sie als Ökosystem betrachtet, und zwar sowohl auf Marktseite als auch auf der technischen Ebene. Nicht zuletzt müssen die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen entsprechend ausgestaltet werden. «Die überarbeitete Rahmengesetzgebung für DLT ist ein guter Wurf», sagt Müller. Die neue Vorlage sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich mit der Ergänzung bestehender Gesetze aktuelle und zukünftige technologische Entwicklungen abbilden liessen. «Aber nun dauert es bis zum Inkrafttreten des Gesetzes bis 2021. Solange können wir nicht warten, denn dann geht dieser Markt an uns vorbei», gibt Müller zu bedenken. Deshalb kämpft er dafür, dass digitale Assets rechtssicher auch digital übertragen werden können. Gesetzgebungsprozess in der Schweiz ist zu langsam Denn auch in Singapur, Grossbritannien, den USA und Deutschland erarbeiten die Regierungen die Rahmenbedingungen zur Erschliessung von digitalen Assets. «Der globale Wettbewerb um digitale Assets ist voll im Gang. Und es wird mit harten Bandagen gekämpft», sagt Müller. «Mit dem Schweizer Gesetzgebungsprozess haben wir keine Chance, mit dem technologischen Fortschritt mitzuhalten. Deshalb braucht es Gesetze, die so formuliert sind, dass sie eine Auslegung entsprechend den technologischen Entwicklungen ermöglichen.» Offenes Ökosystem Das neue Asset-Ökosystem ist aber laut Müller ganz bewusst nicht abschliessend gestaltet, sondern es ist offen konzipiert. So könnten weitere Services-Anbieter, die an der Swisscom-Blockchain andocken möchten, darauf aufsetzen. Insbesondere ist auch die Anbindung weiterer Marktplätze im In- und Ausland angedacht, damit die verschiedenen digitalen Assets auch breitflächig gehandelt werden können. Denn nur so ergibt sich ein Markt mit genügend Verkäufern und Käufern für die Preisfindung mit der entsprechenden Liquidität. « Daura ist die Druckmaschine für die digitale Aktie » «Daura senkt die Administrations- und Transaktionskosten und wird durch den einfachen Zugang zu neuen Investorenkreisen für tausende KMUs den Innovationsstandort Schweiz stärken » Peter Schürer, CEO, Daura Das Joint Venture Daura erfüllt im neuen digitalen Asset-Ökosystem die Rolle der Token Factory. «Ziel ist es, dass KMU ihre Aktienbücher auf unserer Plattform digitalisieren und so ihre Aktien für den Markt als Token zugänglich machen», sagt Daura- CEO Peter Schnürer, «wir sind quasi die Druckmaschine für die digitale Aktie.» Daura ermöglicht es nicht börsenkotierten Unternehmen, neue Aktien digital zu emittieren und stellt eine Plattform für das digitale Aktienbuch bereit. Die so geschaffene Aktie ist ein digitaler Token – ein unveränderbarer digitaler Schlüssel –, der direkt vom Unternehmen erstellt wird. Dies ermöglicht KMU via Internet neue Investoren an ihrem Unternehmen zu beteiligen. Des Weiteren profitieren die Unternehmen vom effizienten Führen des Aktienbuchs. Daura basiert auf Schweizer Recht und läuft auf einer privaten, in der Schweiz durch Swisscom und die Schweizer Post betriebenen Blockchain-Lösung. Schneller, einfacher Zugang Was bislang ein langwieriger, mühsamer und auch teurer Prozess war, will Schnürer mit Daura vereinfachen. «Daura senkt die Administrations- und Transaktionskosten und wird durch den einfachen Zugang zu neuen Investorenkreisen für Tausende KMU den Innovationsstandort Schweiz stärken», ist CEO Peter Schnürer überzeugt. Daura soll es KMU möglichst einfach machen, neue Investoren an Bord zu holen. «Wir demokratisieren KMU-Aktien», sagt Schnürer. Mit den auf Beratung von KMU spezialisierten Partnern BDO und dem Raiffeisen Unternehmerzentrum hat Daura zudem starke Partner für den Zugang zu Schweizer KMU. Dauras Geschäftsmodell Für das Onboarding bezahlen KMU, die ihre Aktien digitalisieren möchten, eine einmalige Gebühr. Danach entstehen für das Führen des digitalen Aktienregisters jährliche Kosten zwischen 1000 und 5000 Franken. Für Investoren ist die Benutzung der Plattform kostenlos. Daura ist als offener Ökosystem-Partner konzipiert und stellt seine Services auch Banken und Marktplätzen zur Verfügung. Das Joint Venture zwischen Swisscom und MME- Partner Luka Müller nahm im vergangenem Peter Schnürer, CEO, Daura März den Betrieb auf und seither führen bereits mehrere KMU ihre Aktienbücher über Daura.

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