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Zukunft-Banking Dezember 2019

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14 Zukunft Banking TRENDSTORY 01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Die HWZ macht Banker fit für die digitale Zukunft Welche neuen Berufsbilder entstehen durch die Digitalisierung in der Finanzindustrie? Wie erhalten Bankangestellte ihre Arbeitsmarktfähigkeit? Wie wird die Digitalisierung die Branche in den kommenden fünf Jahren verändern ? Auf diese und andere Fragen bietet die HWZ Antworten – mit zukunftsweisenden digitalen CAS des Center for Financial Studies. Autor: Marc Landis Die digitale Transformation in Finanzinstituten ist in vollem Gang. Vom Front- bis Backoffice digitalisieren Banken ihre Geschäftsprozesse durchgängig. Digitalisierung und disruptive Geschäftsmodelle werden das Bankgeschäft der Zukunft umgestalten. Es entstehen neue Märkte, Produkte und Dienstleistungen im Interesse der Kunden. Entsprechend ändern sich die Spielregeln für bestehende Marktakteure. Neue Berufsbilder und Aufgaben innerhalb der Bankinstitute entstehen und digitale Skills werden wichtiger; die Arbeitgeber in der Finanzindustrie verlangen von ihren Mitarbeitenden mehr entsprechende Kompetenzen. Die Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ macht die Mitarbeitenden der Finanzbranche fit für digitale Geschäftsmodelle und Praktiken. Dafür bietet die Hochschule aus dem Center for Financial Studies heraus innovative und zukunftsweisende Weiterbildungsmodule mit diversen Schwerpunkten an (siehe Box). Die Hochschule verbindet dabei die traditionelle Welt von Banking und Finance mit der digitalen. «Das traditionelle Know-how wie Banking funktioniert – mit Portfolio Management, Wealth Management, Risk Management etc. und ist natürlich weiterhin die Basis unseres Weiterbildungsangebotes. Dieses haben wir aber in den letzten Jahren kontinuierlich um digitale CAS und einen MAS Digital Excellence for Financial Services erweitert», sagt Costantino Lanni, Leiter des Center for Financial Studies an der HWZ. «Besonders am MAS Digital Excellence for Financial Services ist der modulare Aufbau. Die Studierenden können ‹ihren› MAS frei aus drei CAS zusammenstellen. Eine integrierende Masterarbeit schliesst den Lehrgang ab», erklärt Lanni. Damit nehme die HWZ eine Vorreiterrolle ein bei der Weiterbildung für Finanzdienstleister im digitalen Bereich. «Um die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzsektors sicherzustellen, kombinieren wir traditionelles Bankwissen mit digitalem Know-how.» Die besonders aktuellen digitalen Vertiefungslehrgänge im MAS sind der CAS Fintech & Blockchain Economy, der CAS Digital Wealth Management und der CAS Security, Compliance & RegTech. Diese Vertiefungen erfüllen laut Lanni wichtige Bedürfnisse der Finanzinstitute. Die Lehrgänge im Überblick: CAS Fintech & Blockchain Economy Im CAS Fintech & Blockchain Economy geht es darum, die dynamischen Ökosysteme und deren Auswirkungen auf Kunden, Markt und Regulierer zu verstehen. Denn FinTechs und die noch junge Blockchain-Technologie, auf der Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum oder Ripple basieren, breiten sich unaufhaltsam aus. Immer mehr Unternehmen, auch ausserhalb des Finanzwesens, integrieren Blockchain und Crypto in ihre Wertschöpfungsketten rund um Logistik, Handel oder Versicherungen. Gemäss einer Befragung unter den Wirtschaftsführern und Politikern werden bis 2027 über zehn Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf der Blockchain abgewickelt. Nach Absolvierung dieser Weiterbildung können Studierende, die durch das dynamische FinTech-Ökosystem und Blockchain hervorgerufenen digitalen Veränderungsprozesse mitgestalten und kompetent begleiten. CAS Digital Wealth Management Das Wealth Management ist bei Banken einer der letzten Bereiche mit hoher Wertschöpfung. Bei der Digitalisierung liegt die Vermögensverwaltung aber zurück. Im CAS Digital Wealth Management lernen die Studierenden, wie sich die Vermögensverwaltungsindustrie in den kommenden Jahren verändern wird und wo in Zukunft die Chancen für neue Geschäftsfelder liegen. Die Digitalisierung wird die Geschäftsmodelle der Vermögensverwalter und Asset Manager grundlegend verändern und damit die Erwartungen und das Verhalten der Kunden. Das zwingt die Banken dazu, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten und die Prozesse zu optimieren. Wer in einer digitalen Welt erfolgreich agieren möchte, muss sein Geschäft konsequent auf die Kundenerwartungen zuschneiden. Die Herausforderung für etablierte Unternehmen besteht darin, dass Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette dieselbe Qualität und denselben Service erwarten, wie sie diese aus der digitalen Welt kennen. Nach dem erfolgreichen Abschluss sind die Teilnehmer dieses CAS in der Lage, innerhalb ihrer Unternehmen die Zukunft des Wealth Management mitzugestalten. CAS Security, Compliance & RegTech Security ist die Achillesferse der Banken. Bei der Digitalisierung müssen Datenschutz und Persönlichkeitsschutz jederzeit gewährleistet sein. Da die Banken eine grosse Risiko- Aversion haben, sind Fachleute für den Compliance-Bereich gefragt. Der Lehrgang CAS Security, Compliance & RegTech bildet eine Brücke zwischen aktuellen Risiken und Gefahren hin zu den Chancen digitaler Geschäftsmodelle und RegTech-Lösungen auf Basis der aktuellen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für Schweizer Finanzdienstleister. Mit diesen Lehrgängen zeigt die HWZ ihren Anspruch, die Digitalisierung mitzugestalten. Der Nutzen einer Weiterbildung bei der angesehenen Hochschule beinhaltet aber weit mehr als «nur» das Fachwissen. In den Hochschullehrgängen vernetzen sich die heutigen und zukünftigen Führungskräfte untereinander und mit den hochkarätigen Dozierenden, die selbst mitten im Business stehen. Auf Studienreisen nach London bzw. Singapur erfahren die Teilnehmer hautnah, wie Innovation gelebt und entwickelt wird. Und: «Das Gute an den digitalen Weiterbildungen im Finance-Bereich ist, dass viele Arbeitgeber die Weiterbildungen ihrer Mitarbeitenden finanziell unterstützen, denn sie brauchen fähiges Personal, um die Herausforderungen der digitalen Transformation zu meistern», sagt Lanni. DER MAS DIGITAL EXCELLENCE FOR FINANCIAL SERVICES IN KÜRZE Cluster Digital Industries CAS Digital Finance CAS Digital Insurance CAS Digital Real Estate 3 CAS PLUS MASTER THESIS (60 ECTS) MASTER THESIS (15 ECTS) Cluster Extensions in Financial Industries CAS Fintech & Blockchain Economy CAS Cyber Security, Compliance & RegTech CAS Digital Wealth Management Cluster Digital Business (Auswahl) CAS Masterclass CAS Mobile Business & Ecosystems CAS Multichannel Management 15 ECTS 15 ECTS 15 ECTS Mindestens 2 CAS frei wählbar Maximal 1 CAS wählbar CAS FINTECH & BLOCKCHAIN ECONOMY CAS DIGITAL WEALTH MANAGEMENT CAS SECURITY, COMPLIANCE & REGTECH « Mein CAS rockt, weil wir hier eine Brücke bauen von der Realwirtschaft in die FinTech-/Blockchain Community und die Studierenden mit einer Toolbox ausrüsten, die Technologie-, Kultur- und Leadership- Aspekte enthält. » Patrick Comboeuf, Studiengangsleiter HWZ «Mein CAS rockt, weil wir hier lernen, wie die Industrie auf die neuen Bedürfnisse der Kunden flexibel eingehen kann. Denn das Wealth Management wird es auch in Zukunft geben – aber einfach in einer angepassten Art.» Martin Meyer, Studiengangsleiter HWZ « Mein CAS rockt, weil ein hochkarätiges Lineup von Dozierenden tiefe Praxiseinblicke in Unternehmen und den Cyber- Untergrund geben, welche der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sind. » Ralph Hutter, Studiengangsleiter HWZ Dieser CAS vermittelt das Know-how, um u. a. folgende Fragen zu beantworten : • Welche Auswirkungen hat die Atomisierung der Finanzindustrie durch FinTechs und dezentrale Architekturen von kryptobasierten Technologiekonzepten auf Gesellschaft, Politik und Arbeitswelt? • Worauf stützt sich die magische Anziehungskraft der Blockchain? Was verspricht sie? Wo sind Grenzen? • Wo und v.a. wie erschliesst sich kurz- und mittelfristig das grösste Potenzial rund um FinTechs und die Blockchain? Gibt es sinnvolle Alternativen? • Wie können insbesondere disruptionsmüde Branchen ihre Agilität hochhalten, um rasch interessante und kommerziell sinnstiftende Lösungen für (und mit) Kunden zu validieren. • Welche Strategien versprechen den besten Erfolg im Umgang mit dem Regulator. • Wie binden Sie das Fintech- und Blockchain Ecosystem geschickt in übergeordnete digitale Initiativen ein und welche Geschäftsmodell-Governance braucht es dafür? • Wo lauern Fallstricke und wie reduzieren wir Risiken? Der CAS Fintech & Blockchain Economy richtet sich an Mitarbeitende aus der Finanzindustrie, deren Partner in den CFO-Offices auf der Kundenseite, Consultants/Advisors sowie Vertreterinnen und Vertreter aus allen Unternehmensfachbereichen, die sich mit strategischen Zukunftsfragen auseinandersetzen. Die Studiengebühren für Kurs und Studienreise nach Singapur betragen 10 900 Franken ( exkl. Flug /Unterkunft ). Dieser CAS vermittelt das Know-how, um u. a. folgende Fragen zu beantworten : • Welches sind die wichtigsten Mega– trends und Shifts für die Vermögensverwaltungsindustrie und das Asset Management? • Wie kann man auf die sich verändernden Bedürfnisse der zukünftigen Wealth-Management-Kunden am besten reagieren? • Wie können die Geschäftsprozesse mit den gewonnenen Erkenntnissen auf die Zukunft eingestellt werden? • Wie werden Kundenbedürfnisse richtig evaluiert und basierend darauf die nachgefragten Services aufgebaut? Der CAS Digital Wealth Management richtet sich an Mitarbeitende aus der Wealth- bzw. Asset-Management-Industrie sowie an Mitarbeiter aus dem Private Banking, welche aktiv den digitalen Transformationsprozess mitgestalten und ihre fachlichen Fähigkeiten in diesem zukunftsträchtigen Berufsfeld methodisch und fundiert verbessern wollen. Denn eine Führungsposition bei Vermögensverwaltern und Asset-Management-Firmen erreicht in der Regel nur noch, wer in Sachen Digitalisierung über einen praktischen Leistungsausweis oder über eine entsprechende Ausbildung verfügt. In diesem CAS zeigen Experten von WealthTechs, Banken und Forschung auf, wie das Öcosystem der Zukunft aussehen könnte. Die Studiengebühren betragen 9500 Franken. Dieser CAS vermittelt das Know-how, um u. a. folgende Fragen zu beantworten : • Wie verändert sich das Risk Management von Finanzdienstleistern im Kontext der Digitalisierung ? • Welche neuen Technologien zeichnen sich für den Einsatz im Bereich Compliance und Risk Management ab ? • Über Cyber-Security-Vorfälle bei Banken ist nicht viel in der Öffentlichkeit bekannt. Welche Gefahren, Angriffsmuster sind in der Praxis an der Tagesordnung? • Wie können rechtliche und regulatorische Anforderungen mittels RegTech- Lösungen abgedeckt werden ? • Wie muss sich ein Unternehmen während eines Cyber-Vorfalls verhalten ? • Wie können Produkte und Kundenerlebnisse auf die Bedürfnisse zunehmend anspruchsvoller Kunden zugeschnitten werden ? • Wie können Geschäftsmodelle von Finanzdienstleistern erweitert werden, um neue Ertragsquellen im digitalen Umfeld zu generieren ? Der CAS Cyber Security, Compliance & RegTech richtet sich an Mitarbeitende aus der Finanzindustrie sowohl auf der Fachseite wie auch aus den Bereichen Risk, Compliance und Informationssicherheit, deren Partner bei FinFechund RegTech-Unternehmen, Consultants/Advisors sowie an Vertreter von Behörden, die nicht nur Risiken, sondern auch Chancen der Digitalisierung aktiv begegnen wollen. Die Studiengebühren betragen 9500 Franken.

01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Zukunft Banking DIGITALISIERUNG IST CHEFSACHE #swisscom 15 « Der Umbruch der Finanzwelt ist noch nicht da, doch er zeichnet sich ab » Die Schweiz kann bei der Digitalisierung nicht an der Weltspitze mithalten. Das gilt auch für die Finanzindustrie. Dennoch sind der Chief Digital Officer und der Head of Banking Swisscoms zuversichtlich, dass die Banken ihren Platz behaupten können. Roger Wüthrich-Hasenböhler und Oliver Kutsch im Gespräch. Interview: Marc Landis, Redaktion: Kevin Fischer Wo steht die Finanzindustrie in der Schweiz in Sachen Digitalisierung? Oliver Kutsch: Meiner Einschätzung nach liegt die Schweiz bezüglich Digitalisierung zurück. Das liegt daran, dass die Schweiz in gewisser Weise ein geschützter Markt ist. Faktoren wie eine geringere Marktgrösse, die Vielsprachigkeit oder die spezifische Regulierung der Schweizer Banken schwächen die Wettbewerbsintensität im internationalen Vergleich ab. Deshalb besteht Aufholbedarf, wenn es darum geht, die Digitalisierung mit neuen Geschäftsmodellen anzugehen. Bisher gibt es vor allem bei den Frontsystemen und beim Digital Onboarding punktuelle Verbesserungen. Wer ist denn diesbezüglich im internationalen Vergleich an der Spitze? Kutsch: In Europa liegen die Skandinavier vorne, weil die Bevölkerung sehr affin ist, wenn es darum geht, digitale Themen anzunehmen. Ansonsten sind die USA in digitalen Businessmodellen weit voraus. Und in China sehen wir rund um Alibaba und Tencent radikale Finanzdienstleistungs-Innovationen. Die Schweiz steht höchstens im Mittelfeld. Roger Wüthrich-Hasenböhler: Der Grund dafür ist, dass wir in der Schweiz noch ziemlich traditionell unterwegs und sehr mit Regulationsfragen beschäftigt sind. Bei neuen Ideen und Businessmodellen sind wir naturgemäss zurückhaltend. Welches sind die dringendsten Hausaufgaben für die Banken, damit sie zukunftsfähig bleiben bzw. werden? Kutsch: Für Banken ist es wichtig, dass sie eine Vision bezüglich ihrer zukünftigen Rolle haben. Ich merke immer wieder, dass sie nicht wissen und sich auch oft nicht vorstellen können, was ihre Rolle und das daraus abgeleitete Geschäft in zehn Jahren sein wird. Das ist ein wesentlicher Knackpunkt. Viele Banken würden heute die Rolle eines Dominators in einem Ökosystem anstreben. Nur gibt es die Rolle des Dominators in jedem Netzwerk und Ökosystem höchstens einmal. Somit können nicht alle Banken diese Rolle einnehmen. Es braucht stattdessen viel mehr Nischenplayer. Banken sollten sich deshalb bewusst sein, welche Nische sie besetzen wollen. Wegen neuer Marktteilnehmer wie Revolut werden Banken in bestimmten Geschäftsfeldern an Bedeutung verlieren – etwa im Zahlungsverkehr. Aber sie werden auch in anderen Geschäftsfeldern ihre Relevanz behalten. Diese Positionen müssen dann gut ergründet werden. Wüthrich: Dem kann ich nur zustimmen. Momentan ist einfach der Leidensdruck für die Bankenindustrie noch nicht gross genug, um aktiver zu werden. Der Umbruch Digital Mindset der Finanzwelt ist noch nicht da, er zeichnet sich aber am Horizont ab. Monatlich werden neue Fintech-Start-ups gegründet, welche einen Teil der Wertschöpfungskette der Banken adressieren. Am Horizont tauchen die ersten Disruptoren auf, wie Revolut und andere, die rasant global und auch in der Schweiz skalieren. Heute sind die Kunden «Momentan ist einfach der Leidensdruck für die Bankenindustrie noch nicht gross genug, um aktiver zu werden.» Roger Wüthrich-Hasenböhler, Chief Digital Officer, Swisscom der Banken noch zufrieden, stören sich aber immer mehr an den Gebühren. Es wird künftig immer schwieriger werden, die Kundenschnittstelle zu verteidigen. Institute müssen sich fragen, welche Rolle sie zukünftig einnehmen wollen, wie sich die Kundenschnittstelle verändern wird und welche Technologien sie dafür brauchen, damit sie sich in der digitalisierten Welt behaupten können. Momentan ist noch schwierig abzuschätzen, welche Technologien und Modelle sich durchsetzen werden. Sicher werden Distributed-Legder-Technologien bzw. Blockchain eine wichtige Rolle spielen. Vielfach geht man in der Branche davon aus, dass neue Markteilnehmer noch aufgekauft werden können, sollten sie mit ihren Technologien und Businessmodellen erfolgreich werden. Doch es wird mehrere Kaufinteressenten geben, und man muss damit rechnen, dass man den Bieterkampf verliert oder einen sehr hohen Preis zahlen muss. Deshalb ist wichtig, dass sich Banken schon heute fragen, welche Rolle sie in fünf bis zehn Jahren einnehmen wollen und wie die Umstände dann aussehen könnten. Dann werden sie auch in Zukunft erfolgreich sein. Welche Zukunftsszenarien sehen Sie für die verschiedenen Geschäftsmodelle der Banken? Kutsch: Im Privatbankenumfeld sieht man schon heute, wie sich die einzelnen Player auf Nischen spezialisieren. Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Retailbanken absehbar. Heute versteht sich eine Retailbank als Bank mit einem breiten Portfolio an Auf einer Skala von 0 bis 10 : Kutsch Wüthrich Wie digital fit sind Sie ? — 8 — — 8 — Wie digital fit ist Ihr Unternehmen ? — 10 — — 8 — Wie sehr werden neue Technologien ( wie Blockchain, AI, Machine Learning, AR / VR ) die Branche verändern ? — 10 — — 10 — Wie sehr möchten Sie als Opinion Leader in diese neue Technologien für die Zukunft investieren ? — 6 — — 8 — Oliver Kutsch, Head of Banking, Swisscom Dienstleistungen für lokale Kunden. Die Breite des Portfolios wird aber abnehmen. Fintechs werden einzelne Services aus der bisherigen Retailbank-Wertschöpfungskette herauslösen und bestimmte Dienste besser, effizienter, kostengünstiger erbringen als die klassische Retailbank. Es werden sich Ökosysteme bilden, in denen Orchestratoren Services unterschiedlicher Anbieter zusammenfassen und den Kunden zur Verfügung stellen, um deren Anforderungen umfassend abzudecken. Wie passt das neue digitale Asset-Ökosystem, das Swisscom mit Partnern lanciert hat, zu Ihrer Digitalisierungsstrategie ? ( mehr zum digitalen Asset-Ökosystem auf den Seiten 12 /13 ) Wüthrich: Das passt sehr gut, weil wir gemeinsam mit anderen Unternehmen eine offene Blockchain-Plattform mit Schweizer Komponenten bauen. Auch hier kommt wieder der Ökosystem-Gedanke zum Tragen. Wir sehen uns in der Rolle als vertrauenswürdiger Infrastrukturprovider, Berater und Anbieter von Lösungen im Bereich Financial- und Trust Services. Wir führen in diesem Zusammenhang mit vielen Banken, Fintechs und anderen interessierten Kreisen Gespräche. Viele Partner signalisieren uns, dass eine private Schweizer Blockchain-Infrastruktur, die von vertrauenswürdigen Unternehmen wie Swisscom, der Post und anderen ähnlich gelagerten Unternehmungen eine hervorragende Grundlage ist, um Blockchain-basierte Geschäfte aufzubauen. Dieses Vertrauen in so eine «Swiss Blockchain» ist ein wichtiges Fundament, um den Vorsprung der Schweiz in der Crypto-Finance-Welt zu behaupten. Mit dem neuen Asset-Ökosystem bringen wir digitalisierte Vermögenswerte auf unsere Blockchain. Dazu braucht es einen Tokeniser, der die Vermögenswerte digitalisiert. Diese Rolle übernimmt Daura. Es braucht eine Bank als Schnittstelle zwischen Fiat- und Kryptowelt, das ist Sygnum. Es braucht einen Verwahrer für digitale Assets, den haben wir mit Custodigit, und es braucht ein umfassendes Compliance und Regulatory-Framework. Dieses stellt MME sicher. Nicht zuletzt braucht es auch einen Marktplatz, wo die digitalisierten Assets gehandelt werden können. Welche Bedeutung haben DLTs und Kryptowährungen heute und in Zukunft für die Finanzindustrie? Wüthrich: Ich glaube, sie haben ein grosses Potenzial für die Zukunft. Heutzutage sind wir noch sehr zentralistisch unterwegs. Datenbanken werden zentral geführt, und die Prüfung und Freigabe von Transaktionen braucht Zeit. Mit der Entwicklung der DLT sehen wir einen möglichen Effizienzsprung und eine neue Basis dafür, wie man Banking betreibt. Ich verwende das Wort «Revolution» zwar nicht gerne, aber in diesem Fall handelt es sich tatsächlich um eine technologische Revolution. Und ab 2021 werden im Obligationenrecht auch nicht mehr nur physische, sondern auch digitale Werte geregelt. Das wird der Startschuss für den Einsatz der DLT-Technologie sein. Zunächst ist es aber wichtig, dass die entsprechende Gesetzgebung richtig konzipiert und umgesetzt wird, damit sich darauf basierend der Finanzplatz der Zukunft entwickeln kann. Wie sehen Sie die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes ? Welche Veränderungen erwarten Sie ? Kutsch: Die Banken werden konsolidieren und folglich wird es weniger Banken geben. Im Private Banking noch stärker als im Retailbanking. Dieser Prozess läuft bereits. Die Privatbanken, die heute keine Nischenplayer sind und auch in ihrem Kerngeschäft nicht herausragen, werden zunehmend verschwinden. Die Nischenplayer hingegen werden gut überleben können. Der Retailbankbereich wird auch konsolidieren, doch etwas langsamer, weil es kaum Käufer gibt. Zudem geht es ihnen noch zu gut. Aber obwohl die Anzahl Banken abnehmen wird, wird Banking in der Schweiz seine Bedeutung behalten. Roger Wüthrich-Hasenböhler, Chief Digital Officer, Swisscom VISION 2050 Wie sieht das Banking im Jahre 2050 aus? Warum spielt Ihre Firma dann noch eine Rolle ? Wüthrich: Wer Infrastrukturen anbieten kann, kann Businessmodelle und Wertschöpfungsketten aufbauen. Wir besitzen ein Netz und Kompetenzen in der Cloud und der Blockchain- Technologie. Deshalb werden wir auch noch 2050 eine Daseinsberechtigung haben. Warum ist Ihr Unternehmen spannend für die Generationen Y und Z? Kutsch : Aus unserer Erfahrung ist Mitarbeitenden wichtig, ihre Arbeitskraft und -zeit in sinnstiftende Tätigkeiten zu investieren, Verantwortung zu übernehmen und Gestaltungsfreiraum zu haben. Dazu kommt, dass Mitarbeitende ihre privaten Interessen mit den beruflichen Anforderungen verbinden wollen ; deshalb gibt es bei uns flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, Standort-unabhängig, zum Beispiel im Home Office, zu arbeiten. Es ist das Gesamtpaket, das für Mitarbeitende entscheidend ist und überzeugen muss. Wir sind überzeugt, dass wir bei Swisscom in einem sehr dynamischen Markt, mit den unterschiedlichsten Jobprofilen, und spannenden Entwicklungsmöglichkeiten genau diesen Anforderungen gerecht werden. Wüthrich : Meiner Meinung nach werden wir in der Schweiz auch in fünf oder zehn Jahren noch ein bedeutender Finanzplatz sein. Ob wir uns auch längerfristig durchsetzen, hängt davon ab, ob wir unseren Vorsprung im Bereich Crypto Finance nutzen können, um in diesem Zukunftsgeschäft eine massgebliche Rolle zu spielen. Dazu gehören ausser einer angemessenen Regulierung, liberale Rahmenbedingungen für Fintech-Start-ups und wie neue Businessmodelle auf der Basis neuer Technologien umgesetzt werden können. Die Schweiz hat heute eine sehr gute Ausgangslage und sich einen Vorteil erarbeitet. Es geht darum, dass wir nun den Weg konsequent weitergehen und uns nicht überholen lassen.

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