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Zukunft-Banking Dezember 2019

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02 Zukunft Banking AUFTAKT 01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch So weist die Schweizerische Bankiervereinigung den Banken den Weg in die Zukunft Die Schweizerische Bankiervereinigung spielt eine aktive Rolle bei der Ent wicklung von Zukunftsthemen für den Schweizer Bankenplatz. Dafür hat der Verband sechs Handlungsfelder definiert. Auch Open Banking gehört dazu. Autor: Marc Landis Warum sind digitale Innovationen so wichtig für die Schweizer Banken? Die Digitalisierung kann ihnen helfen, die aktuell grössten Herausforderungen zu meistern. Erstens: Niedrige und negative Zinssätze drücken die Margen und die Profitabilität; die Geschäftsmodelle werden überdacht und die Opportunitäten rund um Digitalisierung sind hier zentral. Zweitens: Die Regulierung, die laut der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) durchschnittlich einen Anteil von fünf Prozent des Gesamtaufwands der Banken ausmacht und rund 15 Prozent ihrer Geschäftserfolge verschlingt. «Die Compliance-Kosten haben sich innert zehn Jahren verdoppelt», erklärt Benz. Und drittens: die Konkurrenz durch den Eintritt neuer Firmen in den Schweizer Finanzmarkt, etwa Neo-Banken wie N26, Neon, Revolut, Zak und in Zukunft die BigTechs. Sie machen den traditionellen Banken vor, wie User Experience heutzutage aussehen sollte. «Kunden erwarten eine Benutzererfahrung, die sie von Netflix oder Spotify her kennen, hier müssen die Banken besser werden», sagt Benz. Die Schweiz verfügt aber auch über eine lebendige Fintech-Szene mit rund 340 Unternehmen. Die Fintechs forderten die Banken heraus, da sie teilweise flinker am Markt agieren. Viele dieser Fintechs sind jedoch im B2B-Markt tätig. «Es hat sich eine symbiotische Beziehung zwischen den Fintechs und den traditionellen Banken entwickelt – sie sehen die Newcomer als Innovationspartner, weniger als Konkurrenz.» Mit diesen neuen Realitäten müssen sich die Banken auseinandersetzen und mit ihnen die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg). Die SBVg sieht sich in ihrer Rolle als Verband in der Verantwortung für ihre Mitglieder – indem sie, in Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedern und relevanten Stakeholdern, die Rahmenbedingungen für das Banking der Zukunft mitdefiniert und mitgestaltet. Es geht darum, den Erfolg des hiesigen Finanzplatzes zu sichern und ihn für die Zukunft fit zu machen. «Wir haben uns die Frage gestellt: Wie können wir als SBVg Zusammenarbeit und Innovation fördern?», erklärt Benz die Stossrichtung der SBVg. In diesem Zusammenhang definierte der Verband sechs Handlungsfelder, die es für die digitale Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle der Banken braucht, und bewirtschaftet diese auch aktiv. E-ID und Abbau von Hürden bei der Datennutzung Im Handlungsfeld der Datenökonomie ist es für den Verband wichtig, dass die elektronische Identität möglichst schnell zur Verfügung steht, um im Online-Geschäftsverkehr Verträge rechtssicher abschliessen zu können. Zudem braucht es auf Seiten der Datenverwendung Bestrebungen, dass die Banken mit den Daten für ihre Kunden Mehrwert generieren können. «Die heutige Situation ist so, dass Banken zwar auf einem Datenschatz sitzen, diesen aber wegen Unsicherheiten bei der Verwendung kaum oder gar nicht nutzen.» Dafür brauche es klare Vorgaben zum Umgang mit Daten, damit die Banken im neuen Wettbewerb der Daten-Ökonomie nicht benachteiligt seien. Banken müssen in die Cloud Mit der Datenökonomie verwandte Themen sind Big Data Analytics und Machine Learning. Mit Analysen grosser Datenmengen untrennbar verbunden ist Cloud Computing. «Wenn Banken moderne Technologien einsetzen möchten, führt kein Weg an der Cloud vorbei», ist Benz sicher. Eigene Serverlösungen können nicht mehr die notwendige Kapazität für rechenintensive Anwendungen zur Verfügung stellen. Banken müssen in der Lage sein, die Rechenleistung von Hyperscalern wie Google, Microsoft oder AWS und auch lokaler Cloud-Anbieter nutzen zu können, um umfangreiche und komplexe Datenanalysen durchzuführen. Denn Time-to- Market ist im Zeitalter der digitalen Geschäftsmodelle matchentscheidend. Dafür hat die SBVg mit dem Cloud-Leitfaden einen Empfehlungsrahmen für den Umgang mit Cloud-Diensten publiziert. «Wichtig ist, dass rechtliche, vertragliche, organisatorische und technische Vorkehrungen getroffen sind, die eine fahrlässige Verletzung des Bankgeheimnisses verhindern. Dies gilt unabhängig von der Frage der Cloud. Die Gesetzeslage steht dem Gang auf die Cloud nicht im Weg», sagt Benz. Open Banking wird kommen Wenn die Banken von der neuen digitalisierten und vernetzten Welt der Ökosysteme profitieren und Teil der digitalen Gewohnheiten ihrer Kunden werden wollen, müssen sie sich öffnen – insbesondere auch, damit sie über standardisierte Schnittstellen Fintechs und Drittanbieter einfacher einbinden können. Kunden erwarten einfach zu bedienende und moderne Apps und verknüpfbare Dienstleistungen von den Banken und ihren Partnern. Das Stichwort lautet Open Banking. In der Ära der APIs, in der es wichtig ist, dass die Banken mit anderen digitalen Diensten interagieren können, werden standardisierte Schnittstellen benötigt. «Open Banking kommt; wir sehen in der Schweiz aber keine Notwendigkeit für einen Zwang, wie das die PSD2 in der EU vorsieht. Denn trotz PSD2 gibt es auch in der EU bislang keine standardisierte API-Lösung», sagt Benz. «Aber wir haben hierzulande mit vier sich konkurrierenden Plattformen bereits Lösungen, welche den Teilnehmern entsprechende Schnittstellen zur Verfügung stellen. Idealerweise setzt sich ein Standard durch.» Wichtig wird sein, verbleibende Rechtsunsicherheiten wie Haftungs- oder Datenschutzfragen aus dem Weg zu räumen. Daran arbeitet die SBVg intensiv. Same risk, same rules Ein wichtiger Megatrend im Bereich der Vermögensverwaltung ist der Aufstieg der sogenannten Token Economy. Es geht dabei um die Digitalisierung von Vermögenswerten und deren Abbildung auf Distributed-Ledger-Technologien. Die SBVg fordert hierbei gleiche Regeln für alle, wobei alle Akteure, die August Benz ist Leiter des Geschäftsbereichs Private Banking & Asset Management und stv. CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung. Zu seinem Verantwortungsbereich gehören die Themen Private Banking, Asset Management, Europa, Digitalisierung, Sustainable Finance und Wirtschaftspolitik. Bankdienstleistungen anbieten, auch dieselben regulatorischen Richtlinien einhalten müssen. Die SBVg veröffentlichte in diesem Zusammenhang auch Empfehlungen zum Umgang mit Firmenkonten von Blockchain-Start-ups. Es geht bei der Token-Ökonomie aber auch um bilanzierungstechnische Fragestellungen und darum, wie digitale Assets besteuert werden. «Wir dürfen hier steuerrechtlich nicht dieselben Fehler wie früher machen und riskieren, diese Branche aus der Schweiz zu vertreiben. Die Schweiz hat schon zwei Mal eine führende Stellung in Teilen des Finanzmarktes verspielt, damals bei den Eurobonds, die wir an London verloren haben, und später bei den Fonds, die zu einem grossen Teil nach Luxemburg abgewandert sind», sagt Benz. Aufsicht und Regulierung digital einbinden Für Benz ist es wichtig, dass der Bund inskünftig regulatorisch relevante Gesetzestexte maschinenlesbar macht. Dies hilft auch den Banken, ihre Systeme schneller an neue Richtlinien und Normen anzupassen. Sicherheit ist entscheidend Mit der Verlagerung von Assets in den digitalen Raum gewinnt die Cybersicherheit höchste Priorität für alle Banken. Die Systeme werden in Zukunft noch mehr ins Visier von Cyberkriminellen geraten, die an die Vermögenswerte der Kunden gelangen möchten. Die Stossrichtungen für die SBVg sind klar: «Wir haben alle Grundvoraussetzungen, um erfolgreich zu sein und es geht vorwärts – auch wenn es manchmal schneller gehen könnte», so Benz. AUF DER RÜCKSEITE DIESES ZEITUNGSBUNDES FINDEN SIE EINE VISUALISIERUNG, DIE ZEIGT, WIE DIE SBVG BANKEN BEI DER GESTALTUNG DER ZUKUNFT DES SWISS BANKING UNTERSTÜTZT. IMPRESSUM « ZUKUNFT BANKING » ist eine gemeinsame Branchen-Kampagne von Brand Relations und Netzmedien. Die Publikation erscheint als Sonderbund in der Sonntagszeitung am 1. Dezember 2019 und via Netzwoche am 4. Dezember 2019 sowie online unter www.netzwoche.ch/zukunftbanking und auf moneytoday.ch. Herausgeberin Brand Relations GmbH Inhaberin: Sarah Schlagenhauf Bahnhofstrasse 21 | CH-6300 Zug Tel. 041 729 71 87 schlagenhauf @ brandrelations.ch Verlag Netzmedien AG CEO & Verleger : Dr. Heinrich Meyer Heinrichstasse 235 | CH-8005 Zürich Tel. 044 355 63 63 | info @ netzmedien.ch Namhafte Beteiligungen nach Art. 322 Abs. 2 StGB : Best of Swiss Web GmbH Redaktion Marc Landis, Chefredaktor Elsbeth Bruderer, Redaktorin Ruedi Maeder, Chefredaktor Moneytoday.ch Fabian Vogt, Redaktor Colin Wallace, Redaktor Tel. 044 355 63 36 | desk @ netzmedien.ch Layout Xenia Palacios, Noemi Bühler Korrektorat Brigitte Battaglia Titelbild-Illustration Fabrice Spahn | www.fbrc.ch Online-Management Julia Ostermann Sonderbund «ZUKUNFT BANKING» Druckauflage: 190 000 Ex. Bildquellen Sofern nicht anders vermerkt, stammen die Bilder von den beschriebenen Unternehmen oder wurden von den interviewten Personen zur Verfügung gestellt. Druck DZZ Druckzentrum Zürich AG Bubenbergstrasse 1 | 8021 Zürich Alle Inhalte erstellte die Fachredaktion der Netzwoche für die beschriebenen Unternehmen. Die Inhalte von Unternehmensbeiträgen, Interviews und Gastbeiträgen geben die Meinung der beschriebenen Unternehmen wieder. Die Redaktion ist für die Richtigkeit der Beiträge nicht verantwortlich. Die rechtliche Haftung liegt bei den beschriebenen Unternehmen. © 2019 BRAND RELATIONS GMBH UND NETZMEDIEN AG Die Wiedergabe von Artikeln, Bildern und Inseraten, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, ist nur mit Genehmigung von Brand Relations, Inhaberin Sarah Schlagenhauf, und der Netzmedien AG erlaubt.

01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Zukunft Banking DIGITALISIERUNG IST CHEFSACHE #ubs 03 « Wir glauben sehr stark an die Kraft von Plattformen und Marktplätzen » Karin Oertli ist seit Februar 2018 COO von UBS Schweiz. Im Interview spricht sie darüber, wie es bei der Grossbank in der Schweiz um die Digitalisierung steht und wie neue Technologien und Player den Schweizer Finanzplatz beeinflussen. Interview: Marc Landis, Redaktion: Colin Wallace Sie arbeiten seit 1992 in der Finanzbranche. Welche Entwicklungen sind Ihnen in Erinnerung geblieben und warum? Karin Oertli : Die Finanzbranche heute lässt sich nicht mehr mit damals vergleichen, als ich 1992 bei der ehemaligen Schweizerischen Bankgesellschaft als Trainee angefangen habe. Seither durchlebten Wirtschaft und Finanzbranche Grossereignisse. Die einschneidendsten dürften wohl das Platzen der Dotcom-Blase ab 2000 und die Finanzkrise ab 2007 gewesen sein. Diese führten unter anderem auch dazu, dass sich die Regulierung in unserer Branche massiv verschärft hat. Auch haben sich die technologischen Entwicklungen der vergangenen bald 30 Jahre komplett verändert, wie wir heute arbeiten und kommunizieren. Damals hatten wir noch Schreibmaschinen, Rohrpost, Telex, Teletex und erst später einen ( ! ) Computer pro Grossraumbüro. Alle Prozesse basierten auf Papier. Später kam das Internet dazu, das wir zu Beginn aber noch gar nicht nutzten. Ganz anders heute : Wir sind global vernetzt, arbeiten mit Laptops, Tablets und kommunizieren via Smartphone, Skype oder E-Mail. Die fortlaufende Digitalisierung hat aber nicht nur die Kommunikationswege verkürzt, sondern auch die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, massiv vereinfacht und beschleunigt. Im Jahr 2000 bekam ich mein erstes Blackberry ; seither ist mein Büro in Form meines Smartphones immer bei mir. Ich war seit 2000 nie mehr wirklich offline. Sie sind seit Februar 2018 COO von UBS Schweiz. Welche digitalen Projekte stehen für Sie im Fokus ? Wir haben mit E2 (Efficiency and Effectivness) ein Programm ins Leben gerufen mit dem Ziel, unsere Geschäftsprozesse ausgehend von der Kundenschnittstelle über die ganze Verarbeitungskette hinweg konsequent zu digitalisieren und ohne Medienbrüche abzubilden. Papier verliert bei UBS damit weiter an Bedeutung. Unsere Vision ist das Digital Office. Kunden haben aber nach wie vor die Wahl, ob sie auf Papier verzichten möchten oder nicht. In Zusammenarbeit mit dem Konzern läuft zurzeit ein Pilot, in dem wir unsere interne Post komplett elektronisch, angereichert mit Metainformationen verteilen. So kann die Post effizienter be- und verarbeitet werden. Wir leisten damit auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und sparen, quasi en passant, Kosten ein. Welchen Einfluss hat denn UBS Digital Office auf die Kundenerfahrung? Auch an der Kundenschnittstelle wollen wir digitaler werden, und dafür braucht es smarte digitale Prozesse im Hintergrund. Stellen Sie sich vor, wie ein Kunde bisher mit UBS in Kontakt trat: Alles war bereits sehr digital, bis er in die Bank kam. Von da an waren wir oft noch traditionell unterwegs, es wurde ausgedruckt, unterschrieben, gestempelt, abgelegt. An der Kundenschnittstelle sind wir mit dem Programm «Client Experience (CX)» daran, das Kundenerlebnis sowohl im Self-Service als auch in der Geschäftsstelle auf das nächste digitale Level zu bringen. Das Projekt umfasst damit insbesondere Themen wie etwa die fortlaufende Erneuerung von Mobile Banking und E-Banking oder die weitere Modularisierung unseres Angebotes. Im Oktober kam zum Beispiel gerade ein grosses Update unserer Mobile-Banking-App auf den Markt. In diesem Bereich ist es wichtig, den Ton anzugeben. Im Firmenkundengeschäft widmen wir uns mit dem 2019 lancierten digitalen Angebot « UBS Start Business » Gründern und Jungunternehmen, wo diese in einem 'One-Stop- Shop' die für den Start ihres Geschäfts zentrale Dienstleistungen und Produkte beziehen können – alles online und unkompliziert. Wir wollen digital führend sein in der Schweiz und sowohl neuen als auch alten Mitbewerbern eine Nasenlänge voraus sein. Wo steht die UBS bei der Digitalisierung? Mit «CX», «E2» und weiteren Projekten und Initiativen haben wir in puncto Digitalisierung schon gut vorgelegt – aber die Zeit steht nicht still. Wir arbeiten derzeit an einer neuen Digitalstrategie, die unsere bisherige fortführt und erweitert. Darin versuchen wir etwa zu antizipieren, wie Technologie die Welt und das Banking bis ins Jahr 2030 weiter verändern wird. Auf Basis dieser Strategie definieren wir dann, welche neuen Angebote wir in den nächsten Jahren bringen und in welche Technologien wir investieren werden. Hier werden sicher Themen wie digital gestützte Beratung oder digitale Assistenten dabei sein, aber auch spannende Bereiche, die sich derzeit schnell entwickeln wie etwa Plattformangebote. Smartphone-Banken drängen auf den Markt, Facebook lanciert ein eigenes Bezahlsystem, und Blockchain ist in aller Munde. Was bedeutet dies für UBS Schweiz ? Wichtig ist es zu verstehen, dass die meisten neuen Player im Bereich der Smartphone- Banken, FinTechs oder im Krypto-Umfeld nur einen Teil der Wertschöpfungskette abdecken. Universalbanken wie die UBS Schweiz haben jedoch schon immer die gesamte Wertschöpfungskette bedient. Für uns wird es daher wichtig sein, unseren Platz in dieser Wertschöpfungskette zu behaupten, wenn Angebote zusehends digital werden. Für Blockchain als Technologie sehe ich durchaus Potenzial, kurzfristig vor allem in Bereichen wie der Handelsfinanzierung oder Prozessoptimierung. Unsere Firmenkunden in der Schweiz haben zum Beispiel seit Kurzem Zugang zu we.trade, einer digitalen Plattform, bei der die Geschäftspartner durch den gesamten Prozess geführt werden – von der Transaktionsvereinbarung bis hin zur Zahlung. Ich glaube aber nicht, dass Banken dadurch an Bedeutung verlieren werden. Das Vertrauen der Kunden ist oft eng mit einer Institution, einem Finanzplatz und der damit einhergehenden Sicherheit verbunden. Wichtig sind klare rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen für die Anwendungen auf Basis der neuen Technologie. Digital Mindset Auf einer Skala von 0 bis 10 : — 8 — — 7 — Wie digital fit sind Sie ? Wie digital fit ist Ihr Unternehmen ? — 9 — — 9 — Wie sehr werden neue Technologien ( wie Blockchain, AI, Machine Learning, AR / VR ) die Branche verändern ? « Wir digitalisieren konsequent unsere Geschäftsprozesse, ausgehend vom Kunden über die gesamte Verarbeitungs - kette hinweg. » Karin Oertli, Chief Operating Officer of Personal & Corporate Banking and Region Switzerland, UBS Schweiz Wie sehr möchten Sie als Opinion Leader in diese neuen Technologien für die Zukunft investieren ? (Bild: UBS) Wie gestaltet UBS in der Schweiz die Digitalisierung in der Finanzbranche mit? Wir glauben sehr stark an die Kraft von Plattformen und Marktplätzen. Bestehende Geschäftsmodelle in der Finanzindustrie werden um Plattformen ergänzt; das zeigen internationale Vergleiche sowie nationale Trends. Deshalb wollen wir mit unserem neuen Geschäftsfeld «Digital Platforms & Marketplaces» unsere Rolle als führende Universalbank der Schweiz stärken. Plattformen und Marktplätze rund um das Hypothekargeschäft sind etwa vorteilhaft für Kreditnehmer und Kreditgeber. Hier wollen wir weiterhin den Ton angeben. Mit UBS Atrium haben wir bereits erfolgreich eine innovative Plattform zur Finanzierung von Renditeliegenschaften lanciert. Auf UBS Atrium finden Besitzer von Renditeliegenschaften, die eine Hypothekarfinanzierung suchen, und institutionelle Schweizer Investoren zusammen. Seit ihrer Lancierung vor zweieinhalb Jahren konnten wir bereits Kredite von mehr als 1,3 Milliarden Franken über UBS Atrium vermitteln. Darüber hinaus werden wir unser Angebot nun auch mit einer Plattform mit Hypotheken für selbstgenutztes Wohneigentum erweitern. Dort werden sowohl UBS als auch ausgewählte Schweizer Drittinvestoren Finanzierungen von Wohneigentum an Privatkunden anbieten können. Mittelfristig wollen wir über diese Plattform ein Vermittlungsvolumen von fünf bis zehn Milliarden Franken in Hypotheken erreichen. Warum glauben Sie, dass UBS mit einer solchen Plattform erfolgreich sein kann ? Plattformen brauchen Vertrauen von allen Beteiligten sowie eine erstklassige Infrastruktur, um erfolgreich zu sein – UBS ist hier bestens positioniert. Als führende Universalbank der Schweiz möchte UBS im Hypothekarbereich die Zukunft entscheidend mitprägen. Das Potenzial in der Schweiz ist gross, denn hierzulande stehen wir im Vergleich zu Deutschland oder Grossbritannien erst am Anfang dieser Entwicklung. In Deutschland werden jährlich rund 40 Prozent aller Hypothekargeschäfte über Vermittlungsplattformen abgewickelt, in Grossbritannien sind es einer McKinsey-Studie zufolge gar rund 70 Prozent. Wie sehen Sie die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz? Welche Veränderungen stehen mittel- und langfristig ins Haus ? Wir haben Mifid ( EU-Finanzmarktrichtlinie, Anm. d. Red. ) und die EU-DSGVO ( europäische Datenschutzgrundverordnung, Anm. d. Red.) implementiert, jetzt arbeiten wir daran, Fidleg ( Finanzdienstleistungsgesetz, Anm. d. Red. ) und das in Überarbeitung befindliche Schweizer Datenschutzgesetz umzusetzen – als global tätige Bank mit internationalen Kunden sind wir dazu verpflichtet, all diese Regulierungen einzuhalten. «The cost of doing business» wird auch künftig nicht abnehmen. Darum ist es für mich wichtig, dass wir nach wie vor eine Regulierung haben, die es uns ermöglicht, ohne allzu grosse Einschränkungen zu operieren. Wir haben alle unsere Lektion aus der Finanzkrise gelernt. Daher ist es nachvollziehbar, dass der Regulator engere Rahmenbedingungen gesetzt hat. Trotzdem müssen die Rahmenbedingungen derart ausgestaltet sein, dass sie den Finanzplatz Schweiz stärken, und so der hiesige Finanzplatz auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt. Was die technologische Entwicklung betrifft: Die Schweiz ist da gut gerüstet, wir haben einen Regulator, der die Entwicklung hin zu digitalen Technologien unterstützt. Wir haben eine sehr aktive FinTech-Szene, und haben mit den Universitäten und ETHs auch Institutionen, die Top-Talente anziehen und hervorbringen. Ausserdem haben wir ein liberales Arbeitsmarkt-Umfeld. All diese Faktoren erhöhen die Standortqualität. Das Schweizer Banking hat auch nach wie vor einen guten Ruf im Ausland, weshalb wir bislang keine Probleme haben, talentierte Mitarbeitende zu finden. Diese Kombination aus Innovation, regulatorischen Rahmenbedingungen und dem Verständnis für Trends muss auch in Zukunft beibehalten werden, um mit den kommenden Veränderungen mithalten zu können. VISION 2050 Wie sieht das Banking im Jahre 2050 aus ? Warum spielt Ihr Unternehmen dann noch eine Rolle ? Einfaches Banking läuft rein digital, unsichtbar im Hintergrund – denken Sie an Zahlungen. Die wichtigste Rolle der UBS ist es aber weiterhin, Menschen und Firmen bei komplexen Themen rund um Finanzieren und Investieren zu beraten – digital und persönlich. Warum ist Ihr Unternehmen spannend für die Generationen Y und Z ? Geld ist etwas sehr Persönliches. Da zählt ein stabiler, vertrauenswürdiger Partner, der einen in allen Belangen berät. Nur die Art, wie man mit dem Partner kommuniziert oder Dienstleistungen bezieht, mag sich ändern und erfolgt bei jüngeren Kunden – aber nicht nur bei ihnen – vermehrt digital.

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