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Zukunft-Banking Dezember 2019

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06 Zukunft Banking NEXT BIG THING 01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Swissquote demokratisiert jetzt auch Krypto-Investitionen Welches war eigentlich die erste Kryptobank ? Genau : Swissquote. Bereits seit Juli 2017 bietet Swissquote als erste regulierte Bank den Handel mit Bitcoin an. Mittlerweile sind es zehn Währungspaare von Bitcoin, Bitcoin Cash, Ether, Litecoin, Ripple wahlweise mit Euro oder US-Dollar. Als Technologiebank, wie Jan De Schepper Swissquote nennt, ist das Institut dabei, weitere Märkte und Assetklassen zu erschliessen. Autor : Marc Landis Vor ziemlich genau 20 Jahren hat Swissquote die Banklizenz erhalten. Damals war das Unternehmen die erste reine Onlinebank der Schweiz. Ursprünglich hatte das Waadtländer Unternehmen nur Realtime- Börsenkurse für Anleger angeboten. Der Schritt, auch eine Tradingfunktion anzubieten, erschien den Gründern damals logisch. Und der Erfolg gab ihnen Recht. In der Zwischenzeit passierte viel im Finanzmarkt und noch mehr bei der technologischen Entwicklung. Kryptowährungen und digitale Assets sind in aller Munde und erreichen immer mehr die traditionelle Finanzwelt. Wert von Kryptowährungen früh erkannt Den Wert von Kryptowährungen als Assetklasse erkannte Swissquote früh, um nicht zu sagen als erste Schweizer Bank. Während sich andere Finanzinstitute gegen Kryptowährungen wehrten und sie als Ausgeburt des Darknet verteufelten, entwickelten die Waadtländer swissquote.ch weiter und ermöglichen auf ihrer Plattform seit Sommer 2017 den Handel mit Bitcoin. Mittlerweile gibt es dort mit Bitcoin Cash, Ether, Litecoin und Ripple vier weitere Kryptowährungen, die Anleger wahlweise mit US-Dollar oder Euro kaufen können. «Wir waren und bleiben eine Technologiebank, die sich immer wieder mit neuen Technologien, neuen Produkten und neuen Märkten beschäftigt», sagt Swissquotes Verkaufs- und Marketingleiter Jan De Schepper zu «Zukunft Banking». Dabei denkt man bei Swissquote immer zuerst an die Kunden und die Mission, Trading für alle zugänglich zu machen. «Wir haben immer versucht, Pioniere zu sein in diesem Bereich mit dem Leitgedanken, die Demokratisierung des Bankings weiterzuführen.» Revolutionär einfach Krypto handeln Bezogen auf den Handel mit Kryptowährungen findet De Schepper, dass die einfache Handhabung des Kryptohandels auf Swissquote das eigentlich «Revolutionäre» sei. Wer sich schon einmal mit Kryptowährungen beschäftigt hat, merkt schnell, dass es einiges technisches Verständnis braucht, um damit zu handeln. So benötigt man etwa ein Wallet, muss wissen, auf welchen Kryptobörsen was zu finden ist. Aber im Gegensatz zu solchen Handelsplätzen ist Swissquote eine von der Finma regulierte Bank und kein dubioser Anbieter, der seinen Sitz auf den Cayman Islands hat. «Bei Swissquote ist der Kryptohandel so einfach und sicher, wie eine Aktie oder eine Fremdwährung zu kaufen. Alle Schritte, die wir mit Krypto machen, sind mit der Finma abgestimmt», sagt De Schepper. Auch sind seit Kurzem Überweisungen in Bitcoin und Ether von den unterschiedlichsten Krypto- Wallets auf ein Swissquote-Konto möglich. Und das geht auch umgekehrt. Doch Kryptowährungen sind für De Schepper erst der Anfang. «Wir schauen uns auch die Blockchain-Technologie an und fragen uns, wie wir sie für unsere Kunden nutzen können. Etwa da, wo sie einen Mittelsmann ausschalten kann und so auch Jan De Schepper, Verkaufsund Marketingleiter, Swissquote mehr Transparenz oder auch Liquidität in illiquide Märkte bringen kann. Etwa in den Bereichen Kunst oder Private Equity. In diesen Bereichen können wir es uns gut vorstellen, mit Unternehmen zusammenzuarbeite, die solche Anlageklassen entwickeln und entsprechende Tokens ausgeben. Investitionen in Aktien sind das Beste, das man mit seinem Geld tun kann Auch im Bereich Robo-Advisory sieht Swissquote weiteres Potenzial. «Wir waren bei den ersten, die den Anlegern einen Robo- Advisor zur Verfügung stellten, und die Entwicklung der Robos geht weiter», sagt De Schepper. «Die Algorithmen werden intelligenter und sie werden auch in der Lage sein, aktuelle Marktentwicklungen und die News-Lage zu analysieren, um noch besser Anlage-Entscheidungen zu treffen. Dies dürfte auch dazu führen, dass mehr Anleger auch mit wenig ausgeprägten Marktkenntnissen investieren können. Und das ist Swissquote ein besonderes Anliegen. Denn der Anteil der Investoren in der Gesamtbevölkerung soll sich erhöhen. «Nicht nur in unserem Interesse; der Aktienmarkt in der Schweiz hat sich 2019 mit einer Performance von über 20 Prozent sehr gut entwickelt. Und man weiss mittlerweile, dass eine Investition am Aktienmarkt über eine Periode von zehn Jahren das Beste ist, das man mit seinem Geld tun kann», sagt De Schepper. «Es ist doch schade, wenn die breite Bevölkerung an der guten Performance nicht partizipiert.» Die Zukunft hat für Swissquote als Pionier bei der Digitalisierung also erst gerade begonnen. Man darf auf die nächsten 20 Jahre gespannt sein. VISION 2050 Wie sieht das Banking im Jahre 2050 aus ? Warum spielt Ihre Firma dann noch eine Rolle ? Bargeld wird verschwinden. Alle erdenklichen materiellen und immateriellen Vermögenswerte werden jederzeit effizient, transparent und kostengünstig handelbar sein. Das Volumen der durch Robo-Lösungen verwalteten Vermögen wird massiv zunehmen. Swissquote war schon immer als Pionier im Banking unterwegs und hat es verstanden, Bankgeschäfte zu revolutionieren. Dies wird auch in Zukunft so sein. Wieso ist Ihr Unternehmen spannend für die Generationen Y und Z ? Weil Innovation Teil unserer Unternehmens- DNA ist und wir auch in Zukunft Innovationen schaffen werden. Damit können wir schnell und unkompliziert, mit umfassenden und massgeschneiderten Produkten auf die Bedürfnisse kommender Generationen eingehen. FinTech Crowdlitoken demokratisiert Immobilienanlagen Das in Liechtenstein ansässige FinTech Crowdlitoken möchte die Vorteile direkter und indirekter Immobilienanlagen kombinieren. Als erstes europäisches Unternehmen bietet Crowdlitoken eine digitale Finanzanlage für ein Immobilien-Portfolio. Domenic Kurt, CEO von Crowdlitoken Autor: Colin Wallace Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten zur Investition in Immobilien: direkte und indirekte Immobilienanlagen. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Bei der direkten Investition in Immobilien kann sich der Anleger ein eigenes Immobilienportfolio zusammenstellen und profitiert von einer inflationsgeschützten Rendite. Eine geeignete Immobilie will jedoch erst gefunden werden, und der Erwerb ist in der Regel kostspielig. Eine Immobilie zu besitzen, bedeutet auch, diese zu verwalten, was in jedem Fall mit Mehrkosten und -aufwand verbunden ist. Anders verhält es sich bei indirekten Immobilienanlagen. Hierbei handelt es sich um Investitionen in Fonds und/oder Immobiliengesellschaften. Anleger haben keinen Aufwand bei der Immobiliensuche und -verwaltung, und die Anlagen sind handelbar. Investoren haben jedoch keine Möglichkeit, die Anlage anzupassen und sich auf spezifische Merkmale im Portfolio zu fokussieren. Domenic Kurt, CEO von Crowdlitoken, war mit beiden Optionen nicht zufrieden: «Wir wollten das Beste aus beiden Welten.» Das in Liechtenstein basierte Unternehmen will die Vorteile direkter und indirekter Immobilienanlagen in einem digitalen Finanzprodukt zusammenführen. Dies macht das Produkt nicht nur für institutionelle Anleger interessant, sondern auch für Kleinanleger. Investoren sollen mit Crowdlitoken schon mit einer Mindestanlage von 100 Franken ein individuelles Immobilienportfolio zusammenstellen können, ohne sich mit der Suche und Verwaltung der Objekte beschäftigen zu müssen. Investitionen sollen zudem handelbar sein und von einer inflationsgeschützten Rendite profitieren. Gleichzeitig verspricht Crowdlitoken mit ihrem Produkt tiefere Kosten, flexibles Anpassen der Immobilienallokation und eine höhere Effizienz als andere Anlageformen. Der Immobilienmarkt wird tokenisiert Möglich macht dieses Vorhaben die Blockchain-Technologie und der darauf basierende Crowdlitoken (CRT), ein Security Token, welcher eine digitale Anleihe repräsentiert. Im Vergleich zu Kryptowährungen wie Bitcoin sind Security Tokens an konkrete Vermögenswerte gebunden, in diesem Falle an den Wert des Immobilienportfolios. Security Tokens sind daher mit Aktien oder Wertpapieren zu vergleichen und werden entsprechend streng reguliert. Der Vertriebsprospekt wurde Mitte April von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) gebilligt, im Mai hat auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA bestätigt, dass die Zulassung auch für die Schweiz gilt. Die Tokensierung der Assets bietet den Anlegern im Vergleich zum Immobilienfonds mehr Möglichkeiten, ihr Investment zu verwalten und damit zu handeln. So ermöglicht die Tokenisierung den Investoren die Zusammenstellung eines individuellen Immobilienportfolios. Dazu verteilen die Anleger ihre Tokens einfach auf die gewünschten Objekte. Demnach erhalten sie auch nur die anteiligen Erträge auf die ausgewählten Objekte, nicht des gesamten Portfolios von Crowdlitoken. Die Tokens können monatlich umplatziert werden. Zudem können Anleger entscheiden, ob sie ihre monatliche Rendite ausbezahlt haben wollen, oder ob sie das Einkommen durch Tokens reinvestieren wollen. Die digitale Anleihe Crowdlitoken hat eine Laufzeit von 25 Jahren. Nebst den monatlichen Erträgen aus den Liegenschaften profitiert der Investor am Ende der Laufzeit zudem von der Wertsteigerung des gesamten Immobilien-Portfolios von Crowdlitoken. Immobilien für alle «Wir wollen den Immobilienmarkt demokratisieren», sagt Kurt. Das Angebot von Crowdlitoken richtet sich daher nicht nur an institutionelle Anleger, sondern auch an Privatkunden. Es braucht kein Blockchain-Wissen, um in Crowdlitoken (CRT) zu investieren. Mitte November hat Swissquote die digitale Immobilien-Anleihe als ersten Security Token in ihr Angebot aufgenommen, was das Investieren stark vereinfacht: Swissquote bietet den CRT nicht nur zum Verkauf an, sondern übernimmt auch gleich die Verwahrung. So entfallen Risiken, die mit Kryptowallets verbunden sind, wie etwa vergessene Zugangsdaten. Der frühe Vogel fängt den Wurm Crowdlitoken besitzt noch kein Immobilienportfolio. Die ersten zwei reservierten Objekte in der Schweiz sind auf der Website ersichtlich. Später werden weitere Objekte dazukommen. Aktuell befindet sich das Unternehmen in der ersten Verkaufsphase seines Tokens, wo ein Rabatt von 25 Prozent gewährt wird (siehe Beispiel-Grafik). Erstes Ziel ist die Erreichung des Softcaps, der Verkauf von 45 Millionen Token. Wenn diese Marke erreicht ist, darf das Unternehmen auf die investierten Gelder zurückgreifen und die ersten Liegenschaften kaufen. Je mehr Tokens gezeichnet werden, desto grösser wird das Portfolio der Renditeliegenschaften. Sollte der Softcap bis Mitte April 2020 nicht erreicht werden, so erhalten die Investoren ihr Geld zurück. Nach erfolgreicher Finanzierung werden Tokens zu einem Nominalwert von einem Franken emittiert. Je früher also investiert wird, desto höher der Rabatt.

01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Zukunft Banking DIGITALISIERUNG IST CHEFSACHE #ti&m 07 « Wegen Neo-Banken und den BigTechs sollten sich die Banken sorgen » Was müssen Banken tun, wenn sie gegen Revolut, Google und Co. bestehen wollen ? Es braucht optimierte Backends, moderne und offene Endkundenschnittstellen und vor allem viel Mut ; das sagt ti&m-Gründer und CEO Thomas Wüst. Interview: Marc Landis, Redaktion: Fabian Vogt Welche Aufgaben müssen die Banken lösen, um für die Digitalisierung und neue Kundenerwartungen gerüstet zu sein ? Thomas Wüst : Es gibt zwei wichtige Rahmenbedingungen. Erstens : Die Negativzinsen sind gekommen, um zu bleiben. Zweitens werden die Margen für die Banken kleiner. Bisher hielten sie ihre Gewinne über Volumensteigerungen, das geht aber nicht mehr lange so weiter. Das bedeutet, dass sich die Banken stärker um ihre Prozesskosten kümmern müssen. Ist die Digitalisierung das Mittel, um Kosten zu sparen? Klar. In der Regel will man mit der Digitalisierung näher zum Kunden kommen. Aber Digitalisierung heisst genauso auch End-to-End-Prozessintegrationen. Und in diesem Kontext auch eine Konzentration auf das Wesentliche, nämlich auf differenzierende Dienstleistungen. Die Banken müssen sich davon lösen, dass beispielsweise Hypotheken bei einer Zürcher Kantonalbank anders funktionieren als bei einer Appenzeller Kantonalbank. So etwas muss standardisiert werden. Im Frontend hingegen muss die individualisierte Kundenschnittstelle verteidigt werden. Des Weiteren müssen die Banken agiler werden. Schnelle Veränderung sind sie bisher nicht gewohnt, eine andere, agilere Kultur als bisher wird da Abhilfe schaffen können. Demnach macht es viel Sinn, Front-to-Back zu integrieren? Der Front-to-Back-Approach ist aus meiner Sicht der einzig Erfolgversprechende. Unsere ti&m channel suite läuft in wenigen Tagen bei jedem Kunden, und wir können damit die Kundenschnittstelle individualisiert und modularisiert gestalten. Nach Bedarf können wir jedes Backend oder auch jeden Open Service anbinden. Eine Bank ist damit nicht erst nach drei Jahren live wie früher, sondern in wenigen Monaten, und dies auch noch End-to-End inklusive E-Banking und M-Banking, so der Kunde dies wünscht. Damit liegt der Fokus auf einer spannenden Kundenerfahrung und auf effizienten Prozessen. Dort bekommen die Banken Konkurrenz von FinTechs. Ich weiss, es wird immer von FinTechs geredet. Aber die sind derzeit nicht oder noch nicht relevant. Die traditionellen Banken sollten sich eher wegen Neo-Banken wie N26, Revolut und der grossen Internetkonzerne Sorgen machen. Die Neo-Banken haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, Kunden zu gewinnen. Sie haben aber noch nicht gezeigt, dass sie auch Geld mit Bankdienstleistungen verdienen können. Zumindest noch nicht. Der Schweizer Markt ist aus meiner Sicht für diese Strategie jedoch zu klein. Die sinnvollen Angebote werden kommen, man sieht es bereits im Payment-Bereich. Dort müssen die Banken aufpassen, denn wenn sie diesen Touchpoint zum Kunden verlieren, verlieren sie die Datenschnittstelle. Mit was für Problemen kommen die Kunden zu ti&m ? Wir bieten ein End-to-End-Angebot: Dies geht vom Consulting über das Design bis zum Entwickeln und Betreiben ganzer Projekte und Produkte. Entsprechend vielfältig sind die Anfragen. Derzeit sind die Cloud und Bankenlösungen aus der Cloud heraus grosse Themen. Die Kunden wollen Digital Mindset Auf einer Skala von 0 bis 10 : — 7 — — 9 — Wie digital fit sind Sie? Wie digital fit ist Ihr Unternehmen? — 8 — — 10 — Wie sehr werden Wie sehr möchten neue Technologien Sie als Opinion (wie AI, Machine Leader in diese Learning, Blockchain, neuen Technologien AR/VR) die Branche für die Zukunft verändern? investieren? wissen, welche Cloud-Strategien Sinn ergeben und vor allem, wie sie die Cloud so nutzen können, dass sie ihnen nachhaltig Vorteile bringt. Auch die bereits angesprochenen Touchpoints zum Kunden, eine gut abgestimmte Kombination aus digitaler und persönlicher Interaktion, sind sehr wichtig. Die bestehenden Lösungen sind in der Regel nicht zukunftstauglich. Dementsprechend werden die Banken ihren Touchpoint Nummer eins – den E- und M- Banking-Bereich – im Verlauf der nächsten Jahre erneuern müssen. Das ist natürlich sehr spannend für ti&m, weil wir mit unserem E-Banking über das innovativste, coolste und offenste Produkt am Markt verfügen (lacht). Open-API-Banking, AI, Architekturen und die Optimierung von Prozesskosten sind ebenfalls viel gefragt. Und was sagen Sie Ihren Kunden ? Banken müssen einen Tick mutiger werden. Es gilt, Dinge auszuprobieren und dabei kontinuierlich zu lernen und besser zu verstehen. Wir machen das selber auch, in sogenannten Garagen. Dort investieren wir zwischen 15 000 und 150 000 Franken in viel versprechende Ideen. Wenn sie dann doch nichts taugen, haben wir wenig Geld investiert und dafür viel gelernt. Solche «Garagen» kann man übrigens auch sehr gut in Kooperationen mit Partnern angehen. Dabei lernt man quasi nebenbei einiges über den Partner und dessen Kultur und Arbeitsweise. Allgemein müssen die Banken sich öffnen, miteinander sprechen und erkunden, wo Partnerschaften in Abwicklungsthemen Sinn machen. Sie haben noch nicht von Blockchain gesprochen. Wie werden DLT und Kryptowährungen die Finanzindustrie beeinflussen ? Sie werden die Branche in den nächsten paar Jahren sicher nicht in dem Masse beeinflussen, wie es noch 2018 schien. Ich kenne kein Blockchain-Start-up, das heute Geld verdient. Geld machen nur Händler und Broker. Viele der Start-ups wussten zwar, wie sie in einem gehypten Markt an Investorengelder kommen, sie hatten aber keine Vision, wie sie nachhaltig am Markt bestehen können. Generell hat die Blockchain enormes Potenzial. Beispielsweise im Abbilden von Besitzverhältnissen und im Registergeschäft, das damit ohne Dritte abgewickelt werden kann. Auch im Emittentengeschäft oder im Bereich der Self Sovereign Identity besteht grosses Potenzial. Dort wird die Blockchain kommen, aber das wird seine Zeit brauchen. « Banken müssen aufpassen, dass sie den Touchpoint zum Kunden nicht verlieren. » Thomas Wüst, Gründer und CEO, ti&m. Und die Krypto-Banken ? Ich denke, ihr Geschäftsmodell besteht in der Haltung von Krypto-Assets. Bis vor ein paar Jahren wollte niemand etwas damit zu tun haben ; heute haben viele Private- Banking-Kunden Krypto-Assets. Die Privatbanken wollen diese Anlagen aber nicht selbst halten, dort liegt die Chance für die Krypto-Banken. Aber die Welt erobern werden sie vorerst wohl nicht. Je mehr Assets tokenisiert sind, desto spannender werden Krypto-Banken werden. Ich kann mir durchaus vorstellen, auch neuen Banken zu vertrauen. Sie zeigen viel Engagement und haben grosse Pläne ... Natürlich, müssen sie ja. Aber der Schweizer Markt ist für Neo-Banken zwar attraktiv, doch nicht einfach. So verfügen bestehende rein Schweiz-basierte Neo-Banken bis anhin zwischen 0 und 20 000 Kunden, die oftmals nicht profitabel sind. Ich gehe davon aus, dass diese Schweizer Neo-Banken ihr Glück wohl eher in einer Exit-Strategie suchen und sich verkaufen werden. Welche Zukunft sehen Sie für das Private Banking ? Es wird auch hier zu einer Technologisierung des Beratungsprozesses kommen. Heute verlässt sich der Kunde noch stark auf seinen Berater. Das wird sich langsam ändern. Dafür sorgt die jüngere Generation, aber auch bessere Investment-Tools. Ich will keine Power-Point-Präsentation mehr nach Hause nehmen, die mir zeigt, wie ich mein Geld investieren kann. Ich will direkt verschiedene Szenarien sehen, die darstellen, was mit welchen Investments möglich wäre. Die Banken sparen so grosse Dokumentationsaufwände, die sie besser in die Betreuung stecken und damit den Service verbessern und die Kosten senken. Gleichzeitig gewinnen sie Daten, die sie mit intelligenten Auswertungen in personalisierte Angebote überführen können. Das gibt es heute noch viel zu wenig. VISION 2050 Wie sieht Banking im Jahr 2050 aus ? Warum ist ti&m dann noch wichtig ? Wie das Banking dann aussehen wird, kann ich Ihnen nicht sagen, ich persönlich bin davon überzeugt, dass Vertrauens-, wohl aber weniger Abwicklungspartner auch in ferner Zukunft noch Relevanz haben werden. Aber ich bin sicher, ti&m wird genau dann noch wichtig sein, wenn wir bis dahin unsere Werte und unseren Spirit bewahren können. Ich weiss auch nicht, wie die Technologie im Jahre 2050 aussehen wird, aber ich bin sicher, dass Kompetenz, Unternehmertum und die Fähigkeit zu interdisziplinärer Zusammenarbeit und Innovation auch noch gefragt sind, wenn wir die Software per Brain-Interface auf einem Quantencomputer entwickeln. Wie sehen Sie die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes ? Der dürfte eher wachsen. Die Marke Schweiz ist doch exzellent als Standort für ein Geschäftsfeld, das mit Vertrauen zu tun hat, und darauf basierenden erfolgreichen Bankdienstleistungen. Zusammen mit einer sehr aktiven Technologiebranche, die die notwendige Innovationsfähigkeit einbringt, wird sich aus meiner Sicht der Bankenplatz Schweiz langfristig behaupten. Dafür müssen die Banken aber stärker zum Unternehmertum zurückfinden. Die letzten Jahre hat man sich eher geduckt, musste aufräumen. Das war auch richtig. Jetzt aber braucht es wieder Vorwärtsstrategien, die den eigenen Markt weiterentwickeln und auch schützen. Dazu müssen sich die Banken darauf besinnen, dass ihr Geschäft auf Vertrauen basiert. Wenn sie dies mit einer Innovationsstrategie und einer agilen Grundhaltung sinnvoll verbinden können, werden sie Erfolg haben – auch im Wettstreit mit internationalen Neo-Banken. Warum ist ti&m spannend für die Generationen Y und Z ? Bei uns hat man den Mut, das Wissen und die Methoden, eigene Produkte End-to-End zu realisieren, ohne Stückwerk und ohne Offshoring. Das macht uns innovativer und definitiv schneller, was sich positiv auf die Erfolgserlebnisse der Mitarbeiter und damit auf deren Zufriedenheit auswirkt. Bei ti&m wird ausserdem die Work-Life-Balance sehr ernst genommen. Wir haben mit Liquid Working ein Arbeitsmodell, bei dem das Pensum jederzeit unbürokratisch angepasst werden kann. Jeder kann beliebig oft Auszeiten nehmen und bestimmt so selbst, in welchem Umfang er oder sie mit uns zusammenarbeiten will.

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