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IT for Gov 2019

STRATEGIE Das Referendum

STRATEGIE Das Referendum gegen das E-ID-Gesetz startet im Oktober mur. Der Nationalrat hat im März ein Gesetz beschlossen, das es privaten Firmen erlaubt, die digitale Identität (E-ID) herauszugeben. Die Digitale Gesellschaft ist damit nicht einverstanden und sucht nun 10 000 Bürgerinnen und Bürger, die jeweils fünf Unterschriften zu einem Referendum beitragen. Die Unterschriftensammlung soll am 8. Oktober starten. Auch die Demokratie- Plattform Wecollect, Grundrechte.ch und der Verein Publicbeta unterstützen das Referendum. Die Eidgenössische E-ID-Kommission (Eidcom) soll für die Anerkennung der Aussteller von E-IDs zuständig sein und diese auch beaufsichtigen. Der Digitalen Gesellschaft reicht das aber nicht. Sie warnt davor, dass die mit der E-ID verbundenen grossen Datenmengen in die Hände privater Unternehmen fallen. «Der Beschluss des Parlaments für eine elektronische Identifikation ist kein Kompromiss, sondern ein historischer Systemwechsel», schreibt die Digitale Gesellschaft. Der Bund verabschiede sich von einer staat- Den vollständigen Artikel finden Sie online lichen Kernaufgabe. «An die www.netzwoche.ch Stelle von staatlichen Passbüros treten in Zukunft Grossbanken, Versicherungsgesellschaften und private Unternehmen.» Das Bundesgesetz sei ein Kniefall vor den Interessen der Wirtschaft auf Kosten der Demokratie und der Bevölkerung. Bild: rainbow777 / Shutterstock.com Chain IQ macht Marcel Stalder zum CEO Bundesrat soll Whatsapp- Hintertür prüfen jor. Der im Beschaffungswesen tätige Schweizer Konzern Chain IQ hat Marcel Stalder zum CEO berufen. Er folgt auf Urs Dogwiler, der das Unternehmen Ende Oktober verlässt, wie es in einer Mitteilung heisst. Stalder leitete zuvor die Schweizer Ländergesellschaft von EY. Er war insgesamt 23 Jahre für den Wirtschaftsprüfer tätig, zuletzt als Partner und Market Leader Germany, Switzerland and Austria. Sein Stellenantritt bei Chain IQ sei ein verblüffendes Comeback, denn er sei Anfang dieses Jahres nach einem Skandal zurückgetreten. Stalder wurde in Vorwürfe wegen sexueller Belästigung verwickelt, wie «Finews.ch» berichtete. Ein Kollege Stalders, ein Schweizer Kadermitglied von EY, soll einer jüngeren Mitarbeiterin mündlich und per SMS Avancen gemacht haben. Auf die Zurückweisung habe das mittlerweile freigestellte Kadermitglied mit Mobbing reagiert. Stalders Rücktritt sei auf Medienvorwürfe gefolgt, die innerhalb der Firma für Verunsicherung gesorgt hätten. EY hat mittlerweile in Stefan Rösch-Rütsche Den vollständigen Artikel finden Sie online für das Schweizer Geschäft einen neuen operativen Leiter www.netzwoche.ch gefunden. mur. Der FDP-Ständerat Josef Dittli hat den Bundesrat aufgefordert, zu prüfen, ob Messenger-Dienste wie Whatsapp es den Behörden ermöglichen, auf richterliche Anordnung hin Chats zu lesen. Dittli fragt: Ist die End-to-End-Verschlüsselung in Messenger-Diensten für die Sicherheit der Schweiz ein Thema? Ist die Verschlüsselung ein Sicherheitsrisiko hinsichtlich staatlicher Interessenswahrung? Und gibt es seitens des Bundes Bestrebungen, Messenger-Dienste zu verpflichten, unter bestimmten Voraussetzungen einen Zugang zu verschlüsselten Chats und Telefonaten zu ermöglichen? Threemas Geschäftsführer Martin Blatter sagt, dass die Endto-End-Verschlüsselung Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen vor Cyberangriffen und Identitätsdiebstahl schütze, wie «20 Minuten» schreibt. Zu den Versuchen, Messenger zur Offenlegung von Inhalten zu zwingen, sagt Threemas Marketingleiter Roman Flepp gegenüber der «Netzwoche»: «Derzeit sind das eher Nebelpetarden einzelner Politiker.» Eine Aufweichung der Verschlüsselung Den vollständigen Artikel finden Sie online komme für Threema unter keinen Umständen www.netzwoche.ch infrage. 6

«Conversational Government» – Sprechen ist das neue Schreiben Durch die breite Verfügbarkeit von Sprachassistenten könnten in Zukunft sprachbasierte Verwaltungsdienste eine Ergänzung zu webbasiertem E-Government darstellen. Wissenschafter der FHS St. Gallen untersuchen aktuell deren Potenzial und Anforderungen. STRATEGIE Sei es auf Smartphones oder über sogenannte smarte Lautsprecher: digitale Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Google Assistant und entsprechende konversationsbasierte Dienste finden zunehmend Verbreitung. Analog zum «Conversational Commerce», also Onlineshopping mittels Sprache, scheint auch das «Conversational Government», sprachbasierte elektronische Verwaltungsdienste, ein vielversprechendes Einsatzgebiet. Entsprechende Erwartungen sind etwa eine bewusste Reduktion der Komplexität der angebotenen Dienste sowie die verbesserte Zugänglichkeit für sämtliche Einwohner. Im Rahmen des Forschungsprojekts «conego», unterstützt durch E-Government Schweiz, wurden in einem ersten Schritt Experteninterviews durchgeführt, um mehr über Anforderungen, Herausforderungen und Möglichkeiten von sprachbasierten Verwaltungsdiensten zu erfahren. Dazu wurden fünf Interviews mit E-Government-Spezialisten (Stadt, Kanton, Bund) sowie Fachleuten mit Erfahrung in der Umsetzung von sprachbasierten Diensten geführt. Für zukünftige sprachbasierte Verwaltungsdienste sind Open Government Data und APIs relevant. Die Autoren Matthias Baldauf (l.) und Hans-Dieter Zimmermann, Dozenten für Wirtschaftsinformatik, FHS St. Gallen Ein weiterer zentraler Punkt ist die Robustheit der Spracherkennung. Diese wird einerseits durch spezielle schweizerische Verwaltungsausdrücke («Betreibungsregister» etc.) auf die Probe gestellt, andererseits durch die Verwendung von Mundart. Bezüglich deren Bedeutung für sprachbasierte Verwaltungsdienste sind sich die involvierten Experten uneinig: Eine Gruppe sieht keine Relevanz, da die Bevölkerung Standardsprache für Bank- und Verwaltungsdienste gewohnt sei, die andere schätzt die Unterstützung von Mundart als zentral für die finale Akzeptanz ein. Bezüglich der technischen Umsetzung von sprachbasierten Verwaltungsdiensten sehen die E-Government-Experten die Verwaltung selbst nicht in der führenden Rolle. Vielmehr soll diese vermehrt Daten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen («Open Government Data»), um in einem Open-Innovation-Ansatz die Erstellung von Sprachdiensten durch interessierte Nutzer selbst zu ermöglichen. Anforderungen aus Expertensicht Diverse E-Government-Dienste erfordern eine Authentifizierung des Nutzers, also einen überprüfbaren Nachweis, dass es sich wirklich um die entsprechende Person handelt, etwa bei der Bestellung eines Betreibungsregisterauszugs. Um solche Dienste über eine Sprachschnittstelle anbieten zu können, bietet sich ein Zwei-Faktor-Ansatz unter Verwendung einer dazugehörigen Mobile- App an: Der Nutzer muss seine Anmeldung via Sprachassistent auf dem persönlichen Smartphone bestätigen. Um möglichst viele Landesbewohner zu erreichen, sollte ein entsprechender Dienst in verfügbare Sprachassistenten eingebettet werden. Alexa und Co. werten die Äusserungen eines Users jedoch nicht direkt auf dem Gerät aus, sondern übertragen die aufgenommenen Sprachdaten an globale Rechenzentren zur dortigen Analyse. Für Verwaltungsdienste, die private oder hoheitliche Daten verarbeiten, muss dies zwingend berücksichtigt werden. Unklar ist laut den befragten E-Government-Experten jedoch, als wie «sensibel» die Nutzer selbst die involvierten persönlichen Daten einschätzen. Implikationen und nächste Schritte Denkbar sind eine Vielzahl sprachbasierter Verwaltungsdienste von einfacher Informationsabfrage bis hin zu komplexen Dialogen. Bei der Auswahl erster Anwendungsfälle für «Conversational Government» muss die Benutzerfreundlichkeit an erster Stelle stehen und somit die Vorteile und Einschränkungen von «Voice Interfaces» berücksichtigt werden: Sie zeigen ihre Stärke speziell bei wiederholten Aufgaben, die oftmals neben einer Haupttätigkeit ausgeführt werden, wie etwa die Steuerung des Navigationssystems während des Autofahrens oder ein Produkt während des Kochens auf die Einkaufsliste zu setzen. Für zukünftige sprachbasierte Verwaltungsdienste, die über die reine Informationsabfrage hinausgehen, scheinen auch «Open Government APIs» relevant – Schnittstellen, über die elektronische Verwaltungsprozesse von externen Anwendungen angestossen werden können. Bei deren Umsetzung stellen sich sowohl Fragen der IT-Sicherheit als auch der Verwaltungsorganisation: oftmals werden dafür ein Umdenken und eine Anpassung von Verwaltungsprozessen erforderlich sein. 7

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