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IT for Health 01/2017

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produkte & technik A Petabyte a Day keeps the Doctor away Die Gesellschaft hat hohe Erwartungen an die IT: Sie soll helfen, eine bessere Welt zu schaffen. Was zunächst utopisch klingt, ist tatsächlich möglich: Big Data hat das Potenzial, Naturkatastrophen vorherzusagen, Kriminalität zu bekämpfen und Therapieverfahren für bekannte und neue Krankheiten zu entwickeln. Gerade im Gesundheitswesen ist der Nutzen von Technologie offensichtlich, denn hier kann Big Data Leben retten. Darüber hinaus ermöglicht die Analyse grosser Datenmengen eine umfassende Transformation des Gesundheitswesens – von der Versorgung kranker Menschen zu einer personalisierten, digitalen und datengetriebenen Präventivmedizin. Aus meiner Sicht gibt es drei Anwendungsgebiete für Big Data im Gesundheitswesen: 1.Effizientere Medikamentenentwicklung Big Data kann über den Erfolg oder Misserfolg eines neuen Medikaments entscheiden. Die Pharmaindustrie investiert Milliarden Franken in die Entwicklung von Arzneimitteln, die nie auf den Markt kommen. Ein besseres Verständnis der komplexen Zusammenhänge von Wirkung, Verträglichkeit und Darreichungsform würde es erlauben, den Entwicklungsprozess früher zu stoppen, oder die Zeit bis zur Markteinführung zu verkürzen. Zudem können Pharmafirmen mithilfe von Big Data die Wirksamkeit von Medikamenten verbessern und sogar Therapiemöglichkeiten für vermeintlich unheilbare Krankheiten wie Krebs finden. 2. Verbesserte Versorgung und Prävention Die Analyse der schnell wachsenden Menge an digitalen Patientendaten ermöglicht es, neue Erkenntnisse über Krankheitsmuster zu gewinnen, und frühzeitig vor schädlichen Umweltfaktoren zu warnen. In der Patientenversorgung können Ärzte und Pflegepersonal schneller Entscheidungen treffen, wenn Daten über die Wirksamkeit eines Medikaments in einer bestimmten Situation bekannt sind. Gleichzeitig steigt die Aussicht auf Genesung, wenn subjektive oder intuitive Behandlungskonzepte ersetzt werden durch eine Medikation auf Grundlage verlässlicher Daten. Der Autor Jacques Boschung, Vice President Europe West bei EMC. 200 Milliarden Euro sparen, wenn Ineffizienzen beseitigt und der Betrug sowie die unrechtmässige Inanspruchnahme von Dienstleistungen verhindert würden. Jede Investition in die digitale Transformation im Gesundheitswesen verspricht daher eine potenziell hohe Rendite. Eine neue Qualität bei der Datenanalyse Doch das stetige Datenwachstum stellt die Akteure im Gesundheitswesen vor zwei wesentliche Herausforderungen: Wie lassen sich all diese Informationen effizient speichern und verwalten? Und: Wie können Datensilos vermieden werden, die eine umfassende Auswertung der Daten verhindern? Das ist der Punkt, an dem Data Lakes ins Spiel kommen: Sie speichern strukturierte und unstrukturierte Daten in unveränderter Form an einem zentralen Ort und unterstützen unterschiedliche Standards für die Datenerfassung und den anschliessenden Zugriff. Data Lakes im Gesundheitswesen sollten sogar noch einen Schritt weitergehen und Daten von Regierungsbehörden, Pharmafirmen, Spitälern und allen Ärzten weltweit zusammenfassen. Das würde den Wert der IT für die Gesellschaft nachdrücklich unterstreichen. 3.Niedrigere Sozialversicherungskosten Laut Studien der Unternehmensberatung McKinsey könnten die Kosten im Gesundheitswesen durch den Einsatz von Big Data Analytics um ein Drittel reduziert werden. Allein in Europa würden Sozialversicherungsämter über Big Data könnte helfen, Milliarden einzusparen. Bild: Shutterstock 26 IT for Health

Digitale Sicherheit ist Chefsache Die Einführung des elektronischen Patientendossiers stellt Akteure des Gesundheitswesens vor neue Herausforderungen bei der Sicherheit. Sie müssen sich unter anderem mit ihren IT-Sicherheitskonzepten und Architekturen beschäftigen. Dies kann ohne die Führungsebene kaum gemeistert werden. produkte & technik Die Umsetzung der E-Health-Strategie des Bundes ist in der Schweiz schon lange ein Thema. Doch seit der Verabschiedung des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier (EPD) führt für die Gesundheitsbranche kein Weg mehr an E-Health vorbei. Spätestens beim Inkrafttreten des Gesetzes per 2017 werden die Rahmenbedingungen für die Umsetzung geschaffen. Damit diese wirklich gelingen kann, sind die gut beratenen Leistungserbringer schon heute intensiv damit beschäftigt, sich auf die Einführung vorzubereiten. EPD birgt Potenzial und Herausforderungen Mit der Einführung des EPDs schafft die Schweiz einen standortunabhängigen Zugriff auf medizinische Patientendaten und verbindet die einzelnen Akteure zu einem organisationsübergreifenden Gesundheitssystem. Damit trifft die Schweiz den Nerv der Zeit. Laut einer Cisco Studie zum Thema Internet of Everything (IoE) wird die Vernetzung von Menschen, Prozessen, Daten und Dingen bis im Jahr 2020 um das Fünffache zunehmen. Die vollständige digitale Erfassung von Krankengeschichten birgt für das Schweizer Gesundheitswesen in Zukunft riesiges Potential. Dank der voranschreitenden Digitalisierung wird es möglich sein, Gesundheitsdaten intelligent zu nutzen. Daraus werden interessante Lösungen entstehen, welche Patienten einen Mehrwert bieten. Wer Zugriff auf die Daten hat und in welcher Form diese genutzt werden dürfen, entscheidet jedoch alleine der Patient. Security entlang des digitalen Patientenpfads Das Thema Informations-Sicherheit muss bei der Einführung des EPD von Anfang an einen hohen Stellenwert haben. Denn die grosse Sensibilität der Patientendaten verlangt hohe Anforderungen an den Datenschutz. Damit die E-Health-Strategie erfolgreich eingeführt werden kann, sind eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema Sicherheit und eine Überarbeitung der entsprechenden Konzepte unumgänglich. Gesundheitsinstitutionen müssen in Zukunft nicht nur über passende Der Autor Martin Rüfenacht, Leiter Healthcare-Markt bei Cisco Systems und Vize-Präsident IG eHealth. Netzwerk-Architekturen verfügen, sondern auch sämtliche beteiligten Personen entlang des Patientenpfads für das Thema Sicherheit sensibilisieren und die nötigen Voraussetzungen dafür schaffen. Ein sicheres System nützt nichts, wenn beispielweise der behandelnde Arzt Patientendaten auf eine kostengünstige, aber nicht ausreichend geschützte Cloud-Lösung schickt. Verantwortung liegt bei Geschäftsleitung Bei der Einführung des EPD handelt es sich um ein komplexes Projekt, das von den wenigsten Unternehmen im Alleingang gesteuert werden kann. So kann das Thema Sicherheit in diesem Zusammenhang nicht einfach delegiert werden. Zu gross sind die Risiken des Reputationsschadens bei einer nachlässigen Umsetzung. Vielmehr muss sich das Management aktiv mit dem Thema auseinandersetzen. Zum anderen sollten sämtliche involvierte Personen, wie Patienten und Mitarbeitende, die Brisanz des Themas Sicherheit verstehen. Es ist wichtig, dass das Management einer Gesundheitsorganisation ihre Mitarbeitenden befähigt und ihnen das richtige Sicherheits-Verhalten vorlebt. Das elektronische Patientendossier wird kommen – und das gesamte Gesundheitswesen profitiert von der zunehmenden Digitalisierung. Sicherheit entlang des Patientenpfades ist jedoch komplex. Für Akteure im Gesundheitswesen ist es daher wichtig, den richtigen Partner für Konzeption und Umsetzung einer zeitgemässen IT-Sicherheits-Architektur zu finden und vom Wissen anderer Branchen zu profitieren. Damit dies gelingt, müssen Gesundheitsinstitutionen jetzt handeln und mit den Vorbereitungen beginnen. IT for Health 27

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