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IT for Health 02/2020

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E-HEALTH KONKRET stark

E-HEALTH KONKRET stark von der professionellen Arbeit der OIZ – der Organisation und Informatik Zürich. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Coronakrise und der Zunahme an Cyberattacken auf Spitäler? Und wenn ja: inwiefern? Während der Coronakrise wurden weltweit in sehr kurzer Zeit viele Anpassungen an sicherheitsrelevanten Infrastrukturen durchgeführt, um den Anforderungen für Homeoffice, Videokonferenzen etc. gerecht zu werden. Jeder Change und insbesondere übereilt durchgeführte Changes bringen neue Risiken mit sich. Dadurch wurden IT-Systeme tendenziell verletzlicher. Hacker dürften die Situation für ihre Zwecke ausgenutzt haben. « Den ganz grossen und allumfassenden Lösungen stehe ich persönlich eher skeptisch gegenüber. » Stefan Beyeler, Leiter des Departements «Digitalisierung und Informatik» des Stadt spitals Waid und Triemli Besonders heikel ist der Schutz von medizinischen Geräten wie etwa Herz-Lungen-Maschinen oder Magnetresonanztomografen. Für die Software-Updates solcher Geräte ist man auf die Hersteller angewiesen. Wie gehen Sie mit diesem Problem um? Für medizinische Geräte bestehen Wartungs- und Supportverträge. Updates können nur durch die Hersteller und Lieferanten durchgeführt werden. Für besonders heikle Systeme bestehen eigene geschützte Netzwerkzonen. Wie beurteilen Sie den Stand der Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen? Im Vergleich zur Industrie hinkt das Gesundheitswesen stark hinterher. Durch das hochspezialisierte Marktumfeld stehen für Spezialistensysteme nur sehr wenige – oft auch nur ein einziger – Anbieter zur Auswahl. Das gibt uns nur beschränkte Einflussmöglichkeiten, um neue technologische Möglichkeiten oder Standards einzufordern, obschon es diese Standards unterdessen sehr wohl gibt. Was braucht es noch auf dem Weg zum digitalisierten Spital? Trotz der eben erwähnten Restriktionen bei den Lieferanten liegt die Verantwortung für den Ausbau der Digitalisierung bei den Spitälern selbst. Es braucht Mitarbeitende aus den verschiedensten Fachbereichen mit Ideen für durchgängige, IT-unterstützte Prozesse, die über die Grenzen der eigenen Organisationseinheit hinaus und mit einer optimalen Kombination von bestehenden und neuen IT-Systemen den Digitalisierungsgrad Schritt für Schritt verbessern. Den ganz grossen und allumfassenden Lösungen stehe ich persönlich eher skeptisch gegenüber. Die extrem hohen Investitionen für solche Projekte müssen innerhalb weniger Jahre abgeschrieben werden und belasten die Spitalrechnung stark. Spitäler und insbesondere ihre IT-Systeme sind komplex. Bei jedem Ausbau oder jeder Erneuerung eines IT-Systems besteht die Chance, das Gesamtsystem zu verbessern. Diese Chance sollten wir gezielt nutzen. Was raten Sie anderen Spitälern, die sich mit Digitalisierungsprojekten beschäftigen? Viele Digitalisierungsprojekte werden meiner Erfahrung nach aufgrund von kurzfristigen Bedürfnissen initialisiert. Das birgt die Gefahr, dass Lösungen realisiert werden, die konzeptionell ungenügend ins grosse Ganze hineinpassen und später umgebaut oder schlimmstenfalls wieder ausser Betrieb genommen werden müssen. Um dies zu vermeiden, bin ich selbst auf eine gute Übersicht der bestehenden Services – Stichwort Servicekatalog – angewiesen und muss den Funktionsumfang, das Zusammenspiel und den Informations- und Datenfluss zwischen den einzelnen Komponenten verstehen. Darauf aufbauend versuche ich jeweils, neue Lösungen möglichst gut in das Gesamtsystem zu integrieren. Was wird Sie in den kommenden Monaten am meisten beschäftigen? In den kommenden Monaten werden wir uns prioritär um die drei Schlüsselprojekte KIS, Leistungserfassung/Leistungsmanagement und SAP-Einführung am Standort Waid kümmern. Daneben gibt es eine ganze Reihe von mittleren und kleineren Vorhaben, die für den Ausbau der Digitalisierung ebenfalls eine wesentliche Rolle spielen. Die schweizweite Verzögerung der EPD-Einführung gibt uns etwas mehr Spielraum. Ich persönlich werde zum einen meiner Lieblingsbeschäftigung, der Koordination und konzeptionellen Abstimmung der einzelnen Themen aufeinander, nachgehen. Zum anderen braucht die eingangs erwähnte IT-Reorganisation immer noch viel Aufmerksamkeit. Das Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch 14

«eMediplan» – der maschinen- und menschenlesbare Medikationsplan Die Medikation ist ein zentraler Aspekt im Behandlungsprozess von Patienten. Wenn mehrere Gesundheitsversorger in den Behandlungspfad eines Patienten involviert sind und der Patient mehrere Medikamente täglich einnehmen muss, steigt aufgrund der Komplexität und der zahlreichen Schnittstellen der Koordinationsaufwand – und das Risiko für Medikationsfehler nimmt zu. CASE Eine besondere Herausforderung sind Ein- und Austritte in Spitälern. Beim Eintritt eines Patienten ist die aktuelle Medikation oft unklar und unvollständig. Dazu kommt, dass die Erfassung im Klinikinformationssystem manuell erfolgt, was zu Fehlern führt und eine ineffiziente Patientenaufnahme darstellt. Während der Behandlung im Spital wird die Medikation fast in jedem Fall verändert. Die Patienten erhalten zwar eine Medikationsliste beim Austritt, verlieren aber bei zusätzlichen Medikamenten vom Hausarzt und allenfalls vom Spezialarzt nicht selten die Übersicht und halten sich nicht an die vorgesehene Therapie. Der Schweizer «eMediplan» als Lösung Ein vollständiger, aktueller und korrekter Medikationsplan führt nachweisbar zu einer höheren Qualität im Medikationsprozess. Als Lösung bietet sich der offene Standard des Schweizer «eMediplans» an, der alle Medikamente eines Patienten in einer für ihn verständlichen, einheitlichen Darstellung abbildet. Zudem ist ein QR-Code aufgedruckt, der von allen Beteiligten auch elektronisch eingelesen werden kann. Mit dem QR-Code werden die Medikationsdaten strukturiert zwischen – bisher inkompatiblen – Informations- und Expertensystemen ausgetauscht. Der Vorteil ist ein einheitlicher, maschinen- wie auch menschenlesbarer Medikationsplan, der die Effizienz der Medikamentenanamnese steigert und die Fehlerquelle der manuellen Eingabe an jeder Schnittstelle eliminiert. Verbundene Prozesse und höhere Qualität für Behandelnde und Behandelte Wird der überarbeitete «eMediplan» nach dem Austritt zeitnah den Nachbehandelnden elektronisch zur Verfügung gestellt, können diese mit deutlich weniger Rückfragen sofort die Betreuung Die Autoren Urs Oswald, Berater bei Indema Roger Tschumi, Leiter Entwicklungsprojekte bei Argomed Ärzte übernehmen. Dies verhindert unnötige Rehospitalisationen aufgrund von Missverständnissen oder Fehlern in der Medikation und führt damit zu einer Reduktion der Behandlungskosten. Die Argomed will den «eMediplan» in einem überregionalen Projekt gemeinsam mit weiteren Projektpartnern als Standard- Format für Medikationspläne in der medizinischen Grundversorgung etablieren. Indema und Argomed streben eine vernetzte Zusammenarbeit von Spitälern und Arztpraxen an und unterstützen den Informationsaustausch über den «eMediplan» mit praktischen Werkzeugen. Sinn und Zweck ist es, Fehler in der Medikation und der Anwendung zu vermeiden. Mit dem Kantonsspital Baden KSB wird gegenwärtig ein Pilotprojekt vorbereitet, um die Zuweiser und die stationäre Welt in puncto Medikation besser miteinander zu verbinden. Ein vollständiger «eMediplan» unterstützt die Anamnese bei der ambulanten Konsultation wie auch beim stationären Eintritt und dient damit der Qualität im Spital. Umgekehrt hilft der beim Spitalaustritt durch das Spital abgegebene «eMediplan» sowohl den Patienten wie den Hausarztpraxen, dank verlässlichen Medikamenteninformationen nahtlos mit der Behandlung weiterzufahren. Benedikt Niederer, Leiter Unternehmensentwicklung am KSB, ist überzeugt: «Es ist ein Geben und Nehmen im Spital und bei den Grundversorgern zugunsten unserer Patienten.» «eMediplan» Der «eMediplan» ist von eHealth Suisse als EPD-kompatibel anerkannt und als Umsetzungsformat empfohlen. Der logische nächste Schritt ist die «eMedikation». Dieser Standard bietet mehr Vorteile für zusätzliche Anspruchsgruppen, ist aber noch entfernt von der Umsetzung und Etablierung für den täglichen Gebrauch. Alle Informationen des Plans sind im QR- Code enthalten. Die Behandelnden können diesen Code einlesen. Patienten scannen den Code mit der Mediplan-App Der eMediplan kann medizinische Daten speichern Das Feld zeigt den Zweck des Medikaments Der verordnende Arzt ist hinterlegt Die Darreichungsform des Medikaments ist als Bild ersichtlich 15

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