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IT for Health 1/2018

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PRODUKTE & TECHNIK « Die eierlegende Wollmilchsau wird es nicht geben » Ohne Klinisches Informationssystem (KIS) kommt heute kein Spital mehr aus. Jürg Lindenmann, Geschäftsführer von Health-IT, gibt Auskunft über den aktuellen Stand der Technik, die Hoffnung auf mehr Effizienz und das KIS der Zukunft. Interview: Oliver Schneider Eines Tages könnte ein KIS alle Fachapplikationen im Spital konsolidieren. Wo stehen wir da? Jürgen Lindenmann: Da gab es viele gute Entwicklungen. Es kristallisierte sich heraus, was die Kernmodule eines KIS sein sollten: Planung, Eintritt, Verordnung, Kurve usw. Alles Dinge, die sich standardisieren lassen. Dort ist ein KIS gut und sinnvoll. Alle spezifischen Anwendungen sind aber für KIS-Hersteller nicht interessant, denn der Markt dafür ist zu klein. Wäre es nicht wünschenswert, dass ein KIS alle Anforderungen aus der Klinik unterstützt? Früher hätte ich das bejaht. Mittlerweile muss ich aber sagen, dass wir nicht um mehrere Systeme herumkommen. Die eierlegende Wollmilchsau wird es nicht geben. Spitäler müssen herausfinden, welche Prozesse nicht fachspezifisch sind und damit Platz im KIS haben, etwa die Operationsplanung oder das Erstellen von Verordnungen. Gewisse Spezialitäten werden sie aber nie in ein KIS packen können. Hier muss jedes Spital einen guten Mittelweg finden. Was verstehen Sie unter KIS 4.0? Für mich hat das mit dem Reifegrad des Systems zu tun. Als ich im Jahr 2000 anfing, gab es als Version 1.0 nur eine einfache Berichtschreibung. Die nächste Generation (2.0) brachte dann erste administrative Workflows in die KIS. Dann kamen Pflegedokumentation und Kurve dazu (3.0). Das gab der Digitalisierung im Spital einen enormen Schub. Bei KIS 4.0 geht es jetzt darum, mit intelligenten Algorithmen konkrete medizinische Arbeiten zu automatisieren, Ereignisse vorherzusagen und Wissen zugänglich zu machen. Kein Arzt kann heute noch alle Informationen im Kopf haben, die aus der Forschung kommen. Dazu kommt die Langzeitüberwachung von Patienten auch ausserhalb des Spitals. Zum Beispiel mit mobilen Messgeräten. Konnten die KIS wie erhofft Kosten senken und das Personal entlasten? Wenn die Spitäler ihre Hausaufgaben gemacht haben, auf jeden Fall. Ein Spital muss seine Prozesse effizient im System abbilden, dann kann man sehr viel aus dem KIS herausholen. Das Problem liegt darin, dass Produktivitätsgewinne des KIS von anderen Faktoren gleich wieder aufgefressen werden. Es ist also nicht möglich zu sagen, wie viel man mit einem KIS effektiv einspart. Jürg Lindenmann, Geschäftsführer, Health-it Was müssten Spitäler tun, um das Potenzial eines KIS besser zu nutzen? Man muss unbedingt mit den Leuten aus der Pflege, der Medizin und aus den Sekretariaten reden, die an der Front arbeiten. Die haben viel Know-how und kennen die Arbeitsabläufe sehr gut, werden aber oft nicht gefragt. Ein guter KIS-Hersteller beschäftigt Businessanalysten, die nach draussen gehen und versuchen herauszufinden, wie man mit dem KIS Wertschöpfung in die Prozesse bringt. Alles, was keine Wertschöpfung bringt, muss dann weggelassen werden. Ausserdem braucht es Support aus der Spitalleitung für die IT-Verantwortlichen. Nicht für ein Schlagwort wie «Digitalisierung», sondern für das Informationsmanagement. Das muss Chefsache sein. Was bieten heutige KIS noch nicht, was kommt in Zukunft? Ausser KIS 4.0 gibt es das Thema der Disruption durch Technologie. Die Informations-Bubble, die sich automatisch um jeden Patienten im Spital bildet, wird auf neue Weise bewältigt werden können. Hier wird auch Gamification eine Rolle spielen, also der spielerische Umgang mit Informationen und Arbeitsprozessen. Ein Beispiel ist das Start-up Komed Health, im Prinzip ein Whatsapp für Spitäler mit Anbindung ans KIS. Solche spezialisierten Zusatzanwendungen auf dem KIS werden wir in Zukunft öfters sehen, und die Hersteller sind gut beraten, wenn sie sich solche Komponenten einkaufen. Denn KIS werden nie verschwinden, sie werden aber auch nie alles gut können. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_81844 26

Namensschild übersetzt Fremdsprachen cka. Fujitsu hat ein tragbares Übersetzungssystem vorgestellt. Das Gerät verfügt über eine Freisprecheinrichtung, ist kann Englisch, Fujitsus Namensschild in etwa so gross wie eine Postkarte und lässt sich wie ein Chinesisch und Namensschild an der Kleidung befestigen, wie der Hersteller Japanisch. mitteilt. So habe der Nutzer beide Hände frei, um weiter seiner Arbeit nachzugehen. Das Übersetzungssystem wurde für den Einsatz im Spital konzipiert. Damit könnten Ärzte auch Patienten behandeln, die nicht der Landessprache mächtig seien. In einer Klinikumgebung mit Umgebungsgeräuschen von 60 Dezibel und einem Abstand von etwa 80 Zentimetern zwischen Arzt und Patient erreiche die Lösung eine Spracherkennungsrate von 95 Prozent. Die Lösung eigne sich auch für andere Branchen. Allerdings befinde sich das Gerät noch in der Testphase. Mit der Vermarktung will Fujitsu voraussichtlich im Frühjahr 2018 beginnen. Aktuell unterstützt das System Englisch, Chinesisch und Japanisch – und erkennt diese Sprachen automatisch. Später sollen weitere Sprachen hinzukommen. FORSCHUNG & LEHRE Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_61899 EPFL tüftelt an künstlicher Hand Neuer Sensor soll Herzströme kontaktlos messen sma. Forscher der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) tüfteln an einer Hand, die sich mit Hirnwellen steuern lässt. Der EPFL-Wissenschaftler Luca Randazzo hofft, dass das sogenannte Exoskelett eines Tages körperlich beeinträchtigte Menschen im täglichen Leben unterstützen kann. Randazzo entwickelt das Exoskelett gemeinsam mit seinem Kollegen José Millán, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Hand lasse sich innerhalb von Minuten am Körper befestigen. Das Interface könne an den Patienten angepasst werden. Möglich seien Stimuli über Augenbewegungen, über Smartphone-Stimmerkennung oder über Hirnwellen per Headset. Die Wissenschaftler testeten das Exoskelett bisher mit Schlaganfall-Patienten und Menschen mit Rückenmarkschädigung. In Zukunft soll die Hand als Hilfsmittel für alltägliche Tätigkeiten eingesetzt werden. Auch bei der Rehabilitation soll sie helfen. Patienten können das Exoskelett auch per Augenbewegungen oder Smartphone steuern. Befestigt sei sie Hand innerhalb weniger Minuten. sma. Ein neues Sensorsystem soll die biometrischen Signale des Körpers nicht nur scannen, sondern auch analysieren können – und das ohne Hautkontakt. Entwickelt wurde der Sensor an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, wie Heise.de berichtet. Dabei helfe ein magnetisches Material, das je nach Magnetfeld weicher werde. Eine Analyse ohne Körperkontakt sei vor allem bei Notfällen und Langzeituntersuchungen wertvoll, heisst es in einer Mitteilung der Universität. Bei einem Verdacht auf einen Herzanfall etwa müsse eine Analyse besonders schnell gehen. Magnetische Diagnostik hätte gegenüber anderen Verfahren einige Vorteile, schreibt die Uni Kiel. Im Vergleich zu elektrischen Signalen würden magnetische überall gleich weitergegeben. «So werden genauere Messungen mit einer besseren Ortsauflösung möglich», schreibt Professor Eckhard Quandt, Sprecher des Sonderforschungsbereiches 1261. Der Nachteil: Das System sei sehr störungsanfällig. Bis sie reif für die Praxis seien, müssten die Sensoren allerdings noch kleiner und empfindlicher werden. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_77162 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_81863 27

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