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Netzwoche 07/2021

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30 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX 48 Bild: Freepik E-COMMERCE Die fragmentierte Goldgrube FOCUS IOT UND EDGE COMPUTING rja. Das Internet of Things (IoT) ist eine Goldgrube. Zumindest erhält diesen Eindruck, wer sich durch die Berechnungen weltweiter Marktforscher liest. IDC zum Beispiel beziffert die weltweiten IoT-Ausgaben im Jahr 2020 auf satte 742 Milliarden US-Dollar und erwartet bis 2024 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 11,3 Prozent. Dagegen dürfte der Schweizer Markt vergleichsweise bescheiden ausfallen. MSM Research führe derzeit eine neue Erhebung zum hiesigen IoT-Markt durch, sagt Geschäftsführer Philipp Ziegler auf Anfrage. Spontan schätzt er das aktuelle Marktvolumen auf ungefähr 1 Milliarde Franken, abhängig davon, welche Ausgaben man in die Berechnung einfliessen lässt. Gleichzeitig gilt IoT hierzulande nicht als Top-Trend. Laut dem «Swico House View» vom Februar 2021 investieren Schweizer Unternehmen nach wie vor lieber in die Tech-Trends Cloud, Plattform und Cybersecu rity – IoT- Technologien verlieren im Vergleich zur letztjährigen Untersuchung sogar ein paar Prozentpunkte. Dabei falle aber auf, dass etablierte Unternehmen eher in IoT investierten als Start-ups, merkt der Swico an. Philipp Bolliger, Informatiker, Firmengründer und Investor, sagte vergangenen September in einem «Netzwoche»-Interview, dass sich in der Industrie IoT-Lösungen oft noch nicht lohnen würden: «Es ist heute etwa schlicht nicht sinnvoll, eine Festbank zu tracken, die mich 200 Franken gekostet hat, wenn ich dafür Hardware brauche, die 50 Franken kostet und ich dann noch jedes Jahr 24 Franken für Connectivity und Cloud ausgebe», sagte er. Diese Kosten dürften in den nächsten Jahren aber weiter sinken, weswegen auch Bolliger IoT-Anwendungen ein exponentielles Wachstum prophezeit. IoT-Technologien sind nicht neu, wie Sie im Fachbeitrag von Jiri Petr, Bereichsleiter Applications bei CSA Engineering, auf Seite 32 lesen. Er plädiert für überlegtes Handeln beim Aufbau neuer Infrastrukturen. Das Resultat seien «einfachere, zuverlässigere, robustere und umweltfreundlichere Lösungen». Was IoT in spezifischen Branchen leistet, zeigt etwa Nico Ros, Mitgründer & CTO von Skycell, auf Seite 33. Er beschreibt, wie moderne Technologien den Medikamententransport zuverlässiger und sicherer machen. Thomas Anken, Agronom bei Agroscope, zeigt auf Seite 31, wie gross das Potenzial von IoT-Anwendungen in der Landwirtschaft ist. Welche IoT-Technologien die Schweizer Rheinhäfen einsetzen wollen und wie sie ihre IT-Infrastruktur schützen, erläutert Felix Harder, Teamleiter Projekte, im Interview ab Seite 34. 07 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Focus 31 Landwirtschaftlichen Systemen auf der Spur Auf Erfahrung beruht seit jeher die Fähigkeit der Landwirtinnen und Landwirte, Boden, Tiere, Pflanzen und Wetter richtig einzuschätzen, um so ein gutes Gedeihen zu ermöglichen. Mit der Sensorentwicklung und deren Einbindung ins Internet wird es nun schrittweise möglich, diese Systeme besser zu erfassen und die Produktion ressourcenschonender und effizienter zu gestalten. Wie viel Wasser benötigt meine Pflanze wirklich? Dies ist eine Frage, die sich wohl schon die meisten Personen gestellt haben. Dies richtig einzuschätzen, ist nicht nur bei Zimmerpflanzen, sondern auch bei Nutzpflanzen in der Landwirtschaft anspruchsvoll. Letztere wachsen zudem nicht in Töpfen, sondern in unterschiedlich tiefgründigen und oft sehr inhomogenen Böden. Deshalb ist es auch für erfahrene Berufsleute schwierig, den echten Wasserbedarf richtig einzuschätzen. Bodenfeuchtesensoren übernehmen diese Aufgabe, liefern laufend den aktuellen Bodenfeuchtezustand und ermöglichen so eine gezielte Bewässerung. Die Daten werden auf dem Feld erfasst und in den meisten Fällen entweder per Mobilfunk oder neuerdings auch über neue Systeme wie LoRA oder NB-IOT auf einen Server übermittelt. Diese Grundlagen können entweder zu Informationszwecken verwendet oder direkt in automatische Systeme integriert werden. So haben sich etwa automatische Bewässerungssysteme, die per Bodensensoren gesteuert werden, schon in der Praxis bewährt. Die Erfahrungen zeigen, dass sich damit gut 30 Prozent Wasser sparen lassen, da der Bewässerungsbedarf meist überschätzt wird. Der eigentliche Klassiker unter den Anwendungen im Internet of Things (IoT) sind Wetterstationen. Diese senden Daten an zentrale Server, die Prognosen für unterschiedlichste Pflanzenkrankheiten berechnen. Die Landwirtinnen und Landwirte können so im Internet den Verlauf von Pflanzenkrankheiten verfolgen und nötigenfalls zur Behandlung schreiten. Dies erlaubt es, die Behandlungen auf das notwendige Minimum zu reduzieren, ohne grosse Risiken eingehen zu müssen. Ins Internet eingebundene Kamerafallen, die Insekten durch Pheromone, leuchtende Farben oder andere Mittel anziehen, sind mittlerweile schon mit Computern bestückt und erkennen per künstlicher Intelligenz die Anzahl und die Art der gefangenen Schadinsekten. Sie ermöglichen es so, deutlich besser abzuschätzen, ob Interventionen für die Regulierung bestimmter Schädlinge nötig sind oder ob deren Population noch unterhalb einer kritischen Schwelle liegt. Diese Beispiele zeigen, wie vielseitig die Möglichkeiten von IoT-Anwendungen in der Landwirtschaft sind. Der Bedarf an neuen Sensorsystemen, die beispielsweise den Nährstoffgehalt im Boden, die Ausbreitung von Krankheitssporen durch die Luft oder den Gesundheitszustand von Tieren laufend ermitteln, bietet nach wie vor ein grosses Potenzial. Wir stehen am Anfang einer wichtigen Entwicklung, um landwirtschaftliche Produktionssysteme nachhaltiger und effizienter zu gestalten. DER AUTOR Thomas Anken Leiter Forschungsgruppe «Digitale Produktion», Agroscope Wetterstationen, der Klassiker unter den IoT-Anwendungen in der Landwirtschaft, dienen der Krankheitsprognose und Bewässerungssteuerung. Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 07 / 2021

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