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Netzwoche 09/2021

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30 Technology Porträt

30 Technology Porträt Auf Spurensuche im Datenmorast IT-Forensik und E-Discovery – das sind die Spezialitäten von Rogier Teo. Mit seiner Firma Swiss FTS hilft er Unternehmen und Behörden, die tief in der Bredouille stecken oder wissen wollen, wo Gefahren lauern. Mal geht es mehr ins Technische, mal mehr um digitale Detektivarbeit. Autor: Joël Orizet « Meistens haben wir mit Diebstahl von geistigem Eigentum und Bankkundendaten zu tun. » Rogier Teo, Partner und Mitgründer, Swiss FTS Am Anfang steht immer ein Verdacht. Hat ein Mitarbeiter etwa getrickst, gemauschelt oder Geld gewaschen? Ist jemand aus den eigenen Reihen korrupt, in ein Kartell verstrickt oder sonst wie kriminell? Fragen wie diese ziehen mitunter heikle Prozesse nach sich. Wer in solchen Fällen ermittelt, braucht mehr als eine gute Spürnase. Vor allem, wenn sich pikante Details in Unmengen an unstrukturierten Daten verstecken. Dann kommt es darauf an, die richtigen Werkzeuge und Methoden anzuwenden – eine Kompetenz, die Rogier Teo und sein Geschäftspartner Mattias Aggeler zum Geschäft gemacht haben. Mit ihrer Firma Swiss FTS unterstützen sie Unternehmen, Behörden und Anwälte dabei, unliebsame Fakten zu finden. Das Ziel der Auftraggeber: Risiken abschätzen, Täter überführen oder Affären aufarbeiten. Die fachübergreifende Digital-Detektei Es sind zwei boomende Geschäftsfelder, die Swiss FTS beackert. Das eine nennt sich IT-Forensik. Sie ist oftmals Bestandteil strafrechtlicher Ermittlungen, wobei sich Swiss FTS auf Wirtschaftsdelikte spezialisiert. «Oftmals haben wir mit Diebstahl von geistigem Eigentum und Bankkundendaten zu tun», sagt Teo. In der IT-Forensik würden in der Regel Geräte wie PCs und Smartphones sichergestellt und anschliessend Logdateien, die Registry und Browser-History minutiös nach Beweisen durchsucht. Auch im Geschäftsbereich E-Discovery geht es um digitale Spurensuche. Hier stehen jedoch weniger technische Untersuchungen von Systemen an. Häufiger geht es um betriebswirtschaftliche und juristische Risiken wie etwaige Compliance-Verstös se, Vertragsverletzungen oder drohende Klagen. Man arbeitet mehr investigativ, mehr mit Inhalten und klärt etwa ab: Wer hat was zu welchem Zeitpunkt gewusst? Und es fallen viel mehr Daten an. «In unserem grössten Projekt sammelten wir 25 Millionen Dokumente», sagt Teo. Und das Sammeln sei erst der Anfang. Anschliessend müssten die Daten bereinigt, indexiert, querverlinkt und übersichtlich zusammengetragen werden, sodass Juristen, Techniker oder Ermittler damit weiterarbeiten können. Dann eben selbstgemacht Dunkle Geheimnisse, ungelöste Verbrechen – das alles interessiert Teo nicht sonderlich. Krimis lassen ihn kalt, wie er sagt. Was ihn an seinem Job fasziniert? Zusammenhänge herstellen, einzelne Spuren wie Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Und natürlich: Lösungen entwickeln. Denn obwohl er heute kaum mehr programmiert, ist er im Herzen ein Techie geblieben. 2008 tauchte Teo in die Welt der IT-Forensik ein. Er war damals 28 und fing gerade bei einem der «Big Four»-Wirtschaftsprüfer an, wo er seinen heutigen Geschäftspartner Aggeler kennenlernte. Ein Jahr lang arbeitete Teo in London in einer Abteilung für E-Discovery. Zurück in der Schweiz habe Teo seinen Chef gefragt, ob man nicht auch hierzulande so etwas aufbauen möchte. Doch der Chef winkte ab. «Technologie hatte damals nicht denselben Stellenwert wie heute. Aber vielleicht habe ich auch die Idee schlecht verkauft», sagt er und lacht. Jedenfalls hätten sich Aggeler und Teo gesagt: Dann machen wir es halt selbst. Sturm und Andrang Glück, gutes Timing und die richtige Technologie – das sei in der Anfangsphase entscheidend gewesen. 2010, im Jahr der Firmengründung, durchlebte der Schweizer Finanzplatz eine stürmische Zeit. Handelsskandale, Steueraffären und die Wirtschaftskrise hatten den Ruf der beiden Grossbanken schwer ramponiert. Wirtschaftsprüfer und Anwälte kamen auf Swiss FTS zu, weil ihnen für die Aufarbeitung dieser Fälle etwas fehlte: eine Review-Plattform für grosse E-Discovery-Projekte. Teo spricht von einer Software namens Relativity. «Wir waren in Kontinentaleuropa die ersten, die mit diesem Tool umgehen konnten.» Zu den Kunden von Swiss FTS zählen heute Banken, Versicherer, Behörden, Industrieunternehmen sowie Regulatoren. Vor zwei Jahren eröffneten Teo und Aggeler eine Niederlassung in Singapur und vor sechs Monaten eine weitere in Lausanne. Die beiden Gründer beschäftigen derzeit 20 Mitarbeiter. Ziel sei es, das Team auf 50 Leute auszubauen. Allerdings nicht um jeden Preis. Es solle familiär bleiben und vertrauensvoll, sagt Teo. Denn Integrität ist in diesem Geschäft das höchste Gut. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch 09 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Fachbeitrag 31 Deshalb lohnen sich frühe Prototypen in der Webentwicklung Viele Wege führen nach Rom. Das gilt insbesondere in der Software- beziehungsweise Webentwicklung, etwa wenn es um die frühe Phase der Ideenfindung geht. Wer hier prototypt statt brainstormt, kommt schneller ans Ziel. Wer beim Begriff «Ideenfindung» reflexartig an die klassische Brainstorming-Methode mit vielen Post-its an einer grossen weissen Wand denkt, kann unter Umständen noch etwas dazulernen. Bei den Ergonomen machten wir die Erfahrung, dass sich mit Prototyping viel mehr aus dem Ideenfindungsprozess herausholen lässt als mit Brainstorming. Prototyping vs. Brainstorming Die Vorteile von Prototyping liegen auf der Hand: Am Ende des Prototyping-Prozesses stehen eine oder mehrere Varianten etwa einer Website oder eines User Interfaces beispielsweise als Papierskizze. Ein Prototyp kann aber auch funktioneller und interaktiver sein, wenn man ihn etwa in einem entsprechenden Computer-Programm zur Visualisierung «zum Leben erweckt». Am Ende eines Brainstorming-Prozesses hingegen steht eine Wand mit Wörtern, die auf Post-it-Zettel gekritzelt wurden. Anstelle einer vagen Vorstellung liefert ein Prototyp im Vergleich dazu etwas Greifbares, also die bereits manifestierte, in Form gebrachte Idee hinter einem zu entwickelnden Produkt. Damit vereinfacht er die Kommunikation zwischen Projektleitung und Design- beziehungsweise Ingenieurteams und macht eine Idee konkret und erlebbar. Liegt ein Prototyp vor, sprechen alle im Projektteam über dasselbe. Auch für die Inspiration im Projektteam Bild: tirachardz - Freepik.com sind Prototypen nützlich – zu ihrer Weiter- oder Neuentwicklung. Ein Prototyp erfordert, aber ermöglicht auch die intensive Auseinandersetzung mit der zugrundeliegenden Idee. Denn er ist ein fassbarer und erlebbarer Zugang dazu. Die Idee wird (besser) verstanden und Gutes beziehungsweise Schlechtes daran wird schnell offensichtlich. Das Erleben einer Idee mithilfe des Prototyps inspiriert zudem zu ihrer Weiter- oder Neuentwicklung. Ausserdem sind Prototypen nützlich für die Realisierung. Denn schon beim Erstellen haben wir im Hinterkopf, dass dieser Prototyp erlebbar und bewertbar sein muss. Das ist der erste Realitätscheck. Den zweiten durchläuft eine Idee, wenn der Prototyp durch andere auf Herz und Nieren getestet wird. Durch das direkte Ausprobieren kann die Gruppe also leicht entscheiden, ob mehr Zeit in diese oder besser in eine andere Idee investiert werden sollte. Best Practices beim Vorgehen Beim Prototyping ist es wichtig, schnell vorzugehen und sich Zeitlimits zu setzen. Dies entspricht Konzepten der agilen Entwicklung. Statt lange an Details und Sonderfällen herumzubasteln, lieber mit einer frühen, unvollständigen Version starten und diese von anderen Personen unter die Lupe nehmen lassen. Ausserdem ist es besser, keine sehr lange Runde zu drehen, sondern mehrere, kurze Iterationen durchzuführen: Prototyping, Ausprobieren (Selbsttest), Prototyping, Ausprobieren (Team-Feedback), Prototyping, Ausprobieren (Benutzer-Usability-Test), Prototyping usw. Schon während des Brainstormens mit Prototypen hilft es, sich realistische Szenarien und Testaufgaben zu überlegen und zu dokumentieren. So werden Ideen und dann später Produkte nicht an der realen Welt vorbei entwickelt, sondern alle können sie schon während des Prototypings selbst überprüfen. Szenarien und Testaufgaben können auch weiterverwendet werden: Bei der Präsentation des ersten Prototyps, bei der Vorbereitung des Prototyps für einen Test und während eines Tests. Wer nun Lust auf Prototyping bekommen hat, aber «nicht zeichnen kann», darf beruhigt sein. Alle können zeichnen, damit es für Prototyping reicht. Und falls doch nicht, helfen verschiedene Visualisierungsprogramme, die teils frei im Web verfügbar sind (siehe Kasten). i DIE AUTORIN INFO Melanie Stade Die Ergonomen Usability Apps, die das Prototyping erleichtern (Auswahl): ▪▪ Adobe XD ▪▪ Axure RP ▪▪ Balsamiq ▪▪ Figma ▪▪ InVision.app ▪▪ Microsoft Powerpoint ▪▪ Proto.io ▪▪ Sketch (Mac) Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 09 / 2021

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