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Netzwoche 14/2019

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14 Business Focus Das Crypto Valley – die Zukunft des Krypto-Standorts Schweiz Das Crypto Valley bietet ein einladendes Umfeld für Unternehmer und Investoren. Die Schweiz führt auch zuverlässig die Rangliste der innovativsten Staaten an und gilt als eines der Länder mit der höchsten Lebens qualität. Doch sind diese Voraussetzungen genug, damit sich das Crypto Valley im internationalen Wettbewerb durch setzen kann? DER AUTOR Heinz Tännler Präsident, Swiss Blockchain Federa tion Die Offenheit der Schweizer Regierung kommt den Unternehmern zugute. Die Schweiz geniesst seit Langem den Ruf, günstige Rahmenbedingungen für Unternehmer zu schaffen. Internationale Unternehmen wie Roche, Nestlé, Glencore und viele weitere haben ihren Hauptsitz in der Schweiz. Das deutet auf ein günstiges Steuersystem hin und kann auf gute Rahmenbedingungen für Unternehmen zurückgeführt werden. Die Gründung der Stiftung Ethereum ebnete Zug den Weg, das Zentrum des Crypto Valleys zu werden. Der Schritt von Ethereum führte viele andere auf Blockchain spezialisierte Unternehmen in die Schweiz und vor allem nach Zug. Inzwischen gibt es in der Schweiz über 800 Blockchain-Unternehmen, die insgesamt einen Wert von über 20 Milliarden Dollar repräsentieren. Die Gründung von Ethereum und Bitcoin Suisse, einem weiteren Early-Mover in der Branche und Mitglied der Swiss Blockchain Federation, zog zusätzlich Gleichgesinnte an den Zugersee. Eine starke und lebendige Gemeinschaft von Start-ups, Unternehmern und Investoren entstand. Doch schon bald war klar: Digitale Assets benötigen einen neuen Regulierungsrahmen. Die Offenheit der Schweizer Regierung in dieser Frage kommt den Unternehmern zugute. Im Frühjahr 2019 startete der Bundesrat eine Konsultation zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Blockchain/DLT. Damit will er die Rechtssicherheit erhöhen, Hürden für DLT-basierte Anwendungen beseitigen und das Risiko von Missbrauch begrenzen. Der Entwurf dient der weiteren Verbesserung des regulatorischen Rahmens für DLT in der Schweiz, insbesondere im Finanzsektor. Wenn es um die Digitalisierung geht, steht die Schweiz nicht allzu schlecht da. Das zeigt der «Digital Competitiveness Report», den die IMD Business School in Lausanne jährlich erstellt. Er gibt Aufschluss darüber, wie fit einzelne Länder im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung sind. Die Schweiz erhält in diesen Reports im Durchschnitt gute, teils sehr gute Noten. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die guten Noten verdankt sie vor allem den Spitzenuniversitäten, den hochqualifizierten Spezialisten und dem Forschungsstandort. In den Bereichen Zukunfts- und Adaptionsfähigkeit, IT-Integration und Marktdurchdringung, die separat bewertet werden, ist die Schweiz jedoch nur Mittelmass. Hier haben Länder wie Australien, Finnland, die Niederlande und die USA klar die Nase vorn. In den baltischen Ländern etwa werden heute schon bis zu 90 Prozent aller Handelsregistereinträge online abgewickelt. Konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit Wenn der Staat gegenüber neuen Technologien offen ist, mit der Wirtschaft zusammenarbeitet und die richtigen Rahmenbedingungen setzt, geht es offenbar schnell vorwärts. In der Schweiz sind wir leider generell, aber besonders in Bezug auf die Blockchain-Technologie, noch nicht so weit. Wir haben zwar ein sensationelles Start-up-Cluster im Raum Zug und Zürich, aber wir nutzen es viel zu wenig. Natürlich birgt jede Technologie Risiken: Der Hype zieht unseriöse Leute an. Er blendet Konsumenten und Anleger, die dann keine Risiken und nur noch Chancen sehen. Doch auch regulatorische Unsicherheiten bergen Risiken, vor allem wenn ein Land oder ein Staat in der Entwicklung an der Spitze mitmischen möchte. Dazu braucht es eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und den privaten Stakeholdern. Es braucht einen Dialog zwischen den klassischen Branchen und disruptiven Start-ups sowie ein vertieftes Verständnis der Technologie. Nur so wird es möglich sein, dass die Region Zug/Zürich und die ganze Schweiz ihre äusserst vorteilhafte Ausgangslage, was die Zukunftstechnologie Blockchain betrifft, gewinnbringend für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft weiter nutzen kann. i ÜBER DIE SWISS BLOCKCHAIN FEDERATION Regierungsrat Heinz Tännler ist Präsident der Swiss Blockchain Federation und Finanzdirektor des Kantons Zug. Die Swiss Blockchain Federation setzt sich als Public-private-Partnership für die Erhaltung und den Ausbau der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Blockchain-Standorts Schweiz ein. Die wichtigsten Ziele sind die Schaffung von Rechtssicherheit, günstige Rahmenbedingungen und ein breit angelegtes Ökosystem. www.blockchainfederation.ch 14 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Bild: Fox17 / Fotolia.com XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX 15 Was die ersten Kryptobank-Lizenzen für die DLT-Branche bedeuten Seit Ende August hat die Schweiz zwei von der Finma lizenzierte Kryptobanken. Was das für den Finanzplatz Schweiz und die Distributed-Ledger-Technology-Branche bedeutet, sagen Seba-Crypto-CEO Guido Bühler und Martin Hess, Leiter Digitalisierung bei der Schweizerischen Bankiervereinigung. Autorin: Leslie Haeny Mit Seba Crypto und Sygnum haben die ersten Kryptobanken eine Lizenz von der Finma erhalten. Die beiden Unternehmen aus der Schweiz dürfen nun Finanzdienstleistungen rund um Kryptowährungen und digitale Assets anbieten. Bisher gab es viele offene Fragen, wenn es um das Prüfen der Herkunft von Geldern aus dem Distributed- Ledger-Technology-Geschäft (DLT) ging. Das soll sich nun ändern. Die Finma-Banken- und Effektenhändlerlizenz erlaube es Seba, eine wichtige Lücke zwischen der neuen digitalen Wirtschaft und dem traditionellen Bankgeschäft zu schliessen, sagt Seba-CEO Guido Bühler. Seba will Firmen in der Blockchain-Branche abgesehen von Konten auch die Aufbewahrung und den Handel mit Kryptowährungen ermöglichen. Das Unternehmen will zudem Kreditgeschäfte mit digitalen Vermögenswerten in sein Angebot aufnehmen. Sygnum, die zweite Schweizer Kryptobank, die von der Finma lizenziert wurde, hat ähnliche Pläne. Sie will neue Dienstleistungen für digitale Vermögenswerte lancieren. Weiter unterhält Sygnum Partnerschaften mit Swisscom und der Deutschen Börse. Seba-CEO Bühler ist sich sicher, dass Kryptobanken dazu beitragen, dass sich auch traditionelle Banken mehr gegenüber DLT-Unternehmen öffnen werden «Die Lizenzierung einer Kryptobank durch die Finma zeigt, dass sich der Markt für digitale Vermögenswerte weiterentwickelt. Das erweiterte Angebot für DLT-Unternehmen wird die Branche stärken und neue Firmen hervorbringen.» Gruppen aus den traditionellen Finanzmärkten, wie Vermögensverwalter und Family Offices, bleiben den Märkten für digitale Vermögenswerte gemäss Bühler fern. Grund dafür seien Intransparenz und hohe Unsicherheit. «Regulierung ist für den Anlegerschutz entscheidend.» Nicht die Technik regulieren, sondern die Risiken Martin Hess, Leiter Digitalisierung bei der Schweizerischen Bankiervereinigung, sagt: «Die Finma-Lizenz zeigt, dass mit dieser Technologie alle Regularien einwandfrei eingehalten werden können.» Dass die Schweiz durch die ersten ausgestellten Lizenzen nun ein Kryptobanken- Boom erwartet, glaubt Hess allerdings nicht. Die Banklizenz bedeute die Zulassung zum Bankgeschäft. Es gebe dadurch keine Garantie für den Erfolg. «Ich möchte auch davor warnen, die Anzahl Bankinstitute als Massstab für Wettbewerbsfähigkeit zu nehmen. Wichtig ist, dass das Geschäft aus der Schweiz betrieben werden kann.» Im DLT-Geschäft finden sich auch Unternehmen ohne Finma-Banklizenz, die Bankdienstleistungen anbieten. Publikumseinlagen und Kontoführung sind jedoch nur mit besagter Lizenz möglich. Von der Idee, Lizenzen speziell für Kryptobanken anzubieten, hält Hess nichts. Nicht die Technologie solle reguliert werden, sondern die Risiken. «Das Motto muss sein: gleiches Geschäft, gleiche Risiken, gleiche Regulierung.» « Das erweiterte Angebot für DLT-Unternehmen wird die Branche stärken und neue Firmen hervorbringen » Guido Bühler, CEO von Seba Crypto Den Onlineartikel finden Sie hier www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 14 / 2019

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