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Netzwoche 16/2017

34 Technology

34 Technology Nachgefragt « Schauen Sie mal nach draussen! – Wo sehen Sie selbstfahrende Autos? » Rolf Pfeifer ist Keynote-Speaker am nächsten CNO-Panel. Er ist ehemaliger Direktor des Artificial Intelligence Lab der Universität Zürich, Wissenschaftsberater bei Living with Robots Inc. und nahm zwei Professuren in Osaka und Shanghai an. Die Redaktion sprach mit ihm über den Hype rund um Robotik und Artificial Intelligence. Interview: Marcel Urech « Ein Erstklässler muss nicht zuerst 10 Millionen Bilder von Katzen sehen, um zu erkennen, was eine Katze ist. Googles KI schon. » Rolf Pfeifer, ehemaliger Direktor des Artificial Intelligence Lab der Universität Zürich und Wissenschaftsberater bei Living with Robots Inc. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode DPF8_62094 Sie werden am nächsten CNO-Panel im Stade de Suisse die Keynote halten. Was dürfen die Teilnehmer von Ihrem Referat erwarten? Rolf Pfeifer: Ich werde über den Hype rund um Robotik und Artificial Intelligence sprechen. Und über die nächste Generation von intelligenten Maschinen. Eine wichtige Aussage wird sein, dass künstliche Intelligenz viel mehr ist als bloss ein Algorithmus. Was bedeutet Intelligenz für Sie? Gegenfrage: Sind Ameisen intelligent? Ja, für mich sind Sie intelligent. Einverstanden, aber das ist genau der Punkt. Für Sie sind Ameisen intelligent. Ich könnte Ihnen aber auch mehrere Gründe nennen, die dagegen sprechen. Es ist darum müssig, Intelligenz genau zu umschreiben. Jeder versteht darunter etwas anderes. Ich forsche seit über 40 Jahren auf dem Gebiet und habe das Wort nie definiert. Verlief die Entwicklung von KIs in dieser Zeit für Sie etwa wie erwartet? Ich mache keine Voraussagen. Sie sind häufig langweilig. Alle sagen dasselbe: mehr Vernetzung, mehr Internet der Dinge, selbstfahrende Autos, mehr künstliche Intelligenz, Arbeitsplätze fallen der Robotik und der KI zum Opfer. Während die wirklich disruptiven Entwicklungen, wie etwa das Internet und soviel ich weiss GPS, niemand voraussagte. Der dänische Physiker Niels Bohr hat einmal gesagt, dass Prognosen schwierig seien – besonders wenn sie die Zukunft beträfen. Daran sollten wir uns halten. Trotzdem: Rechneten Sie vor 40 Jahren damit, dass selbstfahrende Autos jetzt schon auf unseren Strassen unterwegs sind? Ich habe gar nicht damit gerechnet, und vor 40 Jahren war das auch kein Thema. Und was heisst «jetzt schon»? Man müsste sagen «erst jetzt». Der deutsche Robotiker Ernst Dickmanns entwickelte das erste selbstfahrende Auto bereits 1987 an der Universität der Bundeswehr in München. Es konnte schon damals auf einer normalen Strasse fahren, mit 90 Kilometern pro Stunde. Seither sind 30 Jahre vergangen. Schauen Sie mal nach draussen! – Wo sehen Sie selbstfahrende Autos? Das widerspricht der These, dass Technologien heute exponentiell wachsen und kaum mehr zu kontrollieren sind. Obwohl gewisse Entwicklungen exponentiell verlaufen, gilt diese These nicht allgemein. Voraussagen für die Zukunft basieren oft auf einem isolierten Faktor, anstatt das Gesamtsystem zu betrachten. Die Annahme, dass sich nur ein Element – etwa eine Technologie – verändert und alles andere gleich bleibt, ist schlicht falsch. Chinesische Forscher sagten kürzlich, dass Googles KI zwar schlau, aber immer noch dümmer als ein Erstklässler sei. Sehen Sie das auch so? Ja. Ein Erstklässler muss nicht zuerst 10 Millionen Bilder von Katzen sehen, um zu erkennen, was eine Katze ist. Googles KI schon. Viele Menschen verstehen nicht, dass wir hier zwischen Performance und Kompetenz unterscheiden müssen. Alphago hat eine super Performance, ist aber nicht kompetent. Alphago weiss nicht einmal, dass es Go spielt. Es weiss auch nicht, dass Go ein Spiel ist oder was überhaupt ein Spiel ist. Letztlich ist Alphago ein Algorithmus, ein extrem leistungsfähiger und faszinierender, aber ein Algorithmus. 16 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Event 35 Cognitive Computing und künstliche Intelligenz am 17. CNO-Panel in Bern Was kommt auf unsere Gesellschaft zu und was bedeutet das für das Management? Welche Veränderungen bringt der globale Markt für die Unternehmen und die Politik? Und sind Computer bald eigene Persönlichkeiten? Wenn Sie Antworten auf diese Fragen suchen, dürfte sich ein Besuch des 17. CNO Panels in Bern lohnen. Autor: Marcel Urech Am Dienstag, 31. Oktober, wird das nächste CNO Panel stattfinden. Erstmals im Stade de Suisse in Bern und nicht im Kultur Casino, das bis mindestens Sommer 2019 renoviert wird. Der Event startet um 13.30 Uhr. Von 14 bis 16.30 Uhr läuft die CNO Academy, dann beginnt das CNO Panel. Die Veranstaltung richtet sich an das Top-Management und bietet ausser Schwerpunktreferaten und Workshops viel Raum für Networking. Die 17. Ausgabe des Panels wird sich um Cognitive Computing, künstliche Intelligenz und die Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten durch moderne Technologien drehen. Die Teilnehmer werden über ihre Chancen und Gefahren für Firmen, Verwaltungen, die Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft diskutieren. Keynote von Rolf Pfeifer Rolf Pfeifer wird am CNO Panel die Keynote halten (siehe Interview auf Seite 34). Er hat sich während seines gesamten Berufslebens mit (künstlicher) Intelligenz befasst. Pfeifer ist ehemaliger Direktor des Artificial Intelligence Lab der Universität Zürich, Wissenschaftsberater bei Living with Robots Inc. und nahm zwei Professuren in Osaka und Shanghai an. Seine Forschung erlangte Weltruhm. Edy Portmann und Stuart Robinson werden die Ideen von Pfeifer am CNO Panel reflektieren. Und Hannes von Wald, experimenteller Pyrotechniker und Zauberer, wird das Thema künstliche Intelligenz während des Abendessens aufgreifen. Wie genau ist eine Überraschung. Die Erfolgstrainerin Kathrin Däniker wird aufzeigen, warum wir Angst davor haben, das zu tun, was wir wirklich tun wollen. Spannende Workshops an der CNO Academy An der CNO Academy werden neun Workshops parallel abgehalten. Sie drehen sich um die Digitalisierung der Stadtberner Schulen, intelligente Bots auf B2B-Websites, Artistic Intelligence, Softwarebeschaffung, maschinelles Lernen, das Internet der Dinge und Agilität. ICT-Switzerland wird zudem die Ergebnisse der Swiss Software Industry Survey vorstellen. Und die Erfolgstrainerin Kathrin Däniker wird aufzeigen, warum wir Angst davor haben, das zu tun, was wir wirklich tun wollen. Diese Themen behandelte das letzte CNO-Panel. Auch dieses Jahr dürfte die Veranstaltung wieder spannend werden. Bild: Daniel Osterwalder www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2017

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