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Netzwoche 18/2017

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12 Business Event Wie

12 Business Event Wie die Post beim E-Voting abgeht Die Post hat an einer Fachtagung einen Überblick zum Thema E-Voting in der Schweiz gegeben. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erklärten den Stand der Dinge und diskutierten über Chancen und Risiken des elektronischen Stimmkanals. Autor: Joël Orizet « Amazon und Alibaba halten uns auf Trab. » Claudia Pletscher, Leiterin Entwicklung & Innovation bei der Post Die Schweizerische Post zeigt sich gerne von ihrer digitalen Seite. Das muss sie auch, wenn sie ihr Kerngeschäft weiterhin erfolgreich betreiben will. Denn auch in der Logistikbranche geraten die Margen zunehmend unter Druck. «Amazon und Alibaba halten uns auf Trab», sagte Claudia Pletscher, Leiterin Entwicklung & Innovation bei der Post, anlässlich des «Forum E-Voting». Rund 50 Geschäftskunden der Post sowie Vertreter aus Behörden und Verwaltungen besuchten den Anlass. Vor zwei Jahren stieg die Post ins Geschäft mit E-Voting ein. Mittlerweile betreibt sie eine Lösung, die für die Hälfte der Stimmbürger zertifiziert ist. Nun wirbt sie weiter um Vertrauen. Fürs Rennen ist sie gut aufgestellt. Schliesslich verantwortet sie schon heute den Versand von Abstimmungs- und Wahlunterlagen. «Der Wahlprozess liegt zwar in den Händen der Politik, doch wir erledigen den sicheren Transport», sagte Pletscher. E-Voting sei für die Post ein ideales Feld, um ihre Grundwerte wie Sicherheit und Diskretion in der digitalen Welt zu vermitteln. Die Frage lautet nicht ob, sondern wann Wann können alle Schweizer elektronisch abstimmen und wählen? «Das kommt auf den rechtspolitischen Rahmen an, und der ist derzeit noch völlig offen», sagte Andreas Glaser, Professor für Staats-, Verwaltungs- und Europarecht an der Universität Zürich. Doch so kann es seiner Ansicht nach nicht weitergehen. «Bisher konnten nur Randgruppen und Versuchskaninchen von der elektronischen Stimmabgabe profitieren», sagte Glaser. Der Bundesrat legte bislang keinen Zeitpunkt für die flächendeckende Einführung von E-Voting fest. Stattdessen verfolgt er den Grundsatz: Sicherheit vor Tempo. Graubünden prescht beim E-Voting vor, wie Glaser bemerkte. Denn vor Kurzem gab der Kanton den Takt für eine flächendeckende Einführung vor: Im Januar 2021 sollen alle Stimmbürger im Kanton Graubünden elektronisch abstimmen können. «E-Voting dürfte dann erstmals in allen Gemeinden eines Kantons möglich sein», sagte Glaser. In vielen anderen Kantonen fehlt nach wie vor der politische Wille, wie der Rechtsprofessor feststellte. Einen Grund dafür sieht Glaser im «Crash», der 2015 stattfand. Damals scheiterte ein Verbund von neun Kantonen, die auf eine E-Voting-Lösung des US-amerikanischen IT- Dienstleisters Unisys gesetzt hatten. Aufgrund technischer Probleme verweigerte die Bundeskanzlei den Einsatz der Lösung an den Nationalratswahlen. Die Post tritt gegen Genf an Seitdem erholt sich die hiesige E-Voting-Landschaft erstaunlich schnell, wie Glaser sagte. Als erster Anbieter etablierte sich der Kanton Genf mit seiner Software CH- Vote. Die Lösung kommt ausser in Genf auch in den Kantonen Bern, Luzern, Aargau, Basel-Stadt und St. Gallen zum Einsatz. Eine Alternative zum Genfer System entwickelte das spanische Unternehmen Scytl für den Kanton Neuenburg. Inzwischen kooperiert die Post mit Scytl und betreibt die Lösung über eigene Rechenzentren. Ausser Neuenburg setzen auch die Kantone Freiburg und Thurgau auf das E-Voting der Post. Zum Schluss blickte Glaser in die Zukunft. 2025 dürften alle Kantone E-Voting als dritten Abstimmungskanal eingeführt haben. Bis dahin würden alle Stimmbürger elektronisch abstimmen und wählen können, lautete seine die These. Das alles soll ohne Papier funktionieren. Auch dank des elektronischen Identitätsnachweises, den die Post gemeinsam mit den SBB unter dem Namen Suisse-ID vermarktet. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_66398 18 / 2017 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Event 13 Wie man die Kunden bei der Digitalisierung im Blick behält Am Smart Business Day von Namics haben die Referenten aufgezeigt, wie der Kunde bei der Digitalisierung ins Zentrum gestellt werden kann. Über 150 Gäste kamen an die Veranstaltung ins Gottlieb Duttweiler Institut. Autor: Christoph Grau Am 30. Oktober hat Namics zu seinem Smart Business Day ins Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) nach Rüschlikon geladen. Die Veranstaltung war wie schon in den Vorjahren gut besucht. Laut den Veranstaltern kamen 150 Entscheider aus der Digitalwirtschaft an den Event. Unter dem Motto «The Customer Perspective» legte Namics den Fokus auf die Kundensicht. Tim Dührkoop, Partner und Client Service Director bei Namics, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen bei der Digitalisierung das Wissen um die Bedürfnisse der Kunden sein werde. Amazon, Google oder auch Apple machten dies vor. Wer den Kunden nicht gut genug kenne, drohe zurückzufallen. Viele Missverständnisse bei der Digitalisierung Carola Wahl, Chief of Transformation & Market Management und Mitglied der Geschäftsleitung von Axa Winterthur, lehnte sich mit ihrem Vortrag eng an den Film «Lost in Translation» an. Ihre Kernthese war, dass zwar viele von Digitalisierung sprächen, aber keiner sie wirklich verstehe. Durch den inflationären Gebrauch des Wortes gehe viel von dessen Bedeutung verloren. Einen weiteren Bezug zum Film stellte sie mit der Identitätssuche her. Wie die Darsteller Bill Murray und Scarlett Johansson befänden sich die etablierten Versicherungen in einer Identitätskrise. Keiner wisse so genau, wohin die Entwicklung in den nächsten 10 bis 15 Jahren gehe. Im Anschluss analysierte Wahl, was die Gewinner der Digitalisierung anders machten als Verlierer wie etwa Nokia oder Kodak. Ihre Antwort lautete: Kundennähe. Das Wort Digitalisierung an sich ist für Wahl inhaltsleer. Worauf es ankomme sei, dass die Technologie den Kunden im Fokus habe und der Kundennutzen ins Zentrum der Überlegungen gestellt werde. Für Axa bedeute dies einen radikalen Bruch mit dem bisherigen Selbstverständnis. Mit dem Slogan «From Payer to Partner» bringe die Versicherung dies zum Ausdruck. So werde in Zukunft nicht mehr das Auto selbst versichert, sondern die Mobilität des Kunden, nannte Wahl als Beispiel. Bis 2020 sollen 25 Prozent der Kunden die App «myAXA» nutzen. Zudem will das Unternehmen 220 Millionen Franken Umsatz aus den Innovationsprojekten erzielen. «Smart Data» soll 50 Millionen Franken zum Profit beitragen, kündigte Wahl weiter an. Zudem soll die Hälfte der Prozesse dann vollständig digital sein. Mitarbeiter und Kunden auf den Weg mitnehmen Der wohl wichtigste Teil der Transformation ist für Wahl die Firmenkultur. Mit den Bildern eines hungrigen Biests auf der einen Seite und eines «Ugly Baby» auf der anderen Seite veranschaulichte sie den Zwiespalt, vor dem Unternehmen dabei stehen. Das Biest, das für das Kerngeschäft stehe, verschlinge die meisten Ressourcen. Hier gebe es eingespielte Prozesse und erfahrene Mitarbeiter, die «den Ertrag von heute» erwirtschaften. Das «Ugly Baby» stehe für die innovativen und jungen Bereiche in Unternehmen. Wie bei einem neugeborenen Kind würden nur die Eltern die Schönheit dieser noch sehr zerknautschten Kreaturen erkennen, sagte Wahl und erntete viel Gelächter im Publikum. Ebenso machten diese Kinder oft nur Ärger und forderten viel Geduld von den Eltern, bis sie herangewachsen seien. «Wir tragen alle die Verantwortung, aus den ‹Ugly Babys› erfolgreiche Erwachsene zu machen», sagte Wahl. Nach den Referaten begann der gesellige Teil. Mit den Worten «Enjoy the Apéro» entliess Tim Dührkoop die Gäste in den Abend. Gleichzeitig kündigte er an, dass der Smart Business Day im kommenden Jahr wieder stattfinden werde. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_66098 « Wir tragen alle die Verantwortung, aus den ‹Ugly Babys› erfolgreiche Erwachsene zu machen. » Carola Wahl, Chief of Transformation & Market Management und Mitglied der Geschäftsleitung Axa Winterthur www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2017

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