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Netzwoche 4/2019

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30 Technology Focus IoT

30 Technology Focus IoT in der Logistik – mit Tracking zum smarten Betrieb Im Logistikbereich versprechen IoT-Lösungen massive Effizienzsteigerungen. Tatsächlich kann das Internet der Dinge mittels GPS-Tracking helfen, Prozessabläufe von Logistikunternehmen zu verbessern. Damit das gelingt, müssen aber alle Komponenten ineinandergreifen – sonst droht eine Kostenexplosion. DER AUTOR Christian Fässler Geschäftsführer, Adnexo Gerade für Speditionsunternehmen ist es wichtig, Lieferwege zu optimieren, um vorhandene Ressourcen effizienter nutzen zu können. Dazu muss in einem ersten Schritt über mehrere Monate mittels GPS-Tracking ermittelt werden, welche Wege aktuell zurückgelegt werden. Dadurch kann der Prozess in seiner bestehenden Form erfasst werden und man erhält einen Vergleichswert. Erschwingliche Hardware Dank der jüngsten Entwicklung im Hardwarebereich sind moderne Tracker sowohl preiswert als auch höchst energieeffizient. Sie halten mehrere Jahre und verursachen wenig Wartungsaufwand. Möglich wird das durch Low-Power- Wide-Area-Netzwerke, die in der Schweiz und europaweit bereits flächendeckend installiert sind. Tracker können also bereits früh im Projekt eingesetzt werden. Doch auch hier gilt: Eine gute Auswahl spart später Zeit und Nerven. Man sollte sich fragen: Wo sollen die Tracker montiert werden? Wie gross ist der Wartungsaufwand? Bringen weitere Funktionen (wie Temperatur- oder Luftqualitätsmessung) dem Unternehmen zusätzlichen Nutzen? Integration in die Software Um die Geräte in ein bestehendes System zu integrieren, lässt sich eine Schnittstelle entwickeln, die die Daten empfängt, aufbereitet und weiterleitet. Zusätzlich zeigt eine neu entwickelte Software die Positionsdaten auf einer Karte an. Serverinfrastrukturen können kostengünstig bezogen werden oder bestehen bereits. Open-Source-Projekte sowie weitgehend standardisierte Schnittstellenkommunikation machen es zudem einfacher, passende Software zu entwickeln. Damit die Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung geschaffen werden können, ist es wichtig, in die Zukunft zu blicken und bereits im Vorfeld zu evaluieren, welche Anwendungen später mit dem System kommunizieren sollen. Optimierung durch Datenanalyse Sind die Testdaten vorhanden, kommt der Data Scientist ins Spiel. Er visualisiert die Daten, beurteilt deren Qualität und ermittelt, ob sie aussagekräftig genug sind, um die gewünschten Ergebnisse – in unserem Beispiel die Optimierung der Routen – zu liefern. In einem weiteren Schritt fertigt er statistische Modelle an, die aufgrund der Messwerte «lernen», Routen und Flottenauslastung zu optimieren. Durch den kontinuierlichen Datenzufluss werden die Modelle mit der Zeit immer besser. Diese statistischen Modelle lassen sich automatisieren und ebenfalls in bestehende Softwaresysteme integrieren. So können die optimalen Routen der einzelnen Fahrer jeden Morgen festgelegt und automatisch auf die Navigationssysteme der Fahrzeuge ausgespielt werden. Durch diese Prozessoptimierung entfällt manuelle Arbeit und es werden Ressourcen gespart. Weitere Vorteile Mit der Routenoptimierung werden auch sekundäre, zu Beginn nicht offensichtliche Optimierungen möglich. So werden etwa die Administration und Disposition im Unternehmen erleichtert, weil Wege und Auslastung von Waren und Fahrzeugen zuverlässig überwacht werden können. Als Mehrwert für den Kunden kann die Position der transportierten Waren offengelegt und die Ankunftszeit genauer vorausgesagt werden. Somit können die Kunden ihre Prozesse ebenfalls entsprechend optimieren und gewinnen zusätzliches Vertrauen in den Lieferanten. 04 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Focus 31 Sicherheit im Internet der Dinge – (k)eine Frage der Perspektive Im industriellen Internet der Dinge kommt die Sicherheit oft zu kurz. Die Geräte und Komponenten werden zunehmend leistungsfähiger und intelligenter. Neue Möglichkeiten und Funktionen bringen aber auch hohe Sicherheitsrisiken mit sich. Sicherheit im IoT liegt auch in der Verantwortung der Anwender. Zunächst die gute Nachricht: Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) kann – auch in der Logistik – abgesichert werden. Die Technologien zum Aufbau eines robusten, sicheren, effektiven und leistungsstarken industriellen IoT existieren: digitale Signaturen für Software und Systeme, verschlüsselte Kommunikationen, eindeutige oder mehrstufige Authentifizierungsverfahren oder sichere Softwareentwicklungsprozesse. Nun die schlechte Nachricht: Viele IoT-Implementierungen sind unsicher, weil sie vor allem auf eine schnelle Markteinführung, ein umfassendes Funktionsspektrum und eine einfache Handhabbarkeit ausgelegt sind. Dies führt regelmässig zu einer Vernachlässigung des Themas Sicherheit. Sicherheit als Anforderung Logistikverantwortliche können hier früh und aktiv bereits bei der Kaufentscheidung gegensteuern. So muss die Sicherheit immer ein wesentlicher Bestandteil des Anforderungskatalogs sein. Systeme oder Komponenten sollten nicht erworben werden, wenn sie keine robuste Sicherheit bieten. Wenn Einkäufer Sicherheit zur zentralen Anforderung machen, werden IoT-Lieferanten auch sichere Produkte bereitstellen. Bei industriellen IoT-Anwendungen muss immer die relativ lange Lebensdauer der Systeme berücksichtigt werden, die oft bei zehn, zwanzig oder noch mehr Jahren liegt. IoT-Anbieter müssen für diesen Zeitraum die Bereitstellung von Updates garantieren, etwa im Hinblick auf neue Sicherheitsfeatures, Bugfixes oder funktionale Erweiterungen. Offene Industriestandards Wichtig aus Kundensicht hinsichtlich Investitionssicherheit ist zudem, dass der IoT-Hersteller auf Industriestandards setzt. Dies ist vor allem bezüglich Netzwerkschnittstellen und -protokolle von Bedeutung. Wo immer möglich sollten offene Industriestandards wie Ethernet, WLAN oder Bluetooth genutzt werden. Unter Sicherheitsaspekten muss zudem der Themenkomplex Geräteidentifizierung, -registrierung und -konfiguration genauestens unter die Lupe genommen werden. Die grösste Benutzerfreundlichkeit mag vorliegen, wenn ein IoT-Gerät nach dem Einschalten im Netzwerk und IoT- System automatisch erkannt und konfiguriert wird. Das mag sich für Consumer-IoT-Geräte eignen, ist aber riskant für den industriellen Einsatz. Hier muss es möglich sein, ein neues Gerät zu identifizieren, zu authentifizieren und zu validieren, und erst anschliessend sicher in der IoT- Umgebung zu registrieren. Nicht zuletzt muss eine industrielle IoT-Umgebung auch permanent überwacht werden, und zwar im Hinblick auf Performance, korrekte Ergebnisse, System- und Netzwerkintegrität und vor allem Sicherheit. Dies ist allein schon deshalb erforderlich, da das IoT-System einem permanenten Wandel unterworfen ist – mit dem Hinzufügen und Entfernen von Geräten, der Integration neuer Applikationen und Funktionen oder aufgrund von Aktualisierungen durch Upgrades und Updates. Sicherheit im IoT ist natürlich zunächst einmal Sache der Hersteller, aber sie liegt auch in der Verantwortung jedes einzelnen Anwenders. Die Kaufentscheidungen bestimmen, ob das IoT sicher, robust und flexibel ist – der geringste Preis oder das grösste Funktionsspektrum sollten dabei nicht die entscheidenden Kriterien sein. DER AUTOR Dominik Wotruba Head Solution Architecture, Red Hat Switzerland Grafik: Scharfsinn/ Shutterstock.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 04 / 2019

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