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Netzwoche 7/2019

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44 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Grafik: IkonStudio / iStock.com FOCUS PROGRESSIVE WEB APPS Web-Apps für Fortgeschrittene jor. Progressive Web Apps (PWAs) sollen die Vorzüge von responsiven Websites und Native-Apps vereinen. Uber, Booking, Trivago, Twitter und die «Washington Post» setzen solche Anwendungen ein. Auch das Schweizer News-Portal «Nau.ch» lancierte eine PWA. Die Vorteile klingen verlockend: Eine PWA lässt sich ohne Download direkt im Browser nutzen. Zudem funktionieren PWAs – zumindest teilweise – auch offline. Es scheint so, als hätten PWAs nur die besten Eigenschaften von Webanwendungen und Native-Apps geerbt. So einfach ist es aber nicht. Mit einer PWA kann man zwar Entwicklungskosten sparen, doch das Konzept hat seine Grenzen: Wer etwa Funktionen wie 3-D-Visualisierungen oder NFC nutzen will, kann dies nur mit einer Native-App realisieren, wie Marcel Hintermann von Monostream auf Seite 45 erklärt. Auch für Games und Bildbearbeitungsfunktionen eigneten sich PWAs noch nicht, schreibt Raphael Ritter von 2Bit auf Seite 46. Was Auftraggeber ebenfalls beachten müssen: Eine PWA muss den Nutzern gratis zur Verfügung gestellt werden. Im Gegenzug versprächen PWAs tiefe Absprungraten, was eine Chance für KMUs sei. Tiefe Absprungraten, schnelle Ladezeiten – diese Vorzüge machen PWAs für den E-Commerce attraktiv. Onlinehändler erhoffen sich eine höhere Konversionsrate, sprich: mehr Bestellungen. Wer nicht gleich den ganzen Shop umbauen will, kann auch einzelne PWA-Funktionen integrieren, wie Nick Weisser von Openstream Internet Solutions auf Seite 47 aufzeigt. Ob PWAs tatsächlich halten, was sie versprechen, kommt auf den Anwendungsfall an. Die Möglichkeiten würden zwar vielfältiger, doch die grosse Unbekannte sei die Verfügbarkeit von APIs, sagt Phil Hofmann, Dozent an der ZHAW und Gründer von 200ok, im Interview ab Seite 48. 07 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web Focus 45 Progressive Web Apps: Was den Reiz ausmacht und wo die Fallgruben lauern Wer heute eine App anbieten will, muss sich fragen: Sind Webtechnologien die richtige Strategie? Progressive Web Apps bieten gegenüber Native-Apps zwar viele Vorteile für Nutzer und Unternehmen, doch sie haben auch ihre Tücken. Wer bei der Entwicklung Kosten sparen will, muss an die Endgeräte denken. Progressive Web Apps (PWAs) sind über das experimentelle Stadium hinausgekommen. Vor allem deswegen, weil Google dahintersteckt. Der Techgigant treibt den PWA- Ansatz seit 2015 voran, indem er Android und Chrome kontinuierlich mit PWA-Features ausstattet und zig Entwickler-Tools zur Verfügung stellt. PWAs können in den Google Play Store, aber auch im Microsoft Store eingereicht werden. Als Nutzer kann man sich den Umweg über einen Store im Prinzip sparen, denn PWAs lassen sich direkt über Browser installieren. Dies funktioniert inzwischen auch auf dem Desktop, somit lassen sich Apps auch auf Linux, Windows und MacOS installieren Apple sträubt sich etwas gegen PWAs, denn sie passen nicht zum Geschäftsmodell seines App Stores. Inzwischen räumt Apple den PWAs einige Funktionen ein. Wer jedoch eine PWA in den App Store bringen will, muss sie in eine sogenannte hybride App verpacken. Was PWAs können – und was (noch) nicht Die Idee hinter PWAs ist simpel: Man baut eine Applikation mithilfe von Webtechnologien wie HTML5, CSS und Java script. Ziel ist es, die Vorzüge von Apps und responsiven Websites zu kombinieren. Da Webtechnologien weit verbreitet sind, ergeben sich viele Vorteile für Nutzer, Unternehmen und Entwickler. So kann etwa der Inhalt einer PWA über Suchmaschinen gefunden, offline zur Verfügung gestellt oder gar als Desktop-PWA genutzt werden. Allerdings bieten PWAs Entwicklern noch längst nicht dieselben Möglichkeiten wie Native-Apps. Wer auf hardwarenahe Funktionen angewiesen ist, etwa auf 3-D-Visualisierungen, Sensoren, NFC, dem bleibt kaum eine andere Wahl, als eine native App zu entwickeln. aus einer Vielzahl von Libraries und Frameworks bedienen. Entwickler sparen viel Zeit, sie sehen das UI direkt im Browser und sind nicht auf einen Gerätesimulator angewiesen. Automatisiertes Testen ist einfacher und günstiger zu bewerkstelligen als mit anderen Technologien. Schliesslich lassen sich PWAs einfacher updaten: Es genügt, die Website zu aktualisieren. Man muss also nicht auf Apple und Google warten, bis sie ein Update für die Stores genehmigen. Auf Fallgruben achten Auf dem Weg zu einer PWA ist eine Website in responsivem Design schon fast die halbe Miete. Soll sich aber die Website wie eine App anfühlen, brauchen Designer und Entwickler etwas Übung. Sie sollten etwa das Layout und die Navigation anders gestalten, als dies bei vielen Websites üblich ist. Die Bedienung und das UI muss an die verschiedenen Screen-Grössen und Geräte angepasst werden. Bei Smartphones sollten aus ergonomischen Gründen wichtige Elemente der App in Reichweite des Daumens positioniert werden. Auch an die Unterstützung der üblichen Gesten sollte gedacht werden. Als weiterer Stolperstein kann sich die Notch erweisen. Oder das Ein- und Ausblenden der Tastatur. Wer solche Dinge nicht berücksichtigt, handelt sich eine App mit schlechter User Experience ein. DER AUTOR Marcel Hintermann Head of Software Engineering und Partner, Monostream Entwicklungskosten sparen Was PWAs aus unternehmerischer Sicht attraktiv macht: Sie bieten ein grosses Potenzial, um Kosten für die Entwicklung zu sparen. So muss das UI nur ein Mal entwickelt werden und nicht separat für iOS, Android und für das Web. Zudem ist die Kombination aus HTML5, CSS und Javascript aus Entwicklersicht sehr mächtig. Mit diesen Technologien lässt sich ein UI wesentlich schneller umsetzen als mit den gängigen nativen UI-Technologien. Ausserdem kann man sich Grafik: TCmake_photo / iStock.com www.netzwoche.ch © netzmedien ag 07 / 2019

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