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Zukunft-Banking Juli 2020

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14 NEXT Gamechanger

14 NEXT Gamechanger Zukunft Banking BIG THING 12. / 13. Juli 2020 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Verbriefungsplattformen: Ventil für neue Anlagewerte Nichts ist in Stein gemeisselt, auch nicht die festen Abläufe etablierter Finanzinstitute. Um alte Gewohnheiten des Verbriefungsmarktes zu ändern, musste Gentwo das Rad nicht neu erfinden. Sondern nur an der richtigen Schraube drehen. AUTOR: PATRICK LOEPFE, CHAIRMAN, GENTWO Wir haben das «Spiel des Verbriefungsmarktes» verändert. Patrick Loepfe ist Chairman des Fintechs Gentwo, den «Securitization Experts» Gamechanger verändern das Regelwerk einer Branche oder sogar eines ganzen Marktes. Um grosse Wirkung zu erzielen, genügt es manchmal, nur an der «richtigen Schraube» zu drehen. Auch lang Etabliertes kann auf diese Weise eine völlig neue Verwendung hervorrufen – und begeistern. Wie dies auf dem Anlagemarkt gelingt, zeigen die florierenden Aktivitäten von Gentwo: Wir bauen Verbriefungsplattformen für VISION institutionelle Investoren. Assetmanager, Banken, Venture Capitalists oder Family Offices nutzen und verwalten ihre eigene Infrastruktur daraufhin flexibel und selbstständig – ohne die Einbindung eines Bankenemittenten. Produkte von konventionellen Emittenten gibt es eigentlich schon lange. Teils übertreffen angebotene Services konventioneller Emittenten sogar den tatsächlichen Bedarf der Kunden. Weshalb sollten GENTWO Wir von Gentwo sind die Schöpfer einer neuen Generation von Finanzprodukten. Mit Gentwo können Finanzdienstleister jetzt noch individuellere, strategische Anlage ideen für Anleger umsetzen, neue Alleinstellungsmerkmale entwickeln und sich auf dem Markt aussergewöhnlich positionieren. Mit uns können die Marktakteure (Vermögensverwalter, Broker, Banken) ihre Strategien und Projekte skalieren, was dem gesamten Sektor den Zugang zu einer neuen Wachstumsdimension ermöglicht. Wir bieten unseren Kunden die Möglichkeit, nicht nur bankfähige, sondern auch nicht bankfähige Vermögenswerte mit einer Schweizer ISIN und ohne Emittentenrisiko zu einem minimalen Preis zu verbriefen. Unsere Struktur für ausserbilanzielle Anlageprodukte löst das Problem schrumpfender Margen und Wachstumsbarrieren für viele Akteure auf dem Finanzmarkt. Es eröffnet eine neue Dimension des Leistungspotenzials allein dadurch, dass es den Zugang zu einer theoretisch unbegrenzten Welt von vorstellbaren Anlageklassen ermöglicht. Indem sie uns als ein weiteres Element zu ihrem bestehenden Geschäftsaufbau hinzugefügt haben, sind echte Geschäftsinnovationen möglich geworden. institutionelle Investoren also eigene Plattformen managen wollen? Nun, traditionelle Verbriefungsformen stossen hinsichtlich der Praktikabilität zunehmend an ihre Grenzen. Moderne Lösungen hingegen adressieren die derzeit dringlichsten Bedürfnisse des Anlagemarkts. Zunächst einmal tragen durch sie emittierte Finanzprodukte quasi kein Ausfallrisiko in sich. Ein wichtiger Punkt in turbulenten Börsenzeiten, wenn das Emittentenrisiko einer Bank wieder auf den Radar von Anlegern gerät. Doch noch viel wichtiger: Neue Verbriefungskonzepte sind ein gutes Mittel, um im aktuellen Umfeld Renditepotenzial zu schaffen. Die Verbriefungsplattformen von Gentwo fungieren nämlich als Tor zu einer bislang schwer zugänglichen Anlagewelt. Dank der Möglichkeit zur Lancierung konventioneller Finanzprodukte mit Schweizer ISIN machen sie nicht mehr nur alle liquiden, sondern auch alle erdenklichen nicht liquiden Anlagewerte und -strategien investierbar. Verbriefungsplattformen wirken wie Ventile, die in der Lage sind, eine schier unbegrenzte Zahl neuer Assets in den Markt zu schleusen. Zum Beispiel die thematischen Privatmarktanlagen von Deep Knowledge Ventures, die auf den Langlebigkeitstrend vieler Gesellschaften abzielen und dabei auf einer einzigartigen Expertise des aufstrebenden Longevity- Segments basieren. Der Vorteil solcher Privatmarktinvestments, die über ein standardisiertes Zertifikat investierbar geworden sind: Sie generieren enorme Effizienzgewinne. Verträge müssen nicht mehr für jeden Portfoliobestandteil und jeden Investor einzeln verhandelt und ausgestaltet werden. Etwas, das die meisten Investoren ohnehin nicht bewältigen könnten. Exotisch und aus Investorensicht ebenfalls attraktiv ist die Verbriefung von hochqualitativen Filmprojekten. Barry Films – ein renommiertes Produktionsunternehmen Hollywoods mit Sitz in Los Angeles, Zürich und Berlin – hat Film- und Serienprojekte gerade in investierbare Assets gewandelt, die sich leicht in Portfolios einbinden lassen. Bei Gentwo haben wir vermeintlich in Stein gemeisselte Konzepte grosser Finanzinstitute hinterfragt und auf einem weissen Blatt Papier neu designt. So haben wir das «Spiel des Verbriefungsmarktes» verändert. Dank des Zugangs zu neuen Assets kann nun mehr Innovation auf den Anlagemarkt gelangen. Über moderne Verbriefungsplattformen entstehen aber auch viele neue Kooperationsmöglichkeiten. In der Folge können unterschiedlichste Ökosysteme besser zueinander finden und gemeinsam neue Werte schöpfen. Die Reduktion von Bankfilialen wird von einem massiven Online- Shift begleitet. Oliver Weber ist seit Januar 2020 CEO der CREALOGIX Gruppe. Die digitale Kundenbeziehung als Gamechanger Der Corona-Lockdown hat bewiesen: Für Bankgeschäfte muss niemand eine Bankfiliale aufsuchen. Der digitale Kanal für die Interaktion mit Kunden wird dadurch immer wichtiger. Vernachlässigen ihn die Banken, verlieren sie Kunden. AUTOR: OLIVER WEBER, CEO, CREALOGIX Kunden sind ihrer Retailbank treu und besuchen zur persönlichen Beratung die Bankfiliale. So war das bisher – oder zumindest noch vor Corona. Der Lockdown bewies aber: Es geht auch digital. Und gemäss verschiedenen übereinstimmenden Umfragen stieg damit auch die Bereitschaft der Kunden, die Bank zu wechseln. Ausschlag dazu geben die digitalen Dienstleistungen, die nicht im erwarteten Masse geleistet werden. Banken, die sich bisher hinter dem Vorwand versteckten, dass nur die persönliche Beratung vor Ort wertstiftend sei, investieren nun in die digitale Aufholjagd. Aus langjährigen Kundenbeziehungen zufriedene und treue Online-Kunden zu schaffen, ist die Herausforderung der Stunde für Banken. Breites Filialnetz verspricht kein Wachstum mehr Vorgegebene Öffnungszeiten, fixe Beratungstermine an Werktagen in der Bankfiliale, nur um kurz eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen? Die unverminderten Bankgeschäfte während der vergangenen Monate beweisen, in welchen Bereichen das Sparpotenzial der Zukunft liegt. Eine Reduktion von Bankfilialen wird von einem massiven Online-Shift begleitet werden. Digitale Ökosysteme werden den Kunden eine Vielzahl neuer finanzieller Dienstleistungen aus einer Hand bieten. Und Investitionen werden immer auch den Innovationsgedanken in sich tragen: Modernisierung geschieht nur mehr mit offenen Anbindungen; damit wird der Weg für neue Online-Services geebnet. Digitaler Ausbau, aber unorganisiert? Wie also kann eine bestehende Bankbeziehung mit dem Kunden online stärker geführt werden? Wie können Werte, wie Vertrauen und Sicherheit online vermittelt und gleichzeitig Erwartungen an spontane, dynamische Onlinekanäle erfüllt werden? Darauf antworten viele Banken: «Durch die Erhöhung des Kundenengagements.» Die meisten waren damit erfolgreich. Mobile Tools führten im Allgemeinen dazu, dass Kunden Transaktionen häufiger durchführen. Allerdings baut das transaktionale Engagement nicht notwendigerweise emotionale Verbindungen auf und schafft die Art von Vertrauen, die Banken benötigen, um Beratungsbeziehungen zu Kunden zu fördern. Hektische Einzelprojekte, neue zusätzliche Apps oder einzelne neue Online-Services im Bankangebot führen nur zum Ziel, wenn sie orchestriert und ins gesamte Digital- Banking eingebunden werden. So lässt sich schnell ein Service für die Online-Hypothek eröffnen, eine Instant-Bezahl-App sichert den kontaktlosen Bezahldienst und der Robo-Advisor empfiehlt die nächste Investmenthandlung. Singuläre Services haben häufig Haken: · Sie sind nicht integriert und dem Kunden fehlt eine Gesamtsicht. · Die Customer Experience wird innerhalb eines Unternehmens unterschiedlich, projektabhängig umgesetzt und verwirrt damit den Kunden. · Fantasievolle Servicenamen verunmöglichen die Wiedererkennbarkeit der Dachmarke. · Und schliesslich: Der Kunde hat verschiedenste Ansprechstellen. Je nach Service oder Supportanliegen muss er unterschiedliche Kanäle, Zeiten und sogar Kosten berücksichtigen. Neue Dialogmöglichkeiten mit Conversational Banking Wie können es Finanzinstitute besser machen, wenn sie in einem veralteten Wachstumsmodell stecken, bei dem der persönliche Besuch einer Filiale als wichtigste Verkaufschance angesehen wird? Die Bank der Zukunft muss die neuen Interaktionsmöglichkeiten abdecken können, welche die Bankkunden auch in ihrem Alltag benutzen. Chatfunktionen in den Services und bekannte Messengerdienste wollen genutzt werden. Wenn die Hürden der Interaktion zu hoch sind, wechselt der Kunde lieber auf die neue Fintechlösung, weil es dort einfacher geht. Conversational Banking beschreibt die digitalen Interaktionsmöglichkeiten, die mithilfe menschlicher und nicht-menschlicher Unterstützung auf Messaging Plattformen über stimm- oder textbasierten Dialog stattfinden. Voll integriertes Conversational Banking bedeutet, dass Anfragen direkt Transaktionen im Kernbankensystem auslösen, ohne dass ein Medienbruch stattfindet. So können einfache Anwendungsfälle schnell abgebildet werden, dazu gehören beispielsweise: · Transaktionen im Bereich Investments · Hypothekenvermittlung und -verlängerung · Kleinere Standardinteraktionen ohne höhere Wertschöpfung. Conversational und Open Banking zeichnen den Erfolgsweg vor Die digitale Kommunikation bringt höhere Skalierungsmöglichkeiten, benötigt aber weniger Ressourcen. Doch die Integration in die Kernsysteme muss geschafft werden, ansonsten wackeln neue digitale Geschäftsmodelle. Medienbrüche sind zu vermeiden, um das beste Kundenerlebnis zu erzielen. Es ist deshalb essenziell, dass der unkomplizierte Dialog zwischen Bank und Kunde Mehrwert im gesamten Ablauf bringt. Damit erreichen Banken das, was unter dem Stichwort Open Banking in der Vergangenheit angekündigt wurde. Ein offenes Ökosystem, damit neue digitale Dienstleistungen schnell integriert werden können und einfache Dialogformen mit den Kunden, damit sie die neuen Kanäle nutzen können. PERSÖNLICH ÜBER OLIVER WEBER Oliver Weber kam im September 2018 als Executive Vice President zu CREALOGIX Switzerland und ist seit 1. Januar 2020 CEO der CREALOGIX Gruppe. Weber hat mehr als 25 Jahren Erfahrung in den Bereichen Strategie, Unternehmensführung sowie Finance & Operations internationaler IT-Unternehmen und ist Experte für Business Transformation mit langjähriger Erfahrung in der Geschäftsentwicklung, Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen. (Quelle: Crealogix)

12. / 13. Juli 2020 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Zukunft Banking MAEDERS KOMMENTAR Gamechanger 15 Eine Bank ist eine Bank ist eine Bank Die abgewandelte Tautologie im Titel legt den Finger auf den grössten Irrtum im Zusammenhang mit dem Stichwort «Gamechanger»: Die Dinge sind nicht immer, was sie sind oder zu sein scheinen; waren sie übrigens nie. Warum also ist eine Bank «nur» eine Bank, wenn sie das Zeug dazu hat, so viel mehr zu sein? AUTOR: RUEDI MAEDER, CHEFREDAKTOR MONEYTODAY.CH (Bild: fergregory – stock.adobe.com) In Diskussionen um Gamechanger in Banking, Finance und Digitalisierung fallen über kurz oder lang Begriffe wie Blockchain, Tokenisierung, Künstliche Intelligenz und andere, die durchaus dazu beitragen, das «Game» zu «changen». Allerdings erst in zweiter Linie, denn Technologien sind Mittel zum Zweck, sie wirken als Beschleuniger oder machen Dinge überhaupt erst möglich. Deshalb sind sie für Profis interessant, weit weniger aber für Kunden und Konsumenten. Kein Mensch will freiwillig auf die Blockchain Sie werden einen Kunden niemals sagen hören: «Würden Sie bitte meine Daten und Transaktionen auf der Blockchain speichern, das schafft Unveränderbarkeit und Sicherheit für mich.» Letzteres will der Kunde haben, Ersteres interessiert ihn nicht. Ein Konsument wird auch nicht um die Tokenisierung von Wertpapieren oder von Liegenschaften bitten – allerdings: mit kleinem Geld an einer hochpreisigen Aktie oder Immobilie beteiligt zu sein, dürfte ihn begeistern. Deshalb stehen nicht Technologien im Vordergrund; für Konsumenten zählen nur Freiheiten und Möglichkeiten, die durch Technologie geschaffen werden. Das sind die wirklichen Gamechanger, die Märkte und das Verhalten von Kunden verändern. Diese feine Nuance ist absolut zentral. Sie beeinflusst das Denken von Profis, welche Projekte rund um Blockchain, KI, Tokenisierung und mehr verfolgen. Macher, die Ruedi Maeder ist Chefredaktor von MoneyToday.ch. exzellente Technologie mit konkreten Instrumenten verbinden, um Gamechanger an den Start zu bringen. Für Konsumenten zählen nur Freiheiten und Möglichkeiten, die durch Technologie geschaffen werden. Ruedi Maeder Die Illusion von Plattform- Ökonomie und Ökosystemen Digitale Marktplätze sind prima, ganze Ökosysteme aber noch besser, weil sie erweiterte Wünsche von Kunden und Konsumenten einbeziehen. Der Denkfehler im System: Das eine wie das andere ist aktuell noch viel zu klein gedacht. Vor nicht allzu langer Zeit wurde Open Banking erfunden. Die Finanzbranche kämpft zum Teil noch mit ihren eigenen Widerständen, öffnet sich jedoch langsam der Idee, dass Kunden möglichst alles rund um Banking auf einer einzigen Plattform erledigen möchten. Irgendwann wurde der Begriff auf Open Finance ausgeweitet, weil Kunden nicht nur Banking, sondern alles rund um ihre Finanzen auf einer einzigen Plattform managen wollen. Hier harzt die Umsetzung noch gewaltig – nicht aus Gründen der Technologie, vielmehr weil Einsicht und Verständnis dafür fehlen, was Konsumenten wirklich wollen und wohin die Reise geht. Mit den Konzepten von Open Banking und Open Finance liessen sich hervorragende digitale Marktplätze bauen und auch exzellente Ökosysteme, die noch sehr viel mehr möglich machen – nur: Wer wird sie realisieren? Die Angst vor Kundenverlusten lässt digitale Marktplätze oftmals wie Firmenpräsentationen aussehen und wirkliche Ökosysteme bleiben die Ausnahme. Bereits in der Planungsphase wird ein Ökosystem oftmals auf ein Minisystem mit ein paar netten Features runterkonzipiert. Offene Haltung, Mut zu neuen Wegen, Technologie und Ökosysteme werden das Game changen. Ruedi Maeder Was Kunden anzieht und was Konsumenten auf Distanz hält «Jetzt muss aber mal gut sein», befinden noch immer zahlreiche Exponenten aus Banking und Finance, «der Kunde ist heute verwöhnt genug und hat alles, was er braucht.» Falsch gedacht. Die Entwicklung der «Anspruchs-Eskalation» steht erst am Anfang, nimmt aber rasant Fahrt auf und wird nicht an Grenzen haltmachen, die von einem Unternehmen definiert werden, das seine Kunden an die hauseigenen Leistungen binden möchte. Das funktioniert nicht mehr, nicht auf Dauer. Die bereits definierten Verlustängste kommen nicht von ungefähr und sind berechtigt. Sie lassen sich jedoch kaum kurieren, indem man Kunden Vielfalt und Leistungen, auch die der Konkurrenz, vorenthält – das dürfte die Abwanderung ohne Aussicht auf Rückkehr antreiben. Bekommen Kunden hingegen bei einem Anbieter innerhalb eines tatsächlichen Ökosystems alles, was sie sich wünschen und benötigen, inklusive Angebote und Konditionen der Konkurrenz, werden sie diesem Anbieter nicht den Rücken kehren – warum auch? Es spricht sich schnell herum, dass jemand aus Sicht des Kunden operiert und deren Vorteile im Auge behält, ohne auf Teufel komm raus die eigenen Angebote durchzudrücken. Nebenbei: Verliert der Anbieter über seine Plattform auch gelegentlich ein Geschäft an die Konkurrenz, halten ihm seine Kunden weiterhin die Treue. Und da er von Provisionen für vermittelte Geschäfte profitiert, bleibt der «externe Einkauf» seiner Kunden auch wirtschaftlich interessant. Der Stoff, aus dem die Gamechanger gemacht sind Letztlich werden offene Haltung, Mut zu neuen Wegen, verfügbare Technologie und Ökosysteme, die diesen Namen auch verdienen, das Game changen. Deshalb ist es an der Zeit für jede Bank, jeden Finanzdienstleister und auch jedes andere Technologie-Unternehmen, seinen eigenen Gamechanger zu lancieren. Wer seine Kunden «liest» und wechselnde Lebensphasen im Auge behält, wer nicht erfüllte Wünsche auslotet und vorwegnimmt, wer die Entwicklung von Gesellschaft, Konsumenten und Technologien einordnet und die richtigen Schlüsse daraus zieht, wird als Player im Game eine tragende Rolle spielen. Diese Rolle muss nicht für alle Mitspieler dieselbe sein; Variationen können Unterschiede schaffen, wenn sie denn Anbietern und Kunden Vorteile bringen. Und was ist denn jetzt der tatsächliche Gamechanger? Ein Blick in die nahe Zukunft: Julia ist 28, aktiv und erfolgreich, schätzt Komfort und sieht eine Bank nie von innen. Ihr persönlicher Assistent heisst Fred und kommuniziert mit Julia auf ihren Wunsch via Voice über ihr Smartphone. Diese Assistenten gibts mit wählbaren Namen, Geschlechtern und Stimmen von zahlreichen Anbietern. Auch von Banken. Fred kennt Julias Vorlieben, Ansprüche, ihre aktuelle Lebenssituation, ihre Finanzen, ihre Wünsche und mehr. Deshalb überprüft der Assistent laufend Julias Abos, ihre Debit- und Kreditkarten und schlägt Änderungen vor – wenn notwendig in sämtlichen Lebensbereichen. Abo-Änderungen, Kündigungen und den Abschluss neuer Verträge zu besten Konditionen tätigt Fred für Julia. Ebenso die Eröffnung neuer Accounts, Passwortmanagement inklusive. Banking und Zahlungen gehören mit zum Job des persönlichen «Handyman». Braucht Julia einen Kredit oder eine Hypothek, vergleicht Fred sämtliche Angebote und macht Vorschläge. Das beste Angebot unter Dach und Fach bringen kann Fred auch, weil er als intimer Berater Zugang zu sämtlichen Dokumenten und Daten hat, die Julia ganz persönlich betreffen. Will Julia in die Ferien, organisiert Fred die besten Angebote zu ihren Wunschzielen, bucht die perfekte Reise, kümmert sich um Versicherungen und Tickets. Hat Julia eine Autopanne, ortet Fred sie punktgenau, organisiert umgehend den Pannendienst, inklusive Ersatzwagen. Es gibt nichts, was Fred nicht für Julia tun könnte und würde – er ist dafür gemacht, ihr Leben in jeder Beziehung zu erleichtern und sie von Alltagskram, Administration und auch von «Suchen & Finden» zu entlasten. Er regelt und beschafft buchstäblich alles – und das aus sämtlichen verfügbaren Quellen. Die Regie bleibt jederzeit klar bei Julia, weil Fred ihr sämtliche wichtigen Vorgänge, Verträge oder Transaktionen vorab zur Autorisierung vorlegt. Zudem kann Julia die Rechte von Fred nach Belieben enger oder weiter fassen. Sie meinen: «Das gibts doch schon alles»? Korrekt, aber die zentrale Frage stellt sich: Wo bleiben in diesem Szenario die Banken? Siri, Alexa und andere sind bereits erfolgreich unterwegs, Banking und Finance hingegen bleiben noch aussen vor. Ergo faktisch ein Heimspiel für Banken, die Banking am besten können und einfach noch hinzufügen, was Siri, Alexa und Co. heute schon bringen. Open Living: Es ist alles schon da, muss nur richtig zusammengefügt werden Menschen, Leben und Wünsche reduzieren sich nicht auf Open Banking oder Open Finance, das ist zu klein gedacht. Die menschlichen Bedürfnisse drehen sich nicht 24/7 um Banking, vielmehr um das Leben selbst. Vorteil für Banken: Finanzen nehmen eine Schlüsselposition ein, alle persönlichen Belange des Individuums bedingen letztlich Banking oder Payments. Deshalb ist es vielleicht eine gute Idee für Banken, anstatt eine beschränkte Gartenparzelle zu bewirtschaften den Lead eines uneingeschränkten Systems zu übernehmen. Der Gamechanger heisst Open Living. Alles ist griffbereit, die inspirierenden Ansätze kommen von Apple, Google oder Amazon. So viele Bälle und Spieler auf dem Platz, nur die Banken fehlen. Apropos Amazon: Ein Buchhändler ist ein Buchhändler ist ein Buchhändler? Dasselbe gilt für eine Bank oder jedes andere Tech-Unternehmen, das längst existente und laufend weiterentwickelte Technologie zu nutzen weiss, weil es aus der Sicht seiner Kunden denkt und agiert. Last but not least: Julias entspannter Umgang mit Leben und Finanzen blieb nicht verborgen und ihre Eltern, vermögende Best Ager in den 60ern, drängen darauf, Fred endlich kennenzulernen … PERSÖNLICH ÜBER RUEDI MAEDER Ruedi Maeder ist seit Jahren unterwegs in der Finanzbranche, im Zahlungsverkehr, in den Themen der Digitalen Transformation, der Digitalisierung und FinTech, als Journalist, Schreiber und Autor für Printmedien und Online-Plattformen. Seit der Gründung von Money- Today.ch im Januar 2018 engagiert er sich als Macher und Chefredaktor der News- und Nachrichtenplattform für FinTech, Banking, Finance und sämtliche Aspekte der Digitalisierung. (Quelle: MoneyToday.ch)

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