Aufrufe
vor 3 Jahren

Digital Transformation 2016

  • Text
  • Transformation
  • Unternehmen
  • Digitale
  • Digital
  • Digitalisierung
  • Digitalen
  • Technologien
  • Schweiz
  • Prozesse
  • Banken

Bild: Fotolia Treuhand

Bild: Fotolia Treuhand der Zukunft gsa. Die digitale Transformation der Wirtschaft macht auch vor den Treuhändern nicht Halt. Eines scheint heute schon klar zu sein: Einfache, repetitive Aufgaben werden über kurz oder lang digitalisiert. Das heisst, der Treuhänder, der sich heute nur auf Soll-Haben-Buchungen konzentriert, wird es schwer haben. Diese Aufgaben erledigt Software bereits heute effizienter und günstiger. Derzeit bewerben einige Softwareanbieter Produkte für die einfache und digitale Erfassung, Verarbeitung und Verwaltung von Rechnungen. Diese Lösungen richten sich an KMUs, also an 99 Prozent aller Schweizer Unternehmen. Auch die ersten Banken bieten derartige Produkte als Services an. Werden Treuhänder überflüssig? Nicht unbedingt. Denn die angebotenen Lösungen sind oft so aufgebaut, dass sie Treuhändern die Möglichkeit bieten, sich in den Betriebsablauf einzuschalten. Treuhänder können etwa direkt auf die Buchhaltungsdaten ihrer Mandanten zugreifen und diese – sogar in Echtzeit – unterstützen. Auf diese Weise können sie ihren Kunden bei deren digitalisierten Betriebsabläufen einen Mehrwert bieten. Die digitale Transformation hilft Treuhändern also, neue Services anzubieten. Hinzu kommt, dass der Bezug von leistungsfähiger IT heute günstiger ist denn je. Auf diese Weise können Anbieter von Treuhand-Services selbst neue Dienste und Geschäftsmodelle entwickeln. Das zieht nicht nur neue Kunden an. Digitale Services lassen sich auch einfach skalieren. Treuhändern bietet die digitale Transformation also Chancen, ihr Geschäft weiterzuentwickeln und auszubauen. Was es dabei zu beachten gilt, erklären Patrick Ottiger im Fachbeitrag und Marc Ziegler, Country Manager Sage Schweiz, im Interview. 48 Digital Transformation

Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für Treuhänder Der grösste Buchverkäufer der Welt besitzt keinen einzigen Buchladen, der grösste Verkäufer von Musik keinen Musikladen und das grösste Taxiunternehmen der Welt kein einziges Taxi. Neue Geschäftsmodelle erobern die Wirtschaft. Angetrieben durch die Digitalisierung. Besonders betroffen ist die Treuhandbranche. Dossier TreuHand Im Jahr 2000 waren in der Schweiz 3,5 Millionen Menschen offline. Heute sind es gerade noch rund 800 000. Das zeigt eine aktuelle Studie von Netmetrix. Oder anders gesagt: 87 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind online. Sie kaufen, konsumieren und arbeiten online und nutzen die Cloud als Datenspeicher. Beispiele wie Amazon, iTunes und Uber stehen exemplarisch für fundamental neue Möglichkeiten, seine Kunden zu bedienen. Sie sind Ausdruck der Digitalisierung der Wirtschaft, die mit zunehmender Beschleunigung um sich greift. Sie demonstrieren, welche Kraft sich aus der Kombination von Technologie, Nutzerverhalten und dem daraus abgeleiteten Geschäftsmodell entwickeln kann. Gerade Treuhandunternehmen sind sehr stark von der Digitalisierung betroffen, da nicht nur ihr eigenes Unternehmen, sondern auch ihre Kunden dem digitalen Wandel unterliegen und sich das User-Verhalten unweigerlich ändert. Doch was bedeutet das konkret, und welche Herausforderungen müssen sie meistern? Riesiges Potenzial für positive Skaleneffekte Die Digitalisierung bedeutet vor allem eines: Eine riesige Chance für den Treuhänder, sich mit einem modernen Dienstleistungsangebot zu profilieren. Schliesslich ist die Zusammenarbeit zwischen Treuhänder und Kunde von einem hohen Grad an Daten- und Informationsaustausch mit vielen administrativen Routineprozessen geprägt. Solche Geschäftsprozesse lassen sich dank Digitalisierung vereinfachen oder automatisieren. Das erlaubt dem Treuhänder, etwa direkt auf die Buchhaltungsdaten seiner Mandanten zuzugreifen und ihn in Echtzeit zu unterstützen, was schon bei einer geringen Anzahl Kunden positive Skaleneffekte bedeutet. Der Treuhänder muss sich also fragen, welche Geschäftsprozesse er mithilfe der Digitalisierung effizienter gestalten und wie er sich besser mit dem Kunden vernetzen kann. Herausforderung 1: Veraltete oder unterhaltsintensive Systeme Das bedingt jedoch, dass sowohl der Treuhänder als auch seine Kunden mit einer modernen, cloudfähigen Business-Software arbeiten. In der Schweiz gibt es mehrere tausend kleinere Treuhandunternehmen, die zehntausende Kundenbuchhaltungen verwalten und die für die Unternehmen die gesetzlich erforderlichen Abschlussarbeiten erledigen, dabei aber auf veraltete Der Autor Patrick Ottiger, Communication Professional, Sage Schweiz Systeme setzen. Oder sie bieten ihren Kunden für die Buchhaltung eine Cloud-Lösung an, die sie auf einer eigenen Serverinfrastruktur hosten. Der Unterhalt solcher Systeme ist jedoch aufwändig und teuer, da dies ein hohes Mass an Fachwissen voraussetzt und die Pflege des Systems oft nur von Spezialisten gewährleistet werden kann. Kommt hinzu, dass von Kundenseite höhere Ansprüche an Geschwindigkeit oder Sicherheit gestellt und neue Serviceleistungen verlangt werden, was den Treuhänder schnell an seine Grenzen bringt. Herausforderung 2: Vertrauen in die Cloud Ein oft diskutierter Punkt ist die Speicherung vertraulicher Daten in der Cloud. Man ist unsicher, was mit seinen Daten letztlich geschieht. Diesem Umstand begegnen Anbieter von Cloud-Lösungen heute mit Swissness, das heisst, sie betreiben die Cloud in Schweizer Rechenzentren, nach Schweizer Datenschutzgesetzen. Tatsächlich zeigt sich, dass die Akzeptanz von Cloud Computing in den letzten zwei bis drei Jahren stetig gewachsen ist. Das spiegelt sich auch in den Zahlen einer aktuellen Studie von MSM Research wider. Während das Wachstum im On-Premise- Segment, also bei lokal installierten Lösungen, einbricht, verzeichnen Software-as-a-Service- beziehungsweise Cloud-Lösungen seit 2014 ein konstant hohes Wachstum von rund 6 Prozent. Herausforderung 3: Digitaler Reifegrad der Kunden Die weitaus grösste Herausforderung für den Treuhänder besteht darin, dass er Kunden bedient, deren digitaler Reifegrad höchst unterschiedlich ist. In der Studie «Digital Transformation Report» der Universität St. Gallen und des Beratungsunternehmens Crosswalk wurde die digitale Reife der Schweizer Unternehmen Ende 2014 untersucht. Dabei zeigte sich, dass Unternehmen jeglicher Branchen und Grössen diese Entwicklung erkannt haben und sich an diese anpassen. Der Stand der Umsetzung und Transformation ist jedoch je nach Unternehmen sehr unterschiedlich. Daraus ergibt sich ein heterogener Mix an Digital Transformation 49

Archiv