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Fintech & Insurtech 2021

Düstere Aussichten am

Düstere Aussichten am Schweizer Fintech-Markt MARKET Das Wachstum im Schweizer Fintech-Markt gerät ins Stocken. Hiesige Fintech-Unternehmen stellen zunehmend Mitarbeitende im Ausland ein – und Open Banking kommt nicht in die Gänge, wie aus einer Studie der HSLU hervorgeht. Autor: René Jaun Noch geht es vorwärts im Schweizer Fintech-Markt. Laut der aktuellen IFZ Fintech Study der Hochschule Luzern (HSLU) gab es per Ende 2020 hierzulande insgesamt 405 Fintech-Unternehmen, das sind 23 Unternehmen respektive 6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die HSLU-Analyse offenbart jedoch auch, dass der Schweizer Fintech-Markt ins Stocken gerät. «Seit 2015 war die Wachstumsrate noch nie so tief», lässt sich Studienleiter Thomas Ankenbrand zitieren. Des Weiteren stellen die Studienautoren fest, dass Schweizer Fintech-Unternehmen zunehmend mehr Mitarbeitende im Ausland stationieren. Bezüglich der Rahmenbedingungen für Fintech-Unternehmen stehe die Schweiz im internationalen Vergleich gut da, schreibt die HSLU unter Berufung auf ihr eigenes Fintech Hub Ranking. In den vergangenen Jahren hätten sich die Bedingungen jedoch tendenziell verschlechtert, vor allem bezüglich sozialer und wirtschaftlicher Faktoren. Die Qualität des Umfelds weise einen klar positiven Zusammenhang mit der Grösse eines Fintech-Sektors auf, heisst es im Ergebnisbericht. Open Banking kommt nicht in die Gänge Eine positive Entwicklung machen die Studienautoren bei Schweizer Banken aus: Sie seien im Laufe der Zeit effizienter geworden – der Effekt der Digitalisierung habe sich am Finanzplatz langsam «materialisiert». Dies sei unter anderem auf Fintech-Lösungen im B2B-Bereich zurückzuführen. Durchzogen fällt allerdings die Analyse zu Open Banking aus: Das Thema gelte zwar als bedeutender Trend in der Finanzbranche. Tatsächlich seien aber sowohl der Druck zur Öffnung von Bankschnittstellen als auch der Bedarf an entsprechenden Lösungen gering, insbesondere im Business-to-Consumer-Geschäft, schreiben die Autoren unter Berufung auf eine Umfrage unter IT-Verantwortlichen bei Schweizer Banken. Weitere Hinderungsgründe für die Implementierung von Open- Banking-Lösungen seien die hohen Kosten und Aufwände Den vollständigen Artikel fin- sowie Bedenken bezüglich IT- Sicherheit und die fehlende den Sie online www.netzwoche.ch Standardisierung. RAHMENBEDINGEN FÜR FINTECH-UNTERNHMEN Rang Vorjahr Stadt/Land Werte 1 - Singapur 2 - Zürich/Schweiz 3 #1 Stockholm/Schweden 4 Genf/Schweiz 5 - Amsterdam/Niederlande 6 #1 New York City/US 7 #2 London/UK 8 #2 San Francisco/US 9 Hongkong/China 10 Toronto/Kanada 11 - Berlin/Deutschland 12 #1 Frankfurt/Deutschland 13 Sydney/Australien 14 - Oslo/Norwegen 15 #3 Dublin/Irland 16 Tokio/Japan 17 Wien/Österreich 18 Seoul/Südkorea 19 #1 Luxemburg 20 Paris/Frankreich 21 - Tallinn/Estland 22 - Madrid/Spanien 23 #1 Tel Aviv/Israel 24 Dubai/Vereinigte Arabische Emirate 25 NEU Vilnius/Litauen 26 Mailand/Italien 27 Warschau/Polen 28 Peking/China 29 Shanghai/China 30 - Santiago de Chile/Chile 31 Moskau/Russland 32 Kapstadt/Südafrika 33 Mumbai/Indien 34 Sao Paulo/Brasilien 35 Buenos Aires/Argentinien Political/Legal Economic Social Technological Quelle: HSLU / IFZ FinTech Study 8 Fintech & Insurtech

Bevölkerung lehnt Facebook und Co. als Alternative zu Banken ab Schweizerinnen und Schweizer können sich kaum vorstellen, ein Bankkonto bei Firmen ausserhalb der klassischen Finanzbranche zu eröffnen. Selbst Smartphone-Banken kommen für viele noch nicht infrage, wie eine Moneyland-Studie zeigt. Autor: Marc Landis MARKET Digitalkonzerne wie Facebook, Amazon und Google versuchen stetig, neue Geschäftsfelder zu erschliessen, etwa rund um Finanzdienstleistungen. Das dürfte auch den Banken zu denken geben. Banken müssen sich aber aktuell zumindest in der Schweiz noch keine grossen Sorgen machen, wie die Umfrage von Moneyland zeigt. Denn Schweizerinnen und Schweizer können sich kaum vorstellen, bei Unternehmen ausserhalb der traditionellen Finanzbranche ein Bankkonto zu eröffnen. Die 1500 Teilnehmenden der Umfrage gaben auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 10 (sehr gut) an, wie gut sie sich vorstellen könnten, ein Konto bei verschiedenen Firmen zu eröffnen. Ein Bankkonto bei anderen als den klassischen Anbietern will demnach nur eine Minderheit: Von den Nicht-Banken kommen die Schweizer Detailhändler Migros (27 Prozent) und Coop (20 Prozent) am ehesten infrage. In der Westschweiz ist der Vorsprung der Migros (23 Prozent) gegenüber Coop (22 Prozent) merklich kleiner als im Schweizer Durchschnitt. Am besten schneiden die beiden Firmen bei den 26- bis 49-Jährigen ab, wie es in der Studie heisst. Auf die Detailhändler folgen Schweizer Pensionskassen (19 Prozent) und Versicherungen (18 Prozent). Smartphone-Banken legen zu 17 Prozent der Befragten können sich gut vorstellen, ein Konto bei einer Schweizer Smartphone-Bank zu eröffnen. Allerdings geben auch 60 Prozent an, dass das kaum oder gar nicht infrage komme, wie Moneyland weiter analysiert. Selbst beim Finanzdienstleister Revolut, der bereits seit mehreren Jahren in der Schweiz aktiv ist, können sich nur 15 Prozent der Bevölkerung gut vorstellen, ein Konto zu haben. Dieser Wert ist im Vergleich zu 2019, als Moneyland diese Umfrage zum ersten Mal durchführte, allerdings deutlich gestiegen: Damals waren es 6 Prozent. Sowohl Schweizer Smartphone-Banken als auch Revolut können vor allem bei Männern punkten: 23 beziehungsweise 20 Prozent der Schweizer geben an, dass sie sich ein Konto bei diesen Unternehmen gut vorstellen könnten. Bei den Frauen sind es lediglich je 10 Prozent. Techgiganten haben schlechte Karten Besonders schlecht schneiden Facebook, Uber und Amazon ab. Jeweils rund 80 Prozent der Befragten geben an, dass sie ein Konto bei diesen Firmen kaum oder gar nicht in Betracht ziehen würden. Auch bei einer Airline würden Schweizerinnen und Schweizer eher kein Konto wollen. Auffällig ist laut Moneyland, dass die Werte für die genannten Firmen ausserhalb der Bankenbranche denen vor zwei Jahren sehr ähneln. Der einzige Ausreisser ist Google, wo die Zahl der Personen, die sich gut ein Bankkonto vorstellen könnten, im Vergleich zu 2019 um rund 5 Prozentpunkte abgenommen hat. Ein merklicher Anstieg beim Interesse an Bankkonten bei Techkonzernen ist bisher ausgeblieben. Auch Schweizer Versicherungen und Pensionskassen kommen wesentlich schlechter weg als noch vor zwei Jahren. Bei der diesjährigen Umfrage gaben jeweils weniger als 20 Prozent an, dass sie sich ein Konto bei einer Versicherung oder Pensionskasse gut vorstellen könnten. 2019 waren es in beiden Fällen noch über 30 Prozent. Jüngste Generation besonders offen Beim Alter zeigen sich einige Unterschiede. Besonders Personen zwischen 49 und 74 Jahren sind nicht bereit, sich auf ein neuartiges Bankkonto einzulassen: Die überwältigende Mehrheit in dieser Altersgruppe gibt an, dass ein Konto bei Firmen wie Facebook (88 Prozent), Zalando (87 Prozent) und Amazon (87 Prozent) nicht oder kaum infrage käme. Im Gegensatz dazu sind junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren tendenziell etwas offener: Bei sämtlichen genannten Firmen ist diese Altersgruppe etwas eher interessiert, ein Konto zu eröffnen, gen Artikel fin- Den vollständi- als der Schweizer Durchschnittden Sie online www.netzwoche.ch Bilder: pch.vector / Freepik; Wikimedia Fintech & Insurtech 9

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