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Fintech & Insurtech - Digitalisierung bei Banken und Versicherungen - 2020

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« Open Banking – der

« Open Banking – der Zeitpunkt, sich einzubringen, ist jetzt » MARKET In der EU ist Open Banking bereits staatlich reguliert; die Schweiz setzt zunächst auf Selbstregulierung. Open Banking sei mehr als eine blosse Schnittstelle, und auf dem Weg zu einem offenen Ecosystem gelte es, noch einige Hürden zu nehmen, so Ralph Hutter und Sven Biellmann von Finnova. Interview: Marc Landis, Redaktion: Colin Wallace Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch Open Banking: Evolution oder Revolution? Ralph Hutter: Es ist beides, je nachdem, aus welcher Perspektive man es betrachtet. Aus Sicht der Banken ist es eine Revolution. Sich öffnen in der Schweiz und in Europa, Dritten Zugriff auf Kundendaten gewähren, ist ein Novum – viele Banken kämpfen derzeit noch damit, sich dieses Mindset anzueignen. Doch es ist eben auch eine Evolution. Die Teilnahme an verschiedenen Marktplätzen und Ecosystemen ist eine Entwicklung, die seit vielen Jahren läuft. Neu ist lediglich, dass dieser Prozess jetzt standardisiert wird. Sven Biellmann: Aus technischer Sicht ist Open Banking vor allem eine Evolution. Es geht ja prinzipiell um den Austausch von Daten zwischen zwei Parteien. Und Datenaustausch über PERSÖNLICH Ralph Hutter Ralph Hutter ist diplomierter Informatiker mit MBA-Abschluss und hat über 20 Jahre Berufserfahrung in Digitalisierungsprojekten bei Schweizer Banken und führenden Softwareherstellern gesammelt. Hauptberuflich arbeitet er als Head Product Management Ecosystems bei Finnova und führt das Partner-Ecosystem für Plattform-Initiativen wie beispielsweise Open Banking. Seit 2009 doziert er an der HWZ in CAS-, MAS- und EMBA-Studiengängen und ist Studiengangleiter für das CAS Cyber Risk and Security sowie das CAS Mobile Business & Ecosystems. Sven Biellmann Sven Biellmann hält einen Abschluss in Master of Science in Communication Systems der ETH Lausanne. Vor seinem Wechsel zu Finnova war er über zehn Jahre bei der UBS in verschiedenen Bereichen als IT Service & Product Manager tätig. Zwischenzeitliche Abstecher in die (Rück-)Versicherungsindustrie sowie in den Energiehandel haben es ihm ermöglicht, Erfahrungen ausserhalb der Finanzdienstleistungsbranche zu sammeln. Er arbeitet seit 2018 als Product Manager Ecosystems bei Finnova Bankware. In dieser Funktion beschäftigt er sich intensiv mit den Auswirkungen von Open Banking und digitalen Ecosystemen auf die Finanzindustrie und die Anbieter von Bankensoftware. Dabei spielen Themen wie Standardisierung, APIs, Plattformökonomie und Wertschöpfung im Ecosystem eine zentrale Rolle. Schnittstellen ist ja nichts Neues. Jetzt geht es aber darum, diese Schnittstellen zu öffnen und Dritten zur Verfügung zu stellen. Getrieben durch PSD2 in Europa haben wir die Situation, dass die Banken solche offenen Schnittstellen bereitstellen müssen; und jeder, der im Besitz eines gültigen Zertifikats ist, darf diese nutzen. Als Bank können Sie nicht mehr selbst selektieren, Sie werden gezwungen, Kontrolle abzugeben. Das war und ist eine grosse Umstellung. Was genau verstehen Sie unter Open Banking? Biellmann: Es gibt nicht die eine, allgemein verbindliche Definition von Open Banking. Ganz grundsätzlich würde ich sagen, bedeutet Open Banking den Austausch von Finanzdaten zwischen mindestens zwei Parteien. Open Banking fördert so die Entstehung eines Infrastruktur-Layers als Basis für innovative Ecosysteme, in denen verschiedenste Teilnehmende interagieren können. Aus Sicht von Finnova braucht es für Open Banking drei Elemente: Erstens braucht es Kunden, die ein Problem vorteilhaft gelöst haben wollen, wofür sie bereit sind, ihre Finanzdaten zu teilen. Das zweite Element ist die Technik. Es braucht Schnittstellen, die den einfachen und sicheren Datenaustausch ermöglichen. Drittens braucht es Banken mit einer entsprechenden Strategie, sich zu öffnen und der Bereitschaft, sich entsprechend zu positionieren. Um die Regulierung als viertes Element brauchen wir uns in der Schweiz momentan nicht zu kümmern. Es liegt also noch ganz in unserer Hand. Doch wir müssen schnell handeln, denn der Druck aus dem europäischen Markt ist da, und die Politik hat auch bereits ein Auge auf das Thema geworfen. Geht es nicht schnell genug vorwärts, wird sie wohl eingreifen wollen. Dafür engagieren Sie sich mit Finnova auch im Openbankingproject.ch. Worum geht es dabei konkret? Biellmann: Wir sind eine Interessengemeinschaft mit dem Ziel, die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen interessierten Parteien zu fördern, Open Banking in der Schweiz voranzutreiben und Schnittstellen zu operationalisieren. Swiss Fintech Innovations hat mit Common API den Anfang gemacht, ist aber aus unserer Sicht nach der Definition der Schnittstelle stehen geblieben. Common API definiert zwar den Inhalt der Schnittstelle, doch notwendige Zusätze blieben offen – Security, Onboarding-Prozesse, Zertifikate, Consent-Management. Diese 20 Fintech & Insurtech

Sven Biellmann (l.) und Ralph Hutter sprechen im Interview über die Rolle von Open Banking in der Schweizer Finanzindustrie. xxxxxx Dinge müssen aber geregelt werden, sonst kann kein Ecosystem entstehen. Mit der Swiss Nextgen Banking API haben wir eine erste solche Schnittstelle entwickelt. Sie basiert auf dem Nextgen PSD2 XS2A Framework der Berlin Group. Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, dieses Framework auch für die Schweiz zu adaptieren. Ein Swiss-Finish braucht es dann dennoch, um die Zahlungsverkehrsstandards der Schweiz abzubilden. Dies bedingt inhaltliche Anpassungen, das Gefäss jedoch bleibt dasselbe. Neben der Operationalisierung der Schnittstellen möchten wir mit Openbankingproject.ch auch Informationen und Wissen zum Thema Open Banking vermitteln. Dafür haben wir eine Wissensplattform aufgebaut. Sie sprachen die Swiss Nextgen Banking API an. Es gibt in der Schweiz diverse Open-Banking-Initiativen. Braucht es denn mehrere Ansätze? Biellmann: Nein. De facto haben wir momentan zwei Standards. Das ist nicht die beste Ausgangslage. Was es braucht, ist ein Ansatz, bei dem alle mitziehen. Hutter: Die Frage ist auch, wie viele unterschiedliche Plattformen der Schweizer Markt verträgt, und was die Erfolgsfaktoren für ein Plattform-Geschäftsmodell sind. Wenn Banken und Drittanbieter über verschiedene Plattformen verstreut sind, kommt kaum eine kritische Masse zustande und es ist nicht möglich, Anbieter und Nachfrager über einen überschaubaren Zeitraum zu skalieren. Und wir dürfen in dieser Gleichung die Endkunden nicht vergessen. Eine Plattform mit vielen teilnehmenden Banken und Drittanbietern ist ohne Kunden wertlos. Ein Schlüsselfaktor wird sein, welche Anwendungen oder Use Cases das Potenzial haben, schnell eine grosse Verbreitung bei den Schweizer Bankkunden zu finden. Was sind die grössten Hürden, die Finanzdienstleister auf dem Weg zum Open Banking bewältigen müssen? Hutter: Eine der grössten Hürden ist der Business Case. Jeder Teilnehmer will einen möglichst profitablen Case: der Plattformprovider, der Drittanbieter, die Bank. Und die Kunden möchten vermutlich nichts bezahlen, respektive zahlen mit der Freigabe ihrer Daten. Die grosse Herausforderung besteht nun darin, diese Bedürfnisse gegeneinander abzuwägen und ein Gleichgewicht in einem entsprechenden Ecosystem-Geschäftsmodell zu schaffen. Eine weitere grosse Herausforderung ist, wie bereits angesprochen, die notwendige Infrastruktur. Banken in Europa haben es da «einfacher» – sie wurden per September 2019 regulatorisch verpflichtet, die Basisinfrastruktur für PSD2 zu implementieren. Das hat dazu geführt, dass Finanzinstitute in der EU ungefähr über dieselbe Infrastruktur bezüglich Open Banking verfügen – über einen Digital Banking Backbone eben. Eine Perspektive, die auch die Schweizer Finanzbranche einnehmen könnte. Inwiefern ermöglicht Finnova Open Banking? Biellmann: Wir fahren mehrgleisig. Vorhin haben wir über den Digital Banking Backbone gesprochen. Diesen versuchen wir zu bauen, um unseren Kunden diese neuen Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Zudem arbeiten wir im Rahmen von Openbankingproject.ch aktiv darauf hin, zusätzliche Use Cases zu operationalisieren. Anhand dieser wird sich weisen, wo und wie sich Open Banking in der Schweiz etablieren kann. Zeitgleich versuchen wir aufzuklären, zu informieren und an die Banken zu appellieren, aktiv zu werden und sich an der Ausarbeitung relevanter Use Cases zu beteiligen. Der Zeitpunkt, sich einzubringen, ist jetzt. Fintech & Insurtech 21

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