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IT for Finance 2017

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Postfinance beteiligt

Postfinance beteiligt sich an Wikifolio fpo. Postfinance ist bei der Social-Trading-Plattform Wikifolio eingestiegen. Wie das Tochterunternehmen der Schweizerischen Post mitteilt, erwarb es eine Minderheitsbeteiligung an der Finanzinformationsplattform im Social-Media-Stil. Laut Wikifolio übernimmt Postfinance 11 Prozent des Fintech-Start-ups aus Österreich. Andreas Kern, Gründer und CEO von wikifolio.com, freut sich über den neuen Investor aus der Schweiz: «Mit Postfinance haben wir einen weiteren renommierten Top-Player aus der Branche hinzu gewonnen – als Shareholder und als Mitglied für unser Partner-Ökosystem.» Das Investment bewegt sich laut Trending Topic in einstelliger Millionenhöhe. «Die Postfinance AG will zum ‹Digital Powerhouse› in der Schweizer Bankenwelt werden», sagt Jens Schulte, Leiter Corporate Ventures von Postfinance. «Ein entscheidendes Etappenziel ist, bevorzugte Partnerin im Bereich der digitalen Geldanlage zu werden. Mit der Beteiligung an von wikifolio.com sind wir dem einen Schritt näher gekommen.» Postfinance sei ausser an einer finanziellen Beteiligung auch an einem schrittweisen Aufbau einer strategischen Zusammenarbeit mit Wikifolio interessiert. «Wir wollen in den kommenden Jahren im digitalen Anlegen innerhalb des Retailmarktes Schweiz stark wachsen», sagt Daniel Mewes, Leiter Investment Solutions bei Postfinance. Trader und Follower Bei Wikifolio gelten die Prinzipen sozialer Netzwerke. Private und professionelle Trader veröffentlichen auf der Plattform in Echtzeit ihre Handelsaktivitäten, damit Follower von ihrer Anlagestrategie profitieren können. Sobald ein Anlageportfolio Bedingungen wie eine bestimmte Anzahl Follower erfüllt, können auf Basis dieses Portfolios Zertifikate ausgegeben werden. Dadurch wird die jeweilige Anlagestrategie des Händlers auch für andere Investoren über die Börse handelbar. Die Social-Trading Plattform blickt mittlerweile auf eine fünfjährige Geschichte zurück. Nach dem Start 2012 in Deutschland folgte 2013 der Eintritt in den österreichischen Markt. Seit 2015 ist die Plattform auch für Schweizer Kapitalanleger und Trader verfügbar. Vorläufiges Ergebnis laut Wikifolio: rund 18 000 Wikifolios, mehr als 6700 Wikifolio-Zertifikate und über 13 Milliarden Euro Volumen. MARKET IBM, UBS und ZF Friedrichshafen lancieren Auto-Bezahlplattform osc. IBM hat zusammen mit der UBS und dem Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen ein Blockchain-Bezahlsystem für Automobile lanciert. «Car E-Wallet» soll sichere und automatische Transaktionen zwischen dem Fahrzeug und verschiedenen Dienstleistern ermöglichen, wie IBM mitteilt. Mit an Bord seien auch der Parkplatzbetreiber Apcoa und Chargepoint, ein US- Hersteller von E-Auto-Ladestationen. Kern des Systems ist laut IBM ein digitaler Assistent, der Zahlungen «on-the-go» ausführen könne. Die Blockchain-Technologie ermögliche es, dass Transaktionen für alle Beteiligten transparent überprüfbar seien. Somit brauche es keinen klassischen Mittelsmann mehr, der die Transaktionen gewährleiste. «Car E-Wallet» soll etwa an E-Auto-Ladesstationen automatisch bezahlen können. Bezahlen und Türen öffnen «Car E-Wallet» sei insbesondere für Car-Sharing und autonome Fahrzeuge interessant, schreibt Stefan Sommer von ZF Friedrichshafen in der Mitteilung. Die Lösung werde «Risiken und Kosten senken und gleichzeitig den Komfort für Besitzer und Nutzer gewaltig verbessern», so Sommer. Zum Einsatz komme die von IBM mitentwickelte Hyperledger- Blockchain, heisst es weiter. «Car E-Wallet» soll aber mehr als nur bezahlen können. Das System sei ein digitaler Assistent für Autos und könne in dieser Funktion auch den Kofferraum oder Türen öffnen, schreibt IBM. 5

Neue Zahlungsrichtlinien in der EU mischen den Finanzmarkt auf MARKET Anfang 2018 treten in der Europäischen Union neue Regeln für den Zahlungsverkehr in Kraft. Offene Schnittstellen sollen insbesondere auch Finanzunternehmen Zugriff auf die Kontodaten von Bankkunden erlauben. Die Richtlinien könnten den Finanzmarkt umkrempeln – auch in der Schweiz. Autor: Oliver Schneider Ab Januar 2018 gelten in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) neue gesetzliche Regeln für den Zahlungsverkehr. Vor zwei Jahren vom EU-Parlament beschlossen, soll die zweite Ausgabe der Payment Services Directive (PSD2) den Online-Geldtransfer sicherer machen und den Verbraucherschutz stärken, wie die EU-Kommission in einer Mitteilung schreibt. Gleichzeitig will die EU mit PSD2 Unternehmen aber auch den Einstieg in den Finanzmarkt erleichtern. Bild: josebgarcia-pixabay.com Mehr Wettbewerb Im Kern geht es bei PSD2 um die Förderung des Wettbewerbs. Die neuen Richtlinien sollten die EU-Banken dazu verpflichten, Drittanbietern über eine Schnittstelle Zugriff auf die Kontendaten ihrer Kunden zu gewähren. Damit könnte es etwa Fintech- Start-ups weitaus leichter fallen, eigene Angebote zu lancieren. Einige Marktbeobachter sprechen deshalb bereits jetzt von einem «historischen Meilenstein». Das bislang unter Verschluss gehaltene Wissen der Banken über Kontostand, Zahlungen und Einkommen ihrer Kunden biete Finanzunternehmen völlig neue Geschäftsfelder. heit im Zahlungsverkehr ermöglichen. So müssten sich Kunden nach der neuen Richtlinie bei Onlinezahlungen auch mit einer Transaktionsnummer (TAN) oder einem Fingerabdruck ausweisen, schreibt die «FAZ» weiter. Für Online-Marktplätze wie Airbnb bringe PSD2 zudem strengere Regeln, schreibt t3n.de. Die Portale müssten sich in Zukunft um spezielle Lizenzen bemühen oder zusätzliche Dienstleister mit Zahlungen beauftragen. Ausserdem stünden die Betreiber in der Pflicht, ihre Subunternehmer stärker zu überprüfen. Denkbar wären etwa Apps, die je nach Kontobewegungen automatisch Sparguthaben anlegen. Auch wären Kunden in der Lage, verschiedene Konten auf einer Plattform zu verwalten. Wer auf welche Daten Zugriff bekomme, solle dabei stets der Konteninhaber entscheiden können, schreibt die «FAZ». Wie die dafür notwendige Schnittstelle konkret aussehen soll, darüber streiten sich Banken und Fintech-Unternehmen laut «Handelsblatt» im Moment noch. Auch der (Online-)Handel könnte Und die Schweiz? PSD2 ist zwar nur im EU-Raum gültig, für Schweizer Unternehmen ist die Regelung aber dennoch von besonderer Bedeutung. Die Richtlinien setzen Standards, etablieren neue Angebotsformen und schaffen neue Erwartungen bei den Kunden, wie es auf dem Finanzportal iso-20022.ch heisst. Die hiesigen Banken und Fintech-Firmen müssten sich auf die neuen Rahmenbedingungen frühzeitig von PSD2 profitieren. Neue Be- zahlsysteme versprechen tiefere Gebühren bei Transaktionen. Den Anbietern von Kreditkarten könnte so neue Konkurrenz erwachsen. «Das Verhältnis von Bank und Kunden « Das Verhältnis von Bank und Kunden wird neu definiert. » Sebastian Steger, Unternehmensberatung Roland Berger einstellen und versuchen, sie mitzugestalten. Kritischer äusserte sich vor Kurzem die Schweizerische Bankiervereinigung. Eine gesetzlich erzwungene Öffnung via Schnittstellen wäre wird neu definiert», sagt Sebastian Steger von der Unterneh- mensberatung Roland Berger gegenüber der «FAZ». «Den Banken drohen happige Gewinneinbrüche im Privatkundengeschäft, wenn sie sich nicht auf PSD2 einstellen», meint Steger. laut Bankiervereinigung nicht nur aus sicherheitstechnischer Sicht problematisch. Sie stelle einen «Eingriff in den funktionierenden Markt» dar und führe «zu einer Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten der Banken» (siehe Kolumne Seite 32. Anm. d. Red.). Sicherer Zahlungsverkehr Ausser dem Zugriff auf Kontodaten soll PSD2 auch mehr Sicher- Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_59058 6

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