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IT for Finance 2017

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von mehreren

von mehreren Regulatorien gleichzeitig abdecken oder gar über den Finanzsektor hinaus anwendbar sein. In der Kategorie «operationelles Risikomanagement und Betrugsbekämpfung» finden sich denn auch gleich zwei der bekanntesten Schweizer Regtech-Unternehmen wieder: Das mehrfach prämierte Zürcher Start-up Qumram ermöglicht die revisionssichere Aufzeichnung von Onlineinteraktionen von Kunden oder Mitarbeitenden und damit die Dokumentation von regulatorischen Verhaltenspflichten. Das Westschweizer Jungunternehmen Net- Guardians nutzt Big Data, um Verhaltensanalysen zu erstellen und dadurch Betrug zu erkennen. Unter der Disziplin «Crossborder und Tax Compliance» lassen sich Lösungen zusammenfassen, die Banken bei der Einhaltung der Anforderungen aus der grenzüberschreitenden Erbringung von Finanzdienstleistungen sowie aus dem Steuerrecht entstehen. Die Softwareunternehmen Indigita und Confinale digitalisieren diesbezügliche Entscheide, Kontrollen und Reportings. Anlegerschutzbestimmungen wie die europäische MiFID II oder das derzeit vom Parlament behandelte schweizerische Fidleg verleihen Anwendungen Rückenwind, die mittels quantitativen Analysen das Risikoprofil von Anlage- und Vermögensverwaltungskunden erhebt und mit dem Risikoprofil von Anlageinstrumenten und -portfolien abgleicht. Lösungen in diesem Bereich bieten die Start-ups Edge Lab, Finhorizon, Investment Navigator, Protagoras und Risk Concile. Biometrische Verfahren machen die Kundenauthentifizierung für E-Banking oder telefonische Anfragen bei höherer Sicherheit einfacher und benutzerfreundlicher. Das Westschweizer Jungunternehmen Onevisage ermöglicht für solche Anwendungsfälle ein 3-D-Selfie, das mit dem beim Finanzdienstleister hinterlegten Bild biometrisch abgeglichen wird. Im Bereich Geldwäscherei und Finanzkriminalität sticht insbesondere das Zürcher Jungunternehmen KYC Exchange Net hervor, das eine Plattform für den sicheren und effizienten Austausch von standardisierten Know-your-Customer- und Customer-Due-Diligence-Informationen in der Kundenverifizierung ermöglicht. In kurzer Zeit sind in der Schweiz bereits rund zwei Dutzend Regtech- Start-ups entstanden. Bis Regulierungstexte automatisch interpretiert und in Prozesse und Applikationen implementiert werden können, wird es aufgrund der aufwendigen und komplexen Entwicklung noch einige Jahre dauern. Jedoch sind heute als Zwischenlösung auf dem Weg dorthin bereits Anwendungen verfügbar, welche die Identifizierung von Regulierungen und deren Zuordnung zu den davon betroffenen Bewilligungstypen und Organisationseinheiten und Prozessen ermöglichen. Die Zürcher Start-ups Apiax und Capnovum sind Pioniere in diesem Bereich. Chance für grosse und kleine Banken Diverse der zuvor erwähnten Regtech-Unternehmen haben zusammen mit den Grossbanken oder einzelnen Kantonalbanken Proof-of-Concepts für ihre Anwendungen entwickelt oder funktionsfähige Lösungen implementiert. Infrastruktur wie Server, Datenbanken und dafür notwendige Betriebssysteme können von Banken gemeinsam genutzt und die Kosten geteilt werden. Gerade für kleine und mittelgrosse Schweizer Finanzdienstleister werden Plattformlösungen, die Skaleneffekte und damit Kostenvorteile bieten, kurzfristig den grössten Nutzen bringen. Infrastruktur wie Server, Datenbanken und dafür notwendige Betriebssysteme können von mehreren Banken gemeinsam genutzt und die Kosten dafür geteilt werden. Insgesamt tragen die neuen technologischen Lösungen dazu bei, dass viele bisher noch manuell ausgeführten Compliance- Prozesse künftig digitalisiert werden können. So gesehen ist Regtech ein weiteres, vielversprechendes Entwicklungsfeld der voranschreitenden Digitalisierung der Finanzbranche. BANKING COMPLIANCE & REGTECH BEI SWISSCOM Dank Regtech-Anwendungen wie Data Analytics oder KI sollen Finanzdienstleister Compliance-Anforderungen automatisiert und damit kostengünstig abarbeiten können. Swisscom agiert dabei als All-in-One-Dienstleister. Seit Juni 2017 bietet Swisscom zusammen mit dem Start-up Qumram einen Digital Channel Recorder, der nahtlos sämtliche Interaktionen auf allen digitalen Kanälen aufzeichnet. Jegliche Aktionen auf digitalen Kanälen sowie dort vom Unternehmen publizierte Informationen werden somit jederzeit nachvollziehbar. Ob Versicherung, Finanzwesen oder weitere Unternehmen der digitalen Wirtschaft: Unabhängig Ihrer Branche können dadurch Ihre Compliance-Beauftragten und Risikospezialisten Transaktionen ganzheitlich nachvollziehen oder auf individueller Basis prüfen. www.swisscom.ch/digitalchannelrecorder Eine weitere Dienstleistung ist der Fraud Prevention Service, den Swisscom in Zusammenarbeit mit dem Start-up Netguardians erbringt. Bankensysteme werden vor Betrügereien geschützt, indem das Verhalten der Kunden bei Transaktionen sowie die täglichen Aktivitäten Ihrer Mitarbeitenden in Echtzeit überwacht und laufend analysiert werden. So werden verdächtige Transaktionen blockiert und die Bank wird in risikobehafteten Situationen sofort benachrichtigt. www.swisscom.ch/banking Die Regtech-Start-up-Map findet sich zum Download unter www.swisscom.ch/regtechmap MARKET 9

Die Zukunft der Bankberatung MARKET Der Bankbranche wird ein epochaler Wandel prophezeit. Die Digitalisierung bedroht die Geschäftsmodelle der Finanzinstitute in den Grundfesten, und der Bankberater wird durch Roboter ersetzt – so zumindest hat es vordergründig den Anschein. Die Bankberatung kann aber auch neu gedacht werden. Die technologische Entwicklung schreitet rasant voran. Banken und Versicherer sind gefordert, sich mit Big-Data-, Cloud-, Blockchain- und Artificial-Intelligence-Technologien zu beschäftigen und zunehmend vertraut zu machen. Aber wie können diese sinnvoll in ihre Geschäftsmodelle integriert werden? Bedürfnisse, Ansprüche und Medienverhalten der Kunden verändern sich permanent. Die Kunden bewegen sich in Netzwerken ausserhalb des Unternehmens. Sie sind teilweise besser informiert über Produkte, Dienstleistungen und deren Preise als ihr Kundenberater. Smartphone, Tablet und Kommunikation via Apps, Instant Messaging oder soziale Plattformen gehören zum privaten Alltag – rund um die Uhr. Als Konsumenten erwarten sie, dass Unternehmen ihnen mindestens auf Augenhöhe begegnen, und zwar in allen Branchen. Was bedeutet das für die Bankberatung heute und in Zukunft? Der digitale Vorgeschmack der Zukunft Technologiekonzerne, Drittanbieter und deren neue Plattformen stehen in den Startlöchern. Early Adopters nutzen bereits heute mobile Zahlungsdienste oder Anlagelösungen von Drittanbietern – denken wir an Mobile Payments, Robo Advisors, ausländische Discount Broker, Onlinebanken und Crypto-Currency-Börsen. Die Finanzbranche ist vierfach herausgefordert: Die neuen Technologien müssen verstanden, Chancen für das Geschäftsmodell erkannt und konsequent umgesetzt sowie die Kunden und deren Kundenerlebnis in den Mittelpunkt gestellt werden. Dabei ist die eigene Rolle und Positionierung bezüglich Ökosystemen wie Amazon, Google, Apple, Facebook (um sich des Klischees zu bedienen) und auch bereits bestehenden Finanznetzwerken zu hinterfragen. Die aktuellen Antworten der Finanzbranche darauf sind eher ernüchternd. DER RED-QUEEN-EFFEKT Der Red-Queen-Effekt bezieht sich auf das Lewis-Carrolls- Buch «Through the Looking-Glass», in der die Rote Königin Alice sagt: «If you want to get somewhere else, you must run at least twice as fast as that.» Sinngemäss folgt daraus: Der Red-Queen-Effekt egalisiert Innovationsbemühungen. Produktlebenszyklen verkürzen sich im Rahmen der Digitalisierung, und die Innovationsgeschwindigkeit nimmt rasant zu. Viele Finanzdienstleister erhöhen die Kadenz bei der Lancierung von digitalen Angeboten und Partnerschaften. Die Differenzierung gegenüber Konkurrenten gelingt aber nicht, weil diese mit derselben Geschwindigkeit Innovationen auf den Markt bringen. Der Autor Ralph Hutter, Leiter Product Management Digitalisation, Finnova Die Realität? Digitalisierungsaktionismus! Derzeit ist ein regelrechter Wettbewerb bei der schnellen Lancierung von digitalen Angeboten auszumachen: Onboarding mit Videoidentifikation, P2P-/P2M-Lösungen, Digital Safe, Integration von Fintech-Lösungen im Bereich Personal Finance Management oder Business-Banking, Portalangebote und Onlineberatung. Alles, um zu beweisen, dass die Finanzinstitute mit der laufenden Digitalisierung Schritt halten können. Viele sind im Red-Queen-Effekt gefangen. Nur ist ein offensichtlicher Fortschritt mit neuen digitalen Angeboten gar kein Fortschritt, weil viele andere Institute diesen Schritt ebenfalls vollzogen haben. Es handelt sich meist nur um einzelne Leuchtturmprojekte. Bei genauerer Betrachtung unterstützen sie weder die Transformation der Geschäftsmodelle noch die Unternehmensstrategie, ausserdem haben sie meist keine positive Auswirkung auf den Umsatz, geschweige denn auf die Deckungsbeiträge. Echte Differenzierung in der Kundenberatung Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Finanzdienstleister nicht mehr über das Produkt- und Dienstleistungsangebot differenzieren können. Aktuell versuchen nun viele, sich zwanghaft über digitale Beratungsangebote und eigene Plattformen von den Mitbewerbern im Markt abzuheben. Diese grundsätzlich gute Idee greift jedoch zu kurz. Es wird vergessen, dass das bestehende Basisangebot noch gar nicht vollständig digitalisiert ist und die eigenen Plattformen noch immer auf einer Silo-Architektur aufbauen, was die Realisierung einer Ökosystem- Strategie massiv erschwert. Es wird verkannt, dass nicht einzelne Prozesse, sondern das gesamte Kundenerlebnis über Systemgrenzen hinweg einheitlich verstanden werden sollte – von der einfachen Selbstbedienung bis hin zur Kommunikation und zur öffentlichen Beziehung mit den Kunden. Die Beratung stellt darin nur einen Baustein dar, wenn auch einen substanziellen. Viele Digitalisierungsprojekte sind entweder technologisch motiviert, orientieren sich an zwingenden Marktinitiativen oder 10

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