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IT for Finance 2017

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Bild: monsitj / iStock.com BANKING Beratung intelligent gelöst Mit MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive) rücken ab 2018 die Interessen des Kunden in der Anlageberatung stärker in den Mittelpunkt. Artificial-Intelligence-Technologien ermöglichen es, die Richtlinie effizient umzusetzen sowie dem Kundenerlebnis eine neue Dimension zu verleihen. Den Kunden umfassend zu beraten, ist eine hohe Kunst. Den Berater unterstützen Artificial-Intelligence(AI)-Ansätze wie Predictive Analytics dabei, die Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und die Beratung noch individualisierter auf den Kunden abzustimmen. Dabei haben die Lösungen in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht. Heute kann AI nicht nur strukturierte, sondern auch unstrukturierte Daten, also Big Data, lesen und daraus Muster und Zusammenhänge erkennen. Bis dato blieb die natürliche gesprochene Sprache jedoch aussen vor. MiFID II gibt den Anstoss, dies zu ändern. Compliance Call Tracking im Wealth Management Wenn im Januar 2018 die Richtlinie MiFID II in Kraft tritt, sind Banken im EU- und EWR-Raum im Rahmen des Anlegerschutzes dazu verpflichtet, vom Kunden telefonisch aufgegebene Aufträge aufzuzeichnen und auf Wunsch zur Verfügung zu stellen. Wirtschaftlich lässt sich die EU-Richtlinie mit AI-Technologien umsetzen, die die gesprochene Sprache analysieren und semantisch korrekt transkribieren. Im Umfeld des Forschungsinstituts IDIAP (Partner der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne, EPFL) ist eine solche Lösung entstanden und wird von Crealogix weiterentwickelt. Sie wird heute in der Wirtschaft eingesetzt und beherrscht nicht nur gesprochene Sprache, sondern versteht als selbstlernendes System auch Dialekte, Fachsprachen und beispielsweise die Produktnamen eines Unternehmens. Hohes Datenvolumen über Tags organisieren Die transkribierten Mitschnitte lassen sich darüber hinaus mit Schlüsselwörtern und Tags klassifizieren. So gelingt es, MiFID II effizient umzusetzen: Bei der Vielzahl der tagtäglich geführten Gespräche fällt schnell eine riesige Datenmenge an. Die Tags machen diese Datenmenge handhabbar. Zudem gewinnt die Die Autorin Sandra Daub, Head of Product Management, Crealogix Group Bank neue Erkenntnisse: Informationen können gebündelt und Gespräche verglichen werden. Das Management erfährt im Detail, wie die strategischen Vorgaben des Investment Offices von den Beratern umgesetzt werden. Erfolgreiche Gesprächsstrategien dienen internen Schulungszwecken. Einmal erfasst, bildet die Sammlung gesprochener Sprache aber auch eine enorme Wissensquelle für Banken, um ein am Kundenpotenzial orientiertes Cross- und Upselling konsequent ausbauen. Individuelle Beratung schafft Vertrauen Anhand der Schlagworte weiss der Relationship Manger, welche Ansprachethemen für einen bestimmten Kunden relevant sind und kann gezielt darauf eingehen. Wenn beispielsweise durch ein politisches Ereignis der Goldpreis steigt, kann er in den Gesprächen der letzten Monate nach dem Schlagwort «Gold» suchen. Über die Tags gelingt es, eine angeforderte Transkription zu finden und im Audiofile direkt zur gesuchten Thematik zu springen, ohne das gesamte Gespräch abhören zu müssen. So können Berater die Kunden frühzeitig ansprechen, die sich für diese Anlage interessieren. Mit dieser AI-unterstützten Aufmerksamkeit sammeln die Berater Pluspunkte. Sie stabilisieren und fördern die Kundenbeziehung. Wer sich gut betreut fühlt, spielt kaum mit dem Gedanken, die Bank zu wechseln. Im Gegenteil: Der gut beratene Kunde neigt dazu, auch weitere Dienstleistungen und Produkte von «seinem» Institut zu beziehen. 19

BANKING Open Banking als Chance für Schweizer Fintechs Immer mehr Schweizer Fintechs drängen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen in den Bankenmarkt. Sie fokussieren sich auf einzelne Bestandteile der Wertschöpfungskette und profitieren von niedrigen Markteintrittsbarrieren. Ebnen sie somit den Weg der Open-Banking-Revolution? Open Banking ermöglicht der Finanzindustrie, sich hin zu einem marktplatz-ähnlichen Ökosystem zu entwickeln. Die traditionelle Wertschöpfungskette wird in einzelne Bestandteile zerlegt, wobei Banken und Drittanbieter zielgerichtete Produkte und Dienstleistungen bereitstellen, aus denen Kunden individuell und bedürfnisgerecht auswählen können. Eine steigende Produkt- und Dienstleistungsvielfalt sowie sinkende Preise sind die Lehren aus anderen Branchen mit vergleichbarer Entwicklung (beispielsweise Apples App-Store, Booking.com, Steam). Die Autoren (V. l.): Thomas Roth, Andreas Lentzsch, Johannes Schlotmann und Sebastian Freihse, Deloitte Payment Service Directive (PSD2) als Auslöser des Open Bankings Auslöser und Beschleuniger dieser Entwicklung ist die überarbeitete Payment Service Directive, die ab 2018 im EU-Raum in Kraft tritt (PSD2). Banken in EU-Mitgliedsstaaten werden verpflichtet, Drittanbietern Zugang zu Kundendaten zu ermöglichen. Benutzer können zum Beispiel über mobile Applikationen Zahlungen initiieren und sich Kontoinformationen und Transaktionsdaten verschiedener Banken aggregiert anzeigen lassen. Von dieser neuen Policy direkt betroffen sind Schweizer Banken mit Niederlassungen in EU-Ländern, die der neuen Verordnung folgen müssen. Alle anderen Schweizer Banken sind indirekt betroffen, indem sie sich mit der Erwartungshaltung von Kunden konfrontiert sehen werden, ähnliche Produkte wie die der europäischen Konkurrenz anzubieten. Allerdings geht die Philosophie des Open Banking über PSD2 hinaus: Hier geht es um den Austausch weiterreichender Daten. Somit sind auch weitere Abschnitte der Wertschöpfungskette betroffen. Fintechs setzen auf den Open-Banking-Trend Im Gegensatz zu vielen Banken nutzen Fintechs den aktuellen Trend und entwickeln innovative Produkte und Dienstleistungen mit Fokus auf Bedienung, Design und Kundenerlebnis. Diese lassen sich bei der Disintermediation der Wertschöpfungskette mithilfe passender Open-Banking-APIs gut in die existierende Produkt- und Servicepalette bestehender Banken integrieren. Die Bank würde auf diese Weise Produkte und Services der « Die Fintechs treffen den Nerv der Zeit. » Thomas Roth, Deloitte Fintechs mitanbieten. Denkbar wären insbesondere Kooperationen in Schwerpunktbereichen der Fintechs: 1. Produkt- und Servicevergleichsdienste 2. Persönliche Finanzverwaltung 3. Zahlungsdienstleister 4. Kredit- und Anlagenverwaltung 5. Tradingplattformen Die Vergleichsdienste, persönliche Finanzverwaltungsangebote sowie Zahlungsdienstleister bieten bereits heute für den Grossteil der Retailkunden interessante Neuerungen: Traditionelle Einnahmequellen sind bedroht – neue Ertragsmodelle werden geschaffen Heutige Haupteinnahmequellen von Banken im Kreditgeschäft sind hauptsächlich das Zinsdifferenzgeschäft und die Kreditgebühren. Plattformen, auf denen Investoren und Kreditnehmer direkt zusammengebracht werden (z.B. Advanon oder Lend.ch), schalten allerdings den Finanzintermediär aus – so bedrohen sie mit ihrem neuen Ertragsmodell die traditionellen Einnahmequellen von Banken im Kreditgeschäft. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in anderen Bereichen feststellen – etwa im Zahlungsverkehr. Mobile Peer-to-Peer-Zahlungen (z.B. Twint, Lendstar, Cringle, Tabbt) haben das Potenzial, die Kartenzahlung in vielen Bereichen zu ersetzen. FX-Raten und -Gebühren sowie Transaktionsgebühren sind dementsprechend gleichermassen in Gefahr. Eruiert man die Auswertung der zugehörigen Transaktions- 20

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