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IT for Finance 2017

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Nur drei Schweizer

Nur drei Schweizer Fintech-Firmen unter den Top 100 Bei den European Fintech Awards hat die Schweiz schlecht abgeschnitten. Nur ein Schweizer Unternehmen schaffte es unter die Top 3 in einer der Wettbewerbskategorien. Die Niederlande dominieren das Ranking der Top-100-Firmen. Autor: Christoph Grau FINTECH Am 27. September sind in Brüssel die European Fintech Awards 2017 verliehen worden. In den neun Wettbewerbskategorien wetteiferten am Event je drei Firmen in Pitches um die Awards. Ausserdem wählte die Jury die Top-100-Fintech-Firmen Europas, wie es in einer Mitteilung heisst. Bild: anyaberkut / iStock.com Ein Zürcher Fintech-Unternehmen im Finale Nur ein Schweizer Unternehmen, Carbon Delta, schaffte es unter die Finalisten und gewann in seiner Kategorie «Risk, Intelligence & Security». Das Unternehmen aus Zürich ist im Umweltschutz tätig. Es analysiert die Widerstandsfähigkeit von börsennotierten Unternehmen gegen den Klimawandel, wie es auf der Website des Awards heisst. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2015. Ausser Carbon Delta wetteiferten in der Kategorie «Risk, Intelligence & Security» noch Cybersprint aus den Niederlanden und Seqvoia aus Luxemburg um den Fintech Award. Unter den Top-100-Fintech-Firmen ist die Schweiz nur mit drei Firmen vertreten. Ausser Carbon Delta sind dies Netguardians aus Yverdon-les-Bains und Trendrating aus Lugano. Die Schweiz schnitt damit im Vergleich zu anderen grossen Fintech-Nationen schlecht ab. Die mit Abstand meisten Unternehmen kommen aus den Niederlanden, 31 schafften es unter die Top 100. Die Niederlande liegen damit deutlich vor Grossbritannien, das mit 16 Fintech-Firmen vertreten ist. Deutschland platzierte sich mit 11 Firmen auf Platz drei. Vor der Schweiz positionierten sich Belgien (6), Luxemburg (5), Schweden (4), Spanien (4) und Norwegen (4). Die Schweiz liegt gleichauf mit Ländern wie Estland und Frankreich. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_56470 ALLE KATEGORIEN IN DER ÜBERSICHT: Alternative Finance • Fundedbyme, Schweden • Funderbeam, Estland (Kategoriensieger) • Twino, Lettland Blockchain/Bitcoin • I/O Digital, Niederlande • Settlemint, Belgien • Tradle, Niederlande (Kategoriensieger) Challenger Banks • Monese, Grossbritannien • N26, Grossbritannien (Kategoriensieger) • Revolut, Deutschland Financial Inclusion • Easypay Albania, Albanien • ID Finance, Spanien • Mybucks, Luxemburg (Kategoriensieger) Innovative Banking Software • Connective, Belgien • Dorsum, Ungarn • Oradian, Kroatien (Kategoriensieger) Insurtech • Gavin, Niederlande • Insureapp, Niederlande • Openclaims, Niederlande (Kategoriensieger) Payments & Transfers • Doccle, Belgien • Payworks, Deutschland • Twisto, Tschechische Republik (Kategoriensieger) PFM Robo Advisory • I Know First, Italien • Meniga, Grossbritannien (Kategoriensieger) • VT Fintech, Grossbritannien Risk, Intelligence & Security • Carbon Delta, Schweiz (Kategoriensieger) • Cybersprint, Niederlande • Seqvoia, Luxemburg 25

Die Banken im digitalen Rennen FINTECH Die Digitalisierung beeinflusst den wirtschaftlichen Strukturwandel und das volkswirtschaftliche Wachstum. Sie verändert unseren privaten, sozialen und beruflichen Alltag gleichermassen. Wo genau stehen die Banken in diesem Prozess des digitalen Wandels? Wie sieht es mit ihrer Anpassungsrate aus, und mit welcher Geschwindigkeit sind die Finanzdienstleister im digitalen Rennen um Verbesserungen, Innovationen und Flexibilität in der Modellierung von Geschäfts modellen unterwegs? Die Herausforderungen für die Banken in den kommenden Jahren sind mannigfaltig. Einerseits zeigen sie sich in den Veränderungen der Wertschöpfungsketten und in der Bewältigung der zunehmenden Anforderungen aus dem technologischen Fortschritt. Andererseits werden die Fähigkeiten, bestehende Geschäftsmodelle rasch, signifikant und gewinnbringend umbauen und die immer noch steigende Regulierungsdichte bewältigen zu können, zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. Ein schwieriges und herausforderndes Unterfangen im Wissen um den hohen Investitionsbedarf sowie den steigenden Druck auf die strategischen und operativen Entscheidungen bei zunehmender Geschwindigkeit der laufenden Veränderung von exogenen und endogenen Faktoren. Dazu zählen die zunehmende Marktunsicherheit aufgrund sinkender Margen und die Komplexität bei der Umsetzung von Change-Prozessen, um nur ein paar wenige zu nennen. Einfache Lösungen sind hier wohl nicht zu finden, aber es zeichnen sich einige Tendenzen und Trends ab. Der Autor Simon Kauth, Chief Product Officer, Finnova Tiefe Durchdringung im Internet-Banking und Mobile-Banking Das Bankgeschäft kann fast zu 100 Prozent digital erfolgen, da nur wenige physische Interaktionen zwischen Bank und Bankkunde wirklich zentral sind. Diese lassen sich mit ein paar weiteren Informationshilfsmitteln zudem optimal ergänzen und können so ihren Beitrag an das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Bank, die Kundenzufriedenheit, die Positionierung und die Markenbindung leisten. Trotz der vielen Bankgeschäfte, die bereits digital abgewickelt werden, sind wir mit tiefen Durchdringungsraten bei der Internet- und Mobile-Banking-Verwendung in der Schweiz konfrontiert. Ebenso sprechen die 2500 physischen Bankfilialen in der Schweiz – Tendenz weiter rückläufig – für sich. Zum Vergleich: Zählt man die Anzahl Verkaufsstellen – Tendenz weiter steigend – der wichtigsten Grossverteiler für die Güter des täglichen Bedarfs zusammen, erhält man etwa die doppelte Anzahl. Scheint da die Zahl der Bank filialen nicht massiv überhöht zu sein? Bedenkt man, wie oft man notwendigerweise für die Ausübung eines Bankgeschäfts eine Filiale aufsuchen muss, ist die Antwort offensichtlich. Ein auf die physische Interaktion ausgerichtetes Element des Bankgeschäfts ist der Geldautomat. Der Bargeldbezug wird bereits seit vielen Jahren über die Geldautomaten vorgenommen. Dass in der Schweiz gerade diese einer substanziellen technologischen Verjüngungskur unterzogen werden, erscheint eher anachronistisch. Andernorts fliessen die Investitionen zielgerichteter in den POS-Zahlungsverkehr wie etwa in NFC-Karten, Apps oder in die mobilen Kanäle. Die Umsätze des Schweizer Konstrukts Twint, das endlich auch unmittelbare Zahlungen zwischen Geldsender und -empfänger ermöglicht, sind vergleichsweise gering geblieben. Wozu Banken, wenn es Banking gibt? Ein weiterer Aspekt der Digitalisierung ist in den Produkten und Dienstleistungen von Banken auszumachen. Vergleicht man die Produkte und Dienstleistungen verschiedener Bankhäuser, sind kaum Unterschiede festzustellen. Die Differenzierung über Produkte und Services ist wohl eher schwierig. Differenzierungspotenzial scheint tendenziell bei nicht banktypischen Angeboten wie zum Beispiel dem Ticketing (Konzert-, Sport- oder Museumstickets) zu liegen. Bei Schwierigkeiten in der Produktdifferenzierung spielt die Serviceleistung als Ganzes eine zentrale Rolle. Diese umfasst die Marktleistung, welche den spezifischen Service zum jeweiligen Preis, den gewählten Beratungsansatz, die bereitgestellten Kommunikations- und Dialoginstrumente und -mittel sowie die gelebte Form der Kundeninteraktion beinhaltet. Benötigt werden dazu akkurate und adäquate Informationen über alle Kanäle hinweg, bezogen auf die an der Interaktion beteiligten Person, ihre Rolle und den Zweck; das Ziel im jeweiligen Prozessschritt «Frontto-back» ist hier die verbalisierte Kurzform für den angestrebten Erfolg. Einfach erklärt, würde das bedeuten: Daten einmal erfassen, am richtigen Ort, im jeweilig gewünschten Kanal, in den richtigen Prozessschritten – von Anfang bis Ende geführt. Das müsste machbar sein. Trotz der aktuellen technologischen Möglichkeiten zeigt die heutige Praxis aber ein anderes Bild. Gleiches gilt übrigens auch für die verschiedenen Verarbeitungsschritte. Gründe hierfür liegen bei einem tiefen Reifegrad in der Standar- 26

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