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IT for Finance 2017

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« Ich bin sicher, Nationalbanken werden eigene Kryptowährungen ausgeben » ETH-Professor Roger Wattenhofer über Blockchain, Bitcoin und was die Digitalisierung mit unserer Gesellschaft anstellen könnte. Autor: ETH-News, Redaktion: Marc Landis TRENDS Wenn man im Internet Informationen über Blockchain sucht, bekommt man den Eindruck, dass Blockchain unsere Welt auf den Kopf stellen wird. Wird das Thema überbewertet? Roger Wattenhofer: Ja, momentan schon, aber das legt sich wieder. Die Blockchain beinhaltet einige wichtige technische Entdeckungen, insbesondere die Gebiete Verteilte Systeme und Kryptographie. Ich vermute, dass viele Leute erst durch den Blockchain-Hype auf heutige technische Möglichkeiten aufmerksam werden. Das Konzept digitaler Unterschriften zum Beispiel gelangt auch über den Begriff Blockchain in die Öffentlichkeit. Trotzdem erhält man als Laie den Eindruck, dass man auf diesen Zug aufspringen sollte, ehe es zu spät ist. Einen Teil der Popularität verdanken die Blockchains der Aufregung um Bitcoin. Bitcoin ist wichtig; Kryptowährungen werden die Welt verändern, davon bin ich überzeugt. Wie wird sich das System entwickeln? Bitcoin oder andere Kryptowährungen werden sicher wichtiger. Bitcoin ist eine sehr dezentrale und unkontrollierte Form einer Kryptowährung. Der Wert eines Bitcoins wird nicht von einer Nationalbank beeinflusst, sondern nur vom Markt, vom Vertrauen der Benutzer in ihre Währung. Bitcoin ist es egal, wie hoch die Teuerung oder die Arbeitslosigkeit ist. Nationalbanken versuchen die Teuerung mittels Geldpolitik zu steuern. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind noch Nischenprodukte. Wenn sie wirklich wichtig wären, müssten sich Nationalbanken etwas einfallen lassen. präziser ausdrücken kann als sprachlich. Der Anwalt der Zukunft sollte programmieren lernen (schmunzelt). Braucht es dann noch Banker? Auch dieses Berufsbild wird sich verändern. Ich persönlich glaube, dass die Digitalisierung in Zukunft viele Berufe verändert, viele Jobs wird es nicht mehr brauchen. Überall dort, wo Maschinen die Arbeit besser machen als der Mensch, werden Arbeitsplätze verschwinden. Die Blockchain ist nur ein Aspekt dieser Digitalisierung, es gibt viele andere Aspekte. Mich interessiert: Wie funktioniert die Gesellschaft, wenn künftig nur noch ein Drittel der Menschen Arbeit hat? Was ist für Sie der Horizont der Digitalisierung? Die Welle rollt wahrscheinlich schon, aber das ist nicht gut sichtbar. Die Schweiz ist bereits ein Hightech-Land; sie ist seit der Finanzkrise wirtschaftlich noch stärker geworden. Wir merken noch nicht so viel von der Digitalisierung. Es ist eher so, dass weitere Hightech-Arbeitsplätze in der Schweiz entstehen, zum Beispiel bei Google. Aber in Ländern wie Spanien und Griechenland ist die Krise auf dem Arbeitsmarkt bereits Realität. Diese Länder spüren schon, wie sich eine hohe Arbeitslosigkeit auf den Alltag und die Gesellschaft auswirkt. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_58985 Was ist die Alternative? Ich bin überzeugt, dass die Nationalbanken eigene Kryptowährungen ausgeben werden, etwa ein elektronisches Englisches Pfund. Elektronische Schweizer Franken wird es vermutlich nicht so schnell geben; ich habe den Eindruck, dass die Schweizer Nationalbank etwas konservativ ist – obwohl gerade in der Schweiz viel Know-how vorhanden wäre. An der ETH Zürich etwa gibt es einige Professoren, die sich gut mit dem Thema auskennen; die ETH Zürich wurde kürzlich sogar zur «top research institution on blockchain technology» gekürt. Mit einem elektronischen Schweizer Franken könnte man künftig Verträge rein digital aufsetzen. Das würde viele juristische Konzepte vereinfachen, beschleunigen und verbessern, weil man sich mathematisch Roger Wattenhofer, Professor für Verteilte Systeme, glaubt, dass nicht Blockchain unser Leben umkrempeln wird, sondern die Digitalisierung als Ganzes. Bild: ETH Zürich / Giulia Marthaler 29

Ökosysteme als zentrale Treiber der Digitalisierung TRENDS Digitalisierungsinitiativen im Finanzsektor sind nur dann erfolgreich, wenn sie die Bedürfnisse der Konsumenten erfüllen. Doch für viele Institute ist die Herausforderung gross, mit dem Kundenwandel Schritt zu halten und passende Innovationen voranzutreiben. Die Zusammenarbeit mit anderen Marktteilnehmern innerhalb eines Ökosystems kann hier Abhilfe schaffen. Illustratoin: alexdndz / Fotolia Digitalisierung in der Finanzindustrie ist gefragt. Doch verfügt die Branche über das Know-how und die Ideen, den unabdingbar gewordenen Wandel selbst erfolgreich voranzutreiben und umzusetzen? Oder muss es zwangsläufig so sein, dass die Branche von neuen Playern mit innovativen Geschäftsmodellen digitalisiert wird? Natürlich nicht. Es liegt in der Macht der Banken, die Chancen wahrzunehmen, die der technologische Fortschritt bietet. Die dabei wichtigste Frage, der sich Finanzinstitute stellen müssen: Wo entsteht Mehrwert für den Kunden? In einen blinden Digitalisierungseifer zu verfallen und vermeintlichen Trends in der Kundeninteraktion ziellos nachzulaufen, ist dabei das falsche Rezept. Vielmehr geht es darum, die Anforderungen der Kunden zu verstehen und zu erfüllen – und die Digitalisierung strategisch über die gesamte Bank hinweg voranzutreiben. Denn die Digitalisierung verändert zwar die «letzte Meile» fundamental, sie beeinflusst aber die gesamte Wertschöpfungskette einer Bank, vom Schalter bis zum Backoffice. Mangelnde Digitalisierungskonsequenz Obschon Banken seit Jahrzehnten Software – und damit digitale Technologie – nutzen, ist vielen Finanzhäusern noch keine konsequente Digitalisierung gelungen. Mancher Bankkunde wäre erstaunt, dass über eine mobile App erteilte Aufträge im Backoffice nach wie vor manuell abgewickelt werden. Viele Banken führen jeden einzelnen Schritt entlang ihrer Wertschöpfungskette selbst durch. Dieses unbedingte Autarkie- Streben ist kaum zukunftsfähig. Darum gilt: Was nicht zur Der Autor Michael Rogenmoser, General Manager CH/FL, Avaloq Kernkompetenz einer Bank zählt, gehört ausgelagert. Denn spezialisierte Anbieter können Aufgaben schneller, besser und kostengünstiger erbringen. Kostenersparnis durch Effizienzsteigerung führt dazu, dass Mittel und Zeit für Innovation frei werden. Für viele kleinere und mittelgrosse Institute ist zudem die Herausforderung gross, aus eigener Kraft die Veränderungen im Markt nachzuvollziehen. Auch hier kommt der externe Spezialist ins Spiel, sofern der über das relevante und umfassende Angebot inklusive Anbindung an ein Ökosystem verfügt. Die Kundenzentrierung steht im Vordergrund Digitalisierung und Innovation erfordern eine entsprechende offene Kultur und den Willen zur Veränderung. Nur so können sich die Finanzinstitute die Errungenschaften und Innovationen der Fintechs zunutze machen. Der Ansatz ist bekannt als «Open Innovation» und bedeutet eine enge Zusammenarbeit mit anderen Marktteilnehmern innerhalb eines Ökosystems. Einst geschlossene Finanzsysteme werden dadurch für Partnerschaften geöffnet mit dem Resultat, dass die Agilität wie auch der Innovationsgrad innerhalb der Banken markant erhöht werden. Avaloq etwa liefert innerhalb seines Ökosystems die erforderliche technologische Grundlage: in Form der Avaloq Banking Suite mit offenen Application Programming Interfaces (APIs). Das Ökosystem fungiert dabei als eine Art «Sandbox» und Experimentierfläche: Banken können mit anderen Teilnehmern kooperieren, wo es sinnvoll ist. Offene Ökosysteme könnten sich deshalb als Ideallösung in der Digitalisierung hervortun. Doch bei allen Innovationskooperationen und -massnahmen bleibt eine Zielsetzung zentral: die Kundschaft muss von den Digitalisierungsmassnahmen profitieren. Die Herausforderung für Banken liegt darin, von der Eröffnung eines Kontos über die Hypothek bis hin zum Trading möglichst viel zu automatisieren. Die letzte Meile soll komfortabler, günstiger, schneller und kundenzentrierter gestaltet werden. 30

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