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IT for Finance 2017

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« Die technische

« Die technische Komplexität darf den Kunden in keiner Weise tangieren » Das Nutzererlebnis im Frontend soll bei der Interaktion mit einer Bank im Vordergrund stehen. Die Bank muss verstehen wollen, wie ein Kunde digital eine Interaktion mobil durchführen beziehungsweise erledigen will. Interview: Marc Landis TRENDS Sie schreiben in Ihrem Fachbeitrag, dass eine Bank alles outsourcen soll, «das nicht zu ihrer Kernkompetenz» gehört. Was gehört denn nicht zur Kernkompetenz einer Bank? Michael Rogenmoser: Es geht darum, dass Banken eine klare Fokussierung auf das Kerngeschäft haben, sprich das Banking. Das heisst nichts anderes, als dass die Kundenberatung im Zentrum aller Überlegungen und Massnahmen zu stehen hat. Für alles andere bieten sich externe Lösungen oder externe Services an – etwa Business-Process-Outsourcing-Services und Software-as-a-Service. Die Industrialisierung und Auslagerung von Teilen der Wertschöpfung an professionelle Dienstleister bringen den Banken einerseits erhebliche Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen. Der dabei erzielte hohe Automatisierungsgrad minimiert Fehler, was sich wiederum auf die Qualität niederschlägt. Andererseits kann dadurch der Innovationsgrad wie auch die Time-to-Market neuer Produkte und Lösungen forciert werden. All diese und weitere Faktoren kommen letztlich dem Endkunden zugute. Eine Bank soll «kundenzentriert» digitalisieren. Was bedeutet das konkret? Es gibt einen immer stärkeren Fokus auf das Nutzererlebnis am Frontend. Die wichtigste Arbeit bei der Digitalisierung besteht darin, eine Analyse der User Journey durchzuführen und zu verstehen, wie der Kunde digital die Interaktion mobil durchführen beziehungsweise erledigen will. Wo fängt er an, wo hört er auf, und mit welcher Komplexität will er arbeiten? Die Frage lautet: Was sind die Erwartungen der Nutzer? Diejenigen Banken, die kundenzentriert digitalisieren, liefern ihren Kunden Produkte und Lösungen, die exakt ihren Erwartungen entsprechen. Einfache Lösungen machen das Leben des Kunden einfacher und komfortabler. Die technische Komplexität dahinter, also was sich intern in der Bank abspielt, darf den Kunden dabei in keiner Weise tangieren. Offene Ökosysteme könnten die Ideallösung bei der Bankendigitalisierung darstellen. Inwiefern kann Avaloq die technische Plattform dafür bieten? Avaloq hat schon immer gemeinsam mit den Banken Innovationen hervorgebracht. Nun haben wir diesen Ansatz weiterentwickelt: Bankinstitute profitieren dann am meisten, wenn sich Avaloq in ein Ökosystem eingliedert, das sich optimal auf den Michael Rogenmoser, General Manager CH/FL, Avaloq Wandel einstellen und die besten Lösungen auf den Markt bringen kann. Wir liefern dafür die erforderliche technologische Grundlage in Form der Avaloq Banking Suite mit offenen Application Programming Interfaces. Teil dieses «Open-Banking-Ansatzes» ist auch unsere Entwicklungsplattform, das Developer-Portal. Damit befähigen wir Banken wie auch Fintechs dank des zur Verfügung gestellten Developer Kits, neue Lösungen zu konzipieren und zu entwickeln. Auch dies geschieht auf Basis der Avaloq- Plattform. Über unseren Software-Exchange werden die innovativen Lösungen dann innerhalb der Community angeboten und ausgetauscht – ähnlich wie in einem App-Store. Das Co-Innovationsmodell hat bereits zu über 35 neuen Lösungen geführt. Kann die Digitalisierung von Banken mit der technologischen Entwicklung überhaupt Schritt halten? Wir erleben derzeit eine Digitalisierungswelle, die völlig neue Geschäftsmodelle im Banking hervorbringt. Es hilft den Banken nicht, ihre bestehenden Geschäftsprozesse einfach nur zu digitalisieren oder die eine oder andere Fintech-Applikation einzuführen. Sie müssen die grundlegenden strategischen Ziele festgelegen. Erst diese Ziele liefern den Kontext dafür, was im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie überhaupt erreicht werden soll. Ein solches Vorgehen bedingt vor allem auch einen Kulturwandel innerhalb der Banken. 31

KOLUMNE Gegen PSD2 und für Open Banking zu sein – das ist kein Widerspruch Die Schweizerische Bankiervereinigung spricht sich gegen PSD2 aus, ist aber dennoch für Open Banking. Geht das? Ein Versuch, Klarheit zu schaffen. «Zuerst verwirren sich die Worte, dann verwirren sich die Begriffe, und schliesslich verwirren sich die Sachen», lautet ein chinesisches Sprichwort. Wer heute die Stichworte PSD2 und Open Banking liest, kann exakt dieser Verwirrung aufsitzen. Deswegen versuche ich, für ein wenig Klarheit zu sorgen. Treten wir einen Schritt zurück und schauen uns an, wofür die Begriffe eigentlich stehen. • Open Banking bezeichnet die Öffnung der Banken und das Zur-Verfügung-Stellen von Teilen ihrer Kundendaten für Drittanbieter. Open Banking wird in der Schweiz bereits von allen Banken praktiziert. Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) sieht im Open Banking grosses Potenzial für den Finanzplatz Schweiz. • Bei der Zahlungsrichtlinie PSD2 handelt es sich hingegen um eine EU-Regulierung, die Banken in der EU dazu verpflichtet, Drittanbietern unentgeltlich Zugang zu Bankkonten zu gewähren. Diese Regulierung findet in der Schweiz als Nicht-EU- Mitglied keine Anwendung. Die SBVg würde eine analoge staatliche Zwängerei in der Schweiz ablehnen, denn der Markt soll entscheiden, wie Banken und Drittanbieter miteinander Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Der Autor Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik, Schweizerische Bankiervereinigung Ich bin davon überzeugt: Open Banking und die damit verbundene Innovation wird sich in der Schweiz auch ohne regulatorischen Zwang durchsetzen. Wenn Drittanbieter neue Dienstleistungen und Lösungen mit einem echten Kundennutzen entwickeln, so wird das eine Nachfrage erzeugen, welche die Banken noch so gern bedienen werden. Open Banking ermöglicht initiativen Schweizer Finanzinstituten einfachen Zugang zu innovativen und kundenzentrierten Dienstleistungen und somit letztlich Zugang zu neuen Ertragsquellen. Die SBVg würde eine staatliche Zwängerei in der Schweiz ablehnen. Bild: neyro2008 / iStock.com Nicht ausser Acht gelassen werden darf der Kostenaspekt. Ohne Zugriff auf die Kundenkonten und die jederzeitige Gewährleistung der Sicherheit und des Datenschutzes funktioniert Open Banking nicht. In der Regel sind es die etablierten Finanzinstitute, die Zahlungskonten für Kunden flächendeckend bereitstellen, aktualisieren und unterhalten. Diese Infrastruktur bildet den Rohstoff für Open Banking. Die Vorstellung, wonach Drittanbieter diesen Rohstoff jederzeit und ohne Kostenfolgen beziehen können – und ihren Endkunden Gebühren für ihre eigenen Dienstleistungen verrechnen – ist wirtschaftlich fragwürdig. Genau das verlangt aber PSD2 zum Nachteil der Banken. Wenn die SBVg nun einen gesetzlichen Zwang zur unbeschränkten und unentgeltlichen Öffnung der Schnittstelle ablehnt, kann ich eine «Absage an die Zukunft» beim besten Willen nicht erkennen. Aus meiner Sicht ist das Gegenteil der Fall: Banken engagieren sich für innovative Lösungen und integrieren sie zum Vorteil ihrer Kunden in ihre Angebotspalette, zum Beispiel mit der Verknüpfung von Buchhaltungssoftware mit E- Banking oder auch mit Twint. Für mich ist das Open Banking par excellence. 32

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