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Innovation & Research Wie Blockchain die Welt verändert Im September hat in Zürich die erste Cryptocurrency-Konferenz stattgefunden. Ein illustres Referentenfeld, visionäre Ideen, Networking und ein Wunderkind sorgten für gute Stimmung im Unterwerk Selnau. Autor: Marc Landis Können Bitcoin und die dahinter steckende Blockchain- Technologie die Welt verbessern? Können sie dazu beitragen, dass die gesamte Weltbevölkerung Zugang zum westlichen Finanz- und Wirtschaftssystem erhält? Ja, glaubt Johann Gevers, Gründer und CEO des Zuger Startups Monetas. An der ersten Cryptocurrency- Konferenz in Zürich, die am 23. September in Zürich stattfand, erklärte er, dass Monetas die Welt zu einem Ort der Freiheit und des Wohlstandes machen wolle. Und zwar durch die Reduktion von Transaktionskosten. Da in einer Ökonomie alles Transaktion ist – Geld gegen Ware, Ware gegen Ware etc. –, braucht es laut Gevers auch nur eine minimale Verringerung der Kosten pro Transaktion um 0,1 Prozent, damit eine Volkswirtschaft den Weg aus der Armut schafft. 0,1 Prozent geringere Transaktionskosten machten den Unterschied zwischen Argentinien und der Schweiz aus. Aber nicht nur Gevers will die Finanzwelt mit Blockchain verändern. Auch die UBS arbeitet an Kryptofinanzsystemen. Die Grossbank investierte laut UBS-Group-CTO Applied Innovation Alex Batlin, der nach Gevers referierte, im Jahr 2014 335 Millionen US-Dollar in Blockchain. Der UBS-Crack will in der Bankenwelt auch einen Paradigmenwechsel von zentralisierten hin zu dezentralen IT-Systemen erkennen. Mit Andrei Martchouk (Interview auf Seite 16) erklärte ein weiterer Referent, dass Blockchain die Welt verändern werde. «It is changing the world right now», rief er ins Publikum. Mit Matthias Niklowitz vom Swisscom-Finanz-Think-Tank E-Foresight endete der Referate block vor der ersten Networking-Pause. Natürlich erklärten alle Referenten auch die Funktionsweise von Blockchain. Darauf sei an dieser Stelle verzichtet. Nach der Pause ging es weiter mit der Keynote des 21-jährigen Wunderkindes Vitalik Buterin, der 2014 für die Mitentwicklung der dezentralen Ethereum-Plattform den World Technology Award gewann. Der offizielle Teil der «Crypto15» ging mit weiteren Referaten und einem Roundtable zu Ende. Veranstalter Rino Borini von Financialmedia zog nach der Konferenz ein durchs Band positives Resümee: «Wir haben nur positives Feedback erhalten. Endlich habe einmal eine Konferenz in der Schweiz das Thema aufgegriffen und das ohne Fachchinesisch.» Mit 253 Teilnehmern sei die Veranstaltung in der Eventlocation Unterwerk Selnau des EWZ zudem ausgebucht gewesen. Ein vor Ort installierter Bitcoin-Bankomat wurde laut Borini auch rege genutzt. Geschätzt hätten die Besucher überdies das Networking bei guter Stimmung. Auch freute ihn, dass «wir ein Programm zusammenstellen konnten, das primär von Schweizern beziehungsweise mit Vertretern aus Schweizer Firmen bestimmt wurde». Entscheidungsträger von Banken, Versicherungen, Fintech-Unternehmen, Beratungsunternehmen, Vermögensverwaltern und Familiy Offices waren unter den Teilnehmern. «Sogar vom Bund und der Finma waren Vertreter an der Konferenz», freute sich Borini. Wird es eine weitere Ausgabe der Cryptokonferenz geben? «Ja, klar. Wir bauen unsere Finance-2.0- Event-Plattform konsequent aus. Die Crypto16 wird vermutlich im Herbst 2016 stattfinden.» Als nächsten Event plant Borini aber bereits am 26. Oktober die Fintech Night im Plaza Club in Zürich. «Dort wollen wir der Welt zeigen, dass Fintech auch in Zürich zuhause ist. Es ist ganz wichtig, dass wir auf die Weltkarte kommen.» Die nächste Finance-2.0-Hauptkonferenz findet dann am 9. März 2016 statt. Rino Borini ist mit seiner ersten Crypto-Konferenz sehr zufrieden. 18 IT for Finance

Bild: iStock Innovation & Research Machen wir, was wir wollen, oder wollen wir, was wir machen? In welche Richtung sich die Onlinepräsenzen der Finanzdienstleister entwickeln sollten, darüber herrscht ein breiter Konsens. Doch ist den Trends zu folgen alles? Was braucht es, um sich von der Konkurrenz abzuheben und authentisch zu sein? Unternehmen müssen sich auch online auf ihre Stärken konzentrieren. Die Anforderungen an die digitalen Angebote der Unternehmen steigen scheinbar exponentiell. Neue Online-Ideen aus anderen Branchen werden rasch allgemeingültig und müssen adaptiert werden. Konkurrenten versuchen sich an neuen Ansätzen und Anwendungen, die Technologiebranche erweitert laufend die technische Basis und ermöglicht damit neue Perspektiven. Zudem fordern die «Digital Natives» lautstark das Vorhandensein von allem überall und jederzeit. Der Innovationszyklus wird kürzer und kürzer. Als wichtigste Frage stellt sich in diesem Zusammenhang: Ist eine langfristige Onlinestrategie in diesem Umfeld überhaupt noch denkbar? Die Antwort ist klar: Sich dem ständigen Zugzwang auszusetzen und darauf zu reagieren, ergibt nicht nur keinen Sinn – es schafft auch Unzufriedenheit, intern wie extern. Ein Unternehmen, das allen Onlinetrends folgen würde, verlöre seine Authentizität. Nur unter Berücksichtigung dieses Grundsatztes kann eine langfristige digitale Strategie erstellt werden. Zwei Überlegungen dazu sind zentral: Was sind meine «Must-haves», die ich digital anbieten muss, und anhand welcher Leistungsmerkmale kann ich meine eigenen Stärken in die digitale Welt transformieren und somit authentisch online auftreten? IT for Finance 19

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