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IT for Gov 2019

BESCHAFFUNG

BESCHAFFUNG Simap-Neustart erleidet Bruchlandung osc. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und der Verein Simap.ch haben beim Projekt «Simap2019» die Notbremse gezogen. Wie einem Bericht von «Inside-IT» zu entnehmen ist, beenden die beiden Organisationen das Projekt und entziehen dem Auftragnehmer, der griechischen Firma European Dynamics (ED), das Mandat zur Entwicklung. Ein Launch noch in diesem Jahr sei damit vom Tisch. ED habe zwar ein Projektresultat abgeliefert, die Projektziele seien aber den neuen Anforderungen Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch nicht gerecht geworden. «Die Projektbeteiligten wurden sich gewahr, dass die ursprünglichen Projektziele teilweise neu festgelegt werden müssten, um diese neuen Anforderungen der Benutzenden abzudecken», zitiert «Inside-IT» aus einer internen Simap-Mitteilung. Projektressourcen reichten nicht Der Grund für den Abbruch: Das Projekt habe wegen intensiver Arbeiten mit ED die Grenze der verfügbaren Ressourcen erreicht, die vom Verein zur Verfügung gestellt worden seien, sagte Simap.ch-Präsident Stefan Sutter gemäss «Inside-IT». Bei Tests hätten sich grundlegende Änderungen als notwendig erwiesen. Wie geht es weiter mit dem Neustart der Beschaffungsplattform? Der Verein Simap.ch werde in Abstimmung mit Bund und Kantonen nun das weitere Vorgehen beim Relaunch festlegen und darüber informieren. «Es wäre verfrüht, sich jetzt zu einem Zeitplan zu äussern», wird Sutter weiter zitiert. «Der Vorstand setzt jedoch alles daran, diesen neuen Weg zu definieren. Eine Neuausschreibung wird mit Sicherheit das Beschaffungsrecht beachten.» Wer Bund, Kantonen und Gemeinden die besten Websites baut osc. An den Best of Swiss Web Awards werden die besten Webprojekte ihres Jahrgangs und deren Macher prämiert. Branche und Web veränderten sich, die Digitalisierung ging mit gros sen Schritten voran, neue Player, Technologien und Entwicklungsmethoden kamen auf. Anders als in den Vorjahren entscheidet für den Platz auf der Rangliste nicht mehr die Punktzahl. Stattdessen gibt es neu pro Kategorie zwei Listen: Eine zeigt die Performance der Webdienstleister in den vergangenen zehn Jahren, die andere die letzten fünf. So werden Anbieter, die sich vom Den vollständigen Artikel finden Sie online nicht mehr als «Ballast» mitge- Markt verabschiedet haben, www.netzwoche.ch führt. Zudem soll der langfris- Grafik: VectorMine / Shutterstock.com tige Erfolg bei Best of Swiss Web weiterhin im Vordergrund stehen. Mit dem Horizont von fünf Jahren werden die Trends und Aufsteiger der jüngsten Vergangenheit deutlich. Best of Swiss Web wird auch die «Ewige Bestenliste» weiterführen. Die besten Digitaldienstleister für öffentliche Angebote In der Kategorie «Public Affairs» befinden sich in den Top 5 konstant die gleichen Firmen. Unic steht in beiden Zeiträumen an der Spitze, die übrigen Positionen machen Eyekon, Hinderling Volkart, Zeix und Liip untereinander aus. Die Plätze getauscht haben Zeix (neu Platz 2) und Eyekon (Platz 4). Die Jury der Kategorie beurteilt Projekte, die Public Value schaffen. Sie unterstützen staatliche und kommunale Stellen, Organisationen oder Betriebe, Non-Profit-Organisationen und Verwaltungen dabei, ihre Anliegen im Web besser zu kommunizieren und damit für die Bevölkerung und interessierte Kreise eine nützliche Dienstleistung erbringen. Hauptsächliche Qualitätsmerkmale sind: ∙∙ Informationsqualität und -quantität ∙∙ Klarer Nutzen der angebotenen Leistungen ∙∙ Darstellung und Formulierungen sind dem Zielpublikum angepasst ∙∙ Gute Usability, Informationsarchitektur und Gestaltung ∙∙ Klare Orientierung ∙∙ Interaktion, Kommunikation, Partizipation ∙∙ Sicherheit und Technologie 22

So viel kosten öffentliche IT-Ausschreibungen Öffentliche Ausschreibungen für die IT dauern lange, sowohl für Einkäufer wie auch für IT-Lieferanten. Das belegt die Masterarbeit einer Studentin der Universität Bern. Sie zeigt einige Möglichkeiten auf, die Situation für beide Seiten zu optimieren. Autoren: Rodolphe Koller, René Jaun BESCHAFFUNG Digitale Technologien in der öffentlichen Verwaltung werden immer wichtiger. Bund, Kantone, Gemeinden, Universitäten und öffentliche Spitäler investieren jedes Jahr enorme Summen in ihre IT-Systeme, oft im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen. Dieses transparente Verfahren hat mehrere Vorteile: mehr Wettbewerb, Neutralität bei der Angebotsbearbeitung und die Möglichkeit, das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis zu finden. Aber es braucht auch Zeit, sowohl für die einkaufenden Organisationen, welche die Aufträge erstellen und die Angebote bewerten, als auch für die Lieferanten, welche sie vorbereiten, in der Hoffnung, den Auftrag zu erhalten. Anhand der Masterarbeit von Corinne Wegmüller lässt sich jetzt Genaueres über die Stunden und damit auch über die Kosten sagen, die auf beiden Seiten investiert werden. Hunderte Stunden und tausende Franken pro Angebot Die Studentin der Universität Bern erkundigte sich bei 84 öffentlichen Auftraggebern (Bund, Kantone, Städte, Universitäten, Spitäler) und 56 IT-Anbietern. Aufseiten der staatlichen Behörden dauern die Arbeiten vor, während und nach dem Verfahren zwischen rund 60 Stunden für Hardwarekäufe bis hin zu 140 Stunden für den Kauf kundenspezifischer Software. Bei den Angaben handelt es sich um Mittelwerte, wobei der Durchschnitt aufgrund von Extremwerten wenig aussagekräftig ist. Auf der Seite der IT-Anbieter sind die Unterschiede ebenso signifikant: 49 Stunden für ein Hardwareangebot, 70 Stunden für Standardsoftware und 240 Stunden für eine individuelle Anpassung. Da diese Offerten von IT-Profis erstellt werden, kann etwa ein Angebot für eine benutzerdefinierte Anwendung mehrere zehntausend Franken kosten (bei einem durchschnittlichen Stundenpreis von 67 Franken). Andererseits schätzen die Verwaltungen, dass sie durch die öffentliche Ausschreibung zwischen 7 Prozent und 11 Prozent sparen, wie Wegmüller schreibt. IT-Ausschreibungen besonders komplex IT-Einkäufe gestalten sich mitunter besonders schwierig, wie Wegmüller betont. Agile Entwicklung, schneller technologischer Fortschritt und sich ändernde Bedürfnisse seien Herausforderungen für das Tempo der öffentlichen Ausschreibungen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass manchmal nur eine Marktlösung in der Lage zu sein scheine, die Anforderungen zu erfüllen. Diese Schwierigkeiten erklärten auch, warum 45 Prozent der öffentlichen IT-Aufträge privatwirtschaftlich vergeben würden, ohne das Ausschreibungsverfahren zu durchlaufen. ZEITAUFWAND FÜR EINE ÖFFENTLICHE AUSSCHREIBUNG (MEDIAN IN STUNDEN) Beschaffungsorganisation Kauf / Bereitstellung von Standardsoftware Kauf / Bereitstellung einzelner Anwendungen Wartung und Betrieb von IT-Systemen Kauf von Hardware sonstige IT-Dienstleistungen (z. B. Personal) 54 49 Anbieter Für Käufer ist die Herausforderung gross, den erwarteten Service genau zu beschreiben. Die Forscherin empfiehlt daher, vor allem den Definitionsprozess zu optimieren: «Dies ist jedoch bei IT-Beschaffungen oft schwierig und Beschaffungsstellen sind meist keine IT-Experten. Daher kann eine mögliche Handlungsempfehlung sein, dass Beschaffungsstellen schneller externe Spezialisten in beratender Funktion hinzuziehen.» Die Herausforderung stellt sich auch den Lieferanten, die sicherstellen müssen, dass sie die Erwartungen verstehen und über die Mittel verfügen, den Auftrag zu gewinnen, um den Zeitaufwand zu optimieren. «Als Handlungsempfehlung ist der Entscheidungsprozess auf Anbieterseite zu überdenken und falls offeriert wird, dies auf allen Stufen mit 100 Prozent Überzeugung zu tun. Jeder Anbieter muss sich kritisch hinterfragen, ob er die nötige Erfahrung auch anhand von geforderter Referenzen und die nötigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen besitzt, um ein Angebot zu erstellen und den an- Den vollständigen Artikel finden Sie online schliessenden Auftrag auszuführen», schreibt www.netzwoche.ch Wegmüller. 70 70 66 80 100 115 140 240 Quelle: «Wirtschaftlichkeit von öffentlichen Ausschreibungen im IT-Bereich», Corinne Wegmüller, Universität Bern, 2019) 23

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