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IT for Gov 2019

BESCHAFFUNG Es menschelt

BESCHAFFUNG Es menschelt bei den IT-Beschaffungen «An der Zukunft bauen» – so hiess das Leitthema der diesjährigen IT-Beschaffungskonferenz. Nationalrat Dominique De Buman zeigte auf, was die Revision des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen bewirkt. Und Beatrice Simon, die Finanzdirektorin des Kantons Bern, erklärte, warum die Schweiz bei der Umsetzung hinterherhinkt. Autor: Marcel Urech Das Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern hat die Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit damit beauftragt, eine weitere IT-Beschaffungskonferenz zu organisieren. Die achte Ausgabe fand am 29. August auf dem Von-Roll-Areal in der Nähe des Güterbahnhofs statt. Die Universität war verantwortlich für das Programm, gemeinsam mit dem Informatiksteuerungsorgan des Bundes, der Schweizerischen Informatikkonferenz, Swiss-ICT und CH Open. Wie jedes Jahr führte Matthias Stürmer, Berner Stadtrat und Dozent an der Universität Bern, durch den Tag. Quelle: violetta / Pixabay.com Das bringt die BöB-Revision CVP-Nationalrat Dominique De Buman sprach über das Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) und zeigte auf, warum eine Revision nötig ist. Der Entscheid für die Überarbeitung des BöB sei 2012 gefallen. Mit der Motivation, das Gesetz zu vereinfachen und neue Kriterien wie die Nachhaltigkeit und Umweltaspekte zu integrieren. Weitere Ziele sind der Kampf gegen Korruption, ein stärkerer Wettbewerb und die Erschlies sung neuer Märkte wie Kanada, Japan und Korea. Es sei zudem nötig, dass die Kantone ihre eigene Gesetzgebung an die Vorgaben des Bundes anpassten. National- und Ständerat verabschiedeten die Totalrevision des BöB am 21. Juni – einstimmig bei zwei Enthaltungen. Die Referendumsfrist läuft bis zum 10. Oktober. Die Nationalratskommission werde im November die Verordnung überprüfen, die Umsetzung sollte dann bereits begonnen haben. «Die Schweiz hinkt hinterher» Die Revision soll das 2012 revidierte WTO-Beschaffungsübereinkommen in die nationale Gesetzgebung überführen. Es wurde am 30. März 2012 angenommen und ist seit dem 6. April 2014 in Kraft. Die Schweiz habe es als einziges Land noch nicht ratifiziert, sagte Beatrice Simon. Die Regierungsrätin und Finanzdirektorin des Kantons Bern sprach über die Umsetzung der interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB) im Kanton Bern. «Die Schweiz hinkt hinterher», sagte Simon. Gründe dafür seien die demokratischen Prozesse und die Möglichkeit zur Mitsprache. Das schaffe Rechtsunsicherheit und kostspielige Verfahren. Laut Simon gibt es rund um das IVöB noch viele Fragen, aber noch keine Antworten. Sind mit dem neuen IVöB die Spielräume weg? Wird alles komplizierter? Braucht es zusätzliche Ressourcen? Klar hingegen sei, dass die Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz im November 2019 auf der Basis des BöB die revidierte IVöB zuhanden der Kantone verabschieden soll. Im ersten Quartal 2020 werde dann das Vernehmlassungsverfahren im Kanton starten. Im November 2020 beschliesse der Grosse Rat über den Beitritt zur neuen IVöB, und Mitte 2021 soll das neue Beschaffungsrecht für den Kanton Bern in Kraft treten. «Es menschelt» Die neue IVöB werde mehr qualitativen Wettbewerb bringen, die Qualitätskriterien müssten aber noch erarbeitet werden, sagte Simon. Neu würden auch ökologische und soziale Aspekte in Vergabeentscheide miteinbezogen. Wie stark, unterliege dem Spielraum der Kantone. Das komme Schweizer Unternehmen zugute, da nicht mehr das günstigste Angebot gewählt werden müsse. Es brauche zudem neue Beschaffungsexperten, die man zuerst ausbilden müsse. Das koste Geld. Gemäss einer Befragung von SwissQ werden nur 14 Prozent der ICT-Projekte erfolgreich umgesetzt, da sie meist aus zwischenmenschlichen Gründen scheitern. «Es menschelt», sagte Simon. Es brauche darum nicht nur ein technisches, sondern auch ein soziales Coaching. Das könnte Missverständnisse abwenden und den Dialog fördern. Gleichzeitig müsse der Kanton aber sensibel mit Steuergeldern umgehen. Klar sei, dass man nicht alles gesetzlich regeln könne. «Es wird auch in Zukunft den gesunden Men- Den vollständigen Artikel finden Sie online schenverstand brauchen», www.netzwoche.ch schloss Simon ihr Referat. 24

Leitfaden für Open Source Bild: Dmitry Nikolaev / Fotolia.com Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch mur. Das Informatiksteuerungsorgan des Bundes hat den Leitfaden Open-Source-Software (OSS) in der Bundesverwaltung publiziert. Er zeige auf, wie der Bund quelloffene Software fördern könne und löse die OSS-Strategie der Bundesverwaltung aus dem Jahr 2005 ab, schreibt der Verein CH Open in einer Mitteilung. Der Leitfaden definiert folgende fünf Zielsetzungen: Erstens soll die Bundesinformatik mit OSS innovativer und effizienter werden und die Digitalisierung der Bundesverwaltung unterstützen. Zweitens soll die öffentliche Verwaltung Open-Source-Prinzipien anwenden, um eine Kultur der Zusammenarbeit zu fördern, die digitale Souveränität zu stärken und die Abhängigkeit von Softwareherstellern zu reduzieren. Drittens soll der Bund Klarheit beim Umgang mit OSS schaffen und juristische Unsicherheiten bezüglich Open-Source-Lizenzen lösen. Viertens soll eine Übersicht der genutzten Open-Source-Lösungen Synergien ermöglichen. Fünftens soll der Bund Open-Source-Technologien einsetzen, um als Arbeitgeber attraktiver zu werden und Informatikfachleute mit Erfahrung in OSS zu rekrutieren. Für die Umsetzung dieser Ziele sind sieben Massnahmen geplant: Der Bund will das Merkblatt für Software-Ausschreibungen überarbeiten, den Wissens- und Erfahrungsaustausch fördern, einen Praxisleitfaden zu OSS verfassen, eine Anleitung zur Freigabe von OSS entwickeln, eine Übersicht über eingesetzte OSS schaffen, Synergien nutzen und Dienstleistungen im Verbund beschaffen und die Open-Source-Kultur fördern und kommunizieren. Ob die Bundesverwaltung auch an Open-Source-Projekten mitwirken und Quellcode unter Open-Source-Lizenzen freigeben soll, habe der Bundesrat noch nicht entschieden, schreibt CH Open. TECHNOLOGIE Armasuisse zahlt Millionen für S/4-Hana-Migration Bundesverwaltung soll auf APIs aufrüsten lha. Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse hat einen öffentlichen Auftrag zur Migration seines ERP auf SAP S/4Hana vergeben. Das Mandat im Wert von 84,6 Millionen Franken wird von einem Konsortium, bestehend aus dem Beratungsunternehmen Novo Business Consultants und dessen Partner Bearingpoint, ausgeführt. Für die Vergabe des Projekts «ERP FINBE» erhielt Armasuisse keine weiteren Bewerbungen. Das Bundesamt bezeichnet die Ausschreibung als «eine grosse Herausforderung im Bereich der SAP- Systeme für die gesamte Bundesverwaltung». Ziel des Projekts sei es, die Unterstützungsprozesse im Bereich Finanzen und Beschaffung zu optimieren und die Integration von Verteidigungsprozessen in das Rechnungswesen der Armee sicherzustellen. Novo Business Consultants mit Sitz in Bern und Zürich wurde 1999 gegründet und ist auf den Einsatz von SAP-Lösungen spezialisiert. Das Unternehmen ist hauptsächlich auf dem Markt für öffentliche Einrichtungen tätig. Zu den Kunden von Novo Business Consultants gehören abgesehen von Armasuisse unter anderem die Schweizerische Den vollständigen Artikel finden Sie online Post, die SBB, die ETH Zürich www.netzwoche.ch und die Universität St. Gallen. rja. Die Bundesverwaltung soll den elektronischen Informationsaustausch erleichtern. In einer Motion von CVP-Ständerat Beat Vonlanthen fordert das Parlament den Bundesrat auf, den direkten Informationsaustausch «mittels Schaffung von elektronischen Schnittstellen» zu ermöglichen. Der Nationalrat nahm die Motion stillschweigend an. Heute betreibe der Bund einen grossen Aufwand, um seine Leistungen für Unternehmen und Einwohner auch digital zugänglich zu machen, heisst es in der Begründung. Viele Bundesämter entwickelten eigene Webportale zum Abrufen und Eingeben von Informationen. Diese zu bewirtschaften, sei für Betreiber und Nutzer aufwändig, heisst es in der Motion weiter. Dazu komme, dass die Webportale oft nicht auf den automatischen Informationsaustausch ausgelegt seien. Mit APIs könnte gerade die Vernetzung innerhalb der Bundesverwaltung gefördert werden. Laut einer Mitteilung der Parlamentsdienste stimmte der Nationalrat früher bereits einem gleichlautenden Vorstoss von SVP- Nationalrat Franz Grüter zu. Auch der Bundesrat unterstützt Den vollständigen Artikel finden Sie online sollen APIs bis spätestens das Anliegen. Gemäss Motion www.netzwoche.ch 2022 verfügbar sein. 25

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