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IT for Government

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«E-Government hat weltweit Priorität» STRATEGIE Phil O’Reilly verantwortet das E-Gov-Geschäft beim Anbieter von IT-Infrastruktur Brocade. Im Interview spricht O’Reilly über den Digitalisierungsgrad der öffentlichen Hand in der Schweiz und weshalb er die USA in einer Vorreiterrolle sieht. Interview: George Sarpong Welches Land sehen Sie als E-Gov-Vorreiter? Phil O’Reilly: Die Vereinigten Staaten waren schon immer und werden auch in Zukunft eine Vorreiterrolle einnehmen, wenn es um den Einsatz von Technologien zum Wohle von Bürgern, den Streitkräften und dem öffentlichen Dienst geht. Die US-Bundesregierung hat sich der Digital-Government-Initiative verschrieben, und andere Digitalisierungsprojekte werden diese Position als Pionier noch weiter untermauern. Aber E-Government ist zu einer weltweiten Priorität geworden. In einem aktuellen Mc- Kinsey-Bericht werden Beispiele aus Dänemark und Grossbritannien angeführt. Ein weiteres gutes Beispiel ist die Regierung von Estland, die grossen Erfolg mit dem Projekt X-Road hat. Hier werden Regierungsservices virtualisiert, und der private sowie der öffentliche Sektor teilen sich gemeinsame Daten-Ressourcen, skalierbar und zuverlässig. Der Bericht gibt auch deutlich wieder, dass es weltweit viele Möglichkeiten gibt, sich weiter zu verbessern und Innovationen voranzutreiben. Phil O'Reilly ist Vice President Federal Business bei Brocade. Wo würden Sie den Digitalisierungsgrad des öffentlichen Sektors der Schweiz einordnen? Das kann man nicht generell sagen. Wir sehen einen hohen Digitalisierungsgrad im Bereich Forschung und Entwicklung und im Hochschulbereich. Städte verfügen im Bereich Smart Citys über ein enormes Innovationspotenzial. Nachholbedarf sehen wir dagegen im Bereich E-Gov, etwa beim E-Voting. Dieses Thema ist in anderen Ländern weiter vorangeschritten. Welche Bedeutung hat der öffentliche Sektor für Brocade? Der öffentliche Sektor und die öffentliche Verwaltung in den USA sind wichtige Märkte für Brocade. Weltweit steht dieser Bereich für etwa 10 Prozent unseres Geschäfts. Wir arbeiten uns intensiv in die individuellen Anforderungen der jeweiligen Projekte ein und wissen um die Wirkung einer jeden Regierungsinitiative auf das tägliche Leben von Bürgern. Wie unterstützen Sie den öffentlichen Sektor bei der Digitalisierung? Rightsizing ist hier einer der wesentlichen Faktoren. Gefragt sind bedarfsgerechte, skalierbare Infrastrukturen. Die Zeiten, in denen Infrastrukturen «auf Vorrat» beschafft wurden, sind vorbei. Oftmals kann der Einsatz von modernen, offenen Architekturen den Kunden helfen, Budgetvorgaben einzuhalten. Zusätzlich können gemäss Gartners «Total Cost of Infrastructure and Operations (TCIO) Methodology» in einem Multivendor-Umfeld 15 bis 25 Prozent Kosten eingespart werden. Diese Möglichkeit wird heute noch zu selten genutzt, hier fehlt der Wettbewerb. Offenen Standards und Multivendor-Umgebungen bieten also ein erhebliches Einsparpotenzial. Brocade bietet zudem alternative Finanzierungsmodelle in Form von Pay-per-Use an. Hier wird monatlich ausschliesslich die effektiv genutzte Infrastruktur abgerechnet. Mit welchen E-Gov-Trends sollten sich IT-Entscheider auseinandersetzen? IT-Entscheider sollten sich mit den folgenden drei Punkten auseinandersetzen: Erstens mit neuen Technologien – Innovationen mit Software-Defined Networking sind grosse Effizienztreiber der Zukunft und bergen daher erhebliches Potenzial für den Geschäftserfolg von Unternehmen. Zweitens mit offenen Architekturen – geschlossene, monolithische Systeme gehören der Vergangenheit an. Moderne Architekturen sind idealerweise so aufgebaut, dass einzelne Bausteine der IT-Architektur ausgewechselt werden können. Dies fördert wiederum den Multivendor-Ansatz und senkt die Kosten. Und drittens mit flexiblen Finanzierungs lösungen – unsere Erfahrungen zeigen, dass viele Unternehmen mit gleichbleibenden oder sinkenden Budgets kämpfen, und Kaufentscheidungen werden einer immer schärferen Prüfung unterzogen. Netzwerk-Abonnements bieten hier Lösungen für eine cloud-optimierte Netzwerkinfrastruktur ohne vorausgehende Kapitalinvestition. Stattdessen zahlt man monatlich für die genutzte Netzinfrastruktur. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode ITFG1630 6

E-Government wird selbstverständlich werden Bund, Kantone und Gemeinden haben Ende 2015 die erneuerte E-Government-Strategie verabschiedet. Diese setzt sich als Leitbild, dass E-Government selbstverständlich werden soll. Die Schweiz ist auf dem Weg dahin, auch wenn die Resultate aus internationalen Studien dies nicht immer vermuten lassen. STRATEGIE Verschiedene international vergleichende Studien im Bereich E-Government sind in den letzten Monaten veröffentlicht worden: der E-Government-Monitor der deutschen Initiative D21 etwa, der die Zufriedenheit mit und die Nutzung von Onlineangeboten der Behörden in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Oder der Bericht der europäischen Kommission, der im Rahmen von Lebensereignissen die Ausprägung von vier Indikatoren zum Fortschritt von E-Government in den EU-Staaten sowie sechs weiteren Ländern, darunter die Schweiz, beleuchtet. Unterschiedliche Befunde aus dem internationalen Vergleich Die beiden Studien weisen unterschiedliche Befunde auf. Der E-Government-Monitor attestiert der Schweiz im Drei-Länder- Vergleich die höchste Nutzerzufriedenheit und eine gute Nutzungsquote. Die bestehenden elektronischen Behördenleistungen haben gemäss «Monitor» an Bekanntheit gewonnen, sind besser zugänglich und erhalten von den Befragten gute Noten bezüglich Vertrauenswürdigkeit. Die Schweiz verfügt damit über gute Voraussetzungen für eine kontinuierliche Etablierung der elektronischen Verwaltung. Im E-Government-Benchmark der EU wird der Schweiz demgegenüber viel Entwicklungspotenzial aufgezeigt. Zwar schneidet die Schweizer Verwaltung in den untersuchten Indikatoren «Nutzerorientierung», «Grenzüber- E-Government in der Schweiz ist «on track». Die Autorin Anna Faoro, Kommunikationsverantwortliche und stv. Leiterin der Geschäftsstelle E-Government Schweiz schreitende Mobilität», «Transparenz» und «Basismodule» besser ab als vor zwei Jahren. Im europäischen Vergleich positioniert sie sich aber nur in den ersten beiden Indikatoren im Mittelfeld der Staaten. In den Bereichen «Transparenz» und «Basismodule» hat die Schweiz gegenüber Ländern wie Malta, Estland, Portugal oder Österreich einiges aufzuholen. Zusammengefasst zeigen die beiden Studien einerseits, dass die Schweiz im E-Government noch einiger Weiterentwicklung bedarf, um zu den europäischen Spitzenreitern aufzuschliessen, und andererseits, dass die Behörden ihr Onlineangebot zur Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer aufgebaut und in den letzten Jahren stetig erweitert haben. Die Bereitschaft der Einwohnerinnen und Einwohner, diese zu nutzen, wächst ebenfalls. Gemeinsamer Fokus von Bund, Kantonen und Gemeinden Die E-Government-Zusammenarbeit in der Schweiz basiert seit Anfang des Jahres auf neuen Grundlagen. In einem fast zweijährigen Prozess, an dem die verschiedenen Anspruchsgruppen von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie weitere im E-Government aktive Organisationen mitwirken konnten, wurde die Zusammenarbeit zwischen 2008 und 2015 analysiert und davon ausgehend deren neue Grundlagen definiert. Ende 2015 verabschiedenten Bund, Kantone und Gemeinden die erneuerte E- Government-Strategie, die ein neues Umsetzungsinstrument, den Schwerpunktplan, vorsieht. Dieser ersetzt seit Anfang 2016 den früheren Katalog priorisierter Vorhaben. Mit der Definition von Projekten und dauerhaften Aufgaben von strategischer Bedeutung fokussieren Bund, Kantone und Gemeinden ihre gemeinsamen Bemühungen im E-Government. Der Bundesrat und die Konferenz der Kantonsregierungen unterzeichneten zudem die überarbeitete öffentlich-rechtliche Rahmenvereinbarung, welche die Organisation und das Finanzierungsmodell neu definiert. Seit Anfang 2016 hat damit der Planungsausschuss, 7

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