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IT for Health 01/2016

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XXXXXXXXXXXX Wearables

XXXXXXXXXXXX Wearables wirbeln die Gesundheitsbranche auf Bild: wenneingekauft 30

Mobile Applikationen und Wearables sind nicht nur etwas für den Heimanwender. Im Gesundheitswesen halten die vernetzten, tragbaren Geräte langsam, aber sicher Einzug. In der Schweiz steht die Entwicklung noch am Anfang. Es ist aber viel in Bewegung – und dies nicht nur in Spitälern. Autor: Christoph Grau In den vergangenen Jahren haben sich Activity-Tracker verkauft wie warme Weggli. Allein im Jahr 2015 wurden mehr als 80 Millionen dieser Geräte abgesetzt, und die Marktforscher von IDC erwarten eine Steigerung auf 215 Millionen Einheiten im Jahr 2019. Als coole Gadgets waren sie eine Zeitlang an vielen Handgelenken zu sehen. Inzwischen hat sich der Hype um die Selbstvermessung, das sogenannte Quantified Self, wieder etwas gelegt. Denn häufig blieben Fragen unbeantwortet, wie: Was bieten mir diese Wearables eigentlich genau? Oder: Welche Aussagekraft hat die Anzahl Schritte, die ich gegangen bin? Im Consumer-Bereich ist daher eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Die Technologie im Wearable-Umfeld entwickelt sich dennoch schnell weiter. Die Sensoren werden immer kleiner, genauer und auch günstiger. Auf Messen wie der Consumer Electronics Show in Las Vegas wimmelt es daher nur so von innovativen Wearables im Health-Bereich, wie Stefano Santinelli, CEO Swisscom Health, sagt. «Das Thema Wearables geht jetzt erst so richtig los», bestätigt Martin Matter, Direktor ICT am Universitätsspital Zürich, die Entwicklung. Unterstützung der Patienten Laut Matter können Wearables in Verbindung mit anderen mobilen Technologien einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssteigerung im Spital leisten. «Es sind nicht nur coole Gadgets», betont er. Die Technologien böten grosse Potenziale für eine bessere Versorgung der Patienten, was immer an erster Stelle stehe. Gewisse schwerwiegende, gesundheitliche Vorfälle – vom Patienten unbemerkt – zeichnen sich oft schon Stunden im Voraus ab. Wenn diese Parameter durch die Wearables erfasst würden, dann könnten Patienten frühzeitig gewarnt werden. So könnten etwa Diabetiker durch Sensoren an ihrem Körper über eine drohende Unterversorgung mit Insulin gewarnt werden. Abgesehen von der Verbesserung der Behandlung und der Früherkennung könnten Wearables auch einen Beitrag zur Kostenkontrolle leisten. Laut Matter könnten mit Wearables ausgestattete Patienten teilweise früher nach Hause entlassen werden. Er glaubt, dass die Fernüberwachung durch Wearables noch stark ausgebaut werden könne. Dies würde einen Beitrag zu Kostensenkungen und zu einer höheren Effizienz der Spitäler leisten. Schon heute unterstützen Wearables Patienten bei der Einnahme von Medikamenten. Dadurch werde diese Technologie auch für die Pharmaindustrie interessant, sagt Ulrich Muehlner, Global Head Outcomes Technologies Incubator bei Novartis (Novae). So könne etwa mithilfe von Wearables sichergestellt werden, dass die Medikamente die gewünschte Wirkung erzielen. Patienten könnten über den richtigen Zeitpunkt zur Einnahme informiert werden. Idealerweise liesse sich die Wirkung der Medikamente sogar noch durch integrierte «Beyond-the-Drug»- Lösungen optimieren, sagt Muehlner (siehe auch Interview auf Seite 33). « Wearables sind nicht nur coole Gadgets.» Martin Matter, Direktor ICT am Universitätsspital Zürich Warum auch Versicherungen an Wearables interessiert sind Beim Thema Kostenkontrolle lohnt es sich auch, einen Blick auf die Krankenversicherungen zu werfen. Denn die Versicherungsbranche sieht in Wearables vor allem eine Unterstützung bei der Prävention. Die CSS-Versicherung etwa schloss vor kurzem einen Pilotversuch mit Wearables ab. Im Rahmen des Projekts «my Steps» konnten Patienten ausgewählte Daten ihrer Fitnesstracker an die Versicherung weiterleiten. Ziel des Versuchs war es, dass die Versicherten jeden Tag 10 000 Schritte gehen. In den Versuch wurden zunächst die bereits vorhandenen Fitnessgeräte der Kunden mit einbezogen. «Mittel- und langfristig sollen die Kunden durch solche Angebote ein anderes Verständnis ihres Lebensstils bekommen», sagt Volker Schmidt, Leiter Versicherungstechnik und Informatik bei der CSS. Denn mithilfe der Tracker erhielten die Kunden direktes Feedback zu ihren Aktivitäten. In einem weiteren Schritt liessen sich die Wearables auch in Angebote der Versicherungen einbinden. Beispielsweise liesse sich eine «Bewegungsleistung» als Präventionsbeitrag anerkennen, was sich dann wiederum positiv auf die Prämienhöhe auswirken könnte. Unter dem Motto: «Sie erlaufen sich die Prämie» ist dies laut Schmidt auch schon heute bei Zusatzversicherungen möglich. Schmidt ist es jedoch wichtig, zu betonen, dass es nicht darum gehe, den gläsernen Versicherten zu erzeugen. Der Versicherer muss mit den Daten treuhänderisch umgehen und darf diese nicht an Dritte weitergeben. Alle Ansätze würden sich nur auf Zusatzversicherungen beziehen und nicht die Grundversicherung. Präzision nicht immer entscheidend Obwohl die momentan verfügbaren Wearables immer genauer werden, so sind diese zumeist doch nur Konsumgüter und erreichen nicht das hohe Niveau von medizinischen Geräten, wie Produkte & technik 31

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