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IT for Health 01/2017

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Dossier Swisscom Mobile

Dossier Swisscom Mobile Patientenakte – das Gesundheitswesen holt auf Noch gehören Papierberge zum Alltag. Doch immer mehr Spitäler stellen auf digital um und nutzen neue Anwendungen wie die mobile Patientenakte. Ein grosser Gewinn für Patienten und Ärzte, die Befunde nun direkt am Spitalbett besprechen können. Wenn es um moderne Technologie geht, ist die Schweiz Weltspitze. Kein anderes Land auf der Welt zählt eine so hohe Smartphone-Dichte und so viele mobile Zugriffe aufs Internet. Auch viele Ärzte checken im Alltag ihre E-Mails oder recherchieren Medikamente. Die Wichtigkeit medizinischer Daten hat für die Menschen in der Schweiz zugenommen. Sie möchten ihre Daten einsehen und Kontrolle darüber haben. Die Anhänger der Quantified-Self-Bewegung zeichnen ihre Gesundheitsdaten selbst akribisch auf und werten sie aus. Viel Potenzial im Gesundheitswesen Anders als die Patienten, die im Alltag Gesundheitsapps und Fitnessarmbänder nutzen, funktioniert das Schweizer Gesundheitswesen jedoch weitgehend auf Papier. Das Beratungsunternehmen PwC hat im Jahr 2014 den Überweisungsprozess vom Haus- oder Facharzt ans Spital untersucht sowie den Versand der Austrittsberichte. Fazit: Die Prozesse sind kaum digitalisiert. Fax und Brief dominieren. Durch eine Digitalisierung dieser Prozesse könnten rund 90 Prozent der Prozesskosten gespart werden – das sind jedes Jahr 81 bis 139 Millionen Franken. Und es gibt weitere Vorteile: Die elektronische Datenübermittlung sorgt für einen schnelleren, qualitativ besseren Austausch zwischen Ärzten, Spezialisten und Spitälern – das kommt wiederum den Patienten zugute. Verschiedene Systeme als Herausforderung In der heutigen Praxis arbeiten niedergelassene Ärzte, Spitäler und Leistungserbringer noch mit unterschiedlichen IT-Systemen. Oft findet man einen Mix aus digitaler Ablage und Ablage auf Papier. Anwender müssen sich mehrmals in verschiedene Systeme einloggen, Ärzte müssen für einen Patienten Laborwerte, Röntgenbilder und Befunde aus verschiedenen Quellen mühsam zusammensuchen. Es wird zu viel Zeit mit administrativen Aufgaben verbracht – obwohl die Spitäler unter Kosten- Der Autor Mike Ruoss, Head Hospital Services bei Swisscom Enterprise Customers. druck stehen und eine Effizienzsteigerung dringend notwendig ist. Wertvoller Blick von aussen Damit die Digitalisierung gelingt, ist ein ganzheitlicher Blick wichtig. In der Regel steht ein Health Consulting am Anfang. Das Universitätsspital Basel hat so ein Consulting bei Swisscom in Auftrag gegeben. Zuerst hat man alle Prozesse und Strukturen des Spitals untersucht und Ärzte sowie Pflegepersonal bei der täglichen Arbeit begleitet. In dieser Phase geht es auch darum, Verbesserungspotenzial zu entdecken. Die HNO-Abteilung hat danach die mobile Patientenakte eingeführt. Dahinter verbirgt sich ein mobiles Portal, das Swisscom für Ärzte und Pflegende entwickelt und das ab Herbst auch als App genutzt werden kann. Die mobile Patientenakte Die Neuerungen sind im Berufsalltag der Mediziner und Pflegenden ein grosser Gewinn: Sie erhalten ortsunabhängig per Smartphone oder Tablet Zugang auf das gesamte spitalinterne Patientendossier ihrer ambulanten und stationären Patienten. Am Patientenbett holen Ärzte per Fingerstrich alle Informationen auf den Bildschirm und können so Befunde, Röntgenbilder oder Laborwerte sofort mit dem Patienten besprechen. Das spart Zeit, weil Befunde anders als früher ad hoc abgerufen werden – ein grosser Mehrwert für den behandelnden Arzt und für den Patienten. 30 IT for Health

«Ich erwarte von der mobilen Patientenakte eine deutliche Entlastung» In Zusammenarbeit mit Swisscom arbeitet das Spitalzentrum Biel-Bienne an der Einführung einer mobilen Patientenakte. Paul Saxer, Leiter Betrieb und Mitglied der Geschäftsleitung, berichtet von seinen Erwartungen und erklärt mögliche Stolpersteine auf dem Weg. Dossier Swisscom Interview: Christoph Grau Wieso wollen Sie im Spitalzentrum Biel eine mobile Patientenakte einführen? Paul Saxer: Die soziale Vernetzung prägt unsere Arbeitswelt immer mehr. Mobiles Arbeiten und unpersönliche Arbeitsplätze machen nicht vor Spitälern Halt. Die Nachfrage nach digitalen Informationen immer und überall nimmt zu. Die nachgefragten Daten liegen zum Teil in unterschiedlichen Systemwelten, die mit aufwändigen «Umgehungslösungen» miteinander kommunizieren. Um dies zu ermöglichen, wird bis hin zum Anwender eine «schwere Infrastruktur» betrieben. Das Abfragen und Erfassen von Daten soll konsequent und gezielt am Behandlungsort, das heisst direkt im Dialog mit dem Patienten, erfolgen können. Bessere und vollständige Dokumentationen sowie der unmittelbare Austausch mit dem Patienten wären nur ein paar positive Nebenwirkungen. Letztlich sollen Verschwendungen in den Prozessen, sogenannte Leerzeiten, zugunsten von Produktivität, Qualität und Zufriedenheit reduziert werden. Welche Kriterien müssen erfüllt sein, welche Optionen stehen für Sie zur Wahl? Was die mobile Patientenakte angeht, sind wir technisch betrachtet erst noch in der Konzeptphase. Folglich ist es verfrüht, über eine zur Wahl stehende Option zu sprechen. Wir brauchen eine standardisierte Lösung, die unsere Prozesse abbildet und die auch mit den Entwicklungen der vernetzten Gesundheitsbranche Schritt halten kann – ich denke hier auch über die physischen Spitalgrenzen hinaus: Partnerspitäler, Zuweiser/Ärztenetzwerke, Langzeitbereiche/Rehabilitationen, Spitex bis hin zum Patienten selbst. Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie bei der Umsetzung? Was ist erfolgskritisch? Noch vor der Umsetzung wird es bereits in der Konzeptphase Herausforderungen geben: So ist es entscheidend, dass eine Datendurchgängigkeit der Klinikinforma tionssysteme (KIS) wie auch der Admin-Systeme besteht. Diese Zugänge Paul Saxer, Leiter Betrieb und Mitglied der Geschäftsleitung Spitalzentrum Biel-Bienne. wird wohl der eine oder andere KIS-Anbieter ermöglichen müssen. Die erhoffte Produktivitätssteigerung muss sich sowohl wirtschaftlich wie auch in Bezug auf Patienten und Mitarbeiterzufriedenheit positiv auswirken und nachhaltig sein. Datenschutzvorschriften und zum Teil auch interne Richtlinien sind einzuhalten. Welchen Nutzen versprechen Sie sich davon? Inwieweit kann das Ihre Arbeitsabläufe erleichtern? Die Ärzte stehen mit administrativen Arbeiten immer mehr unter Druck. Diese «unproduktiven Arbeiten» bringen sie immer weiter weg von der direkten Arbeit mit den Patienten. In diesem Sinne erwarte ich eine merkliche Entlastung, was bedeutet, dass etwa das gesamte Berichtswesen weitestgehend standardisiert im Hintergrund aufbereitet wird. Ferner kann diese Mobilität auch von Nutzen für den Patienten sein, wenn der Arzt ihm eine Situation, einen Verlauf oder auch Radiologie-Bilder direkt darlegen möchte. In diesem Sinne erhoffen wir uns am Spitalzentrum Biel einen produktiven Mehrwert aus einer künftig «leichten Infrastruktur» heraus. IT for Health 31

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