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IT for Health 01/2020

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E-HEALTH KONKRET Vier

E-HEALTH KONKRET Vier Stimmen zum Swiss E-Health Forum Am 5. und 6. März 2020 findet das Swiss E-Health Forum in Bern statt. Das Motto lautet «Entwicklung des Gesundheitswesens durch die Digitalisierung». Vier Referenten des Events sprechen darüber, was die Branche aktuell beschäftigt. Interviews: Oliver Schneider Pascal Strupler Direktor, Bundesamt für Gesundheit BAG Lukas Golder Co-Leiter, GFS Bern «WIR HABEN DIE DIGITALISIERUNG STETS ALS MITTEL ZUM ZWECK VERSTANDEN» Weshalb unterstützen Sie das Swiss E-Health Forum 2020? Das Swiss E-Health Forum ist für das BAG seit vielen Jahren eine gute Gelegenheit, sich mit den verschiedenen Akteuren auszutauschen und mit einem breiteren Publikum über E-Health im Allgemeinen und das elektronische Patientendossier im Besonderen zu diskutieren. Zudem gibt uns das E-Health Barometer, das ja jährlich am E-Health Forum präsentiert wird, einen guten Einblick in die Haltungen und Meinungen der Bevölkerung und der Gesundheitsfachpersonen. Wo steht das digitale Gesundheitswesen Anfang 2020? Die Einführung des elektronischen Patientendossiers steht kurz bevor. Auch wenn die nächsten Monate für alle Beteiligten noch einen grossen Kraftakt darstellen werden, sind wir zuversichtlich, dass im Laufe des Jahres 2020 die Schweizer Bevölkerung Zugang zum elektronischen Patientendossier erhält. Das Motto des Forums lautet «Entwicklung des Gesundheitswesens durch die Digitalisierung». Was verstehen Sie darunter? Wir haben die Digitalisierung stets nur als Mittel zum Zweck verstanden. Sie macht die zentralen und notwendigen Reformen des Schweizer Gesundheitssystems wie Stärkung der koordinierten Versorgung, Verbesserung der Patientensicherheit sowie der Qualität und Transparenz erst möglich. Der Bundesrat hat deshalb in seiner neuen gesundheitspolitischen Strategie Gesundheit 2030 vom Dezember 2019 einen entsprechenden Schwerpunkt gesetzt. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Die Verbreitung von M-Health-Anwendungen wird sicherlich weiter zunehmen, ebenso die Nachfrage nach strukturierten medizinischen Daten, die für Forschungs- oder Statistikzwecke weiterverwendet werden können. «NUR DIE DIGITALISIERUNG SCHAFFT ABHILFE» Weshalb unterstützen Sie das Swiss E-Health Forum 2020? GFS Bern realisierte mit MRK bereits 2009 das erste Swiss E-Health Barometer. Damit entstand das erste Radarsystem zur Entwicklung von E-Health. Ein Ziel von E-Health, nämlich die Vernetzung der Leistungserbringer und Gesundheitsfachpersonen, wurde dabei erreicht: Beim Barometer arbeiten Apotheken, Pflege, Spitex, Heime und die Ärzteschaft eng zusammen. Und es funktioniert bereits zum 12. Mal ! Wo steht das digitale Gesundheitswesen Anfang 2020? Der Druck steigt: Das Spitalwesen ist im Umbruch und die vielen kleinen Schritte im Rahmen der Kostendämpfung des BAG wird alle Leistungserbringer, die Industrie und die Investoren treffen. Die Kostenschraube allein genügt nicht. Langfristig müssen «Behandlungsqualität, Patientensicherheit, Effizienz, koordinierte Versorgung und Interprofessionalität sowie Gesundheitskompetenz» gemeinsam angegangen werden. Kein Zufall: Das sind eins zu eins die Ziele von E-Health Schweiz. Nur die Digitalisierung kann das. Das Motto des Forums lautet «Entwicklung des Gesundheitswesens durch die Digitalisierung». Was verstehen Sie darunter? Ich habe das Privileg, regelmässig mit vielen Akteuren des Schweizer Gesundheitswesens in Kontakt zu sein. Geht es um relevante Fortschritte im Bereich der Transparenz, der Qualitätsmessung und der Effizienz, blockieren sie sich trotz gutem Willen leider gegenseitig. Nur die Digitalisierung schafft Abhilfe. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Die Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen stockt etwa bei der Vernetzung der Gesundheitsfachpersonen. Anlass zur Hoffnung geben die digitale Infrastruktur in den Spitälern: Mehr und mehr könnten die Nachversorger davon profitieren. Bei der Bevölkerung steigt die Skepsis bezüglich Datenschutz. Die vielen Leaks und Datenskandale der letzten Jahre hinterlassen Spuren. Dennoch zeigt sich eine Mehrheit bereit, ein E-Patientendossier zu eröffnen. Ein Lichtblick. 14

Andréa Belliger Prorektorin, Direktorin, Digital Health Expert PH Luzern, Institut für Kommunikation & Führung «PERSONELL WIE FINANZIELL WIRD EINIGES INVESTIERT» Weshalb unterstützen Sie das Swiss E-Health Forum 2020? Ich bin seit vielen Jahren Mitglied des Beirats des E-Health Forums und unterstütze das Forum als einen wichtigen Ort der Diskussion und des Erfahrungsaustauschs der relevanten Anspruchsgruppen rund um die Themen E-Health in der Schweiz. Stefan Hunziker CIO, Luzerner Kantonsspital «DER START DES EPDS VERLEIHT DEN DIGITALISIERUNGSBESTREBUNGEN EINEN ZUSÄTZLICHEN SCHUB» Weshalb unterstützen Sie das Swiss E-Health Forum 2020? Das Swiss E-Health Forum bietet eine gute Plattform, um sich mit verschiedenen Anspruchsgruppen auszutauschen und einen dialektischen Dialog zu führen. Gerade in einer föderalen Struktur und bei einem raschen technologischen Wandel sind solche Veranstaltungen wichtig. E-HEALTH KONKRET Wo steht das digitale Gesundheitswesen Anfang 2020? Das Thema der Digitalisierung, also des Einsatzes von Daten, Tools und Technologien in der medizinischen Versorgung, ist in den meisten Organisationen präsent und auf der Agenda. Personell wie finanziell wird nicht zuletzt wegen der Einführung des elektronischen Patientendossiers einiges investiert. Wo es vielerorts noch etwas mangelt, ist die vertiefte Auseinandersetzung mit der Thematik der digitalen Transformation als einem Veränderungsprozess, der weit über die Nutzung digitaler Tools und Technologien im Umgang mit Gesundheit und Krankheit, über Interoperabilität zwischen Leistungserbringern und digitale Prozesse hinausgeht und eine grundlegende Veränderung des Gesundheitssystems auf der Ebene von Kultur und Mindset impliziert. Das Motto des Forums lautet «Entwicklung des Gesundheitswesens durch die Digitalisierung». Was verstehen Sie darunter? Digitalisierung oder korrekter digitale Transformation führt im Gesundheitswesen wie in anderen Branchen auch zu einem Paradigmenwechsel in der Art, wie wir uns als Gesellschaft organisieren: von geschlossenen, Top-down steuer- und regulierbaren Systemen mit klaren Rollen und Funktionen hin zu offenen, selbstorganisierenden, heterogenen Netzwerken. Dieser Paradigmenwechsel geht einher mit «neuen» gesellschaftlichen Werten und Normen wie offene Kommunikation, Transparenz und Partizipation und hat grundlegende Auswirkungen auf Gesundheit, das Gesundheitswesen, Organisationen im Gesundheitswesen, Versorgung, Gesundheitsberufe, Wirtschaftlichkeit, Steuerung und schliesslich die Menschen/Bürger im Gesundheitswesen. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Technologische Trends gibt es viele: Apps auf Rezept und Vergütung durch Krankenkassen, E-Rezept, Remote Monitoring, telemedizinische Anwendungen, Personal Health Record Tools, Medical Condition Management im Chronic Care Bereich etc. Interessanter sind aber jenseits von Trends die grundlegenden oben skizzierten gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, die nachhaltig und irreversibel wirken. Wo steht das digitale Gesundheitswesen Anfang 2020? Das Bewusstsein, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie ein Produktionsfaktor sind, wie gute Ärzte, Pflegende oder die Beherrschung von Prozeduren, ist im Gesundheitswesen zu wenig vorhanden. Der Start des EPDs verleiht den Digitalisierungsbestrebungen einen zusätzlichen Schub. Nun werden viele Dinge erlebbar, rasch werden Probleme und Nutzen konkret und sind der Motor für Verbesserungen. Viele Institutionen sind nun digitalisiert. Wir sind in der Schweiz jedoch nicht in der Lage, beispielsweise strukturierte Daten zwischen zwei Krankenhäusern mit unterschiedlichen Systemen auszutauschen, obwohl entsprechende Profile und Standards schon lange vorliegen. Das Motto des Forums lautet «Entwicklung des Gesundheitswesens durch die Digitalisierung». Was verstehen Sie darunter? Heute sind wir stark auf die Behandlung von Krankheiten ausgerichtet: Wie viele Patienten haben wir behandelt? Welche Komplikationen gab es? In Zukunft will ich als Arzt vorher wissen, was ich machen muss, damit im Sinne der Prävention eine Krankheit verhindert werden kann. Ein Beispiel: Normale Elektrokardiogramme (EKG) können Hinweise auf das Risiko für zukünftige Erkrankungen (Schlaganfall) geben. Entsprechende Patienten können somit präventiv behandelt werden. Im Sinne des partnerschaftlichen Einbezugs wird der Patient durch die Digitalisierung zu einem wichtigen Akteur in der Behandlungskette. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Durch den auch für uns spürbaren Fachkräftemangel sind wir gefordert, unsere Leistungsfähigkeit durch Nutzung von Automatisierung und künstlicher Intelligenz zu erhalten. Die Qualitätsansprüche werden im Gesundheitswesen zu Recht höher. Qualität soll transparenter werden für den Patienten. Die Digitalisierung ermöglicht uns, die Qualität ganzheitlicher zu erfassen, als Beitrag zur Verbesserung. Durch die Digitalisierung werden die Einrichtungen zunehmend Ziel von Hackerangriffen. Im Rahmen der Abwehr sollten wir gemeinsame Massnahmen zur Cybersecurity treffen. Die einzelnen Institutionen sind zu klein und die notwendigen Spezialisten sind kaum verfügbar. 15

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