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IT for Health 02/2017

E-HEALTH KONKRET Dacadoo

E-HEALTH KONKRET Dacadoo Go will den Nutzern Beine machen Dacadoo hat in Zürich internationale Partnerschaften angekündigt und ein neues Produkt vorgestellt. «Dacadoo Go» soll Nutzer spielerisch zu mehr Bewegung animieren. Die Firma will damit die Prävention im Gesundheitswesen stärken. Autor: Oliver Schneider Mitte Juni hat der Softwarehersteller Dacadoo am Sitz in Zürich seine Strategie für die digitale Gesundheit gezeigt. Gründer und CEO Peter Ohnemus kündigte am Anlass neue Kooperationen an. So habe Dacadoo die United Health Group als Partner gewonnen. Das Unternehmen sei einer der weltweit grössten Krankenversicherer mit fast 200 Milliarden US-Dollar Umsatz und Niederlassungen in zahlreichen Ländern. Dacadoo werde künftig mit Optum, der IT-Sparte von United Health, eine digitale Lifestyle-Plattform aufbauen. Ohnemus kündigte auch eine Partnerschaft mit der niederländischen Versicherung Menzis an. Menzis setze auf die Health-Score-App von Dacadoo. Kern der App ist ein Gesundheitsindex, der auf Basis von statistischen Patientendaten die Gesundheit des Nutzers zwischen 1 (klinisch tot) und 1000 (übermenschlich) errechnet. Die App dokumentiere ausserdem verschiedene Gesundheitsdaten (Aktivität, Schlafqualität oder Ernährung) und biete besondere Challenges, mit denen sich die Gesundheit spielerisch verbessern lassen soll. Menzis gibt Kunden einen Prämien-Rabatt, wenn sie die App nutzen, wie Ohnemus weiter ausführte. Mit der Entwicklung Schritt halten Zudem stellten Ohnemus und Dacadoo-CTO André Naef das neueste Produkt der Firma vor. Die App «Dacadoo Go» soll, inspiriert vom Augmented-Reality-Spiel «Pokémon Go», die Nutzer spielerisch zum Gehen anregen. So liessen sich Krankheiten vorbeugen und die Lebensqualität verbessern, verspricht Dacadoo. Die App ist kostenlos für iOS und Android verfügbar. Sie richtet sich an eine Zielgruppe zwischen 25 und 45 Jahren. «Dacadoo Go» besteht aus einer virtuellen Karte der aktuellen Umgebung, auf der verschiedene Aufgaben und Sehenswürdigkeiten eingezeichnet sind. Indem er zu den betreffenden Punkten geht, kann der Spieler Erfahrungspunkte sammeln, Schätze finden und Teamkämpfe austragen. Schrittmesser und GPS-Sensoren des Handys liefern die nötigen Daten. Es gibt nicht nur eine Statistik der gelaufenen Strecke, es können auch verschiedene kurz- und langfristige Ziele erreicht werden. Auch «Dacadoo Go» berechnet einen Index, den «Walk Score». Er soll dem Spieler einen Eindruck von dessen aktuellen Gesundheitszustand vermitteln. Die Funktionen der App sollen noch ausgebaut werden. Kommerzielle Anwendungen sind denkbar, wie Ohnemus sagte. So könnten etwa Krankenkassen, Hotels oder Restaurants von «Dacadoo Go» profitieren. Wenn ein Restaurantbetreiber Kunden zum Besuch seines Lokals animieren wolle, könne er in der App besondere Belohnungen buchen. Besucher könnten umgekehrt Rabatte erhalten, wenn sie die App nutzen. So soll Bewegung mit geschäftlichen Anwendungen verbunden werden. Bedenken bezüglich des Datenschutzes und der Freiheit des Einzelnen seien dabei unbegründet. Die App-Anwendungen von Dacadoo beruhten auf freiwilliger Basis und würden Daten nur anonymisiert übertragen. Dacadoo verschlüssle zudem die Daten der Nutzer und verkaufe sie nicht an Dritte weiter. Neue Zielgruppen erwarten Digitalisierung und tiefere Kosten Das Schweizer Gesundheitswesen befinde sich in einer finanziellen Sackgasse, meinte Ohnemus abschliessend. Über kurz oder lang könnten sich die Kunden die steigenden Prämien nicht mehr leisten. Zudem sei eine neue Generation herangewachsen, die sich mit klassischen Versicherungsformen nicht anfreunden wolle. «Dacadoo stellt Lösungen für eine Branche bereit, die sich im Umbruch befindet», sagte Ohnemus. Apps wie «Dacadoo Go» könnten hierbei mithelfen. Dacadoo-CEO Peter Ohnemus erklärt die App «Dacadoo Go». Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_50117 6

(V.l.) Stefan Spycher, Bundesamt für Gesundheit, Holger Baumann, CEO Insel Gruppe, Andy Fisher, Medgate, und Josef Müller, H+-Spitalverband und CEO Psychiatrische Dienste Graubünden. E-HEALTH KONKRET E-Health nimmt Fahrt auf Am E-Health-Event «Health 2.017» haben sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen ausgetauscht. Zwischen den Möglichkeiten und der Realität herrschen oft grosse Unterschiede. Autor: Christoph Grau «Finanz und Wirtschaft» hat am 29. August zur E-Health-Veranstaltung «Health 2.107» geladen. Die Veranstaltung fand im Auditorium der Stiftung Careum in der Nähe des Universitätsspitals Zürich statt. Als Keynote-Referent trat David Rowan vom britischen «Wired Magazine» auf. Er befasst sich in seiner journalistischen Tätigkeit mit innovativen Technologien. Rowan gab den Zuhörern einen Einblick, welche technischen Möglichkeiten sich aktuell im Bereich E-Health auftun. Beschleunigung der Technologien Gerade im Gesundheitswesen nehme die Entwicklung nun Fahrt auf. «Alles beschleunigt sich», sagte Rowan. Bisher sei der Bereich Gesundheit noch sehr stark von analogen Prozessen und der Allmacht der Pharmakonzerne wie auch Ärzte dominiert. Dieses ändere sich nun. Treiber dieser Entwicklung sei die Demokratisierung des Wissens. Expertise liege nicht mehr nur in den Händen weniger. «Die grösste Innovationskraft wird die künstliche Intelligenz haben», sagte Rowan. Gerade bei der Diagnose von Krankheiten sei diese dem Menschen bald überlegen, denn sie könne Daten viel schneller und besser auswerten. Gerade auch beim Trend zur Personalisierung in der Medizin sei dies von Vorteil, zeigte sich Rowan überzeugt. Durch das Auswerten von persönlichen Daten liessen sich bessere, individuelle Therapien entwickeln. Diskrepanz zwischen Möglichkeiten und Praxis Im Anschluss diskutierten Vertreter von Spitälern und Politik in einem Podiumsgespräch teilweise kontrovers über das Gesetz zum elektronischen Patientendossier (EPD). Zugegen waren Stefan Spycher, Bundesamt für Gesundheit, Holger Baumann, CEO Insel Gruppe, Andy Fisher, Medgate, und Josef Müller, H+- Spitalverband und CEO Psychiatrische Dienste Graubünden. Baumann zeigte sich von den Möglichkeiten beeindruckt, die Rowan in seinem Vortrag aufgezeigt hatte. Gleichzeitig wies er aber darauf hin, dass es eine grosse Diskrepanz zwischen dem Möglichen und der Realität gebe. Diese Kritik bezog er auch auf das EPD. Auch wenn sich langsam etwas in der Schweiz bewege, so müssten die niedergelassenen Ärzte besser eingebunden werden. Die doppelte Freiwilligkeit, wie aktuell im Gesetz vorgesehen, bringe seiner Ansicht nach nichts. Dieser Auffassung war auch Baumann. Er bedauere den «helvetischen Kompromiss» bei diesem Thema. Seiner Meinung nach schreitet die Umsetzung des EPD viel zu langsam voran, auch wenn die Richtung stimme. Spycher vom Bundesamt für Gesundheit verteidigte den gefundenen Kompromiss. Es sieht das EPD als ein «lernendes Projekt». Es entwickle sich ständig weiter. Zudem betonte er, dass die Digitalisierung an sich kein Selbstzweck sein solle. Der Nutzen für die Leistungserbringer wie auch für die Patienten müsse den Ausschlag geben. Nur so werde das EPD auch angenommen. Finanzierung ist ein Knackpunkt Einer der grössten Stolpersteine für das EPD wird die Finanzierung sein. Diese wurde im Gesetz nicht geregelt. Spycher vom Bundesamt für Gesundheit verteidigte dies. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist seiner Ansicht nach keine Aufgabe des Staates. Er zog den Vergleich zur Bankenbranche. Auch hier regle der Markt die Digitalisierung. Daher reiche die Anschubfinanzierung des Bundes für ihn aus. Anders sieht dies Müller vom H+-Spitalverband. Für ihn ist die Finanzierung genau das Dilemma. Der Föderalismus führe dazu, dass die Stammgemeinschaften ganz unterschiedlich finanziert seien und der Betrieb überall anders geregelt sei. Dadurch werde viel Geld verschwendet. Müllers Meinung nach hätten sich Bund, Kantone und Gemeinden zusammenfinden sollen, um ein einheitliches Modell zu entwickeln. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_54757 7

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