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IT for Health 02/2017

DOSSIER ERGONOMIE Warum

DOSSIER ERGONOMIE Warum die Arbeit am Computer müde macht Der Computer ist im 21. Jahrhundert aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Das wichtigste Arbeitsinstrument sind dabei unsere Augen, sie sind leistungsfähig, aber auch sensibel und verletzlich. Und bei der täglichen Bildschirmarbeit werden sie ganz schön beansprucht. Fünf Minuten zu investieren, um den eigenen Arbeitsplatz unter die Lupe zu nehmen, lohnt sich. Brennende oder gerötete Augen, Müdigkeit und Kopfschmerzen sind häufige Symptome von Beschäftigten an Computerarbeitsplätzen. Denn bei der Arbeit am Bildschirm müssen Augen und Nacken viel leisten: 12 000 bis 33 000 Kopf- und Blickbewegungen zwischen Bildschirm, Tastatur und Unterlagen und 4000 bis 17 000 Pupillenreaktionen pro Tag. Wenn die Lichtverhältnisse am Bildschirmarbeitsplatz nicht stimmen, werden die Augen überanstrengt. Ein Teil der Beschäftigten klagt denn auch über häufige oder ständige Augenbeschwerden, wie müde, brennende und tränende Augen, welche die allgemeine Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Damit die Bildschirmarbeit nicht zur Qual wird und sich Mitarbeitende am Arbeitsplatz wohlfühlen, ist es hilfreich, zwei wichtige Eigenschaften der Augen zu kennen: die Funktion der Pupille sowie die Fokussierung, in der Fachsprache auch Akkommodation genannt. Unsere Pupille – die Fotoblende Die Pupille funktioniert wie die Blende beim Fotoapparat. Bei wenig Licht weitet sie sich, damit mehr Licht ins Auge dringt. Bei viel Licht verkleinert sie sich und es dringt weniger Licht ein. Der Lichtbedarf verändert sich für alle mit dem Alter. Ab einem Alter von zirka 45 Jahren benötigt man mehr Licht als noch in jungen Jahren. In altersgemischten Büros kann dies zu Konflikten führen. Für die einen ist es zu hell, für die anderen zu dunkel. Individuell einstellbare Büroleuchten pro Arbeitsplatz können Abhilfe schaffen. «EKAS-CHECKBOX» – IST IHR ARBEITSPLATZ RICHTIG EINGERICHTET? Mit der interaktiven Gratis-App «EKAS-Checkbox» spüren Sie Stolperfallen an Ihrem Arbeitsplatz auf oder prüfen, ob dieser ergonomisch eingerichtet ist. Sie erfassen nötige Präventionsmassnahmen und werden daran erinnert, diese regelmässig zu überprüfen. Ihre Mitarbeitenden werden es Ihnen danken. Gleichzeitig reduzieren Sie Kosten und Absenzen. Worauf bei der Büroplanung, Einrichtung des Arbeitsplatzes und weiteren Themen rund um die Sicherheit und Gesundheit im Büro weiter geachtet werden soll, zeigt die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeits sicherheit EKAS in verschiedenen Online-Tools und Broschüren. Alles kostenlos zu finden auf: www.prävention-im-büro.ch Der Autor Urs Hof, Mitglied der Begleitgruppe der Aktion «Prävention im Büro» der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS Auch der Regler am Bildschirm sollte genutzt werden, um die Helligkeit auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Bei der Büroeinrichtung gilt es zu beachten, dass die nahe Umgebung maximal dreimal heller sein sollte als der Bildschirm. Gemessen wird dieser Wert, die Leuchtdichte, mit einem speziellen Gerät. Der Wert wird in Candela pro Quadratmeter ausgewiesen, was dem reflektierten Licht auf unterschiedlichen Oberflächen entspricht. Das Kontrastverhältnis ist also 1:3. So sind etwa strahlend weisse Tische meist zu hell für einen Computerarbeitsplatz, während schwarze zu dunkel sind. Auch spiegelnde Oberflächen sind zu vermeiden, da sie zu unangenehmen Blendungen führen. Bei der weiteren Umgebung liegt das Kontrastverhältnis bei 1:10. Das heisst, blickt man vom Bildschirm auf und schaut in den Raum oder aus dem Fenster, sollte diese Umgebung nicht zehnmal heller sein als der Bildschirm. Zu krasse Helligkeitsunterschiede sind eine grosse Belastung für unsere Fotoblende – die Pupille. Ein Fenster sollte demnach nicht vor (direkte Blendung) oder hinter dem Bildschirm (Spiegelung) sein. Am besten auf der linken Seite bei Rechtshändern oder rechts bei Linkshändern (Schattenwurf der Hand auf die Unterlage ergibt einen Kontrast grösser als 1:3). Auch die weissen, senkrechten Vorhanglamellen, die man häufig in Büros antrifft, sind daher nur bedingt für Computerarbeitsplätze geeignet. Denn bei sehr starkem Lichteinfall von aussen strahlen sie zu stark. Stimmt die Fokussierung nicht, stimmt gar nichts Blickt man vom Bildschirm auf und schaut aus dem Fenster, kommt die zweite wichtige Funktion des Auges zum Zug: die Fokussierung. Diese gelingt dank der Linse, die hinter der Pupille liegt. Auch hier spielt das Alter eine Rolle, denn die Elastizität der Linse nimmt mit dem Alter ab. Je älter wir werden, desto schwerer fällt uns das Fokussieren. 10

DOSSIER ERGONOMIE Die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz schont die Augen und erhöht das Wohlbefinden. Auch Träger von Gleitsichtbrillen kennen das Problem: Da sich der Nahsichtbereich am unteren Rand der Brille befindet, müssen sie beim Arbeiten am Computer den Kopf nach hinten neigen, um besser zu sehen. Nacken-, Rücken-, Kopfschmerzen und Verspannungen können die Folge sein. Abhilfe schaffen speziell für den Computerarbeitsplatz gefertigte Brillen, bei denen der Nahsichtbereich erweitert ist. Ein Optiker passt diese Brille den individuellen Bedürfnissen an. Der Blickwinkel muss stimmen Auch die richtige Positionierung des Bildschirms hat einen Einfluss auf die Gesundheit und unsere Nacken- und Rückenmuskulatur. Was viele nicht wissen: Die natürliche Blickrichtung ist nicht geradeaus, das heisst, auf Augenhöhe horizontal gerichtet, sondern Die richtige Positionierung des Bildschirms hat einen Einfluss auf die Gesundheit und unsere Nacken- und Rückenmuskulatur. ist leicht nach unten geneigt. In dieser Haltung sind die Nackenmuskeln wesentlich weniger belastet und entspannter, als wenn man geradeaus oder nach oben blickt. Mit leicht gesenktem Blick beugt man Nacken- und Schulterverspannungen vor. Ein Blick auf den eigenen Bildschirm verrät sofort, ob sich dieser in der richtigen Position befindet: Rund eine Armlänge vom Kopf entfernt sollte er sein. Wobei der obere Rand des Bildschirms eine Handbreit unterhalb der Augen liegen sollte. Es zahlt sich aus, beim Einrichten des Büroraums und Arbeitsplatzes auf die individuellen Bedürfnisse zu achten. Denn eine optimale Büroleuchte anzuschaffen lohnt sich allemal, wenn damit das eigene Sehvermögen und jenes der Mitarbeitenden geschont werden. 11

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