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IT for Health 02/2017

E-HEALTH KONKRET «Wir

E-HEALTH KONKRET «Wir werden gerade Zeugen einer beginnenden Revolution» Der Swiss E-Health Summit findet in diesem Jahr erstmals in der Westschweiz statt. Rainer Herzog vom Veranstalter HIMSS erklärt, was die Teilnehmer in Lausanne erwartet. Interview: Oliver Schneider Das Motto des diesjährigen Summits ist «Healthcare meets Innovation». Was verstehen sie darunter? Rainer Herzog: Wir werden gerade Zeugen einer beginnenden Revolution. Big Data, künstliche Intelligenz und Genomics werden in den kommenden Jahren die Medizin und das Gesundheitswesen tiefgreifend und grundlegend verändern – und das ist kein leichtes Unterfangen. Das Gesundheitswesen hat sich immer als sehr veränderungsresistent erwiesen. Die Frage ist also, was beim Aufeinandertreffen der beiden Kulturen passieren wird und welche Auswirkungen das auf Organisationen, Ärzte, Patienten und die Industrie haben wird. Und genau deshalb haben wir das Motto für den diesjährigen Summit so gewählt. Was erwartet die Besucher am Event? Wir haben wie in den Vorjahren ein sehr facettenreiches Programm zusammengestellt. Das reicht von einer Bestandsaufnahme der EPD-Implementierung über spezielle Themen wie E-Medikation bis hin zu konkreten Implementierungsbeispielen vernetzter IT im Spital. Auch sehr spezifische Themen wie Blockchain oder etwa Fast Healthcare Interoperability Resources, kurz FHIR, werden Teil des Programms sein. Unser Anliegen ist es, sowohl über konkrete und aktuelle Themen zu informieren, als auch den Ausblick in die Zukunft anzubieten. Was sind die Highlights des diesjährigen E-Health Summit? Natürlich an erster Stelle unsere Keynotes. Sie werden sich kritisch mit der «schönen neuen Welt» der Medizin auseinandersetzen. Wo sind die Grenzen von Genomics und personalisierter Medizin und was können Patienten und Ärzte in der Zukunft von diesen Innovationen realistisch erwarten? In diesem Zusammenhang steht auch unsere Session zum Thema Innovation und der neue Innovationspavillon in Zusammenarbeit mit Bioalps und dem Kanton Waadt. Und sicher ebenfalls die Bestandsaufnahme zum EPD und die damit verbundenen Implementierungsbeispiele einer vernetzten Versorgung in einigen Spitälern. Und schliesslich bietet das Swiss-Tech-Center in Lausanne für die Teilnehmer und für unsere Industriepartner einen neuen und modernen Rahmen für den gegenseitigen Austausch und die Präsentation. Der Summit findet dieses Jahr in Lausanne statt. Warum haben Sie die Stadt als Tagungsort gewählt? Lausanne gilt als das «Silicon Valley der Schweiz». Dort befinden sich Life Sciences Cluster wie Bioalps wie auch exzellente Forschungszentren wie die EPFL. Ausserdem ist es auch für den Kanton Waadt von grossem Interesse, das Thema Digitalisierung und Innovation im Gesundheitswesen voranzutreiben. Mit all diesen Organisationen und Institutionen arbeiten wir übrigens sehr gut zusammen. Das war für uns entscheidend, als es darum ging, einen «Innovationsstrandort» für unsere Veranstaltung zu finden. Mit welchen Entwicklungen müssen sich IT-Entscheider im E-Health-Bereich in nächster Zeit auseinandersetzen? IT wird in Zukunft die notwendige Grundlage für neue Therapien in vielen Indikationen werden, wie etwa in der Onkologie. Wir haben vielleicht zum ersten Mal eine realistische Chance, den Krebs als chronische Krankheit kontrollieren zu können. Viele sprechen schon vom «neuen goldenen Zeitalter der Medizin». Das alles wird nur mit IT möglich sein – Stichworte sind etwa künstliche Intelligenz oder Genomanalyse. Das wird nicht nur für die IT-Entscheider, sondern auch für Ärzte und Krankenhausleiter tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen. Wie hat sich der Event im Vergleich zum Vorjahr verändert? Wir werden zum ersten Mal in der französischsprachigen Schweiz zu Gast sein – auch für uns eine neue Erfahrung, auf die wir uns sehr freuen. Gleiches gilt für unsere neuen Programmpartner wie etwa die EPFL, mit der zusammen wir die neuen Themen lancieren und den Summit damit konsequent auf die Zukunft ausrichten. Rainer Herzog, General Manager DACH, HIMSS Europe 12

Vier Meinungen zum Swiss E-Health Summit 2017 Am 21. und 22. September 2017 findet im Lausanner Swisstech Convention Center der Swiss E-Health Summit statt. Die Redaktion hat vier Referenten zu den Themen befragt, welche die Gesundheitsbranche momentan beschäftigen. Interviews: Oliver Schneider E-HEALTH KONKRET Jürg Blaser Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik Marc Oertle Leitender Arzt Medizin/Medizin- Informatik, Spital STS, Spital Thun «DIE DIGITALISIERUNG DURCHDRINGT ZUNEHMEND AUCH DAS GESUNDHEITSWESEN» Das Motto des diesjährigen Summits ist «Healthcare meets Innovation». Was verstehen Sie darunter? Jürg Blaser: Die Reorganisation von Geschäftsprozessen hat im Gesundheitswesen später eingesetzt als in anderen Dienstleistungsbereichen. Nun durchdringt die Digitalisierung zunehmend auch das Gesundheitswesen. Da Daten und Informationen auch in der Medizin von zentraler Bedeutung sind, können innovative, informatikbasierte Abläufe einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung von Effizienz und Qualität leisten. Welchen Nutzen bringt Big Data der Medizin? Personalisierte Medizin basiert zunehmend auf Analysen einer Vielzahl von klinischen, genomischen und weiteren individuellen Daten. Ziel ist es, Krankheiten effektiver und/oder mit weniger Nebenwirkungen behandeln zu können. Zudem soll die Prävention ungünstiger gesundheitlicher Bedingungen personalisierter und faktenbasierter erfolgen. Wie ist das Schweizer Gesundheitswesen gegen Cyberbedrohungen aufgestellt? Mit zunehmender Digitalisierung des Gesundheitswesens werden auch vermehrt Ressourcen für Cybersecurity eingesetzt werden müssen, betriebsintern und auch national. Immerhin sind in diesem Bereich bisher keine grossen Pannen und Datenverluste publik geworden. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Die Digitalisierung schreitet voran. Die entsprechende Anpassung der Abläufe braucht Zeit und verläuft etwa im stationären und ambulanten Bereich unterschiedlich, auch weil die Vorteile nicht in jedem Betrieb gleich gewichtig sind. Trotzdem geht der Trend auch in Arztpraxen unaufhaltsam in diese Richtung. Junge Ärzte sind aufgrund ihrer Spitalerfahrungen mit elektronischen Patientenakten vertraut. Die vollständigen Interviews finden Sie auf: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_54651 «DAS GESUNDHEITSWESEN IST EIN HÖCHST INNOVATIVER ZWEIG» Das Motto des diesjährigen Summits ist «Healthcare meets Innovation». Was verstehen Sie darunter? Marc Oertle: Einerseits entstehen gerade im Bereich M(obile-) Health, aber auch in anderen Gebieten viele neue Lösungsmöglichkeiten, die auf ihre Praktikabilität getestet werden wollen. Andererseits schreit die Branche unter dem zunehmenden Kostendruck und dem durch die nationale Gesetzgebung (EPD) ausgelösten Druck nach höherer Effizienz und besserer Vernetzung. Das Gesundheitswesen an sich ist traditionellerweise ein höchst innovativer Zweig. Welchen Nutzen bringt Big Data der Medizin? Mit dem Schlagwort allein kann ich immer weniger anfangen. Big Data wird dann nützlich werden, wenn auch Big Context und Big Insight damit verbunden sein werden. Gelingt dies, haben die Datenmengen das Potenzial, unsere Entscheidungen wirklich positiv zu beeinflussen oder gar zu boostern. Gelingt dies nicht, werden wohl auch einige Big Mistakes auf Big Data basieren. Wie ist das Schweizer Gesundheitswesen gegen Cyberbedrohungen aufgestellt? Ich kann hier nur Vermutungen anstellen. Spitäler mit sehr moderner und gut gewarteter Infrastruktur dürften besser aufgestellt sein als kleinere Organisationen oder einzelne Praxis-Betriebe. In den letzten Jahren war fast nur die Thematik Datenschutz ganz weit oben auf der Traktandenliste – das Thema Datensicherheit und Informationssicherheit ist dabei viel zu kurz gekommen. Was sind für Sie die wichtigsten Trends im Schweizer E-Health? Es gibt technische Trends, die uns stark beschäftigen werden. Dann natürlich der gesamte Aufbau von Stammgemeinschaften und E-Health-Plattformen rund um das EPD. Auch die Mobilität wird einiges einfordern. Über allem steht aber die Konvergenz all dieser Lösungen und Möglichkeiten zu einem grossen Ganzen, die integrale Sicht eines Patienten und Leistungserbringers auf die Daten. 13

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