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IT for Health 02/2017

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xxxxxx Bild: FrankRamspott / iStock.com Schweizer Spitäler setzen auf Operationsroboter – und zögern bei AR und VR 16

Schweizer Spitäler verwenden im Operationssaal oft Roboter. Doch wie hoch ist ihre Akzeptanz bei den Patienten? Lohnt sich die Anschaffung der Roboter? Und setzen die Spitäler auch schon auf Augmented und Virtual Reality? Die Redaktion hat nachgefragt. Autor: Marcel Urech Roboter haben ins Schweizer Spitalwesen längst Einzug gehalten. Das zeigt eine Umfrage der Redaktion. Sie befragte im Juli 2017 die 20 grössten Spitäler der Schweiz und erhielt 12 Rückmeldungen. 8 der 12 Spitäler gaben an, den Da-Vinci-Operationsroboter zu nutzen. Roboter im Operationssaal Das Zuger Kantonsspital, die Lindenhofgruppe und das Spital Bülach verwenden keine Spitalroboter. Das Spital STS (Simmental-Thun-Saanenland) nutzt seit 2013 in der Spital apotheke den Kommissionier- und Lagerautomaten Rowa Vmax. Die Gruppe werde bis Ende September die Operationssäle des Spital Thuns sanieren. Dabei würden auch bauliche Vorkehrungen getroffen, um eventuell zu einem späteren Zeitpunkt Operationsroboter zu installieren. Der Da-Vinci-Roboter kommt vor allem in der Urologie, Chirurgie und Gynäkologie zum Einsatz. «Heute werden fast alle radikalen Prostatektomien, Teilnephrektomien, Nierenbeckenplastiken und ein immer grösserer Teil der Zystektomien mit Robotern durchgeführt», schreibt das Universitätsspital Zürich. Es sei davon auszugehen, dass Roboter in Zukunft auch in der Viszeralchirurgie, der HNO und bei Eingriffen am Herzen vermehrt eingesetzt würden. Gründe für und gegen Roboter Der Da-Vinci-Roboter arbeitet laut den Spitälern präziser als der Mensch. Er verkürze die Hospitation, verringere den Blutverlust und beschleunige die Heilung. «Nierenoperationen können zunehmend organerhaltend, Prostataoperationen nervenerhaltend und gynäkologische Tumoroperationen radikal und dennoch minimalinvasiv durchgeführt werden», so das Kantonsspital Baden. Das Basler St. Claraspital weist darauf hin, dass Da Vinci auch den Bewegungsumfang vergrössere. Der Roboter habe Gelenke, die in alle Richtungen gedreht werden könnten. Die Steuerung sei sehr intuitiv, und schon nach kurzer Zeit stelle sich das Gefühl ein, Hände und Instrumente würden miteinander verschmelzen. Das Luzerner Kantonsspital ergänzt, dass das Infektionsrisiko bei den Patienten sinke und der Schmerzmittelverbrauch zurückgehe. Eine im Fachmedium «The Lancet» publizierte Studie widerspricht einigen dieser Argumente. Mediziner der Universität Queensland im australischen Brisbane schauten bei Prostata- Entfernungen mit Da Vinci genauer hin. Fazit: Patienten hätten kaum Vorteile im Vergleich zu händischen Operationen. Entscheidend bleibe die Erfahrung des Arztes. Auch finanziell loh- « Die Anschaffung macht betriebs wirtschaftlich eigentlich keinen Sinn. » Das Spital Limmattal über den Operationsroboter Da Vinci. ne sich die Anschaffung des Roboters, der rund 2 Millionen Franken kostet, oft nicht. Patienten fragen explizit nach Robotern Wie hoch ist die Akzeptanz des Roboters bei den Patienten? Sehr hoch, heisst es vonseiten der Spitäler. Das Kantonsspital Winterthur gibt an, dass über die Hälfte der Patienten von ausserhalb des Spitalraums für einen urologischen roboterassistierten Eingriff nach Winterthur komme. Die Spitäler Baselland und Limmattal, das St. Claraspital und der Tessiner Spitalverbund Ente Ospedaliero Cantonale schreiben, dass Patienten sogar explizit eine Behandlung mit dem Operationsroboter wünschten. «Wir sind überzeugt, dass unsere Patienten von der neuen Technologie in hohem Mass profitieren», sagt Antonio Nocito, Direktor des Departements Chirurgie am Kantonsspital Baden. Das Spital setzt Da Vinci seit Mai ein. «Eine ortsnahe Versorgung mit der roboterassistierten Chirurgie entspricht einem nachvollziehbaren Bedürfnis und einem vielgenannten Wunsch unserer Patienten und unseren zuweisenden Ärzten.» Die Akzeptanz von Da Vinci sei sehr hoch, sagt auch Martin Heubner, Direktor des Departements Frauen und Kinder am Kantonsspital Baden. «Wichtig ist, den Patienten zu erklären, dass es sich beim Roboter nicht um ein eigenständig agierendes System handelt, sondern um ein sogenanntes Master- Slave-System.» Nicht der Roboter operiere, sondern der Arzt mithilfe des Roboters. Lohnt sich die Anschaffung der Roboter? Auf die Frage, ob sich die Anschaffung der Operationsroboter lohne, gab es unterschiedliche Antworten. Laut dem Kantonsspital Winterthur ist das bei Da Vinci ab 200 Eingriffen pro Jahr der Fall. Das Spital in Winterthur erfülle dieses Kriterium. Es schreibt aber auch: «Selbstverständlich sind die meisten Da-Vinci- Telemanipulatoren in der Schweiz defizitär.» Trotzdem müsse heute jedes Kantonsspital und bald auch jedes kleinere Spital Da Vinci haben. Ohne den Roboter sei die Urologie nicht mehr zu betreiben. Das Luzerner Kantonsspital sieht dies ähnlich. Eine Anschaffung der Roboter sei sinnvoll, wenn ein Spital spezialisiert sei und eine gewisse Grösse habe. So könne der Roboter auch gut ausgelastet werden. Das sei beim Luzerner Kantonsspital der Fall. Monopolsituation verteuert Preise «Die Anschaffung macht betriebswirtschaftlich eigentlich keinen Sinn», teilt das Spital Limmattal mit. «Wir wollen diese Technik E-HEALTH KONKRET 17

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