Aufrufe
vor 2 Jahren

IT for Health 02/2017

E-HEALTH KONKRET «Es

E-HEALTH KONKRET «Es ist nach wie vor der Mensch, der die präzise Arbeit durchführt» Tullio Sulser ist Direktor der Klinik für Urologie des Universitätsspitals Zürich. Die Redaktion hat ihn zum Operationsroboter Da Vinci und Augmented und Virtual Reality befragt. Interview: Marcel Urech Es gibt nur ein Unternehmen, das Da Vinci verkauft – für 2 Millionen Franken. Ist das ein Problem? Solange ein Monopol besteht, bleiben die Preise verhältnismässig hoch, was für Konsumenten immer problematisch ist. Sobald das Patent abläuft und sich andere Firmen konkurrierend am Markt beteiligen, werden die Preise fallen. Arbeitet Da Vinci wirklich präziser als der Mensch? Hier muss zunächst etwas zum besseren Verständnis gesagt werden: Der Terminus Roboter insinuiert fälschlich, dass eine Maschine respektive ein Computerprogramm, ähnlich wie in der Autoindustrie, die Operation ohne menschliches Zutun erledigt. Es handelt sich bei Da Vinci aber um ein Master-Slave-System. Der Chirurg bedient von einer Steuerkonsole aus mittels Joysticks telemetrisch die Roboterarme mit den feinen Instrumenten, die über Ports in den Körper eingebracht werden. Er kontrolliert seine Bewegungen über eine vorgängig eingebrachte 3-D-Kamera. Somit ist es nach wie vor der Mensch, der die präzise Arbeit durchführt. Die Maschine dient nur dazu, die Präzision zu verbessern, dank 3-D-Sicht (Binokularkamera), Tremorfilter, Untersetzung und bis zu 10-facher Vergrösserung. Tullio Sulser, Direktor der Klinik für Urologie des Universitätsspitals Zürich. Viele Schweizer Spitäler geben an, dass sie den Da-Vinci-Roboter einsetzen, obwohl es sich betriebswirtschaftlich gar nicht rechnet. Warum ist das so? Tullio Sulser: Es geht primär ums Bestehen im hart umkämpften Gesundheitsmarkt: Die Konkurrenz ist gerade vonseiten der Privatspitäler gross. Patienten können sich heute bestens elektronisch informieren und beanspruchen diese neuen Techniken, wenn sie sie benötigen, auch für sich. Zudem hat die minimalinvasive OP-Technik natürlich auch medizinische Vorteile. Wie gross sind die Vorteile von Da Vinci? Es ist ein sehr exaktes und gewebeschonendes Arbeiten möglich, dank 3-D-Sicht, Tremorfilter, 3- bis 10-facher Vergrösserung, optimaler Beleuchtung und Untersetzung der telemetrisch bedienten Arbeitsinstrumente. Patienten werden minimalinvasiv operiert. Postoperativ gibt es weniger Schmerzen und intraoperativ dank Überdruck und guter Sicht weniger Blutverlust, was Blutersatz fast obsolet macht. Die Genesung und Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess ist rascher, was volkswirtschaftlich von Vorteil ist und die höheren Kosten in gewisser Weise rechtfertigt. AR und VR werden in Spitälern oft gar nicht oder nur in der Ausbildung eingesetzt. Warum? Sicher spielt hier auch die Kostenfrage solcher Ausbildungssysteme eine Rolle. Sobald Konkurrenzprodukte auf den Markt kommen werden, wird sich dies ändern. Glauben Sie, dass Datenbrillen im Operationssaal irgendwann Alltag werden? Dies kann ich mir sehr gut vorstellen, zumal solche Ansätze (Smart Glasses) bereits existieren und in Kombination mit Augmented Reality auch eine sinnvolle Ergänzung sein können. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_54774 20

Zu wenig Transparenz in Spitälern cgr. Das Beratungsunternehmen KPMG hat in einer Studie die Transparenz im globalen Gesundheitswesen untersucht. Dabei verglichen die Forscher 32 Gesundheitssysteme, auch das der Schweiz. In der Erhebung landete die Schweiz mit 53 von 100 Punkten im Mittelfeld, ähnlich wie Frankreich, Deutschland und Italien. Dänemark kommt mit 74 Punkten auf den ersten Platz. Gefolgt von Finnland und Schweden mit 72 beziehungsweise 71 Punkten. Gut schnitt die Schweiz bei der Transparenz in den Bereichen Patientenerfahrung, Finanzen und Governance ab. Deutlich unter dem Durchschnitt liege die Schweiz bei der Transparenz bezüglich «Qualität der Leistungserbringung» (33 Punkte) und «Kommunikation der erhobenen Gesundheitsdaten» (36 Punkte). Die NZZ relativierte diese Ergebnisse in einem Beitrag. Darin nimmt Petra Busch vom Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ) dazu Stellung. Busch zufolge sind über die ANQ-Website die Daten der Spitäler zugänglich. Auch würden die Daten ausgebaut. E-Health befeuert Datenwachstum mur. Das Schweizer Gesundheitswesen produziert laut einer Studie des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) jährlich analoge Informationen im Umfang von 300 Millionen Blatt A4-Papier. Die ZHAW führte die Studie im Auftrag von Swisscom Health durch. Zusätzlich erzeuge das Gesundheitswesen jährlich rund 1,5 Petabyte digitale Daten. Das seien 0,5 Prozent des Datenvolumens, das Smartphones im Swisscom-Netz pro Jahr übertragen. 43 Prozent der Daten würden bei Haus- und Fachärzten anfallen, 17 Prozent in Pflegeheimen. Laut Studie entstehen die digitalen Gesundheitsdaten oft in Form von Röntgenbildern, Fotos und Textdateien. «73 Prozent dieser Daten fallen in den 240 Spitälern, weitere 11 Prozent bei den schweizweit rund 12000 niedergelassenen Fachärzten an», sagt Studienleiter Florian Liberatore von der ZHAW. Er schätzt, dass die Einführung des elektronischen Patientendossiers zum Wachstum des Gesamtvolumens an Daten beitragen werde. GESELLSCHAFT & POLITIK Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_39731 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_46406 Anzeige Usability: sehr gut. Optimale Benutzungsqualität für sichere Bedienung. Rufen Sie uns an! 044 849 29 29 Wir machen Kompliziertes einfach! www.ergonomen.ch 21

Archiv