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IT for Health 02/2017

GESELLSCHAFT &

GESELLSCHAFT & POLITIK Forschen mit Gesundheitsdaten unter Kontrolle der Bürger Im Zuge der Digitalisierung werden persönliche Daten zur gesuchten Ressource: Ihre Aggregation und die Analyse der Datensammlungen erlauben neue Arten von Forschung. So ermöglichen Smartphones und Sensoren ganz neue Zugänge für die medizinische Forschung. Es ist zentral, dass die Aggregation personenbezogener Daten bei den Bürgern selbst erfolgt. Nur sie können diverse personenbezogene Datensets zusammenbringen, und gerade in der Kombination steigt der Wert der Datensammlung. Gleichzeitig stellt eine solche Sammlung personenbezogener Daten höchste Ansprüche an die Wahrung der Privatsphäre. Die Kontrolle über diese Sammlungen sollte nicht in den Händen Dritter liegen, und jeder sollte souverän entscheiden können, ob und mit wem solche Daten geteilt und wozu sie verwendet werden dürfen. Die Autoren Serge Bignens (l.), Institute for Medical Informatics, Berner Fachhochschule, Dominik Steiger, Geschäftsstelle Midata Bürgerkontrollierte Datenplattformen helfen der Forschung Im Modell der Midata-Genossenschaften sind diese Prinzipien realisiert: Die ETH Zürich und die Berner Fachhochschule entwickelten dazu eine IT-Plattform, die den Bürgern erlaubt, ihre Gesundheitsdaten zu sammeln und frei über deren Verwendung in Forschungsprojekten zu verfügen. Sie können damit als «Citizen Scientists» eine aktive Rolle in der medizinischen Forschung spielen. Die Plattform wird von einer gemeinnützigen Genossenschaft betrieben, die als Treuhänderin der Datensammlung agiert und die Souveränität der Bürger über die Verwendung ihrer Daten garantiert. Die Bürger tragen einerseits als Nutzer der Plattform aktiv zur Forschung bei, indem sie Zugang zu Datensets geben, andererseits als Genossenschaftsmitglieder zur Kontrolle und Entwicklung der Genossenschaft. Die Statuten der Genossenschaft schreiben ihre Natur als Non-Profit-Organisation fest und verankern die Souveränität der Nutzer über ihre Daten und deren Verwendung (auch in anonymisierter Form). Zur Kontrolle der datenethischen Qualität der Dienstleistungen und angebundenen Projekte existiert eine genossenschaftsinterne Ethikkommission, deren Mitglieder von der Generalversammlung gewählt werden. Die Datenplattform als Zentrum eines Innovations-Ökosystems Das Modell erlaubt die Trennung der IT-Plattform (Datenspeicherung, Zugangs- und Einwilligungsmanagement) von den Datenanwendungen (mobile Applikationen) und ermöglicht damit ein offenes Innovations-Ökosystem. Den Nutzern werden verschiedene Datendienstleistungen zur Verfügung stehen, und sie können entscheiden, ob sie an Forschungsprojekten teilnehmen. Startups, IT-Dienstleister und Forschungsgruppen können auf der Plattform mobile Apps anbieten, welche die datenbasierten Dienstleistungen liefern sowie Daten sammeln und analysieren. Die IT-Plattform ist operativ und wird derzeit in mehreren datenwissenschaftlichen Projekten genutzt. In einem Projekt zeichnen Patienten nach einer Magenbypass-Operation ihr Befinden, Fitness und Gewicht zuhause auf und teilen die Daten mit dem behandelnden Arzt am Inselspital Bern. In einem anderen Projekt am Universitätsspital Zürich prüfen Patienten, die an Multipler Sklerose leiden, den Effekt von Behandlungen mittels einer Tablet-App, die ihren kognitiven und motorischen Status testet. Weitere «Citizen Science»-Projekte sind in Vorbereitung. Mit Midata können Nutzer ihre verschiedenen gesundheitsbezogenen und anderen persönlichen Daten an einem einzigen, sicheren Ort speichern. Sie können ihre Daten mit Freunden oder Ärzten teilen oder bei Forschungsprojekten mitwirken, indem sie den Zugang auf ihre Daten teilweise freigeben. So können sie zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden beitragen. 22

Ressourcenschonung mit elektronischer Spitalrechnungsprüfung Gemäss Bundesamt für Statistik erhalten Kantone insgesamt jährlich mehr als 1,3 Millionen Spitalrechnungen für stationäre Behandlungen. Erfahrungswerte gehen von einem routinierten, manuellen Prüfaufwand von zirka 20 Minuten pro Rechnung aus. Die Unterstützung durch eine IT-Lösung hilft dem Kanton, Kosten zu sparen. GESELLSCHAFT & POLITIK Für stationäre Leistungen von Spitälern vergüten Kantone einen Anteil an den Kosten des Spitalaufenthalts pro Kantonseinwohner. Bei mehreren zehn- oder hunderttausend Rechnungen, die pro Jahr volumenmässig bei Kantonen manuell bewältigt werden müssen, ist dies zeitlich eine ausserordentliche Belastung von personellen Ressourcen. Denn je nach Grösse des Kantons werden 200 bis weit über 1000 Rechnungen pro Arbeitstag à 20 Minuten Prüfaufwand je Rechnung investiert. Es bedarf einiger Routine und hoher Fachkompetenz, die Rechnungsstellung effizient zu kontrollieren und den Entscheid zur Zahlung oder die Rückweisung zu verantworten. Und das ist bei Weitem nicht alles: Spezialfälle wie Wiedereintritte, Verlegungen, Tarifprüfungen oder Regressfälle sind nur einige der Hürden, die es zu bewältigen gibt. Nur, wie kann dieser Prozess vereinfacht und beschleunigt werden? Einfaches und effizientes Prüfen Die Gesamtprüfung der Rechnungen muss verschiedenen Gesetzesgrundlagen gerecht werden: In erster Linie dem Krankenund Invalidenversicherungsgesetz oder weiteren Sozialversicherungsgesetzen wie UVG und MVG. In zweiter Linie Gesetzen wie dem Datenschutzgesetz im Umgang mit sensitiven Daten und Bild: spotmatikphoto / Fotolia Spitalrechnungen elektronisch zu prüfen, spart Geld. Der Autor Walter Capozzolo, COO Leiter Products & Solutions, Löwenfels Partner deren Verschlüsselung sowie der Geschäftsbücherverordnung bezüglich revisionssicherer Archivierung. Ideale Voraussetzung ist der elektronische Empfang von Spitalrechnungen im XML-Format. In der Schweiz arbeiten bereits viele Spitäler mit Intermediären zusammen. Intermediäre sind eine Art «elektronischer Briefträger» für Spitalrechnungen. Sie führen erste formale Prüfungen von Rechnungen durch, bevor sie die Übermittlung der Daten über eine elektronisch gesicherte Leitung zu Kantonen, Versicherern und weiteren Stellen durchführen. Der elektronische Empfang von Spitalrechnungen in Form von XML-Belegen hat einige Vorteile. Rechnungen müssen nicht gedruckt und auf dem Postweg versendet werden. Und es fallen keine Arbeitszeiten für die manuelle Erfassung von Informationen für die Prüfung an. Komplexe Prüfprozesse werden heutzutage erfolgreich mit dem Einsatz von Enterprise-Content-Management-Lösungen (ECM) gelöst. Das ECM-System bearbeitet Unternehmensinformationen nach bestimmten Vorgaben, lenkt sie durch die Organisationen und stellt die Archivierung sicher. Dabei greifen verschiedene Softwarelösungen ineinander. Die Informationen werden aus Dokumenten oder Dateien ausgelesen, um anschliessend Prüfungen in eigenen Systemen und Datenbanken oder über Webservices mit Drittsystemen durchzuführen. Der Prüfungsumfang von Rechnungen kann unterschiedlich definiert werden. Oberster Grundsatz: Es werden alle Rechnungen elektronisch geprüft und rechtskonform archiviert. Durch die Unterstützung einer IT-Lösung kann der Prozess vollautomatisiert werden. Aufgrund der grossen Anzahl Rechnungen werden Stichprobenprüfungen empfohlen. Die Auskunftsfähigkeit zum aktuellen Stand im Prüfungsprozess wird vereinfacht und der manuelle Aufwand schrumpft auf ein Minimum. Somit steigt die Qualität und Geschwindigkeit. Die sinkende Fehleranfälligkeit schont das Haushaltsbudget, hilft dem Kanton, Kosten zu sparen, und schont die Umwelt. 23

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