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IT for Health 02/2017

FORSCHUNG & LEHRE

FORSCHUNG & LEHRE Wearable kontrolliert Ernährung gsa. Forscher des Dartmouth College haben ein Wearable-System vorgestellt, das den Kampf gegen Fettleibigkeit und ungesunde Ernährungsweisen erleichtern soll, wie Pressetext berichtet. Das Wearable kombiniert zwei Arten von Sensoren. Einer misst die elektrische Aktivität von Kaumuskeln und der andere hört quasi mit. Über das System könnten Pfleger erfassen, wann und wie viel Nahrung ein Patient zu sich nimmt. «Mit unserem Projekt wollen wir zeigen, wie man mit einfachen Sensoren und Algorithmen die Essgewohnheiten genauer erfassen kann, vor allem, wann und wie viel gegessen wird», kommentiert Shengjie Bi, Doktorand am Department of Computer Science des Dartmouth College, das Projekt. In einer Studie mit 20 Teilnehmern habe das System eine Messgenauigkeit von 90,9 Prozent gezeigt. Was noch fehlt sei eine Methode, um zu messen, was genau Patienten essen. Auf diese Weise könnte das Wearable auch erfassen, in welchem Umfang Eiweis se, Fette oder Zucker konsumiert werden. Klinik Barmelweid testet für Huawei gsa. Die Nordwestschweizer Klinik Barmelweid kooperiert mit dem IT-Hersteller Huawei für die Entwicklung der Fitnessuhr Huawei Fit. Ausser den verschiedenen Fitnessdaten misst die Uhr auch Schlafstadien. Die Schlafmedizin der Klinik Barmelweid fasste den Auftrag, Schlaffunktionen des Geräts zu validieren und im Rahmen eines Forschungsprojekts weiterzuentwickeln, wie die Klinik mitteilt. An dem Projekt beteiligen sich Forscher zweier Hochschulen. Ausser der Klinik Barmelweid misst auch das «Sleep and Circadian Neuroscience Institute» der Universität Oxford die Genauigkeit der Uhr. Mit der Doppelstudie sollen die Messergebnisse unabhängig voneinander bestätigt werden. Auch die Universität Harvard ist am Projekt beteiligt. Deren Forscher entwickelten den Algorithmus, mit dem die Schlafphasen ermittelt werden sollen. Die objektive Messung sei wichtig, weil die subjektiv wahrgenommene Schlafdauer und Schlafqualität vom tatsächlichen Schlaf erheblich abweichen könne, schreibt die Klinik. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_50442 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_50445 Kamera hilft Frühchen gsa. Forscher der ETH Lausanne (EPFL) und des Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) in Neuenburg haben ein Kamerasystem entwickelt. Dieses soll die heutzutage genutzten Hautsensoren ersetzen. Die Entwickler wollen wissen, wie gut die Kamera Herzaktivität und Atmung Neugeborener messen kann. Die Kamera könnte helfen, Hautsensoren zu ersetzen, da diese in 90 Prozent der Einsätze Fehlalarme aus- Das Kamerasystem soll Frühgeborenen helfen und Pflegern den Alltag erleichtern. lösten, etwa durch Bewegungen der Kinder, teilt die EPFL mit. Ausserdem empfänden Säuglinge die Sensoren auf der Haut als unangenehm. Die Kamera misst etwa den Puls von Frühgeborenen durch Veränderungen der Hautfarbe. Diese variiere während eines Herzschlags. Die Atmung werde über die Bewegungen der Schultern und des Brustkorbs beobachtet. Laut den Forschern sind die Kameras mit Infrarotsensoren für die Nacht ausgestattet. Erste Tests mit dem Kamerasystem würden am Unispital Zürich durchgeführt. Die Kameratechnik wurde von den drei Partnern als Teil des nationalen Forschungsprojekts Nano-Tera entwickelt. Das optische System stammt vom CSEM. Entwickler der EPFL arbeiteten am Algorithmus, mit dem der Puls gemessen wird und die anfallenden Daten in Echtzeit verarbeitet werden können. Ausserdem programmierten die Entwickler die Kamera dahingehend, dass sie Bewegungen verfolgt. Sollten die Ergebnisse am Unispital Zürich zufriedenstellend ausfallen, könnte die Kamera für Frühgeborene mehr Komfort und für Pflegekräfte weniger Fehlalarme bedeuten. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_50448 48

Mobile Früherkennung von Zoonosen Zoonosen sind Krankheiten und Infektionen, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden. In einem Forschungsprojekt arbeiten Experten aus den Bereichen Mensch- und Tiergesundheit, Ernährung, Mobiltechnologie und Datenanalyse zusammen, um Zoonosen frühzeitig erkennen und bekämpfen zu können. FORSCHUNG & LEHRE Das neu gestartete Projekt hat einerseits zum Ziel, Grundlagen zu «One Health», das heisst der engen Verknüpfung von Mensch- und Tiergesundheit, mittels eines «Massive Open Online Course» zu vermitteln, andererseits die Voraussetzungen für ein effizientes Monitoring-System zu schaffen, um die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Dafür soll ein auf mobiler Technologie basiertes Notfall- und Überwachungssystem in den Partnerländern Kenia, Äthiopien und Peru aufgebaut werden. Dorfbewohner, aber auch Nomaden mit ihren Tieren, sollen über mobile Geräte mögliche kritische Vorfälle an eine zentrale Stelle melden und gleichzeitig Zugang zu medizinischer Hilfe erhalten. In der Entwicklung arbeiten wir eng mit Kollegen und Studierenden von Partneruniversitäten zusammen, um deren Präferenzen und Erwartungen in puncto Design, Funktionalität und Support zu eruieren. Während bei dieser Zielgruppe gute Computer- und Englischkenntnisse vorausgesetzt werden können, trifft dies auf die Endanwender des Notfallsystems weniger zu. Dazu zählen auch (Fast-)Analphabeten, weshalb zur Informationsvermittlung die Verwendung von Bildern oder Bildgeschichten geprüft wird. Zudem soll untersucht werden, inwieweit auch neuere Technologien wie «Conversational Interfaces» (wie Amazon Echo) eingesetzt werden könnten. Anpassung an lokale Infrastruktur Wichtig ist, im Vorfeld die technischen Rahmenbedingungen wie etwa die Netzabdeckung oder Verfügbarkeit mobiler Technologie sowie geeignete Indikatoren zur Früherkennung von Seuchen und zu deren Verbreitung im Vorfeld zu eruieren. Gleichzeitig wird untersucht, inwieweit sich vorhandene Lösungen (z. B. www.epitrack.tech) für unsere Zwecke anpassen, beziehungsweise ob sich aus bisherigen Projekten Empfehlungen ableiten lassen. Eine rudimentäre Prototypentwicklung für das Notfallund Überwachungssystem zeigt die Grafik. Die Autoren Edith Maier, Professorin für Wirtschaftsinformatik Sandro Emmenegger, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Informations- und Prozessmanagement, FHS St. Gallen Die Mobilkommunikation wächst in keiner Region so schnell wie in den Ländern südlich der Sahara. Für eine Notfallanfrage wird daher eine App eingesetzt, die in ihrer einfachsten Form einen Notruf für ein Mensch- oder Tierproblem absetzt und dabei die GPS-Standortdaten sowie die Telefonnummer zur Identifikation übermittelt. Auf dem Health System Server wird für jeden eingegangenen Notruf automatisch ein Fall eröffnet und einer Fachperson oder Gruppe zugeordnet. Die Fachperson im nationalen Gesundheitszentrum ruft darauf auf die Mobilnummer zurück, klärt das Problem genauer ab, erfasst zusätzliche Angaben im System und entscheidet über das weitere Vorgehen. Das heisst, dass entweder ein Arzt beziehungsweise Tierarzt einen Besuch vor Ort abstattet, die Patienten an ein Krankenhaus oder eine Tierklinik vermittelt oder Proben für weitere Abklärungen anfordert. Technisch soll das System Geräte und Netzwerke verschiedener Mobilfunkgenerationen berücksichtigen. Obwohl Abdeckung und Verfügbarkeit von Geräten der 4. und vor allem 3. Mobilfunkgeneration in den Zielländern stark zunehmen, läuft noch viel über das GSM-Netz der 2. Generation. In diesem Fall erfolgt die Datenübermittlung im Hintergrund automatisch mittels SMS. Vollständiger Artikel mit Referenzen online: www.netzwoche.ch ▸ DPF8_55168 Health System und Datenbank Notruf App Notruf SMS / 4G / 4G Arztbesuch / Probenentnahme Rückruf / Erstabklärung Mobiles Notfallund Überwachungssystem 49

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