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IT for Health 02/2020

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E-HEALTH KONKRET Top

E-HEALTH KONKRET Top down geschehe, schreibt die Lindenhofgruppe. Der Schweizer Ansatz für das EPD sei nur bedingt zielführend, die doppelte Freiwilligkeit ein Hindernis. Um das Problem anzupacken, haben das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation und das Bundesamt für Gesundheit die Initiative «Swiss Personalized Health Network» (SPHN) ins Leben gerufen. Sie soll Standards für Formate, Semantik und Governance schaffen und so die Interoperabilität erhöhen. Die Inselgruppe macht bei SPHN mit. Sie erhofft sich dadurch Verbesserungen in der Prävention, Diagnose, Therapie und Genesung von Krankheiten. Profitieren soll auch die transdisziplinäre Forschung. Auch das Universitätsspital Zürich findet das SPHN sinnvoll. Ein weiteres Beispiel für mehr Interoperabilität ist der «eMediplan» des Vereins eHealth Zentralschweiz. Er enthält die aktuelle Medikation von Patienten in verschiedenen Formaten, etwa Papier, QR-Code und maschinenlesbarer Code. Das vereinfacht den Austausch von Medikamenten zwischen Hausärzten, Apotheken und Spitälern. Das Luzerner Kantonsspital will sich dem «eMediplan» 2021 anschliessen. Die Cloud hält Einzug in Spitälern Eine Möglichkeit, um mit der Datenflut im Gesundheitswesen umzugehen, sind Cloud- und Big-Data-Technologien. Die Insel Gruppe nutzt diese etwa für die automatisierte Erkennung von Mustern und für die Analyse und Strukturierung grosser Datenmengen. Noch wenig verbreitet sei der Einsatz von Cognitive Computing. Solche Anwendungen kommen laut Grub nur bei spezifischen klinischen Expertensystemen zum Einsatz. Auch das Kantonsspital Graubünden setzt auf die Cloud. Allerdings nur, wenn es möglich sei, die Daten ausschliesslich in der Schweiz zu halten, sagt Pfund. Big-Data-Technologien und Cognitive Computing seien hingegen noch nicht im Einsatz. «Wo die Anforderungen an die Datensicherheit gewährleistet sind, werden punktuell heute schon Cloud-Lösungen eingesetzt», sagt Schraner. Cognitive Computing stehe hingegen erst am Anfang. Beim Luzerner Kantonsspital liegen die Patientendaten im eigenen Rechenzentrum. Heute sei es aus Kostengründen und der Komplexität grosser Daten-Repositorys aber gar nicht mehr möglich, alle Daten lokal zu halten, so Hunziker. «Die Cloud ist aus Compliance-Sicht anspruchsvoll», warnt Warnke vom Universitätsspital Zürich. Für die Aufbereitung von Daten, die Prozessoptimierung und die Unterstützung von klinisch-diagnostischen Entscheidungen seien aber künstliche Intelligenzen im Einsatz. Big-Data-Anwendungen mit Milliarden von Datenpunkten gebe es allerdings eher wenige. Die Lindenhofgruppe teilt mit, dass sie noch keine Cloud- und Big-Data-Technologien nutze. Die Hürden seien aufgrund der Rechtslage hoch. Was bringen Wearables? Ein weiterer Trend ist die private Aufzeichnung von Aktivitäts- und Gesundheitsdaten. Können Spitäler von der Quantified-Self- Bewegung profitieren? Die Insel Gruppe erhofft sich Erkenntnisse für die Krankheitsbilder der Patienten. Für die Nutzung der Daten brauche es aber Investitionen in Datenerschliessung und Analytics, sagt Warnke. Sie hofft, dass die Patienten nun selbst Verantwortung für die Vermeidung von typischen Zivilisationskrankheiten übernehmen. Das würde die Rolle der Leistungserbringer neu definieren – vom Therapeuten hin zum Coach für Gesundheit und Lebensqualität. Wearables könnten in Zukunft bei der Behandlung von chronischen Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle spielen, sagt Pfund. Die Geräte sollten dafür allerdings als Medizingeräte zertifiziert sein. Auch die Lindenhofgruppe ortet das grösste Potenzial von Wearables im Umgang mit chronischen Krankheiten. Wenn Patienten die Daten blockieren Besonders heikel ist der Umgang mit persönlichen Gesundheitsdaten. «Es gibt Widerstände und Ängste seitens der Patienten», sagt Grob. Gerade bei seltenen Krankheiten sei es aber wichtig, dass man die Daten zu Forschungszwecken verwenden könne, um die Stichprobengrösse zu erhöhen. «Es macht einen Unterschied, ob man es mit Digital Natives oder Digital Nomads zu tun hat», ergänzt Pfund. Die Natives würden meist lockerer mit der Weitergabe persönlicher Daten umgehen. «Der Skepsis kann man nur begegnen, indem die digitalisierten Lösungen sämtliche Anforderungen an den Datenschutz erfüllen», stellt Schraner fest. Warnke fordert, dass die Spitäler durch Transparenz und Aufklärung Vertrauen schaffen. Im Forschungskontext sei der «General Consent» für die Weiterverwendung von Daten und Proben und der «Informed Consent» für spezifische Projekte wichtig. Man halte sich dabei an die Vorgaben von Humanforschungsgesetz und -verordnung. So könne das Spital garantieren, dass keine Daten zu Forschenden gelangen, bevor eine Bewilligung der Ethikkommission für das Projekt vorliege. Im Durchschnitt würden 85 Prozent der Patienten dem General Consent zustimmen. Das Den Beitrag Coronavirus habe beim Abbau finden Sie auch des Widerstands übrigens wenig bewirkt, sagt online www.netzwoche.ch Warnke. 10

« Der Umgang mit medizinischen Daten ist eine ethische Herausforderung » Es ist nicht nur wegen Corona eine spannende Zeit, IT-Manager im Gesundheitswesen zu sein. Hirslanden-CIO Charl Goosen verrät im Interview, welche Herausforderungen sein Job mit sich bringt – und warum ein Patient schnell mal 1 Terabyte an Daten generiert. Interview: Marc Landis, Redaktion: Marcel Urech E-HEALTH KONKRET Sie sind seit April 2019 CIO der Hirslanden-Gruppe. Welche Projekte haben Sie seither lanciert? Charl Goosen: Die IT ist bei Hirslanden in eine funktionale Organisationsstruktur eingebettet. Alle neuen IT-Projekte müssen immer im Einklang mit der Gruppenstrategie sein. Seit ich das Steuer übernommen habe, liegt der Fokus der IT darauf, unsere digitale Transformation und die Standardisierung sowie Integration der Legacy-IT und des Backoffice voranzutreiben. Wichtig ist dabei das Projekt HIT2020, mit dem wir alle Hirslanden- Kliniken in ein Standard-Organisationsmodell integrieren. Gibt es aktuell auch ein IT-Projekt, von dem die Kunden direkt profitieren? Die Präzisionsmedizin wird neue Möglichkeiten für individuelle Behandlungsstrategien und Therapien ermöglichen. Wir werden dafür in der Schweiz eine neue Lösung lancieren, höchstwahrscheinlich im März oder April 2021. Dabei müssen wir aber besonders vorsichtig sein. Will ein Kunde zum Beispiel wirklich wissen, ob er im Verlaufe seines Lebens eine Erbkrankheit bekommen wird oder nicht? Die Präzisionsmedizin basiert auf persönlichen medizinischen Daten, es ist höchste Vorsicht geboten. Hirslanden wird für ein solches Angebot enorm viele Daten brauchen … … ja, rund 1 Terabyte pro Behandlungsfall. Aber je mehr Daten wir analysieren können, desto besser. Wie wir mit diesen Daten umgehen, ist entscheidend für die Akzeptanz einer solchen Lösung. Das ist ethisch eine Herausforderung, viele Fragen müssen erst noch geklärt werden. Charl Goosen, CIO, Hirslanden-Gruppe. Wir sind daran, die Erfassung der Daten mit unserem HIT2020- Projekt über die ganze Gruppe hinweg zu standardisieren. Die Datenqualität ist gut, es gibt aber zwei Knackpunkte: Die Legacy-IT erschwert die Integration von neuen Spitälern, und ein grosser Teil der Daten in den Spitälern ist unstrukturiert. Es ist eine grosse Herausforderung, diese Daten sinnvoll zu strukturieren. Viele sind zum Beispiel in PDFs versteckt, die standardisiert werden müssen. Wo sehen Sie das grösste Potenzial für die Nutzung von Daten bei Hirslanden? Unsere datenanalytische Strategie wird von einer internationalen Gruppenperspektive getrieben. Medizinische Vorhersagemodelle haben aber sicher ein grosses Potenzial. Wir haben dies intern beim Thema Covid-19 in der Vorhersage des Peaks der ersten Welle und der Vorhersage einer möglichen zweiten Welle gesehen. Es gibt uns Hinweise darauf, wie wir in den Kliniken am besten mit dem Coronavirus umgehen können. Entscheidend ist auch die Qualität der Daten. Ist diese in der Hirslanden-Gruppe überall gleich hoch? Wie können Sie dieses Problem lösen? Ein einheitliches elektronisches Patientendossier wird uns dabei helfen. Wir wollen es Ende 2022 komplett implementieren, aber das ist schwierig vorauszusagen bei der aktuellen Corona- Situation. Aktuell gibt es in unserer Legacy-IT vier oder fünf Systeme, die Funktionen des EPDs abdecken. Was die PDFs betrifft, untersuchen wir verschiedene Technologien, unter anderem von Google. Um unsere Umwelt weiter zu konsolidieren und zu strukturieren, ziehen wir in Betracht, die Cloud- Das Interview Technologie zu nutzen – das finden Sie auch ist ein weiteres grosses Thema in unserer online www.netzwoche.ch IT-Strategie. 11

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