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IT for Health 02/2020

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GESELLSCHAFT &

GESELLSCHAFT & POLITIK « Bei Datenschutz und Privatsphäre geht es auch um eine kulturelle Einstellung » Elektronisches Patientendossier, Daten in der Cloud, künstliche Intelligenz – Daten sind die Basis des modernen Gesundheitssystems. In diesem Zusammenhang will ein neuer Verein namens Swiss Healthcare Privacy Professionals über die neuesten nationalen und internationalen Entwicklungen auf dem Gebiet des Persönlichkeits- und Datenschutzes informieren. Interview: Marc Landis Warum braucht es den Verein Swiss Healthcare Privacy Professionals? Ursula Uttinger: Allgemein befinden wir uns in einer Zeit grosser Übergänge und Veränderungen. Daten wachsen exponentiell, die Technologie schreitet immer schneller voran, gerade im Gesundheitswesen werden Daten vermehrt digital verarbeitet. Datenschutz und Privatsphäre sind ein wichtiger Teil des Digitalisierungsprozesses, den wir im Gesundheitssektor erleben und der durch die Covid-19-Pandemie noch verstärkt wurde. Weitere Stichworte sind das elektronische Patientendossier, Daten in der Cloud, künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Wir dürfen nicht vergessen, dass praktisch alle Daten im Gesundheitswesen besonders schützenswert sind. Die Ressourcen für Datenschutz und Datensicherheit hingegen sind eher knapp. Insofern soll dieser Verein den betrieblichen, für den Datenschutz verantwortlichen Personen ermöglichen, sich gegenseitig auszutauschen und von Erfahrungen zu profitieren. Bei Datenschutz und Datensicherheit sitzen Gesundheitsorganisationen miteinander im gleichen Boot, gerade auch, weil sehr oft Daten zwischen diesen ausgetauscht werden. Die Branche hat hier gemeinsame Interessen; Datenschutz und Datensicherheit sind, auch wenn dies vereinzelt behauptet wird, kein Marketingvorteil, bei dem es sinnvoll wäre, das Wissen für sich zu behalten. Die Branche sollte einen ähnlichen Standard haben – und dies geht nur, wenn man zusammenarbeitet und sich gegenseitig unterstützt. Die Gründung der Vereinigung trägt dazu bei, den richtigen Akzent auf Datenschutz und Privatsphäre zu setzen, und dies ist wichtig für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Datenschutz und Privatsphäre ist nicht nur juristisch oder technisch, vielmehr geht es auch um eine kulturelle Einstellung. Wir sollten beachten: Privatsphäre und Datenschutz sind ein komplexes Thema – und die Privatsphäre ist ein Menschenrecht, festgehalten in Art. 12 der UNO- Menschenrechtskonvention. Eine vertiefte Auseinandersetzung darüber, was das für die Gesundheitsbranche bedeutet in einem Kreis von Personen aus der Branche, lohnt sich. Die Juristin Ursula Uttinger ist Präsidentin des Vereins Swiss Healthcare Privacy Professionals. Welche Anliegen vertritt der Verein aktuell? Von «Anliegen» kann man nicht direkt sprechen. Der Verein möchte seinen Mitgliedern ausser der Förderung des Erfahrungsaustauschs ermöglichen, sich intern weiterzubilden, indem er Fachtagungen zu Persönlichkeits- und Datenschutz im Bereich Gesundheitswesen organisiert. Darüber hinaus will der Verein die Mitglieder über die neuesten nationalen und internationalen Entwicklungen auf dem Gebiet des Persönlichkeits- und Datenschutzes informieren. Wer soll warum Mitglied bei Swiss Healthcare Privacy Professionals werden? Der Verband richtet sich an Fachleute für den Datenschutz, die an der vordersten Front des Gesundheitswesens leben und arbeiten. Ihre tägliche Erfahrung trägt dazu bei, dieses Netzwerk von Fachleuten zu bereichern und einen gesunden und produktiven Austausch von Know-how und Best Practices zu fördern. Juristen, Datenschutzbeauftragte, Beauftragte für Informationssicherheit, Spezialisten für Patientenbeziehungen und viele andere, die im Bereich des Gesundheitswesens arbeiten, sind 20

willkommen. Wichtig: Die Mitgliedschaft ist verbunden mit der Anstellung in einer entsprechenden Organisation; Beratungsunternehmen können nicht Mitglied werden. Die Unabhängigkeit und Neutralität des Vereins ist zentral. Wer steht hinter dem Verein? Wer sind die Initianten? Hinter dem Verein stehen Datenschutzverantwortliche aus der ganzen Schweiz, die in Spital, Klinik oder Non-Profit-Organisationen arbeiten; die Romandie ist noch nicht im Vorstand vertreten. Die Datenschutzverantwortlichen der Gründungsmitglieder kennen sich aus Weiterbildungsveranstaltungen. Dabei haben sie festgestellt, dass sie ähnliche Fragestellungen haben und es keine Organisation gibt, in der man sich branchenspezifisch austauschen kann. In der Gesundheitsbranche ist zu berücksichtigen, dass sehr oft auch kantonale Datenschutzgesetze relevant sind. Auch wenn diese von Kanton zu Kanton unterschiedlich sind, gibt es Parallelen. Spannend ist übrigens, dass das Interesse der Tessiner Medien, mehr über den Verein zu erfahren, viel grösser war als in der Deutschschweiz: Sowohl ein Lokalradio als auch das Regionaljournal Tessin haben mit dem Vizepräsidenten des Vereins ein Interview geführt. In der Deutschschweiz war das Echo bis jetzt sehr mässig. Gerne kann man sich auf der Homepage, die in der nächsten Zeit noch ergänzt wird, weiter informieren und auch eine Mitgliedschaft beantragen: www.shpp.ch. Wie schätzen Sie die Wichtigkeit von Daten - schutz in Zeiten von Corona beziehungsweise Covid-19 ein? Grundsätzlich sind Daten neutral, sie sind weder gut noch schlecht. Die Frage, die wir kritisch prüfen müssen: Wer macht was mit den Daten und Informationen? Sicherlich sollten Daten korrekt sein. Doch auch Themen wie Verhältnismässigkeit, Umsetzung von Transparenz und informationeller Selbstbestimmung sollten immer wieder hinterfragt werden. Genauso wie wir Antikörper entwickeln müssen, um das Virus zu überwinden, müssen wir auch eine angemessene «Immunantwort» entwickeln, indem wir etwa die demokratische Kultur unserer Gesellschaft nutzen, um ein Gleichgewicht zwischen der Achtung der Privatsphäre von Mitarbeitenden und Patienten und den Bedürfnissen nach Informationen zu gewährleisten. Das Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch GESELLSCHAFT & POLITIK Die Schweizer Start-up-Szene blüht Bild: Krol / Shutterstock kfi. Die Schweiz hat eine dynamische, sich schnell entwickelnde Start-up-Landschaft im Bereich Digital Health. Zu diesem Schluss kommen die ZHAW School of Management and Law sowie der Digital Health Thinktank Health-Trends in einer Studie. Von den aktuell insgesamt zwischen 180 bis 200 Jungunternehmen sei eine Mehrheit in den Segmenten «Data Health» und «Tech Health» zu verorten, teilt die ZHAW mit. «Wir gehen davon aus, dass sich der Bereich Digital Health und die dazugehörige Start-up-Szene in den kommenden Jahren rasant weiterentwickeln. Durch die Covid-19-Pandemie dürfte sich dieser Trend noch stark beschleunigen», lässt sich Alfred Angerer, Leiter der Fachstelle Management im Gesundheitswesen am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der ZHAW School of Management and Law, zitieren. «Der hohe Anteil von Start-ups in Tech Health und Data Health illustriert zudem, wie wichtig Hightech-Kompetenzen für Innovationen im Digital-Health-Umfeld sind.» Viele Start-ups nutzten Technologien wie künstliche Intelligenz, Cloud Computing oder das Internet of Things. Rund die Hälfte hat bereits ein ausgereiftes Produkt zu bieten Rund drei Viertel der untersuchten Digital-Health-Start-ups bieten laut Studie digitale Produkte und Dienstleistungen in medizinischen Kernbereichen wie Prävention, Symptomerfassung, Inform ationssuche, Diagnose und Therapie an. Dazu gehören digitale Symptomprüfer oder Online-Informationsplattformen, etwa für die Suche nach Ärzten oder Therapeuten. 80 Prozent der Start-ups seien im B2B-Bereich tätig und konzentrierten sich auf Spitäler, Ärzte, Krankenversicherungen oder Pharmaunternehmen als Kunden. Ungefähr die Hälfte der Start-ups verfüge zum aktuellen Zeitpunkt bereits über ein gut ausgereiftes Produkt- oder Dienstleistungsangebot. Ein weiteres Viertel habe mindestens ein Angebot in Form von Prototypen, deren Marktnachfrage zurzeit validiert würde. Die Untersuchung beruht auf einer Onlineumfrage unter 42 Schweizer Start-ups, die im Zeitraum von Juli bis Dezember 2019 stattfand. Mehr als die Hälfte der untersuchten Startups befinden sich im Raum gen Artikel fin- Den vollständi- Zürich und beschäftigen den Sie online www.netzwoche.ch höchstens 5 Mitarbeitende. 21

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