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IT for Health 1/2018

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GESELLSCHAFT &

GESELLSCHAFT & POLITIK Das Gesundheitswesen unter dem Eindruck der Digitalisierung mla. Unter dem Motto «Mensch und Technologie – Digitale Dynamik ohne Grenzen?» hat Anfang November 2017 in Bern der 60. Kongress des Spitalverbandes H+ mit rund 400 Teilnehmern stattgefunden. Die Veranstaltung zeigte, dass die Digitalisierung definitiv im Gesundheitswesen angekommen ist. Referenten aus Politik und Wirtschaft trugen ihre Keynotes zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung im Gesundheitswesen vor. Begrüssung durch Isabelle Moret In ihrer Präsidialadresse äusserte sich H+-Verbandspräsidentin Isabelle Moret offen gegenüber der Digitalisierung und «Roboterisierung» im Gesundheitswesen. Aber nicht alles, was eine Maschine für die Menschen tun könne, sei auch erwünscht. «Dass Roboter Aufgaben in der Pflege von Menschen übernehmen, mutet hierzulande noch fremd an. Ebenso, dass ein Computer autonom eine Diagnose stellt», sagte Moret. Dennoch sieht sie in der Digitalisierung des Gesundheitswesens Chancen, Ärzte und Pflegepersonen bei ihrer täglichen Arbeit zu entlasten. Etwa durch künstliche Intelligenz und Robotik, die «uns bei Diagnosen, Krankheitsverläufen und Operationen unterstützen». Moret rief dazu auf, Innovation zu fördern, aus Daten Wissen zu generieren, die Spitäler und Kliniken «nutzbringend» zu digitalisieren und gemeinsam die «Medizin der Zukunft zu gestalten, zum Wohle der Patientinnen und Patienten». Doch dabei sollten «die Risiken und Nebenwirkungen im Auge behalten» werden. Vorgehen in kleinen Schritten Auf Morets Begrüssung folgte die Keynote von Think-Tank-Gründer Michael Sigrist. Er sprach über die Rolle der Daten, darüber, wie sie entstehen und was mit ihnen geschieht, also «Datengenese, Datenanalyse, Datenspeicherung und Datentransport». Bei all den Daten müssten der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen, und es müsse eine übergeordnete Vision geben, wie mit der Digitalisierung – auch im Gesundheitswesen – umzugehen sei. Sigrist plädierte für ein Vorgehen in kleinen Schritten. Denn die Digitalisierung gehe vor allem auch mit einem kulturellen Wandel einher. Diesen gelte es zu begleiten, wie jeden Change-Prozess. Und: «Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte auch gemacht werden», sagte Sigrist. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_71757 Digitalisierung in den Spitälern nimmt Tempo auf jsc. Für ihre Studie zu E-Health 2017 haben Swisscom und MSM Research 44 Schweizer Spitäler, Heime und Kliniken befragt. Die Digitalisierung in den Spitälern nehme Tempo auf, schreibt Swisscom zum Ergebnis. 70 Prozent der Kliniken und Heime hätten bereits eine E-Health-Strategie oder arbeiteten daran. 60 Prozent der Häuser hätten die E-Health-Verantwortung in der Organisation oder in einem Projektteam verankert. Die Umsetzung von ICT-Projekten erfolge bei 40 Prozent mit Unterstützung von externen Partnern. Der Anteil werde sich bis 2019 auf 55 Prozent steigern, prognostiziert Swisscom, die selbst als einer der möglichen Partner auftritt. Die Studie lasse den Schluss zu, dass die Einführung des elektronischen Patientendossiers (EPD) den Prozess der Digitalisierung als Katalysator vorantreibe. «Mit der technischen Infrastruktur des EPD können die Spitäler zusätzlich neuartige digitale Prozesse abwickeln, die ihre Effizienz entscheidend steigern», sagt Thomas Bachofner, CEO von Swisscom Health. Kantone Bern und Zürich bündeln Kräfte im Bereich E-Health cgr. Die Kantone Bern und Zürich haben den Verein «Canto sana» gegründet. Sie vertreten darin gemeinsam die Interessen der Kantone bei der nicht gewinnorientierten Aktiengesellschaft Axsana. Diese entwickelt ein elektronisches Patientendossier für die Kantone und Leistungserbringer. Die Regierungsräte Pierre Alain Schnegg, Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kantons Bern, und Thomas Heiniger, Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich, unterzeichneten die Vereinbarung am 26. Oktober 2017. Axsana- Geschäftsführer Samuel Eglin hatte diesen Schritt bereits in einem Interview in der September-Ausgabe von «IT for Health» angekündigt. Das Ziel von Axsana sei es, die «grösste Stammgemeinschaft der Schweiz zu werden». Bei der Entwicklung des Patientendossiers gelte es, die Vorgaben des Gesetzes einzuhalten. Erst mit den Mehrwertdiensten, die unabhängig vom Patientendossier seien, könnten sich die Leistungserbringer unterscheiden. Für Eglin ergebe es daher keinen Sinn, mehrere Patientendossiers parallel zu entwickeln, sagte er im Interview. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_71353 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_65602 10

Smartphones können Medizinkosten senken In einer Studie hat KPMG untersucht, wie stark Smartphones zur Senkung der Gesundheitskosten beitragen können. Das Schweizer Gesundheitswesen könnte fast 300 Millionen Franken im Jahr einsparen. Vor allem die Behandlungsphasen könnten stärker digitalisiert werden. Autor: Christoph Grau GESELLSCHAFT & POLITIK Aufwand Zeitaufwand und Einsparpotenzial über fünf Behandlungsstationen Traditioneller Patientenpfad Digitaler Patientenpfad Einsparpotenzial in Minuten Einsparpotenzial in CHF Physische Patientenaufnahme 32 8 24 16 Anzahl 4 1 Dauer in Minuten 8 8 Terminvereinbarungen 25 10 15 10 Anzahl 5 5 Dauer in Minuten 5 2 Austausch medizin. Verlauf 48 0 48 33 Anzahl 4 0 Dauer in Minuten 12 0 Einsparpotenzial Total 87 59 Das Schweizer Gesundheitssystem sei eines der teuersten der Welt, schreibt etwa das Schweizerische Gesundheitsobservatorium. Pro Kopf lagen die Ausgaben 2014 bei 759 Franken im Monat. Dies sind 11 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsprodukts, wie das Beratungsunternehmen KPMG in der Studie: «Clarity on Healthcare – Digitalisierung: Potenziale im Gesundheitswesen» schreibt. Die Kosten pro Kopf steigen weiter, weshalb die Kostenexplosion im Gesundheitswesen ein Dauerbrenner in der Schweizer Politik ist. Patientenpfade bieten grösste Einsparpotenziale In einer Studie untersuchte KPMG, ob neue technische Geräte wie Smartphones und Wearables helfen könnten, die Kosten zu senken. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Einsparpotenzial bei fast 300 Millionen Franken im Jahr liegt. Vor allem in der Digitalisierung des sogenannten Patientenpfades sieht KPMG viel Potenzial. Wearables und Gesundheitsapps könnten etwa Informationen zu Vitalwerten an telemedizinische Einrichtungen übermitteln, was deutlich günstiger sei als der persönliche Kontakt. Auch der Patient würde profitieren, denn er spare Zeit, müsse nicht mehr physisch vor Ort sein und er könne sein Anliegen unabhängig von Öffnungs- oder Bürozeiten vorbringen. Auch das Buchen von Terminen über Apps spare Zeit, ebenso wie der digitale Versand von Dokumenten über Plattformen wie das elektronische Patientendossier. Das Einsparpotenzial für den digitalen Patientenpfad berechnet KPMG mit 87 Minuten beziehungsweise 59 Franken pro Patient. Dabei wurde vorausgesetzt, dass der Patient die fünf Stationen Hausarzt, Spezialist, Akutspital, Rehabilitation und wieder Hausarzt durchläuft. Digitalisierung verspricht noch mehr Einsparungen Im Folgenden erstellte KPMG eine Hochrechnung. Als Basis dienten die vom Bundesamt für Statistik erhobenen 1,4 Millionen Spitalaufenthalte und die 16,8 Millionen spitalambulanten Konsultationen pro Jahr. Errechnet wurden dabei Einsparungen in der Höhe von 300 Millionen Franken (siehe Grafik). KPMG betont, dass es sich dabei um eine konservative Schätzung handle, der Nutzen demzufolge noch grösser ausfallen könnte. Es habe sich gezeigt, dass das Einsparpotenzial besonders hoch sei, wenn viele Stationen durchlaufen würden. Dies betreffe vor allem chronisch kranke Patienten, die 80 Prozent der Gesundheitskosten verursachten. Gemäss KPMG ist die Digitalisierung des Patientenpfads ein kleiner Bereich. «Mit Blick auf die enormen Skaleneffekte der Digitalisierung könnte dieses Potenzial deutlich gesteigert werden. Würde das elektronische Patientendossier – gekoppelt an die Möglichkeiten eines Smartphones – konsequent genutzt, wäre die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Patientendaten gewährleistet, wodurch wiederum die Qualität in der medizinischen Versorgung merklich gesteigert und dem ungebremsten Kostenanstieg im Schweizer Gesundheitswesen Einhalt geboten werden könnte», resümiert Marc-André Giger, Gesundheitswesen-Spezialist von KPMG, die Studienergebnisse. 11

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