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IT for Health 1/2018

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GESELLSCHAFT &

GESELLSCHAFT & POLITIK Wie kann ich mir das vorstellen? Die IT hat zunächst das Programm entsprechend der erhobenen Prozesse konfiguriert. Danach gingen die Mitarbeiter der IT auf die Stationen und haben die Arbeit des Personals simultan nachvollzogen. Durch diese sogenannten Schattenläufe wollten wir Fehler frühzeitig erkennen. Auch konnten wir alle möglichen Anwendungsbeispiele vorab testen, bevor wir starteten. So stiessen wir auch immer wieder auf Situationen, die wir vorher nicht bedacht hatten. Insgesamt führten wir pro Station drei bis sechs Schattenläufe durch. Mit diesem Vorgehen konnten wir mit einem schon fast fertigen Produkt starten, was für die Akzeptanz der Nutzer zentral war. Die Einführung lief sogar so gut, dass sich die Abteilungen darum beworben haben, das System noch früher zu bekommen. Es ist so, als ob Sie vor dem Apple-Shop übernachten, um das erste neue iPhone zu bekommen. So etwas habe ich im Spital noch nie erlebt. Für mich ist es auch ein Kompliment, dass wir wohl etwas richtig gemacht haben. Welchen weiterführenden Nutzen konnten Sie durch die Digitalisierung der Kurve erzielen, mal abgesehen davon, dass Sie mit weniger Papier hantieren müssen? Tatsächlich sind wir mit der Umstellung bei der Dokumentation und Verordnung nicht schneller geworden, dazu war der Papierprozess schon viel zu gut optimiert. Aber wir können re dundante Eingaben vermeiden und sehr viel mehr analysieren. Wir haben zum Beispiel ein automatisches Austrittsdatum eingeführt. So können wir die Bettenplanung optimieren. Dies haben wir schon länger ohne Erfolg versucht und es hat nicht funktioniert. Es gab täglich Rapporte, an denen wir den Austritt der Patienten besprachen. Jetzt kann dies digital unterstützt werden. Eine wirkliche spitalweite Bettenkoordination bekam damit eine Grundlage. Dies entwickeln wir jetzt weiter. Zudem können wir automatisch prüfen, ob bei allen Patienten die zentralen Stammdaten eingetragen sind. Dies ist ein wichtiges Thema, wenn es etwa um Patientenverfügungen bezüglich Wiederbelebung geht. Wir müssen bei unserer täglichen Arbeit unbedingt ZUR PERSON Jens Eckstein, geboren 1969 in Heilbronn am Neckar, studierte Humanmedizin an den Universitäten Freiburg und Lübeck, der Tulane Medical School New Orleans (USA) sowie an der Universität Basel. Seine medizinische Dissertation veröffentlichte er zur «Entwicklung einer Herzklappenprothese». In einer weiteren Dissertation (PhD) befasste er sich mit dem hochauflösenden Mapping von Herzrhythmusstörungen. Er wurde Facharzt für Kardiologie und für Innere Medizin und habilitierte 2013 an der Universität Basel. Im selben Jahr wurde er auch zum Leitenden Arzt am Universitätsspital Basel befördert. Seit 2017 ist er neben seiner medizinischen Tätigkeit Chief Medical Information Officer (CMIO) am Universitätsspital Basel. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_81410 sicher und zuverlässig wissen, wie der Patientenwille in einer unerwarteten Notfallsituation lautet, um auch entsprechend handeln zu können. Solche Situationen haben wir fast täglich im Haus und die ortsunabhängige Verfügbarkeit dieser Informationen ist eine wichtige Verbesserung. Welche Vorteile gibt es für die Behandlung durch die Ärzte? Wir haben jetzt Alarmfunktionen und einen sogenannten Decision-Support hinterlegt. Wenn ein Arzt zum Beispiel zwei Medikamente verordnet, die in der Regel nicht zusammen gegeben werden sollten, dann gibt es automatisch eine Rückmeldung vom System. Es fragt, ob der Arzt sich bei der Verordnung sicher ist. In manchen Fällen macht man eine solche Verschreibung ganz bewusst, dann kann das System überstimmt werden. Aber nicht selten ist es so, dass der Arzt auf ein potenzielles Problem aufmerksam gemacht wird und die Verordnung anpassen kann. Das Programm erkennt auch, wenn sich gewisse Werte eines Patienten plötzlich verändern, denn es wertet die Laborwerte der Patienten aus. Es weist zum Beispiel darauf hin, wenn die Nierenfunktion schlechter geworden ist, dass man bei manchen Medikamenten die Dosierung anpassen sollte. Und was planen Sie in Zukunft noch zu implementieren? Der nächste Schritt sind standardisierte Verordnungspfade. Das wäre zum einen eine weitere Arbeitserleichterung und zum anderen würde es ermöglichen, die neuesten Standards jeweils als Standardbehandlung vorzuschlagen. Bei einem Herzinfarkt gibt es etwa einen typischen Behandlungspfad, der automatisch durchlaufen werden kann. Dadurch geht nichts vergessen. Wir arbeiten gerade an den ersten Prozessen. Es gibt noch ein weiteres Projekt, das ist eigentlich das spannendste. Wir nennen es Comprehensive Digital Diagnostic Department (C3D). Das ist ein Projekt, welches von einem Radiologen und einem Pathologen bei uns geleitet wird. Vereinfacht gesagt fassen wir hier sämtliche Daten von Patienten in einer Datenbank zusammen, was uns ermöglicht, diese Daten zu vergleichen, auszuwerten und Algorithmen für Diagnostik und Behandlung zu erarbeiten. Es geht in dieselbe Richtung wie IBM Watson, nur eben, dass wir die Hoheit über die Daten unserer Patienten behalten wollen. Im vergangenen Jahr setzten wir das Projekt auf und in diesem Jahr beginnen wir mit dem ersten Teilprojekt zu Knochentumoren. Dazu führen wir Angaben wie Tumormarker mit Bildern der Radiologie und Informationen aus der Onkologie zusammen. Diese Daten werden dann dem Patienten zugeordnet und können so mit Patienten mit ähnlichen Voraussetzungen verglichen werden. Wie lange wird dies noch dauern? Dieses Thema wird momentan exponentiell wichtiger. Die praktische Umsetzung hinkt noch ein bisschen hinterher. Aber ich bin überzeugt, dass wir in fünf Jahren die ersten klinischen Anwendungen sehen werden. 16

IBM baut Brücke zwischen Patient und Arzt osc. Insbesondere bei der Behandlung von chronischen Krankheiten habe die Medizin ein Problem, sagt Thomas Brunschwiler, Team in der IBM-Forschung entwickeln und am Pressetag des sen. Hier will die Plattform ansetzen, die Brunschwiler und sein Forscher bei IBM Research in Rüschlikon. Arzt und Patient sähen Forschungslabors in Rüschlikon zeigten. Zusammen mit dem sich nur sporadisch. Wie es seinem Patienten geht, wie sich Schweizer Start-up Docdok.health will IBM eine neue Methode dessen Werte entwickeln, darüber bliebe der Arzt während langer Zeit im Unklaren. Wenn es dann zu einer Konsultation Arzt und Patient sollen gleichermassen in das System ein- für das Management von chronischen Krankheiten lancieren. kommt, fehle oft die Zeit für eine genaue Untersuchung. Der Arzt bezogen werden. Aufseiten des Patienten könnten Wearables müsse sich oft auf die Schilderungen seines Patienten verlas- und Smartphones den Zustand überwachen und via Cloud kontinuierlich an den Arzt weiterleiten. Dem Arzt sei es dadurch möglich, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und, wo nötig, einzugreifen, sagte Brunschwiler. Ähnlich wie die Gesundheits-Apps von Dacadoo könnte Docdok.health Patienten coachen und bei Verhaltensänderungen unterstützen. Dies könnte nach Ansicht des IBM-Forschers mit sogenannten «Digital Triggers» geschehen. Der Arzt erhalte durch die Plattform vor allem zuverlässigere Daten über seinen Patienten. Zudem könne er den administrativen Aufwand reduzieren und überwachen, ob sich der Patient auch an seine Anweisungen halte. PRODUKTE & TECHNIK Die IBM-Forscher Thomas Brunschwiler und Rahel Straessle präsentieren Docdok.health. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_62620 Dacadoo macht Gesundheits-App für die Niederlande osc. Dacadoo hat eine Partnerschaft mit der niederländischen Krankenkasse Menzis bekannt gegeben. Menzis setzt bei der neuen Version seiner Gesundheitsplattform «SamenGezond» (auf Deutsch: zusammen gesund) auf die App Dacadoo des gleichnamigen Zürcher Softwareherstellers, wie Dacadoo in einer Mitteilung schreibt. Mit 2,1 Millionen Kunden sei Menzis die viertgrösste Krankenkasse der Niederlande und schon länger im E-Health-Bereich aktiv, heisst es in der Mitteilung. Das Unternehmen habe Dacadoo unter anderem wegen seiner «umfangreichen Erfahrung in der Entwicklung digitaler Gesundheitsplattformen» als Anbieter gewählt. «Beide Unternehmen haben eine sehr ähnliche Vision und Strategie, wie Menschen in ihrer Gesundheit und ihrem Wohlergehen unterstützt werden können. Wir freuen uns sehr, gemeinsam den Einsatz digitaler Gesundheitsplattformen in den Niederlanden zu fördern», lässt sich Dacadoo-CEO Peter Ohnemus in der Mitteilung zitieren. Roche und GE spannen im Bereich E-Health zusammen cgr. Roche hat eine strategische Partnerschaft mit GE Healthcare geschlossen. Im Rahmen der Zusammenarbeit wollen die Firmen «digitale Lösungen zur klinischen Entscheidungsunterstützung entwickeln und vermarkten», wie es in einer Mitteilung heisst. Zunächst wollen sich die Firmen auf die Behandlung von Krebs- und Intensivpatienten konzentrieren. Diese sollen über eine integrierte digitale Diagnoseplattform eine individuellere Behandlung erhalten. Die Plattform soll Workflow-Lösungen und Apps für die Entscheidungsfindung der Ärzte unterstützen. Onkologieteams mit diversen Fachärzten erhalten etwa Zugriff auf ein Dashboard, über das sie zusammenarbeiten können, um die optimale Behandlung für einen Patienten zu finden. «Erstmalig kooperieren zwei führende Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich in diesem Ausmass in den Bereichen digitale Diagnostik, In-vivound In-vitro-Diagnostik», lässt sich Kieran Murphy, Präsident und CEO von GE Healthcare, in der Mitteilung zitieren. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_63935 Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode DPF8_74547 17

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