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IT for Health 1/2018

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xxxxxx Zu viele Schnittstellen und Formate – daran kranken Klinische Informationssysteme Illustrationen: FrankRamspott / iStock.com 22

Klinische Informationssysteme sind aus dem Arbeitsalltag an den Schweizer Spitälern nicht mehr wegzudenken. Eine Vielzahl von Herstellern und Lösungen tummelt sich auf dem Schweizer Markt. Ebenso gross wie ihre Versprechungen sind die Herausforderungen. Autor: Oliver Schneider Wo in Spitälern Daten anfallen, kommen Klinische Informationssysteme (KIS) zum Einsatz. Von der Leistungserfassung über die Dokumentation von Medizin und Pflege bis hin zur Einsatzplanung bilden immer mehr Spitäler ihre Arbeitsprozesse digital ab. Doch was auf den ersten Blick nach einem grossen Digitalisierungsschub klingt, offenbart bei genauerer Betrachtung einige Baustellen. Viele KIS seien nicht ausgereift, die Bedürfnisse von Ärzteschaft und Pflege würden bei der Einführung zu wenig berücksichtigt und die Software könne die Prozesse einer Klinik nur schlecht abbilden, lautet die Meinung von Experten und Nutzern. Zudem liessen sich die Systeme nicht über Spital-, Kantons- oder Sprachgrenzen hinweg vernetzen. « Die meisten aktuell im Einsatz stehenden Systeme sind technologisch veraltet und bieten wenig Möglichkeiten, moderne Technologien sinnvoll und gewinnbringend einzubinden. » Analyse von PWC zum KIS der Zukunft Die Folge: KIS würden häufig ausgewechselt, die Unzufriedenheit sei hoch. Dies zeige sich vor allem in der grossen Zahl von Ausschreibungen in dem Bereich, schrieb die Beratungsfirma PWC jüngst in einer Analyse. Auch bei der Zukunftssicherheit der KIS sehe es düster aus. «Die meisten aktuell im Einsatz stehenden Systeme sind technologisch veraltet und bieten wenig bis keine Möglichkeiten, moderne Technologien sinnvoll und gewinnbringend einzubinden», geben die Autoren zu bedenken. Gleichzeitig wachse der Druck auf die Spitalinformatik durch die Digitalisierung stark. Damit steigen auch die Anforderungen an die KIS und ihre Anwender. PWC sieht besonders bei Benutzerfreundlichkeit, Mobilität, Standardisierung, Vernetzung und Automatisierung Nachholbedarf. Denn obwohl heute kein Krankenhaus mehr ohne KIS auskommt, kommen nach wie vor unterschiedliche Systeme parallel zum Einsatz – von spezieller Software für bestimmte Fachgebiete bis hin zu Stift und Papier. Das eine KIS, das alle Daten im Spital digital versammelt, gibt es also noch nicht. PWC empfiehlt Krankenhäusern auf der Suche nach einem neuen System deshalb, ihren konkreten Bedarf genau zu bestimmen, die strategische Ausrichtung zu definieren und sich bei der Wahl zu entscheiden: Will man ein modulares Produkt, das sich am Prinzip «Best-of-Breed» orientiert, oder eine monolithische Gesamtlösung? die Softwarehersteller Cistec, Noser Engineering, Erne Consulting oder Ines KIS-Lösungen als Module oder Gesamtpaket an. Besonders «KISIM» des Zürcher Entwicklers Cistec kommt verbreitet zum Einsatz, wie eine Umfrage unter Spitälern in der Deutschschweiz ergab. KISIM wird etwa am Spital Bülach, am Spital Thurgau sowie am Universitätsspital Zürich (USZ) verwendet. Das Spital Uster will im Sommer 2019 auf das Produkt aus dem Hause Cistec umsteigen. In welchen Bereichen die Software zum Einsatz kommt, unterscheidet sich von Spital zu Spital. So gibt das Kantonsspital Baselland an, sein KIS «Polypoint» bislang bei Personaleinsatzplanung, Ressourcen- und Aktivitätsplanung, Disposition sowie in der klinischen Dokumentation zu nutzen. Geplant sei zudem die Einführung in der Pflegeprozessdokumentation, der Patientenkurve und im Medikationsprozess. Beim USZ, das KISIM ab 1995 entwickelte und einführte, lag der Schwerpunkt anfangs auf dem klinischen Berichtswesen, auf der patientenbezogenen Verlaufsdokumentation sowie auf der Übermittlung der Labor- Verordnungen und dem Empfang der Analysenresultate. Seither seien viele Funktionen dazugekommen, schreibt Guido Bucklar, Abteilungsleiter Medizininformatiksysteme am USZ. Unter anderem die medizinische Dokumentation, die Auftragserteilung an Untersuchungssysteme, die Disposition (stationär, ambulant, OP), die Leistungserfassung, Warnsysteme sowie der Physiotherapie- und Ergotherapieprozess. Gleichzeitig drängen Anbieter aus dem Ausland auf den Schweizer KIS-Markt, wie aus der Analyse von PWC hervorgeht. KISIM & Co. bekommen Konkurrenz von grossen Herstellern wie T-Systems, Philips und 3M. Weitere IT-Firmen mit Hunger auf den E-Health-Markt und hoher Investitionsbereitschaft wie Google und Apple stünden schon in den Startlöchern, um das Bild: Wavebreakmedia / iStock.com PRODUKTE & TECHNIK Qual der Systemwahl Schweizer Spitäler können heute aus einer Vielzahl von in- und ausländischen Anbietern auswählen. Hierzulande bieten etwa 23

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