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Netzwoche 01/2021

50 Technology

50 Technology Hintergrund Adobe zieht dem Flash Player den Stecker Am 12. Januar 2021 ist der Adobe Flash Player endgültig in Rente gegangen. Über 20 Jahre erlaubte die Software Usern, Games, Filme und mehr im Web zu geniessen. Obschon das Programm lange beliebt und weit verbreitet war, prägten Sicherheitsprobleme und Bugs seine Geschichte. Autor: Kevin Fischer Schwere Sicherheitsprobleme trübten wiederholt die Geschichte des Flash Players. Dabei eröffnete er zu Beginn vielen Entwicklern die Türen zu ungeahnten Möglichkeiten. Flash ist am Ende. Damit ist aber nicht etwa der DC- Superheld gemeint, genauso wenig wie der etwas ältere Comic-Held Flash Gordon. Vielmehr geht es um den Adobe Flash Player. Am 31. Dezember 2020 beendete Adobe die Verteilung und Aktualisierung des Programms, nachdem dieses fast 25 Jahre auf dem Markt war. Schwere Sicherheitsprobleme trübten wiederholt die Geschichte des Flash Players, und unterdessen empfiehlt auch Adobe, auf Alternativen umzusteigen. Denn seit dem 12. Januar 2021 blockiert Adobe die Ausführung von Flash-basierten Inhalten. Die Geburt des Flash Players Der Flash Player eröffnete zu Beginn vielen Entwicklern die Türen zu ungeahnten Möglichkeiten. Die Software nahm ihren Anfang im Jahr 1993, als Jonathan Gay, Charlie Jackson und Michelle Welsh das Unternehmen «Futurewave Software» gründeten. Sie lancierten im Jahr 1996 den «FutureSplash Animator». Das Programm ermöglichte es Entwicklern, datensparende Vektoranimationen zu kreieren. Um diese Animationen auf Webseiten zum Leben zu erwecken, kam der «Futuresplash Player» ins Spiel, ein Browser-Plug-in und der Vorgänger des Flash Players. In der Webdesign-Community gewann der Futuresplash Animator rasch an Beliebtheit, seine Animationen fand man auf verschiedenen Webseiten. Ende des Jahres kaufte dann Macromedia Futurewave auf und lancierte eine verbesserte Version des Futuresplash Animators unter dem Namen «Macromedia Flash 1.0». Das Wort «Flash» entstand aus einem Mix der Wörter «Future» und «Splash». Der eigentliche erste Flash Player entstand aber erst ein Jahr später. «Macromedia Flash 2.0», das im Jahr 1997 folgte, erlaubte unter anderem bereits die Synchronisation von Sound und Animation. Das Programm wurde zusammen mit dem Plug-in «Flash Player 2» veröffentlicht. Besitzerwechsel und iOS-Barrikaden Der Erfolg von Macromedia und seinen Produkten wurde zusehends grösser. Wie gross, lässt sich an der Summe erahnen, die Adobe im Jahr 2005 für die Übernahme der Firma bezahlte: Das Unternehmen blätterte 3,4 Milliarden US-Dollar hin. Damit wechselte auch Macromedias Flash Player seinen Besitzer. Ein Jahr später erschien mit der 9. Version dann der erste Flash Player mit "Adobe" im Namen. Trotz des riesigen Erfolgs des Flash Players waren nicht alle restlos davon überzeugt. Eine der prominentesten Stimmen, die sich offen gegen das Plug-in stellten, war Apple-Gründer und damaliger Apple-Chef Steve Jobs. Er publizierte Ende April 2010 einen offenen Brief, der als «Thoughts on Flash» in die Geschichte einging. Jobs nannte darin die Gründe, weshalb Apple den Flash Player auf seinen mobilen Geräten iPhone, iPod Touch und iPad nicht erlaubt: hoher Energieverbrauch, Computer-Crashes, schlechte Performance auf mobilen Geräten, miserable Sicherheit und fehlende Touch-Unterstützung. Ausserdem missbilligte er, dass der Flash Player verhindere, dass Software von Drittanbietern zwischen die Plattform und den Entwickler kommt. Weiter hat Jobs sich daran gestossen, dass behauptet wurde, Flash sei ein offenes System, obwohl es seiner Meinung nach gemäss fast jeder Definition ein geschlossenes System war. Laut dem Schreiben verpassten Apple-Kunden nichts, wenn sie Flash nicht nutzen konnten. Der Player sei nicht mehr notwendig, um Webinhalte zu konsumieren. In einem späteren Interview verwies Jobs auf die Flash-Alternative HTML5, die seiner Meinung nach zukunftssicherer sei. Die Geschichte sollte ihm Recht geben. Die «Thoughts on Flash» erzeugten viel Aufmerksamkeit. Adobe-CEO Shantanu Narayen verteidigte sich und schob die Probleme zum Teil auf Apples Geräte. Verschiedene Medien diskutierten Jobs' Punkte, und während einige mindestens teilweise zustimmten, vermuteten andere, dass Apple Flash den Riegel vielmehr aus unternehmerischen Gründen vorschob. Dass Jobs vielleicht im einen oder anderen Punkt Recht hatte, zeigte sich rund eineinhalb Jahre später: Im November 2011 verkündete Adobe, dass das Unternehmen den Flash Player für mobile Endgeräte nicht mehr weiterentwickeln werde. Es wolle sich stattdessen auf Desktopsysteme und Air-Plattformen für Mobilgeräte konzentrieren. Doch dieses Eingeständnis seitens Adobe erlebte Steve Jobs nicht mehr. Er war einen Monat zuvor an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. 01 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Hintergrund 51 1996 2010 2020 Das Unternehmen Futurewave entwickelt mit dem Animationsprogramm «Futuresplash-Animator» den Vorläufer von Flash, bevor die Firma von Macromedia übernommen wird. Apple-Chef Steve Jobs bezeichnet den Flash Player in einem offenen Brief als unsicher, fehlerhaft und nicht zukunftssicher. Ein Jahr später kündigt Adobe an, die Weiterentwicklung des Plug-ins für mobile Endgeräte einzustellen. Adobe beendet die Verteilung und Aktualisierung von Flash Player am 31. Dezember 2020. Das Unternehmen empfiehlt, auf Alternativen wie HTML5 umzusteigen. Seit dem 12. Januar 2021 blockiert Adobe die Ausführung von Flash-basierten Inhalten. Macromedia ist so erfolgreich, dass Adobe das Unternehmen für satte 3,4 Milliarden US-Dollar übernimmt – und damit auch den Flash Player. Ein Jahr später erscheint die 9. Version des Programms und damit die erste mit «Adobe» im Namen. Im Flash Player häufen sich die Sicherheitsprobleme. Das deutsche Bundesamt für Sicherheit zählt innerhalb von 12 Monaten 149 kritische Sicherheitslücken. Zwei Jahre später kündigt Adobe an, den Support des Programms Ende 2020 einzustellen. 2005 2015 Bild: pikisuperstar / freepik.com Grosse Sicherheitsdefizite – bis zum Ende Die «miserable Sicherheit», die Jobs dem Flash Player ebenfalls attestierte, sollte das Programm bis zum Ende begleiten. Seit Jahren reihten sich Meldungen von Sicherheitsproblemen im Flash Player aneinander. Verschiedene Websites, die Sicherheitslücken zu bestimmten Applikationen listen, erfassten zum scheidenden Plug-in teilweise über 1000 Lücken. Als Beispiel dient etwa die US-amerikanische «National Vulnerability Database», in der noch im Dezember 2020 genau 1099 Treffer aufgeführt sind. Die erste in der Datenbank erfasste Sicherheitslücke geht auf das Jahr 2002 zurück. Die fragile Sicherheit schien Cyberkriminellen genauso Türen zu ungeahnten Möglichkeiten zu öffnen, wie es der Flash Player in seinen Anfängen für Entwickler tat. Übeltäter konnten etwa Browser-Beschränkungen umgehen, Einstellungen ausspionieren, Dateien auf der Festplatte lesen oder Malware installieren – das volle Programm. Die Medien wurden denn auch langsam müde, wiederholt über die kritischen Sicherheitsprobleme zu schreiben. Als anschauliches Beispiel dient etwa der Februar 2015, in dem verschiedene Medien dazu aufriefen, den Flash Player aus Sicherheitsgründen vorübergehend zu deaktivieren. Auch eine Headline von «Heise online» forderte dazu auf. Dort hiess es: «Und täglich grüsst die Flash-Lücke: Nur eine Woche war Ruhe, jetzt ist die nächste kritische Schwachstelle aufgetaucht. Da diese bereits ausgenutzt wird, sollte Flash wieder einmal abgeschaltet werden.» Als Adobe dann 2017 schliesslich das Ende des Flash Players für das Jahr 2020 verkündete, war von vielen Seiten auch nur wenig Überraschung zu spüren. Die Medien widmeten dem Plug-in zum Abschied Berichte, in denen sie den Player unter anderem als «wandelnde Sicherheitslücke» oder «Liebling der Cyberkriminellen» bezeichneten. Echtes Bedauern war vor allem seitens verschiedener Gamer-Communitys zu spüren, die in den besten Zeiten des Flash Players online hunderte Flash-Games zockten, die heute als Klassiker gelten. Entsprechend versuchten seither verschiedene Gruppierungen mit nostalgischen Motivationen, die Spiele über das Ablaufdatum des Players hinaus haltbar zu machen. Ob etwas daraus geworden ist, wird sich zeigen. Am 12. Januar 2021 hiess es: Lichterlöschen für den Flash Player. Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 01 / 2021

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