Aufrufe
vor 1 Jahr

Netzwoche 02/2020

14 XXXXXXXXXXX

14 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Business Transformation: endlich Klartext ! FOCUS BUSINESS TRANSFORMATION osc. In den vergangenen Jahren haben Firmen mit der Hilfe von digitaler Technologie ganze Märkte aufgemischt. Uber stellte mit nur einer App das Taxi-Geschäft auf den Kopf. Amazon entwickelte sich von einem Online-Buchladen zum E-Commerce-Platzhirsch und stieg fast nebenbei zu einem der weltgrössten Cloud-Provider auf. Netflix startete zunächst als Online-DVD-Vermietung. Heute treibt das Unternehmen mit seinem Videostreaming die ganze Branche vor sich her. Disruption nennt sich das und es setzt bestehende Firmen unter Druck, ihr Geschäftsmodell zu überdenken, sich neu zu erfinden und frische Angebote aufzubauen. Für den Prozess, das eigene Geschäftsmodell ins digitale Zeitalter zu hieven, fand die Managersprache schnell einen Begriff: Business Transformation. Doch was versteht man darunter eigentlich? Und wie geht man ein Projekt mit einem so einschüchternden Namen wie «Transformation» überhaupt an? Die CIO-Umfrage der Netzwoche zeigte, wie weit die Ansichten zum Transformationsbegriff auseinandergehen. Für die einen geht es in erster Linie um die Digitalisierung von Prozessen im Unternehmen. Andere verstehen darunter den Aufbau neuer Geschäftsfelder für die digitale Welt. Und bei einer dritten Gruppe handelt es sich um einen tiefgreifenden kulturellen oder gar gesellschaftlichen Wandel, der alles infrage stellt. Teams, Technik, Experimente Wie man sie auch versteht, die digitale Transformation steht auf der Agenda der Schweizer IT-Leiter ganz oben. 83 Prozent der Teil nehmer an der CIO-Umfrage schätzen das Thema als «äusserst» oder «eher wichtig» ein. Grund genug, ihm einen Schwerpunkt zu widmen. Die Fachbeiträge auf den folgenden Seiten fokussieren unterschiedliche Facetten der IT. Wie sich innovative Ideen im Unternehmen für das Projekt Transformation mobilisieren lassen, zeigen Peter Kasahara und Frederik Gregaard von PwC Schweiz auf Seite 15. Auf die verschiedenen Phasen und Aspekte der Transformationsreise geht anschliessend Stella Gatziu Grivas von der FHNW ein. Auch Marc Pfyffer und Peter Statz von der HWZ legen auf Seite 17 einen möglichen Plan vor. Hierbei geht es zum einen um den Zeitrahmen, zum anderen um die Aufgaben des Managements. Manfred Jürgens von Nexum beschreibt, wie Unternehmen den Spagat zwischen alt und neu, zwischen Technologie und Marketing, zwischen analog und digital schaffen. Abgerundet wird der Schwerpunkt ab Seite 20 durch ein Interview mit Bramwell Kaltenrieder, Professor an der Berner Fachhochschule und Berater. Er verrät, was Entscheidungs träger beachten sollten und wohin die Transformationsreise führen kann. Bild:sesame / istockphoto 02 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Focus 15 Digitale Transformation: So können Firmen die Kraft der Teams freisetzen Die Digitalisierung prägt unsere Zeit, ist unser Verbündeter und wird dennoch von vielen Unternehmen als Mysterium wahrgenommen. Um die digitale Transformation erfolgreich zu meistern, müssen sie aber zwingend alle innovativen Kräfte im Unternehmen mobilisieren. Der digitale Wandel ist komplex, und er stellt Entscheidungsträger vor Herausforderungen. Bestehende Arbeits-, Design- und Entscheidungsprozesse können mit der Geschwindigkeit, Komplexität und Tragweite moderner systemischer Probleme nicht mehr mithalten. Unternehmen neigen dazu, den wirklichen Umfang von Problemen zu unterschätzen und stossen an ihre Grenzen. Dazu kommen technische, kulturelle und unternehmenspolitische Hürden sowie Kosten, die leicht aus dem Ruder laufen können. Klar ist jedoch: Die digitale Transformation muss schleunigst vorangetrieben werden. Lösungen resultieren aus Gruppenintelligenz Die meisten Unternehmen stellen neue Technologien und die Automatisierung und Optimierung von Prozessen in den Fokus ihrer digitalen Transformation. Die Fähigkeiten und Erfahrung der eigenen Mitarbeitenden stehen hingegen oft nicht im Vordergrund. Doch Lösungen für komplexe Probleme werden nicht von einzelnen Personen gefunden, und sie lassen sich nicht im Alleingang umsetzen. Sie entstehen durch die kollektive Intelligenz einer Gruppe. Der Ansatzpunkt für jede Transformation jedes Unternehmens sollte daher die Einbindung und Mobilisierung der Mitarbeitenden sein. Zur Entfaltung von Gruppenintelligenz müssen Unternehmen zudem die richtigen Strukturen schaffen. Genauer gesagt, einen Arbeitsplatz, der neue Möglichkeiten zur Verfügung stellt. Ein freundliches, offenes Umfeld, in dem mithilfe technischer Hilfsmittel und konstantem Austausch unter Mitarbeitenden die Kreativität gefördert wird. So lösen Teams nicht nur komplexe Probleme, sondern werden dazu befähigt und motiviert, Veränderungen effektiv anzugehen und umzusetzen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transformation ist die Unternehmenskultur. Die Bereitschaft für Veränderungen muss in der Unternehmenskultur verankert werden. Die Unternehmensleitung hat die Aufgabe, Mitarbeitende in die Digitalisierung zu begleiten und auf ihre Bedenken und Probleme einzugehen. Der Umgang mit neuen Technologien bedingt auch, Fehler zuzulassen und daraus zu lernen. Zudem sind im heutigen unvorhersehbaren Umfeld Rückschläge vorprogrammiert; Unternehmen müssen agil sein. Die Digitalisierung eines Unternehmens ist immer auch mit (zum Teil bedeutenden) Investitionen verbunden. Investiert werden sollte zu Beginn vor allem in die Mitarbeitenden. Eine auf die Zukunft ausgerichtete Unternehmenskultur, das Schaffen gemeinsamer Ziele und die digitale Weiterbildung der Mitarbeitenden stellt eine breite Basis qualifizierter und motivierter Arbeitskräfte sicher. Das ist kurzfristig ein Kostenfaktor, langfristig werden dadurch jedoch viel Kosten gespart und das Potenzial für Umsatzwachstum und neue Geschäftsfelder geschaffen. Die digitale Transformation steht und fällt mit den Mitarbeitenden. DIE AUTOREN Peter Kasahara Managing Partner PwC Digital, PwC Schweiz Frederik Gregaard Leiter PwC Experience Center und The Difference, PwC Schweiz Den Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Hürden sind auch emotional und politisch Die Unternehmenswelt ist umsatz-, zahlen- und technologiegetrieben. Aber technologische oder finanzielle Hürden sind nicht die schwierigsten Probleme der digitalen Transformation. Die Digitalisierung verändert Strategie, Struktur und Vision des Unternehmens und tangiert verschiedenste Anspruchsgruppen – deshalb sind auch emotionale, kulturelle und unternehmenspolitische Faktoren zentral. Bild: PwC Experience Center Schweiz www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2020

Archiv

Specials