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Netzwoche 02/2020

WWW.NETZWOCHE.CH Dept

WWW.NETZWOCHE.CH Dept kauft Hinderling Volkart osc. Dept übernimmt alle Aktien von Hinderling Volkart. Die Schweizer Digitalagentur gehe inklusive der Tochtergesellschaften Hinderling Volkart Bern und HV Italic in den Besitz des Unternehmens mit Sitz in den Niederlanden über, heisst es in einer Mitteilung. Die bisherigen Inhaber von Hinderling Volkart beteiligen sich an Dept und bleiben in der Geschäftsleitung. Alle drei Standorte in Zürich, Basel und Bern sollen unter dem bisherigen Management weitergeführt werden. Hinderling Volkart führt aktuell das Ranking von Best of Swiss Web an. Wofür App-Anwender 2019 Geld ausgaben rja. 204 Milliarden Apps wurden letztes Jahr insgesamt heruntergeladen. Dies schreibt das Analyse- und Beratungsunternehmen App Annie in seinem jährlichen «State Of Mobile Report». Seit 2016 ist die Anzahl Downloads um 45 Prozent angestiegen. Zugenommen hat auch die Summe, die Nutzer in Apps investierten: 2019 flossen in den App-Stores 120 Milliarden US-Dollar. Der grösste Teil davon waren Ausgaben für Games. Diese 10 Apps verstossen systematisch gegen Datenschutzgesetze kfi. Die Digitalabteilung des norwegischen Vebraucherrats «Forbrukerrådet» hat bei 10 populären Apps den Umgang mit Daten untersucht und die wichtigsten Erkenntnisse im Report «Out of Control» zusammengefasst. Untersucht wurden die Dating-Apps «Tinder», «Okcupid», «Grindr» und «Happn», die Spiele-App «My Talking Tom 2», die Make-up-App «Perfect365», die Lifestyle-Apps «MyDays» und «Clue», die App «Muslim – Qibla Finder», die an religiöse Feiertage erinnert, und «Wave Keyboard», eine App, die eine personalisierte Tastatur ermöglicht. Diese Apps gaben Daten an mindestens 135 verschiedene Drittparteien weiter, die Werbung oder Verhaltensprofiling betreiben. Die «Android Advertising ID», die es Unternehmen erlaubt, Konsumenten über verschiedene Dienstleistungen zu tracken, wurde an mindestens 70 solcher Drittparteien transferiert. Diese ID sei oft zusammen mit anderen persönlichen Daten, wie GPS-Standort und IP-Adresse, verschickt worden. «Diese umfangreiche Sammlung, Kombination und Verwendung persistenter Identifikatoren ermöglicht das Tracking über Apps und Geräte hinweg und die Erstellung umfassender Profile zu einzelnen Konsumenten», schreibt der Verbraucherrat. Alle Apps ausser einer hätten mehr Daten geteilt als nur die «Advertising ID». Ausser GPS-Daten und IP-Adresse seien Informationen über die persönlichen Attribute der Nutzer inklusive Geschlecht, Alter und verschiedene Nutzeraktivitäten verschickt worden. Die Analyse zeige, dass viele dieser Datenteil- und Verarbeitungsprozesse illegal im Hinblick auf die EU-Datenschutz-Grundverordnung seien. Bild: Freepik Die Datenschützer halten fest: «20 Monate nach Inkrafttreten der EU-DSGVO werden die Verbraucher immer noch durchgehend online verfolgt und profiliert und haben keine Möglichkeit, zu erfahren, welche Unternehmen ihre Daten verarbeiten und wie man sie stoppen kann.» Sie fordern die Behörden auf, die EU-DSGVO durchzusetzen, während Werbetreibende und Publisher nach alternativen digitalen Werbemethoden suchen sollen, die die Grundrechte respektieren. Der Verbraucherrat legte formelle Beschwerde gegen die Dating-App «Grindr» und fünf Unternehmen ein, die über die App persönliche Daten erhalten haben: Twitters Mopub, AT&Ts Appnexus sowie OpenX, Adcolony und Smaato. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch MÜLLERS KLEINES ABC M wie Microcopy Christopher Müller Inhaber und VRP von Die Ergonomen Usability AG. 28 Web Aktuell Theorie: Nein, hier fehlt kein S und ergo geht es auch nicht um die Beobachtung von kleinen Objekten. Aber klein ist’s trotzdem, was wir diesmal betrachten wollen. Microcopy heisst’s und steht für die kurzen, funktionalen Textschnipsel, die die Bedienung einer Nutzeroberfläche erleichtern oder erst ermöglichen. Mehr noch: Gute Microcopy kann die Nutzer zu bestimmten Aktionen animieren, etwa zum Kaufen eines Produkts. Realität: Dabei ist es gar noch nicht so lang her, dass die Branche den Wert von solchen Minitexten für eine guten User Experience (UX) entdeckt hat. Der Sage nach ging das so: Ein famoser Detailhändler aus Great America haderte mit sich und der Welt, weil viele, viele Gäste seines Webshops ihren prall gefüllten Warenkorb kurz vor der Kasse plumpsen liessen und das Weite suchten. Die Manager rätselten und die Webabteilung wusste weder ein noch aus. Da erschien ein edler Retter und anerbot sich, die Menschen zu fragen, warum sie gar so harsch aus dem Check-out abzuspringen pflegten. Und siehe da, es fand sich ein Button namens «Registrieren und bezahlen», der manch einen in die Flucht getrieben hatte. Dem Button gab man flugs den Namen «Weiter» sowie den Vermerk «Sie müssen kein Konto eröffnen, um bei uns einzukaufen». Und siehe da: Daraufhin kauften die Menschen in Scharen all die schönen Waren! Fazit: Wir notieren also: Es ist nicht egal, was auf Buttons, in Eingabefeldern, Handlungsaufforderungen oder Rückmeldungen steht. Wer dort die Sprache, den Ton und die Erwartungen der Nutzer nicht trifft, dem helfen auch die coolste Grafik, die geschmeidigsten Prozesse und die begehrenswertesten Produkte wenig. Doch Hand aufs Herz: Hätte das nicht jeder, der UX richtig, also umfassend versteht, schon immer wissen können? Aber schön, hat das Kind nun einen Namen und das Handwerk drum herum eine Berufsbezeichnung – UX Writer nennen sich jene, die mit den Textschnipseln tanzen. Man tut in der Regel gut daran, sie zu konsultieren. Die Kolumne finden Sie auch online www.netzwoche.ch 02 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web Nachgefragt 29 « Ohne Design geht es nicht mehr » Bereits 19 Mal hat Best of Swiss Web den begehrten Master-Titel vergeben. Vier Mal mit auf dem Siegerpodest: Liip. Die Digitalagentur scheint also etwas richtig zu machen. Was das ist, verrät Mitgründer Hannes Gassert. Interview: Oliver Schneider Liip war in den Jahren 2007, 2009, 2011 und 2019 am Siegerprojekt Master of Swiss Web beteiligt. Was ist Ihr Erfolgsrezept? Hannes Gassert: Das Rezept heisst Kultur. Wir machen die Dinge anders – aus Überzeugung und tief verankerter Kultur. Ultra-agile Entwicklung, Selbstorganisation, radikaler Fokus auf Open Source und Authentizität zu jedem Zeitpunkt: Das alles ist seit langer Zeit sehr tief drin in unserer DNA. Und genau diese Kultur bringt grossartige Menschen zu uns: Liiper(innen), Partner und richtig tolle, langfristige Kunden. Und die sind für all die Preise ja gerade so verantwortlich wie wir. Und ja: Mit den Zutaten ist’s fast einfach. « Wir machen die Dinge anders. » Hannes Gassert, Mitgründer, Liip Wie hat sich die Webentwicklung seit 2007 verändert? Vieles von dem, was wir damals bereits für richtig hielten, ist heute Industriestandard: Open Source zum Beispiel – heute ist das keine Frage der Ideologie, sondern sinnvolle gemeinsame Weiterentwicklung geteilter Infrastruktur. Agile Entwicklung, Scrum und Co.: Das ist heute Standard. Damit sind wir heute weniger «futuristisch», als wir es damals waren. Gleichzeitig haben wir nachvollzogen, was uns zu Beginn weniger interessierte: Design und User Experience als stets zentrale Rolle. Wir sind nach wie vor eine sehr technische Webagentur, ergänzten uns aber durch starke kreative Rollen und ganzheitliche Ansätze wie «Service Design». Ohne exzellentes Design geht es nicht mehr. Und Liip? Wir sind stetig gewachsen in der Zeit, von 7 auf 177 Liiper(innen). Das warf die Frage auf, wie wir als Organisation genauso agil bleiben, wie es unsere Projekte sind. Als Antwort darauf haben wir als erste Digitalagentur Holacracy eingeführt. Das erlaubt uns, als Organisation genauso agil zu sein wie unsere Softwareentwicklung. Das war wahrhaft ein Betriebssystemwechsel. Zudem sind wir heute noch näher bei unseren Kunden. Von unseren 5 Standorten in der ganzen Schweiz profitieren unsere Kunden sehr stark. Denn immer mehr steht nicht nur einfach im Zentrum, etwas gut und richtig zu entwickeln, sondern etwas Gutes und Richtiges. Welche technologischen Entwicklungen hatten den grössten Einfluss auf Ihre Arbeit? Entscheidend war, dass das Web offen geblieben ist. Die geschlossenen Ökosysteme der grossen App-Plattformen hatten unglaublichen Erfolg, und wir entwickeln selbst ja auch tolle Native-Apps. Aber eben nur dort, wo das wirklich Sinn ergibt. Denn ausserhalb der geschlossenen, durch die Interessen einer Handvoll riesiger Tech-Firmen gelenkten App-Ökosysteme liegt weiterhin riesiges Potenzial im freien, offenen Web und offenen Standards. Die Offenheit des Webs wird auch künftig entscheidend bleiben, um unabhängig Innovationsprojekte umsetzen zu können. Dafür muss sich unsere Branche wirksam engagieren. Wie viele Projekte haben Sie in der Zeit umgesetzt? 3328. Was war das skurrilste, aufwändigste oder mühsamste Projekt? Skurril, aber auf eine sehr gute Art, war sicher bereits das Projekt Gottago, der grosse Best-of-Swiss-Web-Gewinner 2009. Am Tag, als das erste iPhone in die Schweizer Läden kam, hatten wir die einzige Schweizer ÖV-App im Store. Alle hatten sie auf dem Handy, alle. Es war zudem die erste App im Lande, die die neuen GPS-Fähigkeiten wirklich nützlich einsetzte. Die Idee war unsere, einen Auftrag hatten wir dafür keinen – und bekamen auch für Jahre keinen von den SBB. Denn deren Website hatten wir die Daten für die App sehr inoffziell «ausgeliehen». Das war letztlich aber einer der Impulse dafür, dass die Schweiz heute in Sachen Open Transport Data ein globaler Leader ist. Woran wir zudem heute täglich mitarbeiten. Das vollständige Interview finden Sie online www.netzwoche.ch www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2020

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