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Netzwoche 02/2020

30 Web Fachbeitrag Zu

30 Web Fachbeitrag Zu zweit geht es schneller – und besser Die digitale Transformation erfordert Know-how. Entweder können dafür neue Mitarbeiter eingestellt werden, oder die eigenen Mitarbeiter erhalten entsprechende Schulungen. Mit modernen Programmiermethoden lässt sich der Wissenstransfer erheblich beschleunigen. DER AUTOR Constantin Gonzalez Principal Solutions Architect, Amazon Web Services (AWS) Unternehmen, die die digitale Transformation vorantreiben, brauchen dafür Mitarbeiter mit den entsprechenden Fähigkeiten. Wie in allen grossen Veränderungsprozessen müssen Firmen dabei eine wichtige, strategische Entscheidung treffen: die Belegschaft durch externe Spezialisten erweitern oder das bestehende Team durch Trainings auf die kommenden Herausforderungen vorbereiten. Letzteres bietet viele Vorteile. Schliesslich kennen die derzeitigen Mitarbeiter bereits das Unternehmen, seine spezielle Firmenkultur und die daraus entstehenden Herausforderungen. Gerade wenn es um umfangreichere Transformationen geht, die Kernprozesse und alte Gewohnheiten auf den Kopf stellen, spielt dieser Faktor eine grosse Rolle. Davon abgesehen kostet es viel Zeit und Geld, neue Leute einzustellen und möglichst schnell einzuarbeiten. Da derzeit Spezialisten gerade im IT-Bereich stark gefragt sind, ist es momentan schwierig, die richtigen Leute zu finden und einzustellen. Einem AWS-«Executive Insights»-Papier zufolge geben 51 Prozent der Unternehmen an, Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Positionen zu haben, weil es auf dem Markt an qualifizierten Kandidaten mangelt. Es lohnt sich also gleich in mehrfacher Hinsicht, die aktuellen Mitarbeiter in neuen IT-Fähigkeiten zu schulen, die für das Gelingen der Transformation nötig sind. Cloud- Anbieter bieten dazu eine Vielzahl an Kursen an. Ein entscheidender Punkt ist allerdings, die neu erworbenen Kompetenzen von einzelnen Angestellten möglichst effzient im Unternehmen zu skalieren. In Sachen «Grundausbildung» haben viele Firmen dafür ihre Hausaufgaben hervorragend gemacht: Sie besitzen womöglich ein Cloud Center of Excellence, sehr gute, mit DevOps-Skills ausgebildete Teammitglieder, ein automatisiertes Deployment sowie definierte Prozesse für die Infrastruktur-Bereitstellung und die kontinuierliche Integration. Grosse Schwierigkeiten bereitet es jedoch, dass dabei gesammelte Know-how in die Tiefe der Unternehmensstruktur zu tragen. Gute Gründe also, sich mit verschiedenen aktuellen Methoden des Wissenstransfers beim Programmieren zu beschäftigen. Neue Paarungen für mehr Know-how – ein Beispiel Ein in der Praxis bewährter Ansatz ist das «Kopplungsmodell». Es kann sowohl innerhalb eines Unternehmens als auch bei der Zusammenarbeit mit einem Auftragnehmer eingesetzt werden. Dabei verbindet sich ein grösseres Team, das sich in bestimmten Bereichen fortbilden möchte, mit einem anderen Team, das die Fähigkeiten bereits hat. Die so zusammengesetzte Gruppe arbeitet anschliessend gemeinsam an einem konkreten Projekt. Jedes Mitglied des Lernteams arbeitet dabei zu zweit mit einem Mitglied des Expertenteams zusammen. Das Programmieren im Zweier-Paar ist mittlerweile eine gängige Methode und als agiles Verfahren sehr effzient. Auf den ersten Blick Das Programmieren im Zweier-Paar ist mittlerweile eine gängige Methode und als agiles Verfahren sehr effizient. erweckt die Methode den Anschein, wenig effzient zu sein, aber Teams, die diese Paarprogrammierung praktizieren, geben in der Regel an, dass sich die Produktivität tatsächlich erhöht. Es reduziert sich die Nacharbeit für die Fehlerbehebung und die Tatsache, dass Ideen von gleich zwei Programmierern in den Code einfliessen, führt zu einem besseren, sauberen Design. Im Prinzip kommt also ein ähnliches Verfahren wie bei Peer Code Reviews zum Einsatz. Es gilt seit jeher als gute Möglichkeit, qualitativ hochwertigen Code zu produzieren. Teamarbeit statt zentrale Policy Es sollte jedoch kein zentrales Dogma geben, das durch alle Hierarchieebenen über Policies den Mitarbeitern aufgedrängt wird. Stattdessen sollten erfahrene Praktiker ihr Wissen an die Kollegen weitergeben und es so im Unternehmen verbreiten. Unternehmen sollten sich deshalb mit verschiedenen Systemen der Wissensvermittlung im IT-Umfeld beschäftigen und eigene Experimente anstellen – vom Programmieren im Zweier-Team bis zu komplexeren Methoden. In jedem Fall führt ein solches Vorgehen dazu, dass sich gute Ideen und Methoden effzient von Mitarbeiter zu Mitarbeiter verbreiten. Besonders mit Blick auf die digitale Transformation ist dieser Ansatz am effzientesten. 02 / 2020 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web App-Projects 31 Ihr App-Projekt in der Netzwoche Haben Sie eine App umgesetzt, ein Redesign vorgenommen oder neue Technologien implementiert? Informieren Sie die Redaktion per E-Mail an desk@netzmedien.ch – mit etwas Glück stellen wir Ihr App-Projekt vor. Wir benötigen folgende Angaben: Name der App, Datum der Aufschaltung, Kontaktperson, beteiligte Unternehmen (Auftraggeber, Auftragnehmer) und die genutzten Technologien. Wir freuen uns auf Ihre Eingaben! Autor: René Jaun NEUE APPS Deafvoice Swiss Climate Challenge GIMS App Die «Deafvoice»-App ermöglicht gehörlosen Menschen, einen Notruf abzusetzen. Bislang seien sie dafür auf Hilfe von Dritten angewiesen gewesen, schreibt die Gehörlosenzentrale in einer Mitteilung. Mit der App erfolgt die Kommunikation jeweils über Icons, welche die Smartphone-Anwender antippen, um ihren Notfall zu beschreiben; für weitere Angaben kann auch Text eingegeben werden. So lassen sich wahlweise die Polizeistelle, Sanität, Feuerwehr, Rega oder Tox Info Suisse kontaktieren. In der Einsatzzentrale liest eine Computerstimme die Angaben des gehörlosen Anrufers vor. Seine mündlichen Antworten werden in Text übersetzt. Die «Swiss Climate Challenge»-App ist eine Initiative von Migros, South Pole und Swisscom, die Anreize für eine klimafreundliche Mobilität schaffen soll. Als Teil der Initiative wurde ein Tool kreiert, das die Mobilität eines Users aufzeichnet und auswertet. Der Nutzer erhält Informationen über seinen Klimafussabdruck, kann ihn mit anderen vergleichen und erhält Tipps für eine klimafreundlichere Fortbewegung. Das vorgestellte Tool gibt es nicht als alleinstehende App. Stattdessen wird es als «Huckepack-App» in andere Dienste integriert. Derzeit lässt sich die Erweiterung in der «Blick»- und der «Bluewin»-App aktivieren. Die «GIMS App» ist der digitale Begleiter zur diesjährigen Geneva International Motor Show. Schon vor der Ausstellung liefert die App einen News-Stream mit Neuigkeiten zum Programm und zu Ausstellern. Auch Eintrittstickets kann man digital erwerben und abspeichern. Ausserdem steht ein Guide zur Verfügung, der bei der Planung des Aufenthalts ausserhalb der Motorshow helfen soll. Exklusiv über die App lassen sich Indoor-Probefahrten mit alternativ betriebenen Autos buchen. Und die «GIMS App» zeigt an, welche Aussteller wo zu finden sind und wann spezielle Events stattfinden. Auftraggeber Stiftung Alexander Graham Bell Auftragnehmer und Partner Visisoft OHG und Sipcall Betriebssysteme iOS; Android folgt Online seit Dezember 2019 Auftraggeber Swiss Climate Challenge, Migros, South Pole, Swisscom, Energie Schweiz Auftragnehmer und Partner NGTI, Motion Tag für Mobilitätstracking, Bluewin und Ringier Technologien / Betriebssystem Swisscom App Cloud und Firebase, Vue.js, Motiontag und Custom iOS and Android Apps Online seit Dezember 2019 Auftraggeber Geneva International Motor Show Auftragnehmer und Partner Jung von Matt/Limmat und Artificial Roam Technologien Flutter, Firebase, Unity, Indoor Tracking aruba/ Hewlett Packard Betriebssysteme iOS und Android Online seit Dezember 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2020

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