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Netzwoche 03/2016

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16 Business Politik

16 Business Politik «E-Government ist ein zentrales Element für einen digitalen Markt» Mit acht strategischen Projekten und drei operativen Zielen will der Bund die E-Government-Strategie umsetzen. Der Schwerpunktplan wird fast durchgehend positiv beurteilt. Die Ziele sind ambitioniert, aber grösstenteils erreichbar, war der Tenor unter Vertretern aus Politik und Wissenschaft. Autor: Christoph Grau Von 2016 bis 2019 will der Bund 20 Millionen Franken in die Umsetzung der E-Government-Strategie investieren. Das Geld fliesst in acht sogenannte strategische Projekte und drei dauerhafte Aufgaben. Mit der Umsetzung der Projekte soll die Koordination zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden verbessert werden. Lob von den Kantonen Vonseiten der Kantone wird der kürzlich verabschiedete Plan durchweg begrüsst. Sowohl Marlies Pfister, Leiterin Fachstelle E-Government Aargau, Titus Fleck, Geschäftsstelle E-Government Schaffhausen, wie auch Peppino Giarritta, Leiter Stabsstelle E-Government Kanton Zürich, betonten auf Anfrage, dass sich die Projekte mit den Bedürfnissen der Kantone decken würden. Die Reduktion auf wenige Schwerpunkte ermögliche es, die Ressourcen «gezielt einzusetzen und sich nicht zu verzetteln», sagte Pfister. Pfister und Giarritta lobten auch die enge Abstimmung zwischen Kantonen, Gemeinden und dem Bund. «Wenn wir bereits diese wenigen Ziele erreichen, haben wir im E-Government viel erreicht», hob Giarritta hervor. Für Andreas Spichiger, Professor an der Berner Fachhochschule und Leiter des E-Government-Instituts, werde durch die «nur» acht Vorhaben eine grosse Breite von Elementen vorangetrieben. Er lobte die Fokussierung, denn in den bisherigen priorisierten Projekten habe es «eine gewisse Beliebigkeit gegeben». Die stärkere Fokussierung lobte auch Fleck. Seiner Meinung nach sind dennoch die «grossen aktuellen Themen enthalten». Herausforderungen bleiben bestehen Angesichts der erwarteten Veränderungen im E-Government sei das Budget für die Vorhaben bis 2019 laut Spichiger «sehr limitiert». Grundsätzlich glaubt Spichiger an die Machbarkeit aller Vorhaben bis 2019. «Eventuell wird es für E-Operations etwas eng, das Ziel bis Ende 2017 umzusetzen. Hier braucht es auch die Gunst des ‹richtigen Augenblicks›», führte er ergänzend an. Als mögliche weitere Herausforderung machte Giarritta die Einführung der elektronischen Identität eID aus. Diese sei stark «von den Entwicklungen im Umfeld und dem politischen Willen» abhängig, sagte er weiter. Auch Pfister nannte den politischen Willen und die Gesetzgebung wie auch die Ressourcen als mögliche Hemmnisse. Für Fleck ist es noch nicht sicher, ob für die eID bis 2019 «eine praktikable Lösung gefunden werden kann». Auch die schweizweite Einführung eines elektronischen Stimmkanals sieht er eher skeptisch. « Unternehmer, Politiker und Presse sind gerne bereit, nicht erfolgreiche Vorhaben toll in die Pfanne zu hauen. » Andreas Spichiger, Professor an der Berner Fachhochschule und Leiter des E-Government-Instituts Noch Aufholbedarf Im internationalen Vergleich steht die Schweiz im Bereich E-Government nicht an der Spitze. Laut Giarritta gibt es noch «Aufholbedarf». Auch für Spichiger ist die Schweiz «nicht optimal unterwegs». Dies sei problematisch, da E- Government «ein zentrales Element für gutes Funktionieren eines digitalen Marktes» sei. Er kritisierte, dass weder Wirtschaft noch Gesellschaft die zentrale Rolle von E- Government bisher verstanden hätten. Daher würden viele Vorhaben nicht konsequent genug eingefordert oder es fehle an Unterstützung für die Behörden. Weiter kritisierte er das Verhalten von Unternehmen, Politik und Medien bei gescheiterten Projekten. Diese seien «gerne bereit, nicht erfolgreiche Vorhaben toll in die Pfanne zu hauen», sagte er weiter. Er plädierte für mehr Mut im Bereich E- Government. Laut Spichiger kommt E-Government in der Schweiz nur langsam voran. Dennoch seien die Bürger zumeist sehr zufrieden mit den E-Government-Angeboten. Auch scheint die Zusammenarbeit zwischen den Behörden oft besser zu funktionieren als in anderen Ländern. Die Schweiz habe noch einen weiten Weg vor sich. Die Ziele seien jedoch nicht unerreichbar. Daher schloss er seine Ausführungen mit den Worten: «Packen wir’s an!» Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcodes 6587, 6336 03 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Business Nachgefragt 17 «Die Sozialisierung ging damals noch ohne Facebook» Markus Kammermann ist Gründer des IT-Dienstleisters Kabera Brainware. Er gibt seit über 25 Jahren Informatikkurse und schreibt Fachliteratur über System-, Server- und Netzwerktechnik. Im Gespräch mit der Redaktion erklärt er, wie sich die Bedürfnisse der Kunden verändert haben – und was Informatik mit der Kirche zu tun hat. Interview: Marcel Urech Sie haben Theologie studiert und sind nun ICT-Ausbilder und Buchautor. Wie kommt man von der Theologie zur IT? Markus Kammermann: Meine Professoren an der Uni Basel weigerten sich, meine handgeschriebenen Arbeiten anzunehmen. So schaffte ich mir 1986 meinen ersten DOS- PC mit 24-Nadeldrucker an. Nach zwei Tagen hatte ich das Teil zerstört – irgendwas mit «Nullspur» und «Defekt» wurde mir erklärt. So begann ich, mich mit der Materie zu befassen. Im Abschlussjahr gestaltete ich bereits die IT der dortigen Kirchgemeinde um. Sehen Sie Parallelen zwischen der Kirche und der Informatik? Ich muss vorausschicken, dass ich im Service und Support und nicht in der Entwicklung arbeite. Das ist ein wichtiger Unterschied in der Beurteilung von Informatik. Ob Kirche oder IT: In beiden Fällen ruft man dich nur, wenn es ein Problem gibt. Nur glauben sie dir in der IT eher, dass du helfen kannst. Von daher ist der Unterschied nicht wirklich gross. Sie geben seit 1990 IT-Kurse. Was hat sich seither verändert? Hektik, Zeit- und Kostendruck haben ein anderes Ausmass erreicht. 1991 bis 1993 hatten wir in Wald/ZH ein Kurslokal für Mitarbeitertrainings, und ich holte als IT-Beauftragter alle Mitarbeitenden am Bahnhof ab. Dann hatten wir einen oder zwei Tage Kurse und Mittagessen. Die Sozialisierung ging ohne Facebook und trotzdem erreichten alle ihre Lernziele. Heute sind Grundlagenkurse tot, ersetzt durch Youtube und Videos. 1991 nahm ich den Mitarbeitenden die Olivetti weg und setzte ihnen einen IBM-PC vor. Ich werde mich ewig dafür schämen, dass ich den Nadeldrucker als Fortschritt gegenüber dem Schriftbild der Kugelkopf-Schreibmaschine verkaufen musste. Damals war das ein System- und Kulturwechsel. Heute sind neue Systeme für die meisten nur noch ein Versionswechsel. 1997 gründeten Sie die Kabera Brainware. Was bietet Kabera an? Wir sind ein typischer Dienstleister. Wir übernehmen für zahlreiche Kunden die IT-Betreuung. Wir sind weder Bastellager noch Billiganbieter, sondern sprechen Kunden an, die Zuverlässigkeit und Konstanz wünschen, und ein Gegenüber, das mit ihnen die Informatik langfristig effizient betreibt. « Ob Kirche oder IT: In beiden Fällen ruft man dich nur, wenn es ein Problem gibt. » Markus Kammermann, Theologe und ICT-Ausbilder Sie haben Fachliteratur über System-, Server- und Netzwerktechnik veröffentlicht. Ist die Konkurrenz hier nicht riesig? Ja und nein. Mein Spezialgebiet sind die Module für die höhere Berufsbildung Informatik und die Zertifizierungen des weltweit grössten Fachverbands Informatik. In beiden Feldern ist die Konkurrenz in deutscher Sprache überschaubar. Wir müssen aber auch sehen, dass der deutsche Sprachraum nicht sehr gross ist. Fachbücher machen rund 10 Prozent des Buchmarktes aus, da bleibt nicht viel übrig – eine grosse Konkurrenz würde nicht überleben. Ihr Buch CompTIA A+ hat fast 700 Seiten. Wie lange brauchten Sie, um dieses Werk zu vollenden? Das Schreiben eines Buchs ist ein evolutionärer Prozess. A+ diskutierte ich mit einer Freundin vor über zehn Jahren – und dann begann ich zu schreiben. Die Version 1.0 erschien 2007 als Lehrmittel und als 1. Auflage 2010. An jeder neuen Auflage schreibe ich aber mehrere Wochen, oder wie im Fall von Network+ letztes Jahr mehrere Monate. Wie beliebt sind die CompTIA-Zertifizierungen in der Schweiz? Die Schweiz hat ein gutes duales Berufsbildungssystem. Der Bedarf ist bei uns geringer als in anderen Ländern. Gerade in den USA, dem Nahen Osten und Asien ist Comp- TIA aber ein wichtiger Bestandteil des Berufsmarktes. In der Schweiz gibt es mehrere hundert Zertifizierungen pro Jahr, in Japan etwa gleich viele pro Woche. Mit Kabera Brainware haben Sie einen Verlag gegründet. Warum? Der Markt für die Lehrmittel bewegt sich nicht gerade im Tausender-Bereich pro Jahr, dennoch möchten wir regelmässig nachgeführte Produkte anbieten. Mit der Möglichkeit von Book on Demand und Edubook als Partner ist das möglich. Dieses Jahr treten wir aber erstmals auch im englischsprachigen Raum auf. Und hier wiederum hat unser bisheriger Verlag MITP keine Ambitionen. Er hat uns aber das Recht zur Übersetzung überlassen. Also Zeit, um als Verlag selbst anzutreten, auch mit anderen Autoren zusammen, die Bücher entwickeln. Artikel online: www.netzwoche.ch ▸ Webcode 6632 www.netzwoche.ch © netzmedien ag 03 / 2016

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