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Netzwoche 03/2018

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24 Web Titelgeschichte

24 Web Titelgeschichte Die Schweizer Game-Branche zwischen Hoffen und Bangen Die Schweizer Game-Branche gedeiht und geniesst einen guten Ruf. Doch die Szene hat Sorgen. Die Game-Designer er hoffen sich mehr Unterstützung, auch durch die Politik. Der Standort Schweiz könnte den Anschluss zum Rest Europas endgültig verlieren, wenn sich nicht bald etwas tut. Autor: Simon Mathis 2017 setzten Schweizer Videospiele ungefähr 50 Millionen Franken um. In der Schweiz tummeln sich die Start-ups. Sie beschäftigen sich mit künstlicher Intelligenz, Fintech oder E-Health. Immer enger vernetzen sie sich mit Grossunternehmen, die von neuen Impulsen profitieren wollen. Es war vor drei Jahren, da standen die Game-Start-ups im Rampenlicht. Das Medieninteresse flackerte auf, als Parlamentarier 2015 beim Bundesrat einen Vorstoss zur Game-Förderung einreichten. Seither ist es ruhiger geworden um die Videospiel-Branche. 2018 könnte nun ein Schicksalsjahr für Game-Entwickler werden. Im Frühling wird der Bundesrat seinen «Bericht über das Potenzial der Schweizer Game- Industrie» veröffentlichen. Dem fiebert die Szene entgegen und verspricht sich neue Impulse. Trotz Prestige und Auszeichnungen blicken Schweizer Game-Designer mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Im Schatten des Giganten Dabei sieht die Game-Welt in der Schweiz lebhaft und gesund aus: Rund 80 Start-ups haben sich hier der Entwicklung von Videospielen verschrieben. 2017 setzten sie ungefähr 50 Millionen Franken um, wie der Verband Swiss Game Developers Association (SGDA) schätzt. Die SGDA hat bisher knapp 250 Schweizer Spiele dokumentiert. Sie bedienen alle möglichen Plattformen, von Windows, Mac, iOS, An droid, Xbox One zu Playstation 4. Die Schweizer Game-Metropolen sind Zürich, Lausanne und Genf. An der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) haben seit 2004 fast 200 Studierende eine Ausbildung in Game-Design abgeschlossen. Ungefähr ein Drittel davon sind Frauen. Der Gigant in der Schweizer Game-Industrie ist Giants Software mit Sitz in Schlieren. Das Unternehmen entwickelt den «Landwirtschaftssimulator». Er ist ein globaler Erfolg und ein Schwergewicht im europäischen Markt. Die Bauernhofsimulation brachte bisher über 8 Millionen Franken ein. Rund 5 Millionen Downloads verzeichnet das Spiel in seinen unterschiedlichen Versionen, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten berichtet. Was tut sich im Schatten des Riesen aus dem Kanton Zürich? Immer mehr, wie es scheint. «Aus kleinen Einzelentwicklern hat sich eine grosse Anzahl von KMUs entwickelt, die lokal erfolgreich Spiele entwirft und weltweit vertreibt», erklärt Matthias Sala, Präsident der SGDA. Zu den aufstrebenden Namen gehört das Zürcher Start-up Stray Fawn Studio. Das Unternehmen beschäftigt sechs Mitarbeiter und entwickelt das Strategiespiel «Niche – A Genetics Survival Game». Darin kann man eine eigene Spezies erschaffen und ihr beim Überleben helfen. Bisher verkaufte sich das Spiel über 75 000 Mal und generierte einen Netto-Umsatz von 880 000 Franken. Das klingt nach einer beachtlichen Summe. «Aber sie reicht noch lange nicht, um das Geld auf Halde zu legen», sagt Philomena Schwab, Mitgründerin des Unternehmens. Auch die Firma Blindflug Studios macht von sich reden. Ihr Game «First Strike: Final Hour» ist ein voller Erfolg. Der Umsatz des Spieles beträgt knapp 750 000 Franken. Es hat sich auf Mobile-Geräten und PCs insgesamt fast 270 000 Mal verkauft. Das Echtzeit-Strategiespiel lässt den Nutzer in die Rolle einer Atommacht schlüpfen und um das Schicksal der Erde taktieren. Blindflug Studios beschäftigt sieben Mitarbeiter und ist ebenfalls in Zürich beheimatet. Das Unternehmen plant zurzeit eine Expansion ins Ausland, wie CEO Moritz Zumbühl verrät. Die grösste Erfolgsgeschichte neben Giants dürfte Urban Games aus Schaffhausen geschrieben haben. Ihr Transport-Management-Spiel «Transport Fever» hat sich über 300 000 Mal verkauft. Der Umsatz des Games beläuft sich auf 4,4 Millionen Franken. Für Urban Games arbeiten zehn Personen. Zwischen Kreativität und Wirtschaft «Schweizer Studios gewannen weltweit über 150 Preise», sagt Philippe Bischof, Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia. «Darunter viele sehr bedeutende an renommierten Festivals und Konferenzen.» Neben dem SGDA Game Award vergibt etwa Best of Swiss Apps einen Preis in der Kategorie Games. Pro Helvetia unterstützt seit 2010 Videospiel-Projekte und hat sich seither als Hauptförderin in diesem Bereich hervorgetan. Laut eigenen Angaben investierte Pro Helvetia bisher über 1,3 Millionen Franken in die direkte Förderung von Game-Projekten. Pro Helvetia ist zwar für die Förderung von Kunst und Kultur zuständig. Ausser Kriterien wie Qualität und Innovation ist im Bereich der Games allerdings auch Markttauglichkeit gefragt. So will es die Kulturbotschaft des Bundes für die Jahre 2016 bis 03 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web Titelgeschichte 25 2020, die grossen Wert auf die Schweizer Kreativwirtschaft legt. Wer sich mit einem Game bei Pro Helvetia bewirbt, muss einen Business- und Marketingplan einreichen. Ist diese Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz nicht heikel? «An den Schnittstellen zwischen Kultur, Technologie und Wirtschaft eine nachhaltige und wirkungsvolle Fördertätigkeit zu entwickeln, war und ist eine grosse Herausforderung, die viel Austausch mit Partnern und ständige Entwicklungsbereitschaft erfordert», sagt Bischof. Gewünscht sei eine Verbindung zwischen «Kreation, Innovation und Markt». Eine Synthese also zwischen ästhetischem und wirtschaftlichem Potenzial. Vom Studium in die Geschäftswelt In seiner Kulturbotschaft von 2014 bemängelte der Bund, dass zu viele Fachkräfte ins Ausland abwanderten. Die Situation hat sich anscheinend nicht merklich verbessert. Es gebe in der Schweiz zu wenige Jobs für Game-Designer, sagen mehrere Branchenvertreter. Das sei auch der Grund, weshalb frischgebackene Entwickler ihr Glück zuweilen im Ausland suchen – etwa in Deutschland oder in den USA. Die Krux liegt gemäss Philomena Schwab im Übergang vom Studium ins Geschäftsleben. Nicht alle Abgänger des Stu diengangs Game-Design erhielten eine Stelle in der Videospiel-Branche. «Sie werden zum Beispiel 3-D-Architekten, Programmierer, Grafiker oder Interaction Designer», sagt die Mitgründerin von Stray Fawn Studio. Dass Game-Entwickler in branchenverwandte Jobs abwandern, sei an sich noch kein Problem. «Wir halten es im Gegenteil sogar für sehr erfreulich, dass sich so viele Abgänger erfolgreich entweder direkt in der Game-Branche oder in der nah erweiterten Medienbranche behaupten», sagt Ulrich Götz, der die Fachrichtung Game-Design an der ZHdK leitet. Schweizer Games und Schweizer Käse Es gibt einiges, was den Standort Schweiz glänzen lässt. Mit den tiefen Steuern fängt es an. Die Entwicklerszene ist jung, gut ausgebildet und gut verknüpft – das sagt sie zumindest von sich selbst. Die Krux liegt im Übergang vom Studium ins Geschäftsleben. Illustrationen: Aurielaki / fotolia.com; Freepik.com

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